Inhalt
Abk ürzungsverzeichnis 3
Tabellenverzeichnis 3
Abbildungsverzeichnis 3
Einleitung 4
1. Begriffsexplikation 7
1.1 Innerfamiliale Arbeitsteilung 7
1.2 Paarbeziehung, Elternschaft, Familie 8
2. Theoretische Modelle innerfamilialer Arbeitsteilung 9
2.1 Klassische, geschlechtsneutrale Ansätze 9
2.1.1 New Home Economics 9
2.1.2 Time-Availability-Ansatz 10
2.1.3 Ressourcen-Theorie 11
2.1.4 Equity-Theorie 12
2.2 Neuere, theoretische Ansätze 13
2.2.1 Geschlechterrollen-Theorie 13
2.2.2 Doing-Gender-Ansatz 14
3. Rahmenbedingungen und Kontexte innerfamilialer Arbeitsteilung 15
3.1 Politische Rahmenbedingungen 15
3.2 Geschlechterbeziehungs(-rollen-)kontext 19
4. Empirische Befunde zur innerfamilialen Arbeitsteilung 22
4.1 Einflussfaktoren innerfamilialer Arbeitsteilung 22
4.2 Innerfamiliale Arbeitsteilung in Paarbeziehungen 23
4.3 Innerfamiliale Arbeitsteilung in Paarbeziehung nach der Erstgeburt 31
Zusammenfassung , Diskussion, Resümee 38
Literaturverzeichnis 43
Literaturverzeichnis 43
2
Abkürzungsverzeichnis
BEP Bamberger Ehepaar Panels BIB Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung BMFSFJ Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend GGS Generations and Gender Survey NEL nichteheliche Lebensgemeinschaft
Tabellenverzeichnis
Seite
Tabelle 1 Vorstellung zur Rollenverteilung zwischen Mann und Frau 21
Anteil moderner Vorstellungen Tabelle 2 Geschlechterrolleneinstellungen in Ost- und Westdeutschland 22
bei Männern und Frauen, ALLBUS 1991 und 2008
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1 Durchschnittliche tägliche Zeitverwendung von Personen ab 26
Abbildung 2 Wochenarbeitszeit von Frauen und Männern im Übergang zur 34 Elternschaft
Abbildung 3 Aufteilung der Elternaufgaben nach Selbsteinschätzung 36
der Frauen in Relation des Bildungsniveaus beider Partner Abbildung 4 Erwerbstätigenquote der weiblichen 15- bis unter 65-Jährigen 37
mit Kindern unter drei Jahren in Deutschland
Abbildung 5 Erwerbstätigenquote der männlichen 15- bis unter 65-Jährigen 37
mit Kindern unter drei Jahren in Deutschland
Einleitung
Betrachten wir die Gesellschaft der letzten Jahre und Jahrhunderte, war sie in der Tat einem rasanten Wandel unterlegen. Insbesondere die letzten zwei Jahrhunderte sind durch einen Wandel der Lebensformen und einer Veränderung des Zusammenlebens der Menschen gekennzeichnet. Gesellschaftliche und politische Reformen führten gleichermaßen zu einem Wandel der Geschlechter zueinander. Deutlich sichtbar wird das bei Frauen, denen erstmals im 19. Jahrhundert Rechte zugeschrieben wurden: Sie konnten sich z.B. an Wahlen, an Bildung und an der Erwerbstätigkeit beteiligen. Durch die Bildungsexpansion, dem Abbau der geschlechtsspezifischen Disparitäten in der Bildung und Ausbildung und den einhergehenden Anstieg der Erwerbsbeteiligung von Frauen wurden innerfamiliale und familienpolitische Strukturveränderungen notwendig. In der Tat gab und gibt es immer wieder familienpolitische Veränderungen (z.B. Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007), die dazu dienten und dienen eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine Wahlfreiheit für beide Geschlechter zu erreichen. Diese Vereinbarkeit schien bisher jedoch nur Frauen anzusprechen, da aus verschiedenen Studien hervorgeht, dass es nach wie vor Frauen sind, die nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbsarbeit unterbrechen und sogar in vielen Fällen nicht wieder fortsetzen. Außerdem wird der Bereich der unbezahlten Arbeit (Hausarbeit, Elternaufgaben) überwiegend von Frauen erledigt.
