INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
TABELLENVERZEICHNIS III
I. Einleitung 1
Haupteinteilung II. 2
Zur Person Amitai Etzioni 1. 2
Die Entwicklung des Kommunitarismus 2. 2
Die Grundzüge der Verantwortungsgesellschaft 3. 4
Verschiedene Gesellschaftsauffassungen 3.1. 4
Das kommunitaristische Paradigma einer „guten Gesellschaft“ 3.2. 7
3.2.1 Über Ordnung und Autonomie 7
3.2.2. Über die Moral 12
Implikationen für das Management 4. 17
III. Schlussbetrachtung 19
LITERATURVERZEICHNIS IV
II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Das Verhältnis von Ordnung und Autonomie
Abbildung 2: Grundlagen für moralisches Verhalten und dessen Ausbildung
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Individualismus versus Kommunitarismus
III
I. Einleitung
Im Zuge des im zwanzigsten Jahrhundert einsetzenden Industriekapitalismus verloren Religion und Moral an Bedeutung, wodurch sich die gesellschaftliche Balance einseitig zugunsten des übermäßigen Individualismus und der ökonomischen Nutzenmaximierung verschob. Dabei zeichneten westliche Industrienationen in den achtziger und neunziger Jahren einerseits ein 1 Um dieser Bild von Gier und Konsumfetischismus und eines von Armut andererseits. 2 entgegenzuwirken, formierte sich Mitte der achtziger Jahre 3 „schwere[n] soziale[n] Erkrankung“
die kommunitaristische Bewegung. Amitai Etzioni ist einer ihrer Wegbereiter und vertritt mit seinem Modell „Die Verantwortungsgesellschaft“ (1997) eine dynamische, sozialphilosophische 4 „Die Entdeckung des Gemeinwesens“ Denkschule, die auf der „vageren, vorläufigen Version“
(1995) basiert. In beiden plädiert er für eine gesellschaftliche Selbstregulierung durch moralische Dialoge über das Verhältnis von Ordnung und Autonomie, von Rechten und
Pflichten. In seinem Leitbild, welches er als neue goldene Regel bezeichnet, plädiert er für eine Erneuerung der Werte mit Hilfe von normativen Mitteln um soziale, wirtschaftliche und politische Veränderungen auszulösen: „Achte und wahre die moralische Ordnung der Gesellschaft in 5 . gleichem Maße, wie Du wünscht, dass die Gesellschaft Deine Autonomie achtet und wahrt“ Ziel dabei ist die Rekonstruktion der Gemeinschaft (Community) durch die Wiederherstellung der Bürgertugenden um ein neues Verantwortungsbewusstein der Menschen zu sichern und so 6 Dies führe laut Etzioni zu einer die moralischen Grundlagen unserer Gesellschaft zu stärken. 7 , wobei „kommunitaristisches Denken die einzige realisierbare und „guten Gesellschaft“ 8 . wirksame Alternative zum Versuch [sei], den Menschen Tugenden und Werte aufzuzwingen“ Diese Seminararbeit basiert auf Etzionis Hauptwerk „Die Verantwortungsgesellschaft“ (1997). Dabei wird zunächst die Entwicklung des Kommunitarismus skizziert, um folgend das kommunitaristische Verständnis einer „guten Gesellschaft“ zu beleuchten. Etzionis Gesellschaftsbild beruht dabei auf zwei Grundprinzipien - der sozialen Ordnung und der Autonomie - wobei diese eine inverse Symbiose eingehen. Darauffolgend wird die von den Kommunitaristen gewünschte Form des öffentlichen Diskurses dargestellt und Implikationen für das Management geliefert, um schlussfolgernd eine kritische Resonanz zu ziehen.
