Inhaltsverzeichnis:
I. Weshalb Berlin? 1
II. Berlin früher 1
1. Bildungsreisen 1
2. Schriftsteller 3
a) Andersen 3
b) Kierkegaard 3
c) Brandes 4
aa) Der Weg nach Berlin 4
bb) Berlinberichte 5
cc) Die Zeit danach 6
d) Weitere Schriftstellerinnen und Schriftsteller 7
3. Andere Kunstformen 7
4. Zum Schwarzen Ferkel 8
5. Skandinavische Gemeinden 9
III. Berlin dazwischen 10
1. Schriftsteller 10
2. Andere Kunstformen 11
IV. Berlin heute 12
1. Schriftsteller heutzutage 12
2. Aktuelle Kunstprojekte und andere Ausprägungen 13
3. Zehn zeitgemäße Gründe 14
a) Geographische Lage 14
b) Kulturstadt Berlin 14
c) Kulturelle Verwandtschaft 14
d) Preisniveau 15
e) Ständiger Identitätswandel 15
f) Vielfältigkeit 15
g) „Melting Pot“ 15
h) Berlin ist nicht Deutschland 15
i) Wachstumspotential 16
j) Kontraste 16
V. Deshalb Berlin 16
II
Abkürzungsverzeichnis:
bzgl. = bezüglich
bzw. = beziehungsweise DJ = Diskjockei etc. = et cetera f. / ff. = folgende / mehrere folgende GG = Grundgesetz Hg. = Herausgeber Mio. = Millionen S. = Seite vgl. = vergleiche z.B. = zum Beispiel
III
Berlin: Von der skandinavischen Hauptstadt zur skandinavischen Hauptstadt
I. Weshalb Berlin?
Weshalb Berlin?
Welche Umstände führten und führen dazu, dass Berlin auch als skandinavische Hauptstadt bezeichnet wurde bzw. wird?
Hierbei spielt, wie die vorangehende Fragestellung schon implementiert, nicht nur die Gegenwart eine Rolle, sondern auch die Vergangenheit. Was hat Berlin für die Skandinavier so interessant gemacht, warum und wie lange gab es einen Bruch dieses Interesses und welche Faktoren haben zum heutigen Status Berlins in skandinavischen Augen geführt? Eine solche Betrachtung reicht somit von den früheren klassischen Bildungsreisenden über die Zeit der Weltkriege und der deutschen Teilung bis zum jetzigen Tage mit seinen flexiblen Lebenskonzepten und seinem Massentourismus.
II. Berlin früher
Die Frage danach, was Berlin früher, explizit im 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, da zu dieser Zeit die Großstadtthematik an Bedeutung erlangte, so interessant gemacht hat, lässt sich durch einen Blick auf die skandinavischen Bildungsreisenden beant-worten, welche sich zum Teil in diese Stadt aufgemacht haben.
1. Bildungsreisen
Im 18. bzw. 19. Jahrhundert entwickelte sich allmählich die Thematik der Bildungsreisen heraus, da es nun möglich war, individuell die Welt zu erkunden, Mittel und Wege vorausgesetzt. Es gab ab dieser Zeit, von der Postkutsche mal abgesehen, noch bis dato nicht mögliche Transportarten, sei es nun die Schifffahrt in ihrer Weiterentwicklung oder später die Eisenbahn. Zwar waren diese Wege nach wie vor für die meisten Leute unerschwinglich, was aber dazu führte, dass eine Reise einen ganz anderen Stellenwert hatte und daher zumeist mit einem Sinn verbunden wurde. Von den wenigen Kurreisen aus gesundheitlichen Gründen abgesehen, blieb somit nur das Reisen als Bildungsangebot, da der bloße Tourismus bzw. Massentourismus erst viel später (mit der Eisenbahn) mit fallenden Beförderungspreisen einsetzen sollte. Und da auch die etwaigen Bildungsreisenden ihrer Profession nachkommen mussten,
1
entstand wie selbstverständlich die Reiseliteratur, in der das Erlebte verarbeitet und vorgestellt bzw. vermittelt werden sollte.
