Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS i
ABBILDUNGSVERZEICHNIS ii
TABELLENVERZEICHNIS. iii
LITERATURVERZEICHNIS. iv
ANHANG viii
1 MOTIVATION UND GANG DER ARBEIT 1
2 ENTWICKLUNG BRASILIENS WÄHREND DER WELTWIRTSCHAFTSKRISE
ZWISCHEN 1929 UND 1933 3
3 KONZEPTE ZUR ERKLÄRUNG DES VERHALTENS BRASILIENS WÄHREND
DER WELTWIRTSCHAFTSKRISE 8
3.1 Drei Formen des Dirigismus als staatliches Eingreifen in die Wirtschaft 8
3.2 Keynesianismus als Denkkonzept zum staatlichen Verhalten während einer
Wirtschaftskrise 11
3.3 Importsubstitution als Konzept zum Schutz der inländischen Industrie 14
4 STAATLICHE MAßNAHMEN UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF
BRASILIANISCHE KERNBRANCHEN. 17
4.1 Die „Kaffeekrise“ 17
4.2 Baumwolle: Ein Ersatz für Kaffee? 20
4.3 Vargas Zielbranche: Förderung der Eisen- und Metallindustrie. 22
5 FAZIT UND AUSBLICK 25
i
Abbildungsverzeichnis
___________________________________________________________________________
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Trend des Bruttoinlandsprodukts in
Brasilien von 1900 bis 2008 ............................................................................................... 4
ii
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Tabellarische Zusammenfassung der Merkmale des Dirigismus. 10
Tabelle 2: Tabellarische Zusammenfassung der Merkmale des Keynesianismus 13
Tabelle 3: Tabellarische Zusammenfassung der Merkmale der Importsubstitution 16
Tabelle 4: Dirigismus in der Kaffeebranche viii
Tabelle 5: Keynesianismus in der Kaffeebranche. viii
Tabelle 6: Importsubstitution in der Kaffeebranche. ix
Tabelle 7: Dirigismus in der Baumwoll- und Textilbranche. ix
Tabelle 8: Keynesianismus in der Baumwoll- und Textilbranche x
Tabelle 9: Importsubstitution in der Baumwoll- und Textilbranche. x
Tabelle 10: Dirigismus in der Eisen- und Metallindustrie xi
Tabelle 11: Keynesianismus in der Eisen- und Metallindustrie. xi
Tabelle 12: Importsubstitution in der Eisen- und Metallindustrie xii
iii
Motivation und Gang der Arbeit
___________________________________________________________________________
1 Motivation und Gang der Arbeit
Mit dem Crash der Börse in New York läutete sich die weltweite Wirtschaftskrise von 1929 bis 1933 ein. Die „Goldenen Zwanziger“ waren auf einen Schlag beendet und die großen Volkswirtschaften wie die USA, England, Frankreich oder Deutschland sahen sich Massenarbeitslosigkeit und Deflation gegenüber. Über den Verlauf der Krise in diesen entwickelten, westlichen Länder, die Maßnahmen ihrer Regierungen und die Wirkungen auf volkswirtschaftliche Indikatoren wurde in der Wissenschaft bereits umfassend diskutiert.
Wenig Fokus hat die deutsch- und englischsprachige Wissenschaft bisher auf Krisenverlauf undüberwindung in den Entwicklungs- und Schwellenländer gelegt. Gerade die Zweitgenannten, also Länder, die einen Wandel von reinen Agrarstaaten hin zur Industrialisierung bestritten, finden sich in der Literatur zur Weltwirtschaftskrise nur bedingt wieder. Doch Ausnahmesituationen wie die Jahre von 1929 bis 1933 stellen Chancen aber auch Risiken für aufstrebende Volkswirtschaften dar. Einerseits können sie gestärkt aus der Krise hervorgehen, durch zielgerichtete Politik Schwachstellen in ihren Wirtschaftssystemen beseitigen und so große Schritte in Richtung Industrienation und „Erste Welt“ gehen. Andererseits besteht die Gefahr durch Massenarbeitslosigkeit, De- oder Inflation und steigende Staatschulden erneut ins Hintertreffen zu geraten und einen Schritt zurück in Richtung „Dritte Welt“ zu machen.