Der Wunsch der heutigen Paare ist eine weitestgehend egalitäre Verteilung der Aufgabenbereich von unbezahlter und bezahlter Arbeit, welche allerdings nur durch enorme individuelle Bemühungen möglich ist. Dieser Wunsch lässt sich anhand der vorliegenden Studien nachweisen (siehe z.B. Eckstein, 2009: 41). Das traditionelle Muster der Arbeitsteilung in Paarbeziehungen wird scheinbar sehr langsam verdrängt und dem Wunsch nach einem egalitären Verständnis der Geschlechterrollen in Paarbeziehungen ist man offensichtlich kaum näher gekommen (vgl. Huinink & Röhler, 2005: 10, Eckstein, 2009: 13, Wengler et al., 2008: 13). Dabei wurde konstatiert, dass eine egalitäre Arbeitsteilung der Hausarbeit (und die Schaffung einer praktischen Gleichberechtigung) die Entscheidung zur Familienbildung und Familiengründung eher fördert und eine Gleichstellung der Geschlechter vorantreibt (siehe z.B. Wengler et al., 2008: 13, Künzler & Walter, 2001: 185).
Diese Arbeit befasst sich mit der innerfamilialen Arbeitsteilung deutscher Paarbeziehungen. Der Aspekt der Veränderung der innerfamilialen Arbeitsteilung nach der Geburt des ersten Kindes soll hier besondere Beachtung finden. Es wurden Studien und Aufsätze der deutsch- und englischsprachigen Literatur der Jahre 1991 bis 2010 untersucht, um herauszufinden wie sich die (Erst-) Geburt auf die innerfamiliale Arbeitsteilung auswirkt und wie die Arbeitsteilung vor der Geburt verteilt war. Ebenso soll z.B. die Veränderung der innerfamilialen Arbeitsteilung unter Berücksichtigung der Institutionalisierung der Paarbeziehung (Ehe) betrachtet werden. In den meisten vorliegenden Studien wurden Querschnittdaten verwendet. Ausnahmen dieser Arbeit bilden Klaus & Steinbach (2002) die anhand des Familiensurvey Daten aus 1988 und 1994 betrachteten und Huinink & Reichart (2008), welche Daten aus dem Panelteil 1994 und 2000 in „Fortführung“ verwendeten. Eine weitere Längsschnittstudie befasst sich mit der Betrachtung der häuslichen Arbeitsteilung im Eheverlauf von Schulz & Blossfeld (2006). Sie analysierten die ersten 14 Ehejahre in Westdeutschland. Anhand dieser Studien soll geprüft werden, wie sich die innerfamiliale Arbeitsteilung seit der Wiedervereinigung verändert hat, da gerade in den letzten 20 Jahren familienpolitisch einige Reformen auf den Weg gebracht wurden und die neuen Generationen im Allgemeinen eine egalitärere Rollenvorstellung besitzen. Gerade die Familienpolitik hat in Deutschland derzeit Hochkonjunktur, weil sich aus demografischen Gesichtspunkten Handlungsbedarf (Fertilitätsrate: 1,331 Kinder pro Frau) ergibt. Das kann man anhand der fast täglichen Debatten rund um die simultane Vereinbarkeit von Familie und Beruf erkennen. Die Geburt des ersten Kindes ist eine Zäsur für die Paarbeziehung. Damit einher geht die Erweiterung der Hausarbeit um die Elternaufgaben. Der Unterschied der Elternaufgaben zu den Hausarbeiten besteht darin, dass diese meist sofort erledigt werden müssen und kein Aufschub möglich ist.
Alle Studien belegen eine überraschende Persistenz des traditionellen Musters in der innerfamilialen Arbeitsteilung. Es kann somit angenommen werden, dass die tradierten Rollenvorstellungen, die den Mann als Haupternährer darstellen, selbst im 21. Jahrhundert nicht aufgelöst wurden und nicht auflösbar sind. Folgende Hauptfragestellung soll mit dieser Arbeit geklärt werden: • Welche Auswirkungen hat die Geburt eines Kindes auf die innerfamiliale Arbeitsteilung von deutschen Paaren?
Daraus lassen sich weitere Fragen ableiten, welche ebenfalls beantwortet werden sollen:
• Welche Einflussfaktoren bestimmen die innerfamiliale Arbeitsteilung?
• Welchen Einfluss haben wohlfahrtsstaatliche Institutionen und Lebensvorstellungen von Paaren auf die Aufteilung der innerfamilialen Arbeitsteilung?
• Gibt es einen Trend zu Egalität in der innerfamilialen Arbeitsteilung bzw. ist die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in ihrer Persistenz abwendbar? Nachdem im ersten Abschnitt die Schlüsselbegriffe dieser Arbeit kurz erläutert werden, befasst sich der zweite Teil der Arbeit mit den theoretischen Modellen innerfamilialer Arbeitsteilung. Es werden symmetrische (ökonomisch, geschlechtsneutrale) und asymmetrische (soziologisch, geschlechtsspezifische) Modelle abgebildet. Die Thesen dienen als Instrument, um die vorliegenden Studien zu bestätigen und Erklärungsansätze zu liefern, weshalb die innerfamiliale Arbeitsteilung unter bestimmen Gründen entsprechend verteilt wird.
