Inhalt
Einleitung. 3
Teil A: Die Düsseldorfer Schule
1. Geschichte der Düsseldorfer Schule 5
2. Ziele der „Düsseldorfer Schule“ 6
3. Themen der Diskurse 7
4. Arbeit mit Textkorpora 9
5. Arbeitsmethoden 10
5.1 Schlüsselwörter 10
5.2 Metaphernanalyse 12
5.3 International vergleichende Diskurs- und Argumentationsanalyse 13
Teil B: Eine Begriffsgeschichte am Beispiel des Wortes "Hartz-IV"
1. Die Entstehung des Begriffes Hartz-IV 15
2. Etablierung des Begriffes in der Gesellschaft 16
2.1 Hartz-IV-Komposita 17
2.1.1 Geschichte der Hartz-IV-Komposita 17
2.1.2 Neutrale Komposita 18
2.1.3 Komposita mit negativer Bedeutung des Begriffes 19
2.2 Hartz-IV als Wort des Jahres 21
3. Hartz-IV-Umbenennung 23
Fazit 26
Literaturverzeichnis 27
Teil A 27
Teil B 28
2
Einleitung
In der hier vorliegenden Arbeit soll die Diskursanalyse der „Düsseldorfer Schule“ genauer untersucht werden. Dabei stehen deren Ziele, Arbeitsmethoden und ihr Forschungsgegenstand im Zentrum. Sinn des Textes soll es also sein, einen breiten Überblick über den Forschungszweig, der Sprachgeschichte als Zeitgeschichte versteht, zu geben. Spezifische Forschungsergebnisse der einzelnen Mitglieder der „Düsseldorfer Schule“ werden hierbei kaum beachtet. Als Grund hierfür sind der begrenzte Umfang dieser Arbeit und der fehlende Bezug zu aktuellen Diskursen zu nennen. Diese Aktualität soll durch ein Praxisbeispiel, welches im zweiten Teil folgt, verdeutlicht werden. Hierfür wurde exemplarisch die Begriffsgeschichte des Wortes Hartz-IV analysiert. Da die umfangreiche Zusammenstellung eines Textkorpus im Rahmen dieser Arbeit nicht erfolgen kann, wird der diskurshistorische Aspekt nicht in Form einer chronologischen Auflistung von Nachrichten erfolgen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen. Stattdessen werden der Beginn, die Entwicklung und der momentane Stand durch eine qualitative Auswahl von metasprachlichen Aspekten überprüft. So wird die Entstehung des Begriffes unter anderem durch sprachökonomische Kriterien erklärt und die Etablierung des Wortes durch das Vorkommen zahlreicher Komposita und dem Titel „Wort des Jahres 2004 repräsentiert. Abschließend wird die negative Konnotation, die Hartz-IV im Laufe der Jahre erhalten hat durch aktuelle Bestrebungen zur Umbenennung durch die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen verdeutlicht.
3
1. Geschichte der Düsseldorfer Schule
In den 1970er Jahren begründete Georg Stötzel die sogenannte „Düsseldorfer Schule“ (der Name ergab sich aus dem Standort der Heinrich-Heine-Universität, an der er tätig war), indem er einige Aufsätze publizierte, die ein neues linguistisches Verständnis von Sprachgeschichte als Zeitgeschichte thematisierten. 1
Dieser Ansatz führte über bisherige Arbeitsmethoden der Linguistik hinaus, indem nicht mehr ausschließlich diachrone Sprachwandelerscheinungen in Form von Lautwandelmodellen oder morphologischen Erscheinungen betrachtet wurden. 2 Stötzel wies darauf hin, dass sich die Linguistik durch die bisher vorgenommene stark theoretische Ausrichtung, ihre Probleme selbst schuf. Er fügte daraufhin ihr eine sozialhistorische Komponente hinzu, die einen neuen linguistischen Forschungszweig begründete, der analog zur Zeitgeschichte der Historiker anzusiedeln war. In diesem sollten sprachbezogene Probleme nun genauer betrachtet werden, die die Gesellschaft als konfliktträchtig befand. 3 Die Heterogenität von Sprache in einer Demokratie sollte also durch die Analyse von relevanten Diskursen (vgl. Kapitel Themen der Diskurse) reflektiert werden.