An diesem Punkt möchte die hier vorliegende Arbeit ansetzen und Maßnahmen und Auswirkungen der Politik in einem Schwellenland während der Weltwirtschaftskrise beleuchten. Als Beispielland wurde Brasilien gewählt, welches aus vier Gründen als besonders interessant erscheint: als größter Kaffeeproduzent und -exporteur zu dieser Zeit konnte es den Weltmarktpreis für ein Agrargut bestimmen, es hatte enge wirtschaftliche Beziehungen zu den USA und Europa und damit zu den Ausgangspunkten der Krise und die Regierung griff traditionell stark in die Wirtschaft ein. Zudem befand sich das Land in einer turbulenten politischen Zeit, welche von der Machtergreifung Getúlio Dornelles Vargas bestimmt war. Diese Umstände verdienen einen genaueren Blick auf dieses Land und seinen Weg durch die Krise von 1929 bis 1933.
1
Motivation und Gang der Arbeit
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Im Rahmen dieser Arbeit sollen folgende Forschungsfragen diskutiert werden:
1. Wie entwickelte sich die Volkswirtschaft Brasiliens während der Krisenjahre von 1929 bis 1933?
2. Wie reagierte die Regierung von Getúlio Dornelles Vargas auf die Krise und welche theoretischen Konzepte liegen dahinter?
3. Spiegeln sich die theoretischen Konzepte auch in konkreten Maßnahmen und Entwicklungen in bestimmten Branchen wider?
Zur Beantwortung der Fragen wurde folgender Gang der Arbeit gewählt. Zu Beginn werden die politischen Umstände während der Krise zusammengefasst und eine Übersicht gegeben, wie sich die Wirtschaft und die makroökonomischen Zahlen Brasiliens in den Krisenjahren entwickelten. In Kapitel 3 werden anschließend drei volks- und wirtschaftswissenschaftliche Konzepte theoretische behandelt, welche zur Erklärung und Beschreibung der politischen Maßnahmen der brasilianischen Regierung herangezogen werden können. Dabei werden Merkmale und Charakteristika der Konzepte Dirigismus, Keynesianismus und Importsubstitution herausgearbeitet. Diese bilden die Grundlagen für Kapitel 4. Hier liegt der Fokus auf den drei wichtigsten Branchen Brasiliens im frühen 20sten Jahrhundert: Kaffee, Baumwolle und Textil sowie Eisen und Metall. Mit Hilfe der Kriterien aus Kapitel 3 wird überprüft, ob sich die Konzepte tatsächlich in den betrachteten Branchen wiederfinden. Abgerundet wird die Arbeit mit einem zusammenfassenden Fazit und einem Ausblick auf künftige Forschungsfragen, die im Rahmen dieser Arbeit nicht beantwortet werden konnten.
2
Entwicklung Brasiliens während der Weltwirtschaftskrise zwischen 1929 und 1933 ___________________________________________________________________________
2 Entwicklung Brasiliens während der Weltwirtschaftskrise zwischen 1929 und 1933
Obwohl die Industrialisierung Brasiliens ihren Anfang bereits um die vorletzte Jahrhundertwende fand, 1 zeichnen die Beschäftigungszahlen aus den 1920ern eine immer noch agrarisch geprägte Volkswirtschaft. Der Zensus von 1920 ergab, dass von den 9,1 Millionen Arbeitern nach wie vor 6,2 Millionen, und damit um die 70%, in der Landwirtschaft tätig waren und gerade mal 14% in der Industrie. 2 Diese Übermacht der landwirtschaftlichen Produktion spiegelte sich auch in politischen Entscheidungen in der „Alten Republik“ von 1889 bis 1930 wider. 3 Dort herrschte die sogenannte „Milchkaffee-Politik“, in der sich die beiden mächtigsten, landwirtschaftlich geprägten Staaten, der Milchproduzent Minas Gerais und der Kaffeeproduzent São Paulo, bei der Besetzung der Zentralregierung abwechselten. 4 Trotz der geringen bestehenden Industrialisierung wuchs der Wohlstand im Land. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg das Bruttosozialprodukt durchschnittlich um 4,3% pro Jahr. 5 Letzter Präsident der „Alten Republik“ war Washington Luís. Vor Beginn der Krise verfolgte er eine aktive Politik der Verbesserung der Infrastruktur und legte sein Augenmerk auf den Ausbau von Straßen, welche für eine weitere Industrialisierung als Vorraussetzung galten. Zusätzlich bemühte er sich um eine Stabilisierung der brasilianischen Währung auf Basis eines Goldstandards, was der Beginn der Weltwirtschaftskrise aber verhinderte. 6
Der Beginn der „Neuen Republik“ fällt in das zweite Jahr der Krise und wird durch die Neuwahlen von 1930 gekennzeichnet. Eigentlich gewann Julio Prestes diese Wahlen, doch die Oppositionspartei wollte sich mit diesem Ergebnis nicht abfinden. Unter der Führung von Vargas proklamierte sie Wahlbetrug, brachte die Armee hinter sich und setzte schließlich mit Hilfe eines Staatsstreiches Luís vor Ende seiner Amtszeit ab. Am 03. November 1930 übernahm Getúlio Dornelles Vargas die vorläufige Regierung und markierte damit die
