Methodik und Aussagefähigkeit des Kennzahlen-
Controllings für die Geschäftsführung
Bachelorarbeit
Hochschule
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Studiengang: Bachelor in Business Administration
Sommersemester 2010
Inhaltsverzeichnis
II
I
NHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis _____________________________________ II
Abkürzungsverzeichnis __________________________________
IV
Abbildungsverzeichnis _________________________________
VI
1
Problemstellung ___________________________________ 1
2
Kennzahlen und ihre Unterteilungen _________________ 2
2.1
Investitionskennzahlen _____________________________________ 3
2.1.1
Anlagenintensität (Anlagequote) ____________________________________ 4
2.1.2
Investitionsquote ________________________________________________ 4
2.1.3
Nettoinvestitionsdeckung __________________________________________ 5
2.1.4
Abschreibungsquote ______________________________________________ 5
2.2
Finanzierungskennzahlen ___________________________________ 5
2.2.1
Eigenkapitalquote ________________________________________________ 6
2.2.2
Anlagendeckung ersten und zweiten Grades ___________________________ 6
2.2.3
Working Capital _________________________________________________ 7
2.2.4
Debitorenziel-, Kreditorenziel- und Lagerdauer in Tagen _________________ 8
2.3
Liquiditätskennzahlen _____________________________________ 9
2.3.1
Liquidität ersten Grades ___________________________________________ 9
2.3.2
Liquidität zweiten Grades _________________________________________ 9
2.3.3
Liquidität dritten Grades _________________________________________ 10
2.3.4
Schuldtilgungsdauer in Jahren _____________________________________ 10
2.4
Rentabilitätskennzahlen ___________________________________ 10
2.4.1
Umsatzrentabilität ______________________________________________ 11
2.4.2
Eigenkapitalrentabilität __________________________________________ 11
2.4.3
Gesamtkapitalrentabilität _________________________________________ 11
2.4.4
Return on Investment (ROI) ______________________________________ 12
2.4.5
Return on Capital Employed (ROCE) _______________________________ 13
2.5
Erfolgskennzahlen ________________________________________ 14
2.5.1
Materialintensität, Warenintensität und Personalintensität _______________ 14
2.5.2
Fremdkapitalzinsen in Prozent der Betriebsleistung ____________________ 14
2.5.3
Abschreibung in Prozent der Betriebsleistung _________________________ 14
2.5.4
Cash-Flow in Prozent der Betriebsleistung ___________________________ 15
2.5.5
Deckungsbeitragsrate (DBU), Break-Even-Point (BEP), ________________ 16
2.5.6
Cash-Flow-Point (CFP), Zielumsatz (ZU) ____________________________ 19
2.6
Quicktest _______________________________________________ 22
3
Kennzahlensysteme _______________________________ 29
3.1
Das DU PONT-Kennzahlensystem __________________________ 29
3.2
Das ZVEI-Kennzahlensystem ______________________________ 30
3.3
Das RL-Kennzahlensystem _________________________________ 31
3.4
Das PIMS- Kennzahlensystem ______________________________ 33
4
Multiple Diskriminanzanalyse ______________________ 35
4.1
Multiple Diskriminanzanalyse, vereinfachte Methode __________ 35
Inhaltsverzeichnis
I
4.2
Multiple Diskriminanzanalyse, nach Beermann _______________ 36
4.3
Multiple Diskriminanzanalyse, nach Bleier ___________________ 38
4.4
Die Faktorenanalyse von Weinrich __________________________ 45
4.5
Das RISK-Früherkennungssystem __________________________ 46
5
Zusammenfassung und Entwicklungstendenzen _______ 48
Literaturverzeichnis ____________________________________ 50
Abkürzungsverzeichnis
V
A
BKÜRZUNGSVERZEICHNIS
% Prozent
< kleiner
als
> größer
als
§ gerundet
kleiner/gleich
größer/gleich
Euro
AfA
Absetzungen für Abnutzung
BEP Break-Even-Point
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
CFP Cash-Flow
Point
d.h. das
heißt
DB Deckungsbeitrag
DBU Deckungsbeitragsrate
Dr. Doktor
e. V.
eingetragener Verein
EBIT
Earings before Interest and Taxes
EGT Ergebnis
der
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
ERP
Enterprise Resource Planning
evtl. eventuell
Frankfurt/M. Frankfurt
am
Main
GE Geldeinheiten
ggf. gegebenenfalls
GuV
Gewinn und Verlust
HGB Handelsgesetzbuch
i.e.S.
