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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Der Trinker - Psychogramm oder Dokument? 5
Das Leben in der Anstalt 6
Tagesablauf 8
Ern ährung 9
Kleidung 11
Hygiene 11
Medizinische Versorgung 12
Arbeit 13
Beziehungen nach draußen 13
Insassen 14
Kalfaktoren 16
Personal 17
Sommer 18
Schlu ß 20
Einleitung
Beschäftigt man sich mit den Romanen Hans Falladas, so merkt man schnell, daß es ihm darum zu tun ist, mit humanem Respekt das Leben und Leiden des kleinen Mannes in all den Fährnissen seiner Zeit zu schildern, vielfach ein Abarbeiten eigener Erfahrungen. Präzise Details und eindringliche Beschreibungen lassen einen das Wesen der Zeit nachfühlen, stets die Geschehnisse in Gesellschaft und Politik mit dem einfachen Menschen in Beziehung setzend. Er macht damit durchaus Geschichte erfahrbar und nimmt sie aus den abstrakten Zusammenhängen. Allerdings wird man wohl der Einstellung Falladas eher gerecht, wenn man nicht unbedingt davon ausgeht, er wolle die Widernisse der hohen Politik schildern, als daß er diese Geschichte ohnehin von unten her schreibt, den eigenen Erfahrungen gemäß seine Perspektive von unten nach oben wählt.
So steht in allen Büchern der Mensch im Vordergrund, oftmals gescheiterte Existenzen, die aus der eigentlichen Gesellschaft auszutreten gezwungen waren, da es ihnen unmöglich war, gegen die eigene Probleme und Konflikte mit den gesellschaftlichen Normen anzukämpfen. Vielleicht waren dies auch oft Probleme, die erst durch die leistungsorientierte Ausrichtung auf das „normale“ Ansehen in der Gesellschaft zu Problemen wurden. Menschen wie Willi Kufalt sind wohl durchaus selbst schuld an der mißlichen Lage, in die sie geraten sind, aber einmal darin verstrickt, wird ihnen nicht mehr helfend die Hand geboten, sie sind gebrandmarkt, ausgegrenzt und sich selbst überlassen. Teilweise muten diese Verhältnisse geradezu kafkaesk an in den verzweifelten Versuchen der Ausgestoßenen, gegen das ihnen ergangene Unglück anzugehen. Eine dieser Gestalten ist auch Erwin Sommer, der durch eigene Verfehlungen, durch seine Unfähigkeit zum geeigneten Arrangement mit der Gesellschaft und vor allem mit seiner Frau, sich in die Defensive gedrängt fühlt, sich schon bald als Außenseiter versteht und den Weg ins Verderben antritt. Auch er findet nicht mehr den Weg zurück und tritt den Gang ins Unglück an. Allerdings fehlt beim „Trinker“ die eindeutige zeitliche und lokale Zuordnung, die in fast allen anderen Romanen unabdingbar zum gesellschaftlichen Hintergrund gehört, was es um so schwieriger macht, den Roman als Ganzes einzuordnen. Er bietet eine Vielzahl an Interpretationsansätzen, die den Roman erfahrbar machen, aber in diesem Punkt bleibt er vage. Nichtsdestotrotz liegt die Vermutung nahe, daß der Roman vor
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allem ein Abarbeiten Falladas an sich selbst ist, an seinem eigenen Schicksal, das ihn Ende 1944 in die Landesanstalt Strelitz verschlägt, nachdem er seine Ex-Frau mit einem Gewehr bedroht hatte. Womöglich bietet insbesondere diese Anstalt, in der er auch das Manuskript des „Trinkers“ verfaßt hat, den Hintergrund für diesen Roman, weshalb der Fokus dieser Untersuchung auf die Darstellung der prekären humanitären Zustände im Vollzug und im besonderen in einer solchen „Nervenheil“anstalt gelegt werden soll. So wird auch dieser vielleicht ausschließlich autobiographisch motivierte Roman wiederum zu einer Darstellung der Kritik Falladas an den Mißständen der Gesellschaft im Umgang mit den weniger glücklichen Menschen, die es nicht verstanden haben, sich den Normen und Regeln der Mehrheit anzupassen und denen nun kaum mehr menschliche Hilfe zuteil wird. Vielleicht sind auch die vagen Angaben zu Zeit und Ort ein Indiz dafür, daß Fallada in Anbetracht der nationalsozialistischen Herrschaft sich nicht allzu offen ans Messer liefern wollte, sofern das Manuskript entdeckt worden wäre. Aber auch so bricht er in der verzweifelten Geschichte des Erwin Sommer eine Lanze für Humanität, die auch er in dieser Weise vielleicht sein ganzes Leben gesucht hat.
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Der Trinker - Psychogramm oder Dokument?