1 Vgl. Buß (2008), S.320.
2 Etzioni (1995), S.XI.
3 Vgl. Buß (2008), S.320.
4 Etzioni (1997), S.1.
5 Etzioni (1997), S.19.
6 Vgl. Etzioni (1995), S.IX.
7 Vgl. a.a.O.
8 Etzioni (1997), S.12.
1
II. Haupteinteilung
1. Zur Person Amitai Etzioni
Amitai Etzioni wurde im Jahre 1929 in Köln als Werner Falk geboren. Im Jahre 1936 emigrierte
er nach Palästina, wo er den hebräischen Namen Amitai Etzioni annahm und später an der
9 studierte. Danach zog er in die Universität in Jerusalem bei seinem Lehrer Martin Buber
Vereinigten Staaten von Amerika, über deren Staatsbürgerschaft er seit 1963 verfügt. 1958 absolvierte er seinen Ph.D. der Soziologie an der University of California (Berkeley) und arbeitete danach für 20 Jahre als Professor an der Columbia University (New York). Nach einer Gastdozentur im Jahre 1978 wurde er von 1979 bis 1980 domestischer Berater des Weißen Hauses unter Jimmy Carter. Seit 1980 ist Etzioni Soziologieprofessor der George Washington 10 University und leitet das „Institute for Communitarian Policy Studies“ . 1987 bis 1989 agierte er 11 Im Jahre 1990 gründete er das als Professor an der Harvard Business School. 12 und war von 1991 bis 2004 Herausgeber der vierteljährlich „Communitarian Network“
erscheinenden kommunitaristischen Zeitschrift „The Responsive Community: Rights and
Responsibilities“. Etzioni schrieb insgesamt 24 Bücher, wobei zwei davon als seine Hauptwerke gelten: „Die Entdeckung des Gemeinwesens - das Programm des Kommunitarismus“ (1995 in Deutschland veröffentlicht) und das 1997 in Deutschland erschienene Buch „Die Verantwortungsgesellschaft“.
2. Die Entwicklung des Kommunitarismus
Etzioni betont, dass kommunitaristische Elemente in allen Jahrhunderten zu finden seien, so
13 Die „Stanford Encyclopedia of beispielsweise bereits bei Aristoteles und Franz von Assisi.
Philosophy“ beschreibt den Beginn des modernen Kommunitarismus mit der kritischen Reaktion 14 wobei politischer Philosophen auf John Rawls 1971 erschienenes Buch „A Theory of Justice“, im Besonderen der Streit der Harvard Professoren Michael Sandel und John Rawls zu nennen 15 ist. Rawls formulierte als Befürworter des Individualismus universell gültige Gerechtigkeitsgrundsätze, in denen er sich mittels der Theorie des Gesellschaftsvertrages für
9 Vgl. Frankfurter Rundschau (2004).
10 Weiterführende Informationen online unter: http://www2.gwu.edu/~ccps, [Stand :20.04.09].
11 Vgl. Buß (2008), S.320; sowie Etzioni (o.J.).
12 Weiterführende Informationen online unter: http://www.gwu.edu/~icps, [Stand: 20.04.09].
13 Vgl. Etzioni (1997), S.68ff.
14 Vgl. o.V. (o.J.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
15 Vgl. Buß (2008), S.320.
2
das „ungebundene Selbst“ aussprach, weshalb die Aufgaben des Staates weitgehend zu 16 Sandels Werk “Liberalism and the beschränken seien (z.B. Sicherung der Grundrechte).
Limits of Justice“ (1982) entstand aus der Kritik an Rawls Aussagen und denen anderer 17 indem er für eine „gebundene Autonomie“ plädierte, da der Mensch als handelnde Liberaler,
18 Es folgten Arbeiten von Person nicht von seinem sozio-kulturellen Hintergrund zu lösen sei. Soziologen wie Philip Selznick (1992), dem Politologen Daniel Bell (1993), aber auch von politischen Philosophen wie Charles Taylor (1994) und Michael Walzer (1993), die zu der 19 Etzioni beschreibt das „moderne Entwicklung des kommunitaristischen Denkens beitrugen.
Denken - mit seiner Betonung von universalen individuellen Rechten [...], von Autonomie, 20 als etwas, das sich seit den sechziger Freiwilligkeit und konsensuellen Vereinbarungen“
Jahren immer weiter ausgebreitet, wodurch das Fundament der sozialen Tugenden weiter 21 Auf diese ausgehöhlt wird um die Freiheit des Einzelnen noch weiter auszudehnen. Ausdehnung der exzessiven Freiheit folgte laut Etzioni die Auflösung traditioneller Werte und 22 moralischer Verpflichtungen, weshalb viele Gesellschaften ihr Gleichgewicht verloren haben. Der die Bedeutung der Werte bekräftigende Kommunitarismus wirke diesem exzessiven 23 So findet man heutzutage in den USA (z.B. das Individualismus als Korrektiv entgegen.
24 ) als auch in Deutschland (z.B. das Netzwerk der deutschsprachigen Communitarian Network
25 ) soziale Bewegungen der Kommunitarier. Dass die Idee des Komunitarismus Kommunitarier
auf Interesse stößt, zeigt die Onlineveröffentlichung einer Ausgabe über „Politik und
26 der Bundeszentrale für Zeitgeschichte“ zum Thema „Dritter Weg und Kommunitarismus“
politische Bildung. Vor allem das „Abschlusskommuniqué der Konferenz „Modernes Regieren im 21. Jahrhundert“ am 3. Juni 2000 in Berlin“ lässt einen klaren kommunitaristischen Einfluss 27 erkennen.
16 Vgl. a.a.O.
17 Vgl. Etzioni (1997), S.9.
18 Vgl. Etzioni (1997), S.52ff.
19 Vgl. Etzioni (1997), S.68ff.
20 Etzioni (1997), S.18ff.
21 A.a.O.
22 Vgl. Etzioni (1997), S.18ff.
23 Vgl. Etzioni (1997), S.70ff.
24 Weiterführende Informationen online unter: http://www.gwu.edu/~icps, [Stand: 20.04.09].
25 Weiterführende Informationen online unter: http://www.dekomnetz.de, [Stand: 20.04.09].
26 Weiterführende Informationen online unter:
http://www.bpb.de/publikationen/EXNC89,0,Dritter_Weg_Kommunitarismus.html,
[Stand: 17.4.09].
27 Weiterführende Informationen online unter:
http://www.internationalepolitik.de/ip/archiv/jahrgang2000/juni00/abschlusskommuniqu---der-
3. Die Grundzüge der Verantwortungsgesellschaft
3.1. Verschiedene Gesellschaftsauffassungen
Die Frage, was eine Gesellschaft ausmacht, wird anhand des Verhältnisses von Autonomie und Ordnung von verschiedenen „Lagern“ unterschiedlich beantwortet. Etzioni berücksichtigt dabei vier Lager, wobei innerhalb dieser Lager (von moderat über reaktionär und zentral) selbst erhebliche Unterschiede bestehen. Um Unterschiede deutlicher hervorzuheben, bezieht er sich jeweils auf das Zentrum eines jeden Lagers. Etzioni betrachtet die Fundamentalisten, die Sozialkonservativen sowie die Individualisten, wobei er sich ausführlich mit den Kommunitaristen befasst. Fundamentalisten sind vom moralischen Niedergang der Gesellschaft durch den Einfluss des Westens überzeugt, weshalb sie eine genaue Beachtung ihrer religiösen Gesetze fordern und individuellen Rechten nur einen geringen Stellenwert 28 Unter Konservativen versteht Etzioni einerseits die Sozialkonservativen, die zur einräumen.
Sicherung der moralischen Ordnung gesetzgeberische Maßnahmen, Kontrollen sowie Zensuren des sozialen Verhaltens bei physischen, intellektuellen, kulturellen und vor allem nationalen 29 Sozialkonservative betrachtet er als eigenes Lager, wobei er zwischen Bedrohungen fordern.
säkularen (z.B. Samuel Hunington), religiösen (z.B. Paul Weyrich) und populären 30 Andererseits betrachtet er die Sozialkonservativen (z.B. William Bennett) unterscheidet.
Liberalkonservativen, wobei er diese sowie Libertäre, Liberale (z.B. John Locke, Adam Smith, John Rawls) und Neokonservative unter Individualisten zusammenfasst, da sie auf einem intellektuellen politischen Spektrum anzusiedeln seien. Die Gesellschaftsauffassung der Individualisten folgt dem Konzept der ungebundenen Autonomie, d.h. sie räumen dem Individuum ein größtmögliches Maß an Autonomie ein, womit sie staatliche Kontrollen, Regulierungen, Vorschriften und sozial festgelegte Verhaltensnormen ablehnen. Sie versuchen ihre vernunftgeleiteten Interessen mittels Verhandlungen durchzusetzen, plädieren für die Bedeutung von Marktmechanismen und stützen sich auf utilitaristische Mittel, da soziale Verantwortung die Freiheit des Individuums untergrabe. Das kommunitaristische Denken beschreibt Etzioni als zwischen dem der Individualisten und dem der Sozialkonservativen angesiedelt, denn es betont eine Balance zwischen den beiden Werten der moralischen 31 Kommunitaristen heben die Ordnung und der gebundenen Autonomie des Einzelnen. 32 der Menschen als soziale Wesen, die soziale Einbettung (sprachlich, ethnisch, kulturell)
aufeinander angewiesen sind und bestimmte Wert- und Moralvorstellungen teilen hervor: „das
28 Vgl. Etzioni (1997), S.25ff.
29 Vgl. Etzioni (1997), S.55ff.
30 Vgl. Etzioni (1997), S.32ff.
31 Vgl. Etzioni (1997), S.26ff.
32 Vgl. Etzioni (1997), S.46.
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Arbeit zitieren:
Janine Tepaß, 2009, Die Grundzüge der Verantwortungsgesellschaft nach Amitai Etzioni, München, GRIN Verlag GmbH
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