Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
M änner und Frauen und ihre Funktionen in Dantons Tod 4
Julie 8
Marion 10
Lucille. 12
Literaturverzeichnis. 15
Einleitung
In Büchners Drama Dantons Tod stehen sich zwei unversöhnliche politische Parteien
gegen über. Danton und seine politischen Freunde wünschen die Revolution zu konstituieren.
Die Zeit des Umbruchs sei vorüber, Zeit die Republik zu errichten. Dem gegenüber stehen
Robespierre und die Jakobiner. Für sie ist die Revolution noch nicht abgeschlossen. Innere
Feinde bedrohen weiterhin ihren Fortschritt.
Reduzierte sich Büchners Drama jedoch auf diesen historischen Streit, so wäre es nicht nötig
gewesen die weiblichen Charaktere des Dramas so oft zu Wort kommen zu lassen. Bestenfalls
h ätte sich Büchner damit begnügen können, Lucille und Julie als Reminiszenzen an den
historen Danton und Camille auftreten zu lassen. Völlig überflüssig wäre es, den Grisetten,
allen voran Marion, Text zuzuweisen.
Aus dieser Beobachtung ergeben sich zwei Schlußfolgerungen. Entweder ist Dantons Tod
nicht ausschließlich die Darstellung eines politischen Konfliktes oder die Frauen stellen eine
dritte politische Strömung innerhalb des Dramas dar.
Im Verlaufe dieser Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden, welches die Funktion des
jeweiligen weiblichen Charakters in Dantons Tod ist
Männer und Frauen und ihre Funktionen in Dantons Tod
Auffällig bei den Personen des Stückes ist, daß Büchner die Personage in vier großen Teilen angeordnet hat. Den Anfang machen Danton und seine Verbündeten, gefolgt von Robespierre und seinen Anhängern. Diese beiden Gruppen tragen den vordergründigen Konflikt des Dramas. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn sie zuerst genannt werden. Die dritte ist nicht mehr in sich geschlossen. Es handelt sich bei ihr um eine lose Aufzählung der Nebenrollen mit wenigen Auftritten, etwa Paris oder Simon. Unabhängig von der Bedeutung ihrer Funktion für das Drama werden die weiblichen Figuren geschlossen an das Ende der Auflistung gesetzt. Bemerkenswert ist vor allem, daß Marion nicht als die erste der Grisetten genannt wird, obgleich sie ohne Zweifel deren bedeutendste Vertreterin ist.
Allerdings ist auch innerhalb des Gefolges von Danton keine Hierarchie zu erkennen. Es wäre auch müßig eine zu erstellen. Zwar gewinnt Camille durch die ihm beigestellte Lucille eine exponiertere Stellung im Drama als Lacroix oder Legendre. In seiner Beziehung zu Danton nimmt Camille aber nicht unbedingt eine besondere Position ein. Abgesehen von zwei Stellen im Gefängnis ist Camilles Funktion dieselbe wie die der anderen unter dem Stichwort Deputierte zusammengefaßten, nämlich den Fatalismus Dantons zu illustrieren, indem sie im Stile einer Cassandra oder eines Laokoon vor drohender Gefahr warnen. Weiterhin verdeutlichen sie die politische Bedeutungslosigkeit der Gemäßigten in dieser Phase der Revolution, die ohne ihren Kopf Danton nicht in der Lage sind, den radikalen Jakobinern die Initiative zu entreißen.
Die Gruppe um Robespierre könnte statt Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses auch die Bösewichter heißen. Sie bilden zuvorderst das Gegengewicht zu Danton und sind unabdingbar für das zustande kommen eines dramatischen Konfliktes und müssen daher natürlich eine gegensätzliche Position einnehmen. Ihre Handlungen und Dialoge kennzeichnen sie jedoch recht eindeutig als Verbrecher. Die Sympathielenkung ist nur darum nicht so auffällig, weil niemand in diesem Drama kein Blut an den Händen kleben hat. Mit den Septembermorden als historischen Hintergrund eignet sich Danton nicht zum tragischen Helden nach antikem Vorbild.
Dennoch wird niemand bestreiten, daß es sich bei Danton um eine Identifikationsfigur handelt, während das Gefolge Robespierres vor allem einen Eindruck von der Grausamkeit dieser Phase der Revolution vermitteln. Ihre Dialoge und Handlungen kontrastieren die Auftritte Robespierres vor den Bürgern und vor dem Wohlfahrtsausschuß. Spricht jener von einer abstrakten Tugend, die durch einen gleichfalls abstrakt gehaltenen Schrecken herrschen soll, so füllen sie gerade letzteren Begriff mit blutigem Leben. Etwa wenn Collot und Barrère in der sechsten Szene des dritten Aktes nicht nur das Gnadengesuch einer Frau ablehnen, die um einen raschen Tod nachsucht, sondern sich auch noch zynisch über schwangere Gefangene auslassen: „Desto besser, da brauchen ihre Kinder keinen Sarg.“ 1 Wie es sich für Bösewichter gehört, ist ihre Gruppe auch nicht homogen in ihren Ansichten, im Gegensatz zu Dantons Gruppe. Es gibt im Gefolge Robespierres eine Hierarchie des Zynismus. Für Robespierre ist das Blutvergießen eine moralische Notwehr. St. Just argumentiert sicherlich bereits zynisch, wenn er eine Parallele zwischen der Revolution und den Gesetzen der Natur zieht, doch versucht er wenigstens die Morde in einen sittlichen Zusammenhang zu bringen. „Die Natur folgt ruhig und unwiderstehlich ihren Gesetzen. Der Mensch wird vernichtet, wo er mit ihnen in Konflikt kommt.“ 2 Sicherlich glaubt er selbst daran, Danton wäre mit diesen Gesetzen in Konflikt gekommen und daher zu einem guten Teil selbst daran schuld, wenn er das Schafott besteigen muß. Dem Außenstehenden ist natürlich klar, daß seine Rechtfertigung nicht haltbar ist, da die Jakobiner ihre Politik mit den Naturgesetzen gleichsetzen.
Erst in Collot und Barrère wird aber der ungezügelte Willen zur Macht, vielleicht sogar eine Blutrünstigkeit um ihrer selbst Willen sichtbar. Daher kann es in dieser Gruppe auch keine Loyalität geben. Fabrés „Lebewohl Danton. Ich sterbe doppelt“ 3 läßt sich als Ausdruck einer solchen Loyalität bis in den Tod verstehen oder Dantons „Willst du grausamer sein als der Tod? Kannst du verhindern, daß unsere Köpfe sich auf dem Boden des Korbes küssen?“ 4 Dem gegenüber steht Collots Zukunftsprognose für Robespierre:
Büchner zeichnet Robespierre aber nicht als einen grausamen Moralisten, der etwa mit Sophokles Kreon zu vergleichen wäre. Zwar wird in keinster Weise seine Unbestechlichkeit
1 Georg Büchner. Werke und Briefe. S. 105.
2 ebd. S. 103.
3 ebd. S. 131.
4 ebd.
Arbeit zitieren:
Jan Henrik Hartlap, 2002, Eine Betrachtung der weiblichen Charaktere in Dantons Tod, München, GRIN Verlag GmbH
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