Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der Begriff Weiblichkeit 3
3. Die Weiblichkeit der Städte 4
4. Weiblichkeitsbilder in Bezug auf Städte 6
5. Venedig und die „triadische Weiblichkeit“ 8
5.1. Die Stadt als Mutter. 10
5.2. Die Stadt als Geliebte 11
5.3. Die Stadt als Hure 13
6. Fazit 15
7. Literaturverzeichnis 17
1
1. Einleitung
Venedig, die italienische Stadt, die weder ganz dem Land, noch ganz dem Meer gehört, zieht seit Ewigkeiten Jeden in ihren Bann. Als Stadt des Karnevals, der Gondolieri, der Kanäle und des Vergnügens inspirierte sie jeden Künstler, der von ihr hörte oder in den Genuss kam, sie sogar selbst sehen zu dürfen. Darüber hinaus gab es nicht wenige Schriftsteller, die sich in diese Stadt verliebten und sie vergötterten. Venedig also als eine Geliebte ansahen…
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der „Stadt als Frau“ 1 , mit dem Phänomen, das uns fast schon selbstverständlich erscheint: Nämlich, dass (die meisten) Städte weiblich sind. Dabei soll zunächst der Begriff ‚Weiblichkeit‘ geklärt werden, um dann in einem weiteren Schritt eine mögliche Erklärung für die Allegorie der Stadt als ein weibliches Wesen zu erläutern.
Desweiteren werden wir nicht nur bei der ‚Weiblichkeit‘ der Städte bleiben, sondern uns auch mit verschiedenen Weiblichkeitsbilder näher befassen. Kann eine Stadt überhaupt ein bestimmtes Frauenbild verkörpern, und wenn ja, inwiefern? Ist es auch möglich, dass eine Stadt - je nach Betrachter - verschiedene Frauenbilder verkörpern kann?
Anschließend wenden wir uns Venedig zu: Venedig als die weibliche Stadt schlechthin, weil sie so anders ist, weil sie so einzigartig ist. 2
Doch Venedig wird nicht nur im Hinblick auch die ‚Weiblichkeit‘ beschrieben, son- dernim Hinblick auf die dreifache Weiblichkeit: Venedig die Mutter, Venedig die Geliebte und Venedig die Hure.
Anhand von verschiedenen literarischen Werken, Gedichten, Romanen, etc. unterschiedlicher Künstler soll ein vielfältiges Bild Venedigs als Verkörperung dreier Frauenbilder entstehen. Dabei soll allerdings besonderes Augenmerk auf Gabriele d’Annunzios „Il fuoco“ geworfen werden.
1 Weigel, Sigrid, Topographien der Geschlechter : Kulturgeschichtliche Studien zur Literatur, Reinbek bei Hamburg, 1990, S.150.
2 Schaff, , Barbara, Gendered Cities, Italienische Städte im Blick britischer Reisender, in: Mahler, Andreas (Hg.), Stadt-Bilder. Allegorie-Mimesis-Imagination, Heidelberg, 1999, S. 176.
2
Der Grund für meine Wahl ist, dass es kaum ein Werk gibt, in dem Venedigs vielfältige Weiblichkeit so gut dargestellt ist, wie es in diesem Roman der Fall ist.
2. Der Begriff ‚Weiblichkeit‘
Den Begriff ‚Weiblichkeit‘ gibt es bereits seit dem 15. Jahrhundert. Im Spätmittelhochdeutschen sprach man von wîplicheit 3 . Damit meinte man den „Charakter“ und die „Eigenschaft als Frau“. Wîplicheit ist das Synonym des althochdeutschen Wortes wîbheit 4 und bedeutet ‚weibliche Wesensart‘. Beide gehören zum Wortfeld ‚Weib‘, dem ursprünglichen Begriff der Frau.
Was unter Weiblichkeit zu verstehen ist, hängt unter Anderem von kulturellen Bedingungen ab. Schauen wir uns beispielweise Schönheitsideale von früherer Zeit und heute an, so ist die Veränderung von dem, was man früher als schön empfand und dem, was man heute unter dem Begriff ‚schön‘ betrachtet wohl am stärksten zu sehen: Es gab Zeiten, in welchen Rundungen als weiblich und attraktiv galten und ma- gereFrauen ‚unschön‘ waren, dann wollte vor allem die Modebranche plötzlich nur noch knochige oder jungenhafte weibliche Models. Das Bild der Schönheit ändert sich also stetig.