im engeren Sinn
IAS
International Accounting Standards
insb. insbesondere
K
f
Fixkosten
k
v
variable
Kosten
L+L Lieferung
und
Leistung
Abkürzungsverzeichnis
V
LJ laufendes
Jahr
Mio. Millionen
MU Mindestumsatz
o.g. oben
genannte/er
p Preis
p.a. pro
anno
PIMS
Profit Impact of Market Strategy
Prof. Professor
RL-Kennzahlensystem Rentabilitäts-Liquiditäts-Kennzahlensystem
ROCE
Return on Capital Employed
ROI Return
on
Investment
ROS
Return on Sales
s. siehe
SAP
Systeme, Anwendungen und Produkte
sonst. sonstige
u.a. unter
anderem
US-GAAP
United States Generally Accepted Accounting
Principles
usw.
und so weiter
vgl. vergleiche
VJ Vorjahr
VVJ Vor-Vor-Jahr
x Menge
z.B. zum
Beispiel
ZU Zielumsatz
ZVEI
Zentralverband der Elektrotechnik- und
Elektronikindustrie
Abbildungsverzeichnis
VI
A
BBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Kennzahlenbereiche ____________________________________ 3
Abbildung 2: Return on Investment __________________________________ 12
Abbildung 3:Break-Even-Point ______________________________________ 17
Abbildung 4: Stufenweise Erfolgsrechnung (Praxisbeispiel) _______________ 18
Abbildung 5: Gewinnschwellendiagramm (Praxisbeispiel) ________________ 22
Abbildung 6: Quicktest nach Kralicek ________________________________ 23
Abbildung 7: Quicktest Beurteilungsskala, nach Kralicek _________________ 24
Abbildung 8: Bilanz (Praxisbeispiel)__________________________________ 25
Abbildung 9: GuV (Praxisbeispiel) ___________________________________ 25
Abbildung 10: Quicktest (Praxisbeispiel) ______________________________ 27
Abbildung 11: Kennzahlensysteme ___________________________________ 29
Abbildung 12: Du-Pont-Schema _____________________________________ 30
Abbildung 13: ZVEI-Kennzahlensystem - Grundstruktur _________________ 31
Abbildung 14: RL-Kennzahlensystem (grobe Übersicht) __________________ 32
Abbildung 15: Das erweiterte RL-Kennzahlensystem ____________________ 32
Abbildung 16: Multiple Diskriminanzanalyse, vereinfachtes Verfahren ______ 36
Abbildung 17: Multiple Diskriminanzanalyse nach Beermann______________ 37
Abbildung 18: Cash-Flow-Rechnung nach Bleier ________________________ 39
Abbildung 19: Kapitalflussrechnung nach Bleier ________________________ 40
Abbildung 20: Diskriminanzfunktion für Erzeugnisbetriebe _______________ 41
Abbildung 21: Berechnung der Umsatzausgaben ________________________ 41
Abbildung 22: Diskriminanzfunktion für Leistungsbetriebe ________________ 42
Abbildung 23: Diskriminanzfunktion für Handelsbetriebe _________________ 42
Abbildung 24: Berechnung der betrieblichen Nettoeinnahmen _____________ 43
Abbildung 25: Diskriminanzfunktion für Betriebe ohne Branchengliederung __ 43
Abbildung 26: Klassifizierungsregeln gegliedert nach Branchengruppen _____ 44
Abbildung 27: Faktorenanalyse ______________________________________ 45
Problemstellung
1
1
Problemstellung
Die Geschäftsführer sind aufgrund von sich verschärfenden Wettbewerbs-
situationen einem stetig wachsenden Druck ausgesetzt. Nicht zu Letzt hat auch die
Globalisierung dazu geführt, dass Unternehmen weltweit mit einander
konkurrieren. Um interne-, wie auch externe Ressourcen optimal einsetzen zu
können, findet das Kennzahlencontrolling eine immer größere Gewichtung bei der
Strategiefindung und der Absicherung von Entscheidungen in Unternehmen.