Falladas Roman ist vor allem die Schilderung des Niedergangs des Einzelnen aus der Gesellschaft, ein Ausscheiden aus der Gesellschaft, deren Verantwortungsbewußtsein in Frage gestellt wird. Nicht nur der Alkoholkranke stellt sich abseits, es wird ihm im Verlaufe der Geschichte jegliche Chance zur Rehabilitation genommen. Gefangen in seiner eigenen verqueren Logik findet er keinen Ausweg. Die undurchdringliche bürokratische und juristische Maschinerie nach den erhabenen Grundsätzen jener Gesellschaft tun ihr übriges. Diese Aspekte wurden bereits in der frühen Kritik aufgenommen, je nach politischer Facon. Die ostdeutsche Kritik sieht in dem Roman vor allem einen Beleg dafür, wie der Kapitalismus den einzelnen Menschen zu zerstören imstande sei. „Der Untergang des Kleinbürgers“ lautet die Überschrift René Schwachhofers, für den es sich beim „Trinker“ „um das hilflose Ausgeliefertsein des Menschen an die Verzweiflung in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung“ handelt. Die Gesellschaft, der Sommer selbst angehört, richtet erbarmungslos den Sünder hin. „Die kapitalistische Gesellschaftsordnung, selbst korrumpiert, selbst liebäugelnd mit der Verworfenheit, sie ist um so selbstherrlicher und gnadenloser in ihren Moralprinzipien“ 1 .
Ähnlich sieht das auch Max Schroeder. Er schreibt, daß das Manuskript „zu den erschütternden Dokumenten des Leidensweges [gehöre], den die kapitalistische Gesellschaft dem Künstler bereitet, und zugleich der moralischen Kraft, die dem echten Künstler innewohnt“ 2 , womit er auch den autobiographischen Bezug andeutet. Weiterhin pflichtet er Schwachhofer bei: „Das Hauptthema aber ist ein typischer Fall der Ausweglosigkeit eines Menschen im Kapitalismus“ 3 und er stellt die These auf, daß Sommer zugrunde gehe, weil der erste Rausch ihm ein tieferes Erlebnis gebe, als sein ganzes früheres Leben. Sommer entdecke auf der Höhe des Lebens, daß er keinen Lebensinhalt habe. Sommer werde zum tragischen Fall, als ihm die Inhaltslosigkeit seines Lebens bewußt wird. „Von allen Göttern verlassen, ohne Blick auf irgendwelche positiven Kräfte der Gesellschaft, vegetiert er dahin in tiefster seelischer Finsternis.“ 4
1 Renè Schwachhofer: Der Untergang des Kleinbürgers. In: Heute und Morgen. Nr. 4/ 1954; S. 254f
2 Max Schroeder: Hans Fallada. Zum Erscheinen seines nachgelassenen Romans „der Trinker“. In: Neue Deutsche Literatur. Nr. 12/ 1953. S.127
3 ebda., S. 128
4 ebda., S. 129
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In der westdeutschen Kritik wird der „Trinker“ eher als „abstoßend und unmoralisch“ 5 betrachtet worden. Hier werden stärker die autobiographischen Bezüge und weniger politische Argumentationen untersucht; wie und warum Erwin Sommer eine solche Veränderung seiner Persönlichkeit durchlebte. Es wird auch stärker auf das persönliche Unvermögen Sommers eingegangen. Während aus Sicht der sozialistischen Kritiker die inhumane kapitalistische Gesellschaft die Alleinschuld am „Untergang des Kleinbürgers“ trägt, wird in der westdeutschen Kritik das Zusammenspiel vieler Faktoren untersucht. Hier kommt man zu dem Schluß, daß die Gesellschaft in Gestalt seiner Frau Magda und auch des Hausarztes Dr. Mansfeld sehr wohl den Versuch gemacht habe, Sommer vom Alkohol zu befreien. Er, Sommer, habe jede ihm dargebotene Hand ausgeschlagen. So gesehen trägt das Individuum, also Sommer selbst, die Verantwortung für sein eigenes Scheitern.
So wird die Interpretation des Trinkers in der frühen Kritik sehr einseitig vor allem auf die politische Deutung reduziert, womit viele Aspekte des Romans außen vor bleiben. Gewiß haben beide Ansätze einen gemeinsamen Nenner, der in der Verknüpfung des Autobiographischen mit dem Politischen, im Wechselspiel zwischen Individuum und Gesellschaft liegt, aber die Kritik wird dem Buch damit nicht insgesamt gerecht, dazu ist es zu komplex. Im Fokus auf die Situation in der Anstalt mag allerdings eine Darstellung dieser angedeuteten Wechselbeziehungen gelingen, weswegen diesem Umstand unser Hauptaugenmerk gilt, so daß auch dieses Buch Falladas durchaus als ein Dokument seiner Zeit verstanden werden kann. Zudem ist Falladas Buch vor allem in seiner Schilderung der Anstaltsverhältnisse ein Beleg für seine humanitäre Gesinnung, die in all seinen Werken aufscheint, ein Beleg für sein Bemühen um die Würde des Einzelnen, die in der Anstalt keine Rolle mehr spielt. Es gilt das Prinzip der Verwahrung, nicht der Resozialisation.
Das Leben in der Anstalt
Es ist eine lange Leidensgeschichte, die Erwin Sommer durchlebt. Den größten Teil davon verbringt er in einer Heilanstalt, in die er nach dem Gefängnis eingewiesen wird. Ab S. 170 der Aufbau-Taschenbuchausgabe sieht er sich selbst ohnmächtig der über ihm waltenden Justiz und Bürokratie ausgeliefert. Sommer
5 ebda., S. 129
Arbeit zitieren:
Magister artium Christian Dilger, 1999, Die Nervenheilanstalt in Hans Falladas "Der Trinker" oder "Die Würde des Menschen ist antastbar", München, GRIN Verlag GmbH
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Christian Dilger's Text Die Nervenheilanstalt in Hans Falladas "Der Trinker" oder "Die Würde des Menschen ist antastbar" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
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