Der dritte Abschnitt bietet einen Überblick über die politischen Rahmenbedingungen rund um die simultane Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es werden familienpolitische Maßnahmen angeführt, die seit der Wiedervereinigung 1991 zu einer Persistenz des traditionellen Modells der innerfamilialen Arbeitsteilung verleiten und weiterhin Geschlechterungleichheiten 1 begünstigen. Es wird konstatiert, dass die Familienpolitik Maßnahmen schaffen sollte, die dem rasanten Wandel der Familien- und Geschlechterrollenvorstellung gerecht werden und tradierte (auch christliche) Geschlechtervorstellungen (z.B. das Ehegattensplitting) nicht weiterhin fördert. Im vierten Teil werden Daten des statistischen Bundesamtes, empirische Studien und Aufsätze von 1991 bis 2010 analysiert. Es werden Rückkopplungen in Bezug auf die theoretischen Modelle gemacht. Im Abschluss soll über die vorliegenden Studien diskutiert werden, die erkenntnisleitende Fragestellung und weiterführenden Fragen beantwortet werden.
1 Geschlechterungleichheiten werden durch die traditionelle Arbeitsteilung perpetuierend produziert und reproduziert.
1. Begriffsexplikation
1.1 Innerfamiliale Arbeitsteilung
Die innerfamiliale Arbeitsteilung umfasst die Aufteilung der bezahlten (Produktionsarbeit) und unbezahlten Arbeit (Reproduktionsarbeit) in einem gemeinsamen Haushalt. Bezahlte, entlohnte Arbeit ist die Erwerbsarbeit mit Einkommen, zu der die Teilzeit- und Vollzeiterwerbstätigkeit zählen. Als Erwerbsarbeit gilt die Arbeit, welche zur Produktion von Gütern vollzogen wird und als gesellschaftlich notwendige Tätigkeit im Rahmen des gesellschaftlichen Leistungsaustauschs gilt (vgl. Eckstein, 2009: 35). Der Bereich der unbezahlten Arbeit erstreckt sich auf Arbeiten im häuslichen Umfeld. Zu den Hausarbeiten zählen: Hauswirtschaftsarbeiten (Einkaufen, Waschen, Putzen, Essen zubereiten etc.), handwerkliche Arbeiten (Reparaturen am Haus, Auto, Gartenarbeit, etc.) und ab dem Zeitpunkt der Familiengründung die Elternaufgaben bzw. personenbezogenen Leistungen (Kinderbetreuung, Spielen, Erziehen, Pflege alter und kranker Familienangehöriger, Emotionsarbeit etc.) (vgl. Huinink & Röhler, 2005: 16, Peukert, 2004: 273). Die Hausarbeiten unterscheiden sich temporalspezifisch von den Elternaufgaben. Die Differenziertheit zeigt sich in der Dringlichkeit der Ausführung der Aufgaben. Die Elternaufgaben lassen sich nur schlecht verschieben und bedürfen einer sofortigen Erledigung. Dabei steht unbezahlte Arbeit in zeitlicher Konkurrenz zur bezahlten Arbeit, die von den Partnern geleistet wird. Das heißt, dass die Arbeitsteilung in einer Wechselbeziehung zur Erwerbsarbeit steht. In den Studien wird häufig zwischen traditioneller und egalitärer Arbeitsteilung unterschieden. Traditionelle Arbeitsteilung bezeichnet hier die geschlechtsspezifische Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeiten, welche den Haushalt und die Familie betreffen. Demnach handelt es sich um eine traditionelle Arbeitsteilung, wenn der Mann der bezahlten Arbeit (Erwerbsarbeit) nachgeht und die Frau unbezahlte Arbeit (Hausarbeit und Elternaufgaben) verrichtet. Innerhalb der unbezahlten Arbeit wird nochmals unterschieden in typische geschlechtsspezifische Verteilungen haushaltsnaher Tätigkeiten: Die Frau übernimmt in diesem Modell die Hausarbeiten (Kochen, Putzen, Waschen, Kinderbetreuung etc.), während der Mann sich um Reparaturen, Pflege des Autos und Lebensvorsorge kümmert (vgl. Huinink & Röhler, 2005: 144). Eine egalitäre Arbeitsteilung wird grundsätzlich subjektiv unterschiedlich wahrgenommen. Hier soll sie eine nichttraditionelle, also geschlechtsunspezifische Aufteilung der Arbeiten bedeuten. Demnach geht es um die
gleiche Aufteilung der Hausarbeiten und Elternaufgaben, aber auch darum, dass beide Partner einer Erwerbstätigkeit nachgehen.