Mithilfe von Kennzahlen ist eine komprimierte und aussagefähige Informations-
übermittlung möglich. Der Einsatz von Informationstechnologie ist dabei zu einer
unabdingbaren Voraussetzung geworden. Durch den Einsatz geeigneter Software
ist die Datenerfassung und auch deren Präsentation um ein vielfaches vereinfacht
und auch beschleunigt. Um eine größere Aussagefähigkeit zu erreichen wurden
ganze Kennzahlensysteme wie z.B. das DU PONT-Kennzahlensystem oder das
ZVEI-Kennzahlensystem entwickelt (hierzu mehr unter dem Gliederungspunkt 3
Kennzahlensysteme auf Seite 29.) Die Schwierigkeit mit dem Einsatz der
Kennzahlen liegt u.a. in der enormen Datenmenge und deren Filterung für das
Wesentliche. Außerdem führen einzelne Kennzahlen zu subjektiven
Beurteilungen, was eine falsche Interpretation zur Folge haben kann. Kaum
Berücksichtigung finden hingegen die sogenannten ,,weichen Faktoren" wie
Servicequalität oder Mitarbeiterzufriedenheit.
Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es, ein Verständnis für die gängigsten
Kennzahlen der Wirtschaft zu entwickeln und die Aussagefähigkeit einzelner
Kennzahlen und Kennzahlensysteme für die Geschäftsführung darzulegen.
Außerdem wird auf die Methodik der multiplen Diskriminanzanalyse einge-
gangen.
Kennzahlen und ihre Unterteilungen
2
2
Kennzahlen und ihre Unterteilungen
Kennzahlen werden als Informationen definiert, welche Sachverhalte und Tatbe-
stände in einer Zahl ausdrücken können. Demnach erfassen sie quantitativ
messbare Sachverhalte in hochverdichteter Form. Zu den wichtigsten Elementen
zählen Informationscharakter, Quantifizierbarkeit und eine spezifische Form der
Information. Unter dem Begriff Informationscharakter wird verstanden, dass
Kennzahlen Beurteilungen über wichtige Zusammenhänge und Sachverhalte
liefern können. Die Quantifizierbarkeit ist eine Eigenschaft von Variablen und
notwendig um Zahlen überhaupt erst erfassen zu können. Bei der spezifischen
Form der Information geht es um die Darstellung der Information, insb. für die
Führungsinstanzen. Kennzahlen sind vielseitige Instrumente, die sowohl interne
als auch externe Anwender für sich gewinnen. Ein Beispiel für einen externen
Anwender könnte eine Bank sein, die das Unternehmen vor der Freigabe eines
Kredites genauer untersuchen möchte (Bonität). Für die interne Anwendung
können Überlegungen im Investitionsbereich anstehen, um bspw. zu berechnen,
ob es sich lohnen würde, ein neues Werk zu errichten.
1
Kennzahlen lassen sich mit dem anschaulichen Beispiel eines Flugzeugcockpits
erklären. Ein Pilot benötigt verlässliche Instrumente, um an sein Ziel zu kommen.
Treibstoffanzeige, Flugrichtung, Flughöhe usw., für den Manager stellen die
Kennzahlen derlei Instrumente dar.
2
In dieser Arbeit wird in Investitionskennzahlen, Finanzierungskennzahlen,
Liquiditätskennzahlen, Rentabilitätskennzahlen und Erfolgskennzahlen
unterschieden. Um diese Unterteilung visuell zu verdeutlichen, folgt die
Abbildung 1 auf der nächsten Seite.
1
Vgl. (Reichmann, 2006, S. 18)
2
Vgl. (Brown, 1996, S. 17)
Kennzahlen und ihre Unterteilungen
3
Analysebereiche des Kennzahlen-Controllings:
Abbildung 1: Kennzahlenbereiche
3
Im Kapitel 2 wird zunächst die Formel der Kennzahl angegeben, um dann die
Aussage und Funktion näher zu erläutern. Zunächst folgen nun unter Kapitel 2.1
die Investitionskennzahlen.
2.1
Investitionskennzahlen
Um offen zu legen, wie stark oder schwach eine Unternehmung Investitionen
vornimmt, werden die Investitionskennzahlen genutzt. Diese werden dann mit
dem Branchendurchschnitt und mit Werten aus Vorperioden verglichen, um eine
Bewertung des Unternehmens vornehmen zu können.
