Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die klassische Prozesskostenrechnung 3
2.1 Entwicklung und Einordnung 3
2.2 Vorgehensweise 5
2.2.1 Anwendungsvoraussetzungen und Aufbau des Prozessmodells. 5
2.2.2 Ermittlung von Prozesskosten 8
3 Die ressourcenorientierte Prozesskostenrechnung. 12
3.1 Entwicklung und Einordnung 12
3.2 Aufbau des Prozessmodells und weitere Vorgehensweise 13
3.3 Ermittlung von Prozesskosten 16
4 Vergleich von klassischer und ressourcenorientierter Prozesskostenrechnung 20
5 Zusammenfassung. 22
Literaturverzeichnis. 23
II
1 Einleitung
Die traditionellen Systeme der Kostenrechnung, worunter STEGER die Voll- und Teilkostenrechnung sowohl auf Ist- und Normalkosten- als auch Plankostenbasis versteht, 1 wurden durch die in den Unternehmen zur Zeit ihrer Entwicklung vorherrschende relative Homogenität des Produktprogramms geprägt. Basierend darauf war die Annahme gerechtfertigt, dass die Beschäftigung als wichtigste Einflussgröße für jeglichen Güterverzehr in der Fertigung anzusehen ist. Konsequenterweise nutzen die herkömmlichen Systeme der Kostenrechnung die Beschäftigung oder beschäftigungsabhängige Ersatzgrößen, beispielsweise Materialeinzelkosten, zur Verrechnung von Gemeinkosten. 2
Der Übergang von Verkäufer- zu Käufermärkten führte jedoch zu steigenden Anforderungen an das Produktprogramm der Unternehmen, 3 welches sich deshalb in den letzten Jahrzehnten von der ehemaligen Homogenität zu großer Heterogenität wandelte. Die Ursachen dafür liegen gemäß JOOS-SACHSE in der größeren Variantenvielfalt zur Abdeckung differenzierter Kundenbedürfnisse, kürzeren Produktlebenszyklen und gestiegenen Qualitätsanforderungen. Als Folge davon hat der Umfang von planenden, steuernden und überwachenden Tätigkeiten innerhalb der Unternehmen stark zugenomm en, 4 was zu einem steigenden Gemeinkostenanteil in sogenannten indirekten Unternehmensbereichen, wie beispielsweise Beschaffung, Arbeitsvorbereitung oder Qualitätssicherung, führte. 5 Dagegen war für direkt zurechenbare Kosteneinflüsse ein stetiger Rückgang, z. B. durch den steigenden Automatisierungsgrad im Produktionsbereich, zu verzeichnen. 6
Die beschriebene Entwicklung führte dazu, dass die in der Fertigung produzierten Gütermengen nicht mehr als alleinige Bestimmungsgröße für die Beanspruchung von Leistungen im indirekten Bereich genutzt werden konnten. Vielmehr sind neue Kosteneinflussgrößen wie Variantenzahl, Automatisierungsgrad oder Produktkomplexität zu berücksic htigen. Weiterhin ist zu hinterfragen, welche dieser neuen Einflussgrößen in der Kostenrechnung als Bezugsgrößen genutzt werden können, um relevante Informationen für Entscheidungen über die Zusammensetzung des Produktionsprogramms liefern zu können. Um diesen Anforderungen zu genügen, wurde die Prozesskostenrechnung entwickelt. 7
Das Ziel dieser Arbeit ist ein Vergleich der klassischen Prozesskostenrechnung nach HORVÁTH / MAYER mit der ressourcenorientierten Variante, welche grundlegend von
1 Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 533.
2 Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 352.
3 Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 352.
4 Vgl. Joos-Sachse, T.: (Controlling), S. 320.
5 Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Pro zeßkostenrechnung), S. 214.
6 Vgl. Deimel, K.; Isemann, R.; Müller, S.: (Managementaspekte), S. 325.
7 Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 353.
1
SCHUH entwickelt wurde. Zu diesem Zweck werden jeweils nach einer kurzen Einordnung sowohl der Aufbau des Prozessmodells als auch die Ermittlung von Prozesskosten für die klassische und die ressourcenorientierte Prozesskostenrechnung dargestellt. Anschließend werden beide Verfahren anhand der Kriterien Einsatzbereich, Aufbau des Prozessmodells und Ermittlung von Prozesskosten verglichen, bevor eine kurze Zusammenfassung den Abschluss der Seminararbeit bildet.