Hinzu kam und kommt der entscheidende Aspekt, dass eine Reise die Sicht des Reisenden, außen und innen, verändern soll, er sich somit durch das Betrachten einer anderen Kultur und im Optimalfall das Einleben in eine solche fortbilden und entwickeln soll. 1 Dies schlägt sich zumeist auch in den entsprechenden Werken nieder, auf die das Reisen selbst, aber ebenso die angetroffenen Personen sowie andere Eindrücke einen Einfluss haben. 2 Diese Erkenntnisse festhaltend entstand so eine literarische Gattung in Form des Reiseberichts, der uns Aufschluss über die Reise bzw. den Aufenthalt an sich gibt, über den Reisenden und über das Ziel, also das Bereiste. 3 Dabei ist die einzelne Ausprägung natürlich kaum zu erfassen, da gerade die subjektive Komponente des Reisenden dazu führt, dass jede Literatur in diesem Bereich ein von Regeln unabhängiges Einzelwerk darstellen kann und darf, gerade auch in den unterschiedlichen Grenzen der Unterhaltung und der Wissensvermittlung. Für viele skandinavische Bildungsreisende lag dabei Berlin immer nur auf der Route zu anderen Zielen, aus dem Norden kommend musste man oft zwangsläufig dort durch, wie es z.B. auch Hans Christian Andersen gehalten hat. 4 Deutschland selbst war das Ziel als Land vieler geachteter Gelehrter und auf Grund der geographischen Nähe in Ermangelung einfacher und schneller Fortbewegungsmöglichkeiten über lange Distanzen. 5
Gleichwohl hatte Berlin auch in früherer Zeit mehrere Wechsel durchlebt, wie z.B. 1871 als Hauptstadt des neuen Kaiserreichs, als Wiege neuer politischer und gesellschaftlicher Ideen zur Zeit der Weimarer Republik 6 sowie als geschichtsträchtiges Symbol des Kalten Krieges. 7 All solche, doch recht weitgreifenden Veränderungen sind gerade für Bildungsreisende mit dem Anspruch, sich durch das Reisen in die Ferne selbst zu verändern und fortzuentwickeln, geradezu als Erfahrungsschatz prädestiniert.
1 Vgl. dazu grob auch Bödeker/Bauerkämper/Struck, Einleitung: Reisen als kulturelle Praxis, in: Bauerkämper/Bödeker/Struck (Hg.), Die Welt erfahren - Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute, S. 13 f.
2 Vgl. dazu auch den Ansatz bei Heitmann, Skandinavische Schriftstellerinnen in Deutschland, in: Henningsen/Klein/Müssener/Söderlind (Hg.), Wahlverwandtschaft - Skandinavien und Deutschland 1800 bis 1914, S. 206.
3 Bödeker/Bauerkämper/Struck, Einleitung: Reisen als kulturelle Praxis, in: Bauerkämper/Bödeker/Struck (Hg.), Die Welt erfahren - Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute, S. 21 ff.
4 Glienke, Forvandlingens by - Dänische Berlin-Literatur, in: Metropolis und nordische Moderne, S. 165 f.
5 Heitmann, Skandinavische Schriftstellerinnen in Deutschland, in: Henningsen/Klein/Müssener/Söderlind (Hg.), Wahlverwandtschaft - Skandinavien und Deutschland 1800 bis 1914, S. 206.
6 Man beachte dazu die in Teilen auch heute noch gültige, durch Art. 140 GG in die deutsche Verfassung inkor-porierte, Weimarer Reichsverfassung.
