Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Naturphilosophie, Selbstreflexion und Neue Mythologie 4
2.1 Die Bedeutung der Natur in der Romantik 4
2.2 Die Bedeutung der Reflexion in der Romantik 5
2.2.1 Selbstreflexion 6
2.3 Die Bedeutung des Mythos in der Romantik 7
3. Der Mythos des Narziss 11
3.1 Einführung: Ovids „Metamorphosen“ 11
3.2 Ovids Narcissus 11
3.3 Die Rezeption des Narziss-Mythos 12
4. Johann Wolfgang von Goethe - „Der Fischer“ 14
4.1 Form des Gedichts 14
4.2 Das Spiegelungsmotiv im „Fischer“ 15
5. Schlussbetrachtung 16
Bibliographie 18
2
1. Einleitung
Die Epoche der Romantik ist eine Epoche voller Motive und Symbole. Dabei liegt das Hauptaugenmerk des Romantikers auf der Natur. Vor allem in der Lyrik wird häufig die Naturverbundenheit des lyrischen Ichs in den Vordergrund gestellt, oder die wichtigsten Gedanken werden durch Naturmetaphern verdeutlicht. Hierbei gründet das Naturverständnis des Romantikers aber nicht auf der Einheit von Mensch und Natur, sondern vielmehr auf dem Glauben, man habe diese Einheit verloren. Die Beschäftigung mit der Natur in der Lyrik versteht sich somit als Sehnsucht nach Wiedererlangung dieser Einheit. Nach Schiller ist die Natur demnach sentimentalisch belegt, sie wird zum „Ideal“ stilisiert. Des Weiteren ist für den Romantiker die Natur untrennbar mit der Kunst verbunden: die Kunst stellt die Natur einerseits dar, ist andererseits aber auch ein Weg, vielmehr sogar der Weg, zu ihr hin. 1 Ebenso prominent in der romantischen Lyrik ist der Gestus der Selbstreflexion. Das lyrische Ich, der Dichter oder sogar das Gedicht hinterfragt und kritisiert sich selbst. Zusätzlich ist in der Romantik die Tendenz zur Hinwendung zu antiken Mythen zu erkennen. So werden die althergebrachten, antiken Mythen wieder in der Literatur verwendet, entweder neu belebt oder umgestaltet. Dem Konzept der neuen Mythologie folgend, werden ebenso neue Mythen erschaffen.
Ein immer wiederkehrendes Motiv, das Naturmetaphorik und Selbstreflexion miteinander verbinden kann, ist das des Spiegels. So wird zum Beispiel oft die Wasseroberfläche, ein Element der Natur, als Spiegelungsmedium verwendet. Und durch den Mythos des Narziss besteht eine Verbindung zum neu entdeckten mythologischen Interesse der Romantiker.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, anhand einer ausgewählten Ballade der Romantik (Goethe, „Der Fischer“) diese Motivik des Wassers als Spiegel darzustellen und in Beziehung zum Narziss-Mythos zu setzen. Hierbei verzichtet die Verfasserin auf übermäßigen Gebrauch von Sekundärliteratur, sondern versucht anhand einer eingehenden Analyse und Interpretation des Gedichts hinsichtlich der in ihm enthaltenen Spiegelungssymbolik den Sachverhalt darzustellen. Ebenso werden etwaige biographische Bezüge zum Dichter vermieden, um die Aufmerksamkeit ganz allein auf das genannte Gedicht und seinen Inhalt zu lenken.
1 Vgl. Pikulik, Lothar: Frühromantik, Epoche - Werke - Wirkung, 2., bibliographisch ergänzte Auflage, München 2000, S. 241 f.
3
2. Naturphilosophie, Selbstreflexion und Neue Mythologie
2.1 Die Bedeutung der Natur in der Romantik
Wie schon in der Einleitung angesprochen, gründet sich das Naturverständnis des Romantikers auf der Annahme, man habe eine zuvor bestehende Einheit mit der Natur verloren. Ziel der Beschäftigung mit der Natur in der Literatur ist die Wiedererlangung dieser Einheit. Die Kunst sollte demnach als Weg zur Natur dienen. Der Mensch ist zwar ein Teil der Natur, befindet sich aber gleichzeitig fern von ihr. Wie Pikulik es in seinem Werk über die Frühromantik ausdrückt:
Unter dem Aspekt der idealischen Ferne definiert sich Natur als außermenschlicher Bereich: als Reich der Gestirne, der Steine und Metalle, der Pflanzen und Tiere, sowie als Gegensatz zur Stadt, als Landschaft. Unter dem Aspekt der ursprünglichen und wiederzugewinnenden Einheit wird der Mensch andererseits als Teil der Natur gesehen. 2 Interessanterweise werden bei dieser Betrachtungsweise alle anderen Elemente der Welt zusammengefasst und als Natur bezeichnet. Die Natur erscheint als ein einziger Organismus, bei dem alles zusammenhängt. 3 Nur der Mensch bleibt außerhalb dieses Zusammenschlusses und auch sein Lebensraum, die Stadt, wird abgegrenzt. Beim Menschen entsteht durch diese Abgrenzung ein Gefühl der Melancholie, des Ausgeschlossenseins, welches zu beheben er bestrebt ist. Was den Menschen so anders macht, ist das Bewusstsein seiner selbst. Der Mensch ist fähig sich selbst und sein Umfeld zu begreifen, darüber nachzudenken und zu reflektieren. [...] im Laufe des 18. Jahrhunderts immer stärker entwickelten Vorstellungen vom menschlichen Wesen als „Geist-Natur“, das zwar als Naturwesen den Gesetzen von Werden und Vergehen bedingungslos unterworfen ist, aber zugleich als intelligentes Wesen dennoch vermag, über die Grenzen eigenen Lebens zu transzendieren. 4 Die Romantiker waren, in Anlehnung an den Idealismus, der Auffassung, dass sich die Strukturen des menschlichen Bewusstseins in der Natur widerspiegeln 5 , oder wie Schelling sagt: „Die Natur soll der sichtbare Geist, der Geist die unsichtbare Natur seyn.“ 6 In der Literatur kann dieser Geist allerdings auch als etwas dämonisches dargestellt werden und wird es auch in zunehmendem Maße, wobei dies in der späteren Romantik häufig durch die Einführung von Elementargeistern versinnbildlicht wird. 7 Die Einheit der Natur sahen die Romantiker keinesfalls als spannungslos, sondern als von Polaritäten durchzogenes Gebilde. Zu dieser Ansicht trugen vor Allem