2
2 Die klassische Prozesskostenrechnung
2.1 Entwicklung und Einordnung
Gemäß HORVÁTH / MAYER stellt die Prozesskostenrechnung einen neuen Ansatz zur Erhöhung der Kostentransparenz in den indirekten Leistungsbereichen, wozu beispielsweise Beschaffung, Rechnungswesen, Qualitätssicherung und Vertrieb zählen, dar. 8 Grundgedanke derselben ist dabei eine möglichst verursachungsgerechte Verrechnung der in den indirekten Unternehmensbereichen anfallenden Gemeinkosten, welche in der Vergangenheit sowohl absolut als auch relativ zu den Einzelkosten stark gestiegen sind, auf die entsprechenden Kostenträger (in der Regel Produkte). 9 Da diese Gemeinkosten größtenteils Fixkosten darstellen, kann gemäß WEIß nicht wie im direkten Leistungsbereich auf eine Verrechnung nach dem Verursachungsprinzip zurückgegriffen werden. 10 GÖTZE weist darauf hin, dass bei einer Verrechnung von Gemeinkosten mit Hilfe von wertbezogenen Zuschlagssätzen auf die Kostenträger oft Ungenauigkeiten auftreten. Die Prozesskostenrechnung analysiert deshalb die Prozesse, welche Gemeinkosten verursachen. 11 Dabei verfolgt die Prozesskostenrechnung laut KREMIN-BUCH zwei Ziele:
(1) Durch die Berücksichtigung der jeweiligen produktspezifischen Beanspruchung indirekter Bereiche soll eine verursachungsgerechtere Verteilung der Gemeinkosten ermöglicht werden.
(2) Die Analyse und Steuerung der Gemeinkosten soll durch die Erhöhung der Kosten-und Leistungstransparenz in den indirekten Unternehmensteilen verbessert werden. Hierbei dient die höhere Transparenz als Basis möglicher Gemeinkostenreduktionen.
Zur Erreichung des ersten Ziels wird eine weitestgehende Proportionalisierung der traditionell überwiegend fixen Gemeinkosten in den indirekten Bereichen in Abhängigkeit von der Prozessanzahl vorgenommen. Zur Kostensenkung können dann die Zahl der nicht notwendigen Transaktionen reduziert und die erforderlichen Prozesse effizienter gestaltet werden. 12
Ihren Anfang nahm die Prozesskostenrechnung im Jahr 1985 mit dem Artikel "The hidden factory" von MILLER und VOLLMANN. 13 Der Aufsatz thematisiert den negativen Einfluss der indirekten Unternehmensbereiche - der "hidden factory" - auf Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität der Unternehmen, da sowohl deren prozentualer Anteil an den Gesamtkosten
8 Vgl. Horváth, P.; Mayer, R.: (Pro zeßkostenrechnung), S. 214 ff.
9 Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 217.
10 Vgl. Weiß, M.: (Kostenmanagement), S. 119.
11 Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 217.
12 Vgl. Kremin-Buch, B.: (Kostenmanagement), S. 36.
13 Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 217.
3
als auch ihre absolute Höhe stetig ansteigen. Als Kostentreiber innerhalb der indirekten Unternehmensbereiche identifizieren MILLER / VOLLMANN die Anzahl dort ausgeführter Transaktionen. 14 JOHNSON, KAPLAN und COOPER entwickelten diesen Ansatz in den folgenden Jahren zum "Activity Based Costing" weiter. Das Activity Based Costing wurde schließlich von HORVÁTH und MAYER modifiziert und zur Prozesskostenrechnung fortentwickelt, welche 1989 erstmals Erwähnung fand. 15 Seither hat sich eine Reihe von Autoren mit diesem Ansatz auseinandergesetzt, weswegen eine Vielzahl an Publikationen existiert. Zum Teil wurden dabei Variationen vorgenommen, wobei sich aber im Wesentlichen das Vorgehen von HORVÁTH / MAYER etabliert hat, 16 weshalb darauf im Folgenden überwiegend Bezug genommen wird.
Die Prozesskostenrechnung kann laut GADATSCH / MAYER als Alternative zum Activity Based Costing betrachtet werden, die sich allerdings in elementaren Punkten von diesem unterscheidet. 17 Erstens wurde das Activity Based Costing grundsätzlich für eine Anwendung im gesamten Unternehmen konzipiert, während die Prozesskostenrechnung nur in den indirekten Unternehmensbereichen genutzt werden kann. 18 Zweitens kann die Prozesskostenrechnung bei der Prozessdefinition auf die bestehenden Kostenstellen in den Unternehmen zurückgreifen, wohingegen das Activity Based Costing, vor allem in angloamerikanischen Unternehmen, bei der Festlegung der "Activities" keine differenziert abgegrenzten Kostenstellen nutzen kann. 19 Ursächlich für die Unterschiede zwischen Activity Based Costing und Prozesskostenrechnung war der ungleiche Entwicklungsstand der Kostenrechnung in Deutschland und den USA zu Beginn der 1980er Jahre. In den USA erfolgte zum damaligen Zeitpunkt nur eine stark vereinfachende Verrechnung der Gemeinkosten, welche häufig über eine Lohnzuschlagskalkulation abgebildet wurde. Die Suche nach Alternativen zu selbiger führte zur Entstehung des Activity Based Costing. Dagegen wurden im deutschsprachigen Raum die Gemeinkosten der direkten Leistungsbereiche schon über verschiedene Größen, beispielsweise Maschinenstundensätze oder Fertigungsstunden, verrechnet. Hier bestand deshalb vor allem Handlungsbedarf bei den Gemeinkosten indirekter Leistungsbereiche, was zur Entwicklung der Prozesskostenrechnung führte. 20 Gemäß MAYER / KAUFMANN ist die klassische Prozesskostenrechnung für Unternehmen und Unternehmensbereiche gedacht, deren Prozesse nicht bereits in Arbeitsplänen abgebildet und bewertet werden. Folglich bestand für den Produktionsbereich keine Notwendigkeit einer Anwendung der Prozesskostenrechnung, da Produktionspro- 14 Vgl.Miller, J.; Vollmann, T.: (factory) , S. 142 ff.