1.2 Paarbeziehung, Elternschaft, Familie
Die Paarbeziehung ist eine Lebensform und bedeutet in dieser Arbeit eine zweigeschlechtliche Beziehung in ehelicher und nichtehelicher Form. Wenn hier von Paarbeziehung die Rede ist, betrifft diese die Form der engen sozialen Beziehung (Intimbeziehung) in einem gemeinsamen Haushalt, welche aus unterschiedlichsten Motivationslagen (z.B. Liebe) geschlossen wurde. Insbesondere unter dem Aspekt der Familiengründung und der daraus ergebenen Geburt eines Kindes, soll sich in diesen Ausführungen explizit an den Ergebnissen der heterosexuellen Paarbeziehungen gehalten werden. Die Geburt eines Kindes bezeichnet die Elternschaft. In dieser Arbeit wird nur die Geburt des ersten Kindes betrachtet, da diese für die Paare die größten Veränderungen beinhaltet und gewissermaßen einen Einschnitt für die Paarbeziehung darstellt. Der Begriff der Familie hat sich in den letzten Jahren immer wieder gewandelt. Prinzipiell ist es schwierig eine feste Definition von Familie zu finden. Die Schwierigkeit diesen Begriff zu definieren, liegt an den sich wandelnden Lebensformen. Die Pluralität der gegenwärtigen Lebensformen (z.B. Patchwork-Familie, Ein-Eltern-Familie,
Lebensgemeinschaften mit Kind etc.) hat es im familienwissenschaftlichen Diskurs und in den verschiedenen Disziplinen (Soziologie, Psychologie etc.) erforderlich gemacht, Konzepte von Familie zu benennen. Das Verständnis von Familie ist in diesen Bereichen sehr variabel. In dieser Arbeit soll Familie eine soziale Institution sein, welche für die Gesellschaft und jedes einzelne Familienmitglied Leistungen 2 einbringt, zwei Generationen umfasst und einen gemeinsamen Haushalt voraussetzt. Da sich die meisten Studien und die Familienpolitik auf Familie als Eltern mit Kind in einem Haushalt beziehen, soll dieses Konzept für diese Arbeit übernommen werden.
2 Zu den Leistungen, die eine Familie erbringt bzw. erbringen soll, kann ausführlicher bei Franz-Xaver Kaufmann
(1990) S. 34-63 und Christiane Eckstein (2009) S. 30 Einblick genommen werden.
2. Theoretische Modelle innerfamilialer Arbeitsteilung
Im zweiten Abschnitt werden verschiedene Thesen erläutert, welche die Aufteilung der innerfamilialen Arbeit in einem gemeinsamen Haushalt erklären, bewerten und konzeptualisieren. Sie alle definieren die Motive der Disparitäten in der Partizipation der Hausarbeit zwischen Frauen und Männern. Die Wichtigsten sollen im Folgenden dargestellt werden. Es werden symmetrisch geschlechtsneutrale und asymmetrisch geschlechtsspezifische Modelle erläutert. Das Kapitel der klassischen Ansätze beschäftigt sich mit ökonomisch geschlechtsneutralen Theorien, die sich auf das Humankapital beziehen. Die Humankapitaltheorie betrachten die Möglichkeiten innerfamilialer Arbeitsteilung und erklären das rationale Handeln der Individuen. Die ungleiche Verteilung der Arbeit im Haushalt wird in diesen Thesen als Rationalitätsgewinn im gemeinsamen Haushalt begründet. Exemplarisch werden die Ansätze der „New Home Economics“, “Time-Availability-Ansatz“, „Ressourcen-Theorie“ und als neuere Theorie die „Equity-Theorie“ näher beschrieben. Die neueren Thesen begründen die innerfamiliale Arbeitsteilung geschlechtsspezifischer. Hier werden die „Geschlechterrollen-Theorie“ und der „Doing-Gender-Ansatz“ erläutert.
