Wiederholen der Fragen, wie die Wohnung in den dritten Stock gekommen sei und ob die Nachbarn etwas davon bemerkt hätten, weist auf die große Verunsicherung, Verstörtheit und Angst der Ich-Figur hin.
Mit dem Satz: „Ich wohne jetzt im Keller.“ beginnt der zweite Abschnitt der Erzählung. Niemandem erscheint es merkwürdig, dass die Hauptperson im Keller wohnt; weder ihrem Mitbewohner, noch sonst jemandem.
Mit ein wenig Ironie bemerkt die Ich-Figur, dass „die Aufräumefrau“ nun nicht mehr in den Keller gehen müsse, um Kohle zu holen und nicht mehr so viel putzen müsse, da ohnehin alles mit Kohlenstaub bedeckt war.
Die Ich-Figur wirkt nun viel gelassener als im ersten Teil der Geschichte. Es scheint so als habe sie sich mit der Tatsache abgefunden im Keller zu wohnen. Sie freundet sich auch mit dem Gedanken an, bald im Kanal des Wohnhauses zu wohnen, denn daran ändern könne sie sowieso nichts und außerdem könne sie dann nicht mehr tiefer sinken, denn nach dem Kanal ist das Haus zu Ende.
Die Sprache des Textes ist die einfache Standardsprache. In relativ kurzen Sätzen wird das Geschehen durch den inneren Monolog des Ich-Erzählers geschildert. Die Handlung der Kurzgeschichte an sich ist paradox und ein wenig ironisch.
Ich persönliche denke, dass der Text auf die Angst verdrängt zu werden, auf Entfremdung, Unsicherheit und Machtlosigkeit anspielt.
Im ersten Teil der Erzählung ist die Hauptperson sehr verunsichert und ängstlich. Diese Emotionen, vor allem aber die Hilflosigkeit werden besonders hervorgehoben durch den inneren Monolog der Hauptperson. Menschen halten meist Zwiesprache mit sich selbst, wenn sie verunsichert sind und sich an niemand anderen als an sich selbst wenden können. Die Hauptperson fürchtet von den anderen Bewohnern des Hauses für verrückt erklärt zu werden, wenn sie sich über ihren Umzug beschwert oder zu viele Fragen stellt. Dies könnte auch eine Kritik an der Gesellschaft sein; denn wer zu viele, womöglich unangenehme Fragen stellt, ist hier nicht erwünscht.
Ich denke, dass Ilse Aichinger mit ihrer Erzählung sogar auf Existenzängste anspielt: Was wäre, wenn ich ganz plötzlich verschwinden würde? Würde es jemandem auffallen? So wie es eben keiner Menschenseele merkwürdig vorkommt, dass die Ich-Figur vom vierten in den dritten Stock und später in den Keller zieht.
Im zweiten Teil des Textes geht es mehr um Resignation, das Hinnehmen der eigenen Machtlosigkeit und das Akzeptieren des Unausweichlichen.
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Arbeit zitieren:
Evelyne Fröstl, 2008, Ilse Aichinger - Wo ich wohne: Eine Textinterpretation, München, GRIN Verlag GmbH
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