7 Glienke, Forvandlingens by - Dänische Berlin-Literatur, in: Metropolis und nordische Moderne, S. 166.
2
2. Schriftsteller
Vorwiegend beschränkte sich der Austausch bzw. das skandinavische Interesse an Berlin bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges auf das Schriftstellertum und weniger auf andere Künste.
a) Andersen
So kam z.B. Hans Christian Andersen des Öfteren nach Deutschland. Zwar war Berlin nie sein Hauptziel, dennoch besuchte er die Stadt als Zwischenstation von Zeit zu Zeit auf seinen Reisen von 1831 an viele Jahre. 8 Dabei lernt er unter anderem auch neue Kreise von Dichtern kennen, so etwa durch Adalbert von Chamissos, der später auch Texte von Andersen übersetzt hat und diesen in Deutschland vorstellte. 9 Ebenso verfasst er dort durch die Gegebenheiten inspirierte Gedichte, wie etwa Phantasier og Skizzer. Bei weiteren Aufenthalten besuchte er für Gespräche auch Jacob Grimm, Friedrich Wilhelm Schelling, Henrik Steffens, Alexander von Humboldt, Giacomo Meyerbeer, Bettina von Arnheim, Friedrich Karl von Savigny, Julius Reuscher, Emanuela Geibel, auch Wilhelm Grimm, Jenny Lind, Carolina Bardua und zu hohen Ehren Friedrich Wilhelm IV zu Preußen. 10
Andersen kam es folglich in erster Linie auf einen Austausch mit anderen Menschen an, um seinen Horizont dadurch zu erweitern und auch ein grenzüberschreitendes Zusammenwachsen der Kulturen zu fördern. Der klassische Bildungsreisende also.
b) Kierkegaard
Søren Kierkegaard wird zuweilen als größter Denker des Nordens bezeichnet 11 und hielt sich zumeist in Kopenhagen auf, ohne dieses oft zu verlassen 12 . Dennoch suchte er sich für seine spärlichen Reisen gerade Berlin aus und das gleich viermal in den Jahren 1841-1846. Dies lag zum großen Teil an den dortigen internationalen Kontakten, den günstigen Arbeitsbedingungen und der fachlichen Anziehungskraft der Stadt. Aber auch die literarische Verarbeitung seiner eigenen Erfahrungen gelingt ihm dort, mit dem nötigen Abstand zur Heimat. Ausschlaggebend war gerade unter der Prämisse einer Bildungsreise nach seiner Magisterpromotion natürlich die örtliche Universität, an welcher zu dieser Zeit unter anderen auch der Nor-
8 Vgl.zu den Daten und Personen sowie den Reiserouten Steffen, Hans Christian Andersen - Seine Reisen und Kontakte im deutschsprachigen Raum - Ein tabellarischer Überblick mit Tagebuchauszügen.
9 Möller-Christensen, Hans Christian Andersen und Deutschland, in: Henningsen/Klein/Müssener/Söderlind (Hg.), Wahlverwandtschaft - Skandinavien und Deutschland 1800 bis 1914, S. 214.
10 Vgl. zu den Daten und Personen sowie den Reiserouten Steffen, Hans Christian Andersen - Seine Reisen und Kontakte im deutschsprachigen Raum - Ein tabellarischer Überblick mit Tagebuchauszügen.
11 Glienke, Kierkegaard in Berlin, in: Metropolis und nordische Moderne, S. 67.
12 Glienke, Forvandlingens by - Dänische Berlin-Literatur, in: Metropolis und nordische Moderne, S. 166.
3
weger Henrik Steffens lehrte. Kierkegaard studierte somit weiter und schrieb bei seinen Berlin-Aufenthalten z.B. Enten-Eller oder Gjentagelsen, erstes ein Roman, zweites eine Art Reise-Novelle zwischen Kopenhagen und Berlin. 13 Nur als Reisender scheint er dabei sensibel genug für neue Eindrücke zu sein, was ja gerade Ziel einer Bildungsreise ist. 14 Berlin war für Kierkegaard akademisch und experimentell. Es bedurfte für ihn des Unterschiedes zwischen Kopenhagen und Berlin, welcher sich in der Größe und der Einwohnerzahl findet (100.000 : 400.000), der gewachsenen Struktur gegenüber der planmäßig angelegten, der großen Unterschiede innerhalb der Grenzen Berlins in den verschiedenen Vierteln, der Industrie und Kultur Berlins und zu guter letzt der Fremdheit im Vergleich zu seiner Heimat. 15
c) Brandes
Berlin gehörte zwar nie zu den Lieblingsorten Georg Brandes 16 , was nicht zuletzt am von ihm mit seinen jüdischen Wurzeln wahrgenommenem Antisemitismus und dem in seinen Augen fehlendem künstlerischen Wert der so genannten angebotenen Kultur lag 17 , dennoch führte sein Aufenthalt dort von 1877-1883 zu seinem über 500 Seiten starken Werk über die deutsche Reichshauptstadt, welches aus seinen Beiträgen an diverse skandinavische Zeitschriften entstand.
aa) Der Weg nach Berlin
Doch erst einmal musste es Brandes nach Berlin verschlagen. Dies begab sich zu einer Zeit, in der sich das geistige Leben in Dänemark in einer Art Stillstand befand. Nach den Erfahrungen mit Henrik Steffens wollte man Brandes keine heimische Professur antragen, dies geschah dann erst 1882/83, damit dieser nicht seine Ideen aus Paris verbreiten konnte. 18 So hatte er zwar immer Einfluss, z.B. durch das ins Leben rufen einer Literarischen Linken Gesellschaft und dem Bemühen darum, großer Literatur die Grenzüberschreitung zu ermöglichen 19 , dennoch verschlug es ihn nach Berlin, wo er schon seit 1868 mehrere regelmäßige Aufenthal-
13 Glienke, Kierkegaardin Berlin, in: Metropolis und nordische Moderne, S. 67 ff.
14 Siehe dazu schon oben bei II. 1.
15 Glienke, Kierkegaard in Berlin, in: Metropolis und nordische Moderne, S. 74 f.
16 Glienke, Forvandlingens by - Dänische Berlin-Literatur, in: Metropolis und nordische Moderne, S. 168.
17 Fuchs, Skandinavische Autoren im Berliner Kulturleben der Jahrhundertwende, in: Henningsen/Klein/Müssener/Söderlind (Hg.), Wahlverwandtschaft - Skandinavien und Deutschland 1800 bis 1914, S. 340.
18 Glienke, Gründerjahre eines Großkritikers - Der Däne Georg Brandes in Berlin, in: Metropolis und nordische Moderne, S. 177 ff.
19 Siehe nur sein sechsbändiges Werk: Die Hauptströmungen der Literatur des 19. Jahrhunderts.
4
Arbeit zitieren:
Norman Frick, 2011, Berlin: Von der skandinavischen Hauptstadt zur skandinavischen Hauptstadt, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Skandinavistik: Berlin: Von der skandinavischen Hauptstadt zur skandinavischen Hauptstadt ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Skandinavistik: neuer Titel erschienen: Berlin: Von der skandinavischen Hauptstadt zur skandinavischen Hauptstadt
Norman Frick hat einen neuen Text hochgeladen
Sympathisch und natürlich wohn...
Sara Norrman, Caroline Clifton-Mogg, Magnus Englund, Chrystina Schmidt, Wiebke Krabbe
Originalrezepte aus Mittsommer...
Trina Hahnemann, Lars Ranek, Natascha Afanassjew
Das Wohndesign des Nordens
Lars Bolander, Brigitte Beier, Heather Smith MacIsaac
45 genähte Lieblingsstücke zum...
Tone Merete Stenklov, Miriam Nilsen Morken, Maike Dörries
Skandinavische Weihnachtsträume
Dekoideen zum Selbermachen aus...
Nadja Knab-Leers, Patricia Morgenthaler, Armin Täubner
0 Kommentare