III
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
1.1 Motivation 1
1.2 Die Entwicklung des isländischen Bankensektors 1
2 Einlagensicherung in Deutschland 2
2.1 Der Einlagensicherungsfonds 3
2.2 Der Basel-II-Mechanismus 3
3 Die Einlagensicherung bei der Kaupthing Edge 4
3.1 Die isländische Einlagensicherung 5
3.2 Besonderheiten bei Niederlassungen in Deutschland 5
4 Der Basel-III-Mechanismus 6
4.1 Die „Liquidity Coverage Ratio“ 6
4.1.1 Ziel 6
4.1.2 Berechnung 7
4.2 Die „Net Stable Funding Ratio“ 8
4.2.1 Ziel 8
4.2.2 Berechnung 9
5 Hypothetische Implementierung von Basel-III 9
5.1 Der Status Quo 10
5.2 Anwendung der neuen Mechanismen 11
5.3 Analyse 14
5.4 Vergleich mit der aktuellen Situation 14
6 Sicherungsmöglichkeiten bei Niederlassungen 15
7 Kritische Würdigung und Ausblick 16
Annex V
Literaturverzeichnis XI
Abkürzungsverzeichnis
Basel-II vom Basler Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich entwickelter Mechanismus zur Bankenregulierung
Basel-III Reform des Basel-II-Mechanismus infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise
BIZ Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Sitz: Basel
CBI Central Bank of Iceland, Sitz: Reykjavik
EEA European Economic Area = Europäischer Wirtschaftsraum
HGB Handelsgesetzbuch in der Fassung vom 01. März 2011
HRE Hypo Real Estate, seit 2009 verstaatliche Bankenholding, Sitz: München
ISK Isländische Krone
KI Kreditinstitut
LCR Liquidity Coverage Ratio = Mindestliquiditätsquote
NSFR Net Stable Funding Ratio = strukturelle Liquiditätsquote
PD Probability of Default = Ausfallwahrscheinlichkeit
RLZ Restlaufzeit
RSF (-Faktor) Required Stable Funding (-Faktor) = notwendiger Betrag stabiler Refinanzierung
TIF Tryggingarsjóður innstæðueigenda og fjárfesta = isländischer Einlagensicherungsfonds
Verb. Verbindlichkeiten
Wepa Wertpapier(e)
1 Einleