1 Einleitung
Der 30. Juni 1934 - ein Tag, der das Deutsche Reich wohl radikaler veränderte, als jedes andere Ereignis in der Zeit nach dem Machtantritt Adolf Hitlers. An jenem Samstag, der von den Nazis fälschlich als „Röhm-Putsch“ propagiert wurde, ermordeten Mitglieder der SS und Gestapo die Führungspersönlichkeiten um den SA-Stabschef Ernst Röhm und bürgerliche Gegner der Nationalsozialisten.
Die Mordnacht beendete den Prozess der „Machtergreifung“ Hitlers und leitete die endgültige Diktatur in Deutschland ein: Nachdem auch die letzten politischen Gegenspieler Hitlers beseitigt waren und die Partei zu einem willenlosen Mobilmachungsinstrument herab sank, war der Weg für den Alleinherrscher frei.
In dieser Arbeit sollen die Hintergründe und der Ablauf dieser einflussreichen Nacht dargestellt und erklärt werden. Der Fokus wird dabei auf die Fragestellung gelegt, ob es sich bei der Person Ernst Röhm um einen ernst zu nehmenden, ja vielleicht sogar letzten Gegner Adolf Hitlers handelte und ob die Befürchtung eines Putsches, wie ihn die NSDAP später bezeichnete, gerechtfertigt war. Außerdem wird geprüft, ob die Ereignisse des
30. Juni 1934 und das brutale Eingreifen gegen den „Röhm-Putsch“ von langer Hand geplant waren.
2 Die Sturmabteilung
2.1 Die Geschichte der SA
Um einen Überblick zum Charakter der Sturmabteilung zu bekommen, wird an dieser Stelle knapp die Geschichte der SA wieder gegeben.
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Die SA war die uniformierte und bewaffnete Kampf-, Schutz- und Propagandatruppe der NSDAP. Bis 1925 war sie parteiunabhängig. Im November 1921 nahm die Kampftruppe der NSDAP, die sich harmlos unter dem Namen Turn- und Sportabteilung firmierte, die Bezeichnung Sturmabteilung (SA) an. Zentrum der streng hierarchisch strukturierten SA war zu Beginn der zwanziger Jahre die „Ordnungszelle Bayern“. Die Atmosphäre der Gruppe, stark geprägt von nationalistischem Gedankengut, bildete einen idealen Nährboden für politischen Radikalismus und aggressiven Antisemitismus. Unzählige Gewaltaktionen gegen Juden und politische Gegner standen zu dieser Zeit an der Tagesordnung. Um die demokratische Ordnung zu stürzen, beteiligte sich die SA, die damals noch von Hermann Göring geführt wurde, mit einigen hundert Bewaffneten im November 1923 am fehlgeschlagenen „Hitler-Putsch“. Die SA wurde ebenso wie die NSDAP verboten.
Nach der Neugründung der NSDAP gliederte sich die SA im Februar 1925 in die Partei ein. Von diesem Zeitpunkt an trugen die Angehörigen die bekannten braunen Uniformen mit Schaftstiefeln, Schulterriemen und einer Hakenkreuz-Armbinde. Provozierende Märsche auf den Straßen stellten die Stärke und Geschlossenheit der nationalsozialistischen Bewegung dar. Das wirkte besonders auf Jugendliche und junge Männer sehr anziehend. Die Mitgliederzahl der SA stieg in den folgenden Monaten und Jahren rapide an. Bis 1930 zählten rund 60.000 Männer 1 in 200 Ortsvereinen zur SA. In Konkurrenz zu bürgerlichen Vereinen entstanden seit 1928 verschiedene Spezialeinheiten, die gezielt sozial Schwachen die Teilnahme an einem derartigen Freizeitangebot ermöglichten.
1929 übernahm Hitler persönlich das Amt des Obersten SA-Führers. Die Leitung der Truppe übertrug er 1931 dem neu ernannten Stabschef der SA, Ernst Röhm. Während des Jahres 1931 gelang es, die Zahl der Angehörigen fast zu verdreifachen. Zählte man im Januar noch 88.000 Mitglieder, so waren es im April 119.000, im November 227.000 und im Dezember
1 Longerich, Peter: Die braunen Bataillone, Geschichte der SA. München, 1989. S. 93.
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260.000 2 . Nach dem Durchbruch der NSDAP bei der Reichstagswahl vom
14. September 1930 etablierte sich die SA bis 1933 zu einer Massenorganisation mit rund 700.000 3 Mitgliedern.
In dieser Zeit behauptete sich die Mitglieder bei blutigen Straßenschlachten zwischen SA und Polit-Gegnern. Dabei starben bis 1932 94 „Braunhemden“. Ihre Begräbnisfeiern wurden zu einem Heldenkult gestaltet. Gleichzeitig trieb eine Terrorwelle mit unzähligen Mord- und Bombenanschlägen, ausgehend von der SA, das Land an den Rand eines Bürgerkriegs: Aus den Straßen-Märschen wurden hemmungslose Gewaltaktionen, Versammlungen politischer Gegner wurden durch eingedrillte Kampftaktiken gesprengt. Die SA verbreitete mit beispielloser Brutalität Angst und Schrecken.
Doch bereits zur Ernennung von Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933, war eine leichte Konfrontation zwischen Partei- und SA-Führung zu spüren. Zwar feierten die SA-Formationen die Machtübernahme der Nationalsozialisten mit gewaltigen Fackelzügen und Siegeskundgebungen, doch die SA wirkte bereits politisch frustriert und drängte nach der Übernahme der Staatsmacht.
Doch ihr Terror-Streifzug durch die Republik hielt an. In den Wochen vor und nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 kam es zu blutigen Ausschreitungen von einem bis dahin unbekanntem Ausmaß: In Preußen als „Hilfspolizei“ mit staatlichen Vollmachten eingesetzt, wurden politisch Andersdenkende willkürlich von der SA gefoltert und mißhandelt. Bis 1934 war die SA auf rund vier Millionen Mitglieder angewachsen. Sie war ein sehr ernst zu nehmender innenpolitischer Machtfaktor, der den Prozess der „Gleichschaltung“ durch ihre blutige Aufgabe weitgehend voran trieb. Doch Röhms Bemühungen, die gigantischen Parteiarmee zu einer Volksmiliz umzuformen, endete auf Grund der Konkurrenz zur Reichswehr mit der Liquidierung der SA-Führung und dem späteren Untergang der SA. 4
2 Ebenda S. 111.
3 http://www.wissen.de/SA (15.03.2003)
4 Vgl. http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/innenpolitik/sa (15.03.2003)
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Arbeit zitieren:
Stephanie Traichel, 2003, Der Röhm-Putsch, München, GRIN Verlag GmbH
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