Bald versammelten sich um Georg Stötzel weitere Sprachwissenschaftler, die als Mitglieder der „Düsseldorfer Schule“ bezeichnet werden. Zu ihnen gehörten unter anderem Martin Wengeler, Matthias Jung und Karin Böke. 4
Stand zu Beginn die Suche und Analyse von Schlüsselwörtern im Zentrum der Forschung, die in Form von Wörterbüchern präsentiert wurden (z.B. „Kontroverse Begriffe“) 5 , so wurden die Arbeitsmethoden der „Düsseldorfer Schule“ im Laufe der Zeit immer
1 Vgl. Martin Wengeler: „25 Jahre Sprachgeschichtsschreibung für die Zeit nach 1945“. Hildesheim/Zürich/New York 2005. S. 2.
2 Vgl. Dietrich Busse: „Historische Diskursanalyse in der Sprachgermanistik - Versuch einer Zwischenbilanz und Ortsbestimmung“. Hildesheim/Zürich/New York 2003. S. 9.
3 Vgl Wengeler, Martin, 25 Jahre Sprachgeschichtsschreibung für die Zeit nach 1945, S. 2.
4 Vgl. Busse, Dietrich, Historische Diskursanalyse in der Sprachgermanistik - Versuch einer Zwischenbilanz und Ortsbestimmung, S. 9.
5 Vgl. Georg Stötzel/Martin Wengeler (Hrsg.): „Kontroverse Begriffe. Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland“. Berlin 1995.
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vielfältiger. Mittlerweile stellt auch die Metaphern-, Argumentations- und Topos-Analyse ein wichtiges Instrument der Sprachgeschichtsforschung dar (vgl. Kapitel Methoden). 6 Im Jahr 2003 zog Dietrich Busse eine erste Zwischenbilanz über die bisherigen Ergebnisse einer sogenannten historischen Semantik und verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Düsseldorfer Linguisten. So sei die neue Forschungsrichtung mittlerweile in der germanistischen Sprachwissenschaft etabliert, jedoch finde sie in der germanistischen Gesamtsprachwissenschaft noch keine gesicherte Position und sie wird nicht überall für hinreichend unterstützungswürdig befunden. 7
2. Ziele der „Düsseldorfer Schule“
Das übergreifende Ziel der Düsseldorfer Schule ist es, zu verdeutlichen, welchen Einfluss die Sprache auf das Bewusstsein und die Meinungsbildung von Teilnehmern der Gesellschaft hat. Dies trifft sowohl auf metasprachliche Diskurse zu, als auch auf öffentliche Diskussionen über rein politische Themen. Die dabei verwendeten Wörter können Meinungen über die Problematik demonstrieren und die Entwicklung des Diskurses dokumentieren. 8 Mitglieder der Düsseldorfer Forschungsgruppe haben es sich also zur Aufgabe gemacht, ebendiese Entwicklungen nachzuzeichnen und der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, um einerseits das Ineinandergreifen von Sprachformen und gesellschaftlich politischen Ereignissen zu demonstrieren und andererseits wichtige gesellschaftliche Probleme nachzuweisen. 9
Jedoch erhoffen sich die Linguisten nicht nur einem „Laienpublikum“ den Zugang zu einer sprachgeschichtlichen Betrachtung von Diskursen zu ermöglichen, sondern auch der Sprachwissenschaft neue wertvolle Forschungsansätze zu bieten.