1 Vgl. Manfred Wöhlcke, 500 Jahre Brasilien. Die Entstehung einer Nation, Strasshof 2000, S. 98.
2 Vgl. Eliana Cardoso, Vladimir Kuhl Teles, A brief History of Barzil's Growth, in: TEXTO PARA DISCUSSÃO. São Paulo, Bd. 241, São Paulo 2010, S. 13.
3 Vgl. Manfred Wöhlcke, 500 Jahre Brasilien. Die Entstehung einer Nation, Strasshof 2000, S. 89.
4 Vgl. Sergio Costa, Das politische System Brasiliens, in: Klaus Stüwe, Stefan Rinke (Hrsg.): Die politischen Systeme in Nord- und Lateinamerika, Wiesbaden 2008, S. 114-137, hier: S. 115.
5 Vgl. Rüdiger Zoller, Verschuldung und Entwicklung: der Fall Brasilien (= Lateinamerika-Studien, Bd. 21), München 1986, S. 50.
6 Vgl. Nicolas Forster, Brasilien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Eine Situationsanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Força Expedicionária Brasileira, Wien 2010, S. 21.
3
Entwicklung Brasiliens während der Weltwirtschaftskrise zwischen 1929 und 1933 ___________________________________________________________________________
Geburtsstunde der „Neuen Republik“. 7 Aus Gründen der Vollständigkeit sei hier erwähnt, dass Vargas seine Regierungszeit nicht als „vorläufig“ empfand und bis 1945 im Amt blieb.
Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Trend des Bruttoinlandsprodukts in Brasilien von 1900 bis 2008 8
Mit der Machtergreifung Vargas änderte sich die bisherige Richtung der brasilianischen Wirtschaftspolitik. Er zielte auf eine diktatorische und zentralistisch gesteuerte Entwicklungspolitik ab und wollte eine Industrialisierung aus eigener Kraft mit Hilfe von Staatskapital schaffen. Zusätzlich wollte er die politische Macht der Agraroligarchien aus der „Alten Republik“ schwächen, allerdings ohne ihnen ihre wirtschaftliche Position zu nehmen. 9
Vargas Machergreifung geschah mitten in der Weltwirtschaftskrise, welche nach Untersuchungen von Haber in Brasilien zum Teil schon etwas früher begonnen hatte als in den westlichen Industrienationen. 10 Die Krise traf Brasilien wie die meisten Entwicklungsländer hart. Das Bruttoinlandsprodukt sank, die Inflation stieg und es kam zu Wachstums-, Beschäftigungs- und
7 Vgl. Joseph van den Besselaar, Brasilien. Anspruch und Wirklichkeit, Wiesbaden 1967, S. 223.
8 Vgl. IPEADATA, zit. n.: Eliana Cardoso, Vladimir Kuhl Teles, A brief History of Barzil's Growth, in: TEXTO PARA
DISCUSSÃO. São Paulo, Bd. 241, São Paulo 2010, S. 27.
9 Vgl. Manfred Wöhlcke, 500 Jahre Brasilien. Die Entstehung einer Nation, Strasshof 2000, S. 94ff.
10 Vgl. Stephen Haber, Business Enterprise and the Great Depression in Brazil: A Study of Profits and Losses in Textile
Manufacturing, in: The Business History Review, Jg. 66, H. 2 (1992), S. 335-363, hier: S. 335f.
4
Arbeit zitieren:
Dipl.-Wirtsch.-Ing. (Uni) Helena Preiß, 2011, Die Wirtschaftskrise von 1929-1933 in Brasilien und die staatliche Krisenpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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