4
3
Entnommen aus: (Stiefl, 2005, S. 101)
4
Vgl. (Külpmann, 2006, S. 68)
Kennzahlen und ihre Unterteilungen
4
2.1.1
Anlagenintensität (Anlagequote)
Formel:
Ú
Die Anlagenintensität gibt an, wie hoch der Anteil des Anlagevermögens am
Gesamtvermögen ist. Da das Anlagevermögen nur relativ schwer zu liquiden
Mitteln umgewandelt werden kann, besteht für das Unternehmen durch eine zu
hohe Anlagenintensität das Risiko, zu unflexibel auf sich ändernde Marktbe-
dingungen reagieren zu können. Außerdem entstehen durch ein großes Anlage-
vermögen hohe Fixkosten für das Unternehmen, wie z.B. durch Abschreibungen,
oder Instandhaltungen. Eine zu niedrige Anlageintensität kann dabei ein Indikator
für bereits stark abgeschriebene und veraltete Anlagen sein kann, jedoch auch ein
Indiz für größere Leasing Engagements.
6
2.1.2
Investitionsquote
Formel:
o.o.Ú
Die Investitionsquote zeigt das Verhältnis zwischen den Nettoinvestitionen des
Anlagevermögens und dem Buchwert des Anlagevermögens am Jahresanfang. Sie
liefert eine Aussage über die Intensität der Investitionstätigkeit des
Unternehmens.
8
5
Vgl. (Kralicek, 1995, S. 84)
6
Vgl. (Heesen & Gruber, 2009, S. 115)
7
Vgl. (Kralicek, 1995, S. 86)
8
Vgl. (Preißler, 2008, S. 119)
Kennzahlen und ihre Unterteilungen
5
2.1.3
Nettoinvestitionsdeckung
Formel:
Ú
o.o.
Diese Kennzahl sagt aus, in welchem Ausmaß die Abschreibungen reinvestiert
wurden, d.h. inwieweit die Investitionen durch Abschreibungen finanziert wurden.
Außerdem ist anhand dieser Kennzahl abzulesen, ob Ersatzinvestitionen oder
zusätzliche Erweiterungsinvestitionen getätigt wurden. Bei einem Wert < 1
wurden neben der reinen Ersatzinvestition zusätzliche Erweiterungsinvestitionen
getätigt. Bei einem Wert > 1 kann davon ausgegangen werden, dass lediglich
Ersatzinvestitionen getätigt wurden.
10
2.1.4
Abschreibungsquote
Formel:
Mit der Abschreibungsquote lässt sich feststellen, ob die Abschreibungen
branchenüblich sind oder nicht. Die Kennzahl beschreibt die prozentuale Höhe der
Abschreibungen bezogen auf das Anlagevermögen. Damit können Informationen
über die durchschnittliche Nutzungsdauer der Anlagegüter gewonnen werden.
12
2.2
Finanzierungskennzahlen
Finanzierungskennzahlen beurteilen und steuern die Finanzierungsstruktur des
Unternehmens.
13
Sie geben u.a. Auskunft über die Art der Zusammensetzung des
Kapitals und über die Kreditwürdigkeit des Unternehmens.
14
9
Vgl. (Kralicek, 1995, S. 86)
10
Vgl. (Külpmann, 2006, S. 170-171)
11
Vgl. (Kralicek, 1995, S. 87)
12
Vgl. (Kralicek, 1995, S. 87)
13
Vgl. (Külpmann, 2006, S. 56)
14
Vgl. (Meyer, 2006, S. 66)
Kennzahlen und ihre Unterteilungen
6
2.2.1
Eigenkapitalquote
Formel:
Die Eigenkapitalquote zeigt wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamt-
kapital ist. Je höher die Eigenkapitalquote, desto höher ist die finanzielle Stabilität
des Unternehmens. Die Bonität wird von Banken u.a. mit der Eigenkapitalquote
berechnet und hat Auswirkungen auf den gewährten Darlehenszins.
16
2.2.2
Anlagendeckung ersten und zweiten Grades
Formel Anlagendeckungsgrad I:
Ú
Die Analgendeckung ersten Grades drückt aus, inwieweit das Anlagevermögen
durch das Eigenkapital gedeckt ist. Langfristiges Vermögen sollte auch langfristig
finanziert sein (Goldene Finanzierungsregel).
18
15
Vgl. (Kralicek, 1995, S. 88)
16
Vgl. (Külpmann, 2006, S. 56)
17
Vgl. (Kralicek, 1995, S. 90)
18
Vgl. Ebenda, S. 90
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