Hinzukommen außerdem unterschiedliche Kulturen und unterschiedliche Geschmäcker, die sich alle ihr eigenes Bild von ‚Schönheit‘ und ‚Weiblichkeit‘ machen. Was hier nun kurz angesprochen wurde und auch nur auf das Aussehen reduziert wurde, lässt sich ebenso im Hinblick auf ‚weibliche‘ Charaktereigenschaften, ‚weib- lichesVerhalten und Auftreten‘ und Vieles mehr diskutieren. Da es in dieser Arbeit allerdings um die ‚Weiblichkeit‘ der Städte gehen soll, beschränke ich mich bei meiner Ausführung auf das ‚weibliche‘ Schönheitsideal, um damit Folgendes aufzuzeigen: Unser Bild von ‚Weiblichkeit‘ ist kein allgemeingültiges, sondern individuell. Jeder Mensch hat seine Vorstellung davon, was er als schön empfindet und diese ist durch Kultur, Zeit, Mode etc. ständig wandelbar ist.
3 ‚WEIBLICHKEIT‘ in: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1854. Band 28, Spalten 438 - 449.
4 Ebda.
3
Dieser Aspekt lässt uns den Begriff ‚Weiblichkeit‘, wie bereits erwähnt, nicht allgemeingültig konkretisieren, öffnet ihm aber eine riesengroße Welt der Imagination. Jeder kann selbst entscheiden, was er unter ‚weiblich‘ versteht und kein Bild darf als falsch gelten.
Vom Begriff im Allgemeinen auf die Weiblichkeit der Städte bezogen heißt das, dass keine Behauptung darüber, ob eine Stadt weiblich sein kann, abgestritten werden darf, da man immer seine Argumente für solch eine Meinung finden und haben wird
- jeder individuell. Desweiteren, wie wir im Folgenden sehen werden, ist es Einem sogar möglich, so weit zu gehen, dass man eine Stadt einem bestimmten Typ „weibliche[r] Wesensart“ 5 zuschreiben kann.
3. Die Weiblichkeit der Städte
1987 erschienen Plakate zur XVII. Triennale in Mailand, auf welchen neun Frauenbildnisse zu sehen sind. Die große Ausstellung fand zur Geschichte und Zukunft der Städte statt. Unter den Frauenbildern waren die Namen verschiedener Städte Italiens zu sehen.
Die Städte wurden weiblich allegorisiert und sollten die Besucher der Ausstellung durch den ersten Teil einer imaginären Reise führen „Un Viaggio in Italia“. Durch Medieneinsatz, wie beispielsweise verschiedene Texte und Bilder über Rom, Vene- dig,Florenz etc. wurde die Entwicklung der Stadt als „Kulturgeschichte ihrer Bild- undDiskursformen sichtbar gemacht“. 6
Mit den „città immaginati“ drehte sich das ganze Projekt um die Vorstellungen, die man von einer Stadt hat und der eigentlichen Realität des Stadtbildes. Mit anderen Worten: Es ging darum, dass eine Stadt durch ihre Imaginationsgeschichte strukturiert und repräsentiert wird. 7
Die Ausstellung in Mailand zeigt etwas Entscheidendes: Die Idee, die einzelnen Städte durch Frauen darzustellen, ist wohl eher eine unbewusst gewählte Allegorie
5 Weigel, a.a.O., S.153.
6 Ebda.
7 Ebda.
4
der Stadt als etwas Weibliches. Genau diesen Aspekt der unbedachten Wahl weiblicher Stadtallegorien kritisiert Sigel an der Ausstellung der Mailänder Triennale von 1987 denn, so Sigels Kritik, in der Ausstellung fehlt
„jegliche Reflexion
auf das Phänomen weiblicher Stadtallegorien oder allgemeiner auf die in Städtedarstellungen so auffällige Metaphorik, in der sich
-
vonder
Die Tatsache, dass Städte weiblich allegorisiert werden, lässt sich, wie der Begriff der
So ist in dieser Bibelstelle nach der Vernichtung die Rede von der Stadt Babylon als „Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden“. Danach folgt die Allegorie der Stadt Jerusalems als eine „geschmückte Braut“. 9
Dass Städte überwiegend mit der Weiblichkeit in Verbindung gebracht werden, ist also Teil einer uralten Schreibtradition, die bereits in der Bibel vorzufinden ist.
Außerdem hängt die Allegorie mit der traditionellen Vorstellung der Geschlechter-ordnung zusammen 10 , denn Städte sind Örtlichkeiten, an denen sich früher nur „das männliche auktoriale Subjekt im Verhältnis zum fremden Raum konstituierte und diesen Raum durch Vertextung beherrschbar und zu seinem eigen“ gemacht hat. 11
Die britische Reisetradition, die sich von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert erstreckt, ist überwiegend männlich geprägt und trägt durch seine literarischen Werke über Italienreisen einen wichtigen Beitrag zur „Tradition der Stadtbeschreibungen“ 12 .
8 Weigel, a.a.O., S.153.
9 Vgl. Weigel, a.a.O., S.150 f.
10 Vgl. ebda.
11 Schaff, a.a.O., S.173ff.
12 Schaff, a.a.O., S. 174ff.
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Arbeit zitieren:
Vincenza Incorvaia, 2010, Die Weiblichkeit der Städte, München, GRIN Verlag GmbH
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