2 Pikulik, Frühromantik, S. 242.
3 Vgl. Ebd., S. 244 und Schulz, Gerhard: Romantik - Geschichte und Begriff, München 3 2008, S. 102.
4 Schulz, Romantik, S. 99.
5 Vgl. Pikulik, Frühromantik, S. 243.
6 Zitiert nach Pikulik, Frühromantik, S. 243.
7 Vgl. Ebd.,, S. 243.
4
fortschreitende Erkenntnisse in der experimentellen Naturwissenschaft bei. 8 „In der Polarität strebt Einheitliches in Gegensätzliches auseinander und schließt sich wieder zur Einheit zusammen.“ 9 Das für den Romantiker am deutlichsten hervorstechende Beispiel dieser Polaritäten war die von Mann und Frau und die ganze Natur an sich wurde allgemein als etwas Weibliches betrachtet. So verwundert es nicht, dass in den Naturszenen der romantischen Lyrik immer wieder weibliche Wesen auftauchen (wie z.B. Hexen und Nixen), die nicht selten auch eine dämonische Verführung symbolisieren. 10 So erscheint auch in Goethes „Fischer“ eine Wassernixe als dämonische Verführerin.
Alle Gegebenheiten der Natur, die nicht mithilfe der Naturgesetze erklärbar waren, wurden vom Romantiker nicht negiert, sondern einfach mit der Kategorie des „Wunderbaren“ beschrieben. Dies erklärt die unausweichliche Verbindung von Natur-und Geisteswissenschaften, die in der Epoche der Romantik vorherrschte. 11
2.2 Die Reflexion in der Romantik
Die Reflexion war in der Epoche der Romantik seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert ein wichtiges Thema in der Literatur. Bei der Reflexion denkt das Subjekt nicht einfach nur etwas, sondern es denkt gleichzeitig über diesen Vorgang des Denkens nach und hinterfragt seine Gedanken kritisch.
Reflexion ist nicht einfach der Gedanke von etwas, sondern die `Rückbeugung´ auf die denkende Tätigkeit als solche, auf das Denken des Gedankens. Sie besteht somit in der Spiegelung des Gedankens im Bewußtsein des denkenden Ich, das sich, indem es sich beim Denken gewissermaßen zuschaut, dabei seiner selbst bewußt wird. Deshalb kann Schlegel die Reflexion als „Zurückbringung der Aufmerksamkeit auf uns selbst“ verstehen 12 Folglich entwickelt das Subjekt ein Selbstbewusstsein, es wird sich seiner eigenen Existenz bewusst. In Anlehnung an Fichtes Ich-Philosophie 13 erhielt die Reflexion in der Romantik einen neuen, höheren Stellenwert, sowohl in der Philosophie als auch in der Poesie. Die frühen Romantiker gingen dabei aber noch über Fichtes Theorie hinaus. Für sie waren der Reflexion keinerlei Grenzen gesetzt und sie begriffen sie als einen unendlichen Prozess. 14
8 Die Welt ist in der Tat reich an Polaritäten, wie z.B. Nord- und Südpol eines Magneten, Kälte und Wärme etc.
9 Pikulik, Frühromantik, S. 244.
10 Vgl. Ebd., S. 244.
11 Vgl. Ebd., S. 245.
12 Ebd., S. 46.
13 Fichtes Ich-Philosophie besagt, es sei die einzige Aufgabe des denkenden Selbstbewusstseins sich beim Denken zuzuschauen, um sich als denkendes Selbst zu begreifen.
14 Vgl. Pikulik, Frühromantik, S. 46 f.
5
Arbeit zitieren:
Kim Keller, 2008, Das Spiegelungsmotiv in Johann Wolfgang von Goethes Ballade „Der Fischer“, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur: neuer Titel erschienen: Das Spiegelungsmotiv in Johann Wolfgang von Goethes Ballade „Der Fischer“
Kim Keller hat einen neuen Text hochgeladen
Gedichte von Johann Wolfgang Goethe. Interpretationen
Johann Wolfgang von Goethe, Bernd Witte
Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werther
Inhalt - Hintergrund - Interpr...
Michael Rumpf, Rainer Lorenz
Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 2
Nachkriegszeit und Bundesrepub...
Notker Hammerstein
Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 1 + 2
Bd. 1: Von der Stiftungsuniver...
Notker Hammerstein
Plays: Johann Wolfgang Von Goethe: Egmont, Iphigenia in Tauris, Torqua...
Frank G. Ryder, Johann Wolfgang von Goethe
Johann Wolfgang Goethe.10 Gedichte
Erläuterungen und Dokumente
Elisabeth Böhm, Johann Wolfgang von Goethe
EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle. Die Lyrik Johann Wolfgang von Goet...
Gymnasiale Oberstufe
Johann Wolfgang Goethe, Iphigenie auf Tauris
Inhaltsangabe, Analyse des Tex...
Johann Wolfgang von Goethe
0 Kommentare