15 Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 217 f.
16 Vgl. Michel, R.; Torspecken, H.-D.; Jandt, J.: (Formen), S. 260 f.
17 Vgl. Gadatsch, A.; Ma yer, E.: (IT-Controlling), S. 517.
18 Vgl. Kremin-Buch, B.: (Kostenmanagement), S. 38.
19 Vgl. Gadatsch, A.; Ma yer, E.: (IT-Controlling), S. 517.
20 Vgl. Kremin-Buch, B.: (Kostenmanagement), S. 38.
4
zesse in Arbeitsplänen erfasst und mit Methoden der Plankostenrechnung bewertet werden können. 21
Die Prozesskostenrechnung legt ihren Fokus auf die indirekten Unternehmensbereiche, weshalb sie entweder in ein weiteres, die direkten Bereiche umfassendes Kostenrechnungssystem zu integrieren ist oder aber ein solches System parallel zur Prozesskostenrechnung betrieben werden muss. 22 Außerdem nutzt die Prozesskostenrechnung ihrerseits aus Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung gewonnene Informationen, 23 weswegen die Prozesskostenrechnung selbst kein neuartiges, eigenständiges Kostenrechnungssystem darstellt, sondern nur eine Ergänzung oder teilweise Alternative zu bereits bestehenden derartigen Systemen. 24 In ihrer Grundform ist die Prozesskostenrechnung laut STIBBE als Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis ausgestaltet. 25 STEGER weist dagegen darauf hin, dass die Prozesskostenrechnung zwar eine Form der Vollkostenrechnung ist, welche jedoch wie jedes andere Kostenrechnungssystem sowohl auf Istals auch auf Planwerte zurückgreifen kann. 26 Andererseits bezeichnen SCHWEITZER und KÜPPER die Prozesskostenrechnung nach HORVÁTH / MAYER nicht als Vollkostenrechnung, da jene keine Verrechnung prozessunabhängiger Kosten auf Kostenträger vornimmt. 27
2.2 Vorgehensweise
2.2.1 Anwendungsvoraussetzungen und Aufbau des Prozessmodells
Für eine Anwendung der Prozesskostenrechnung müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu zählen insbesondere:
(1) Für den indirekten Leistungsbereich können Prozesse definiert und präzise abgegrenzt werden. Dafür müssen die Prozesse voneinander unabhängig sein. 28
(2) Die untersuchten Tätigkeiten sind repetitiver Natur. 29 Folglich ist die Prozesskostenrechnung für innovative und dispositive Tätigkeiten, wie z. B. Forschung oder Unternehmensführung, nicht geeignet. Diese Aktivitäten fallen bei jeder Durchfüh rung unterschiedlich aus, weshalb keine mengenmäßigen Wiederholungen vorliegen. 30
21 Vgl. Ma yer, R.; Kaufmann, L.: (Prozeßkostenrechnung II), S. 293.
22 Vgl. Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 219.
23 Vgl. Hans, L.: (Grundlagen), S. 278.
24 Vgl. Kremin-Buch, B.: (Kostenmanagement), S. 38.
25 Vgl. Stibbe, R.: (Methoden), S. 197.
26 Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 534.
27 Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 371 f.
28 Vgl. Schweitzer, M.; Küpper, H.-U.: (Systeme), S. 380.
29 Vgl. Steger, J.: (Einführung), S. 536.
30 Vgl. Posluschny, P.; Treuner, F.: (Prozesskostenmanagement), S. 107; Götze, U.: (Kostenrechnung), S. 219.
5
Arbeit zitieren:
Steffen Kehrer, 2011, Klassische und Ressourcenorientierte Prozesskostenrechnung - Eine vergleichende Betrachtung, München, GRIN Verlag GmbH
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