6 Vgl Wengeler, Martin, 25 Jahre Sprachgeschichtsschreibung für die Zeit nach 1945, S. 9.
7 Vgl. Busse, Dietrich, Historische Diskursanalyse in der Sprachgermanistik - Versuch einer Zwischenbilanz, S. 9.
8 Vgl. Georg Stötzel: „Einleitung“. Berlin 1995. S. 1.
9 Vgl. Karin Böke/Matthias Jung/Martin Wengeler: „Öffentlicher Sprachgebrauch“. Opladen 1996. S. 9.
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Der Linguist Dietrich Busse, welcher zwar nicht Mitglied der Düsseldorfer Schule ist, ihr mit seinen theoretischen Konzeptionen zur historischen Semantik jedoch wichtige Anstöße gegeben hat, 10 sieht in seinem Forschungszweig eine neue Chance für die diachrone Linguistik:
„Da die Formengeschichte des Deutschen und seiner Vorstufen mittlerweile als gut, wenn nicht umfassend beschrieben gelten kann, treten sozialhistorisch motivierte Forschungsansätze zunehmend in den Mittelpunkt der diachronen Sprachforschung. Galt das Primat der sozialhistorischen Orientierung ohnehin schon für eine Geschichte der neueren Sprachstufen des Deutschen, *…+ so ist eine historische Semantik ohne sozialhistorische Fundamentierung
und Zielsetzung schlechterdings undenkbar.“ 11
Wie bereits angedeutet erschaffen die Linguisten mit der Betrachtung der Sprachgeschichte eine parallele Wissenschaft zu der Zeitgeschichte und verknüpfen diese mit der Wissenschaft der Linguistik. So ersetzen sie gleichsam vorhergehende pragmatische Ansätze, die ohne gesellschaftliche Bezüge erarbeitet wurden, mit der Ansicht, dass lexematische, semantische und pragmatische Entwicklungen nur im Rahmen zeitgeschichtlicher Prozesse verstanden werden können.
3. Themen der Diskurse
Die „Düsseldorfer Schule“ betrachtet ausschließlich Diskurse und deren Entwicklung nach 1945. Natürlich ist eine solche zeitliche Zäsur im Zusammenhang mit sprachlichen Phänomenen eine problematische Abgrenzung eines Themengebietes. Dietrich Busse rechtfertigt eine solch scharfe Abgrenzung durch folgende Einflussfaktoren, die eine Auswirkung auf das deutsche Sprachwesen hatten:
10 Vgl Wengeler, Martin, 25 Jahre Sprachgeschichtsschreibung für die Zeit nach 1945, S. 11.
11 Ebd., S. 9.
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Der Linguist betont weiterhin, dass es ihm (und damit stellvertretend der gesamten „Düsseldorfer Schule“) darum geht, bei der Bearbeitung begriffshistorischer Gegenstände Fundamente des heutigen Denkens, Redens und, Schreibens aufzuzeigen. Ein solcher Anspruch beinhaltet jedoch nicht nur eine relative Aktualität des Diskurses. Zusätzlich sollen damit jene Diskurse von der Betrachtung ausgeschlossen werden, welche nur von kurzer Dauer sind und auf einen längeren Zeitraum gesehen keine große Rolle für die Öffentlichkeit spielen. 13
Die Auswahl der untersuchten Debatten erfolgt zumeist aufgrund dieser Kriterien:
Eine umfangreiche Übersicht, über jene Diskurse, die diese Kriterien erfüllten und von Mitgliedern der „Düsseldorfer Schule“ untersucht wurden, finden sich in dem Buch Sprachgeschichte als Zeitgeschichte, in dem Martin Wengeler alle bisher veröffentlichten Diskursanalysen präsentiert. 15 Besonders große Aufmerksamkeit von Seiten der
12 Vgl. Stötzel, Georg, Einleitung, S. 7.
13 Vgl. Busse, Dietrich, Historische Diskursanalyse in der Sprachgermanistik - Versuch einer Zwischenbilanz, S. 14f.
14 Vgl. Abteilung für germanistische Sprachwissenschaft: „Öffentliche Sprache nach 1945:Diskursanalyse, Begriffsgeschichte, Topologie“.
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ1/schwerpunkte/sprachgebrauch/bereich1.html (04.05.2011)
15 Vgl. Martin Wengeler: „Sprachgeschichte als Zeitgeschichte“. Hildesheim/Zürich/New York 2005.
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Arbeit zitieren:
Tina Hellwig, 2011, Die Diskursanalyse der Düsseldorfer Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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