2.1 Klassische, geschlechtsneutrale Ansätze
2.1.1 New Home Economics
Becker (1981) geht auf Basis der „Rational-Choice-Theorie“ davon aus, dass die Individuen selbst in einer intimen auf romantischer Liebe basierenden Beziehung nutzenmaximierend handeln (vgl. Wengler et al., 2008: 25, Künzler, 1994: 46). In diesem Fall soll die Nutzenmaximierung des Haushaltes durch Optimierung der Zeitallokation der Haushaltsmitglieder erfolgen, wobei in der Haushaltsökonomie der wirtschaftliche Markt und der private Bereich in dem die Akteure handeln, getrennt werden. Es wird davon ausgegangen, dass sich jedes Individuum in der Paarbeziehung nach seinen Fähigkeiten und Stärken spezialisiert und somit nutzenorientiert handelt (vgl. Künzler et al., 2001: 65, Schulz & Blossfeld, 2006: 23). Dabei werden die Aufgaben nach bezahlter und unbezahlter Arbeit aufgeteilt: Zum einen die Versorgung der Familie durch Erwerbsarbeit und zum anderen die Reproduktionsaufgaben (Hausarbeit und Elternaufgaben). Beckers Theorie stellt die individuelle Nutzenmaximierung über die Gesamtnutzenmaximierung der Familie (vgl. Künzler, 1994: 46). Er bietet jedoch eine sehr traditionelles Modell in Bezug auf die innerfamiliale Arbeitsteilung: Er begründet diese anhand biologischer Differenzen und
unterstellt der Frau, aufgrund ihrer Möglichkeit Kinder zu gebären und zu stillen, eine Begünstigung beim Aufziehen dieser (vgl. Wengler et al., 2008: 25, Künzler et al., 2001: 65). Bei der Aufteilung der Hausarbeit ist ganz besonders die Ausstattung mit Humankapital, speziell das arbeitsmarktrelevante Humankapital, ausschlaggebend: Die Person mit den schlechteren Erwerbs- und Einkommensmöglichkeiten übernimmt stärker die Hausarbeit und die Elternaufgaben. Grundsätzlich ist dieses Modell geschlechtsneutral. Jedoch aus der Logik dieser These heraus übernehmen häufiger Frauen die Hausarbeit, da meist sie diejenigen sind, die niedrigere Löhne erhalten (vgl. Datenreport, 2008: 132 ff., Künzler et al., 2001: 65). Es lässt sich anhand des Modells annehmen, dass steigende Erwerbs-, Bildungs- und Einkommenschancen von Frau nicht per se zu einer Egalität in der innerfamilialen Arbeitsteilung führen, da dieses Modell eher einem polaren Arrangement folgt, indem sich nur ein Partner verstärkt um z.B. die Hausarbeit kümmert. Das Modell berücksichtigt dabei weder die Aushandlungen („Bargaining-Ansatz“) innerhalb der Paarbeziehung noch die Machtstrukturen, welche in dieser bestehen könnten. Als Grundlage bietet die „New Home Economics“ die Möglichkeit die innerfamiliale Arbeitsteilung zu erklären, jedoch bedarf es weiterer Vervollständigungen, um damit z.B. auch die Veränderungen der Arbeitsteilung ab der Geburt des ersten Kindes zu begründen. Ebenso konnte mit dieser Theorie bisher nicht nachgewiesen werden, wie es zur Persistenz der innerfamilialen Arbeitsteilung kommt (vgl. Rüling, 2003: 39). Dazu werden im Abschnitt 2.2 weitere Theorien aufgeführt, die das menschliche Verhalten näher betrachten und dadurch weitere Erklärungsansätze liefern können.
2.1.2 Time-Availability-Ansatz
„The time-availability-approach argues that a household member’s time spent doing housework is primarily a function of the time subject to no other obligations.” (Künzler et al., 2001: 65). Der „Time-Availability-Ansatz“ ist ebenfalls geschlechtsneutral und orientiert sich daran, wie viel Zeit den Haushaltsmitgliedern nach der Erwerbsarbeit zur Verfügung steht, um der Hausarbeit respektive den Elternaufgaben nachzugehen. Folglich ist die Hausarbeit dann egalitär verteilt, wenn beide Partner die gleiche Zeit an Erwerbstätigkeit verwenden. In der Tat ist der Umfang der Erwerbstätigkeit zwischen den Geschlechtern unterschiedlich, explizit in den alten Bundesländern. In den neuen Bundesländern ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen schon vor der Wiedervereinigung höher gewesen. Laut den vorliegenden Studien verbringen ostdeutsche Frauen weniger Zeit mit Hausarbeit (vgl. Wenger et al., 2008: 26, Geist, 2007: 16) Damit kann dieser
Arbeit zitieren:
BA Sozialwissenschaften Stefanie Neidhart, 2011, Innerfamiliale Arbeitsteilung und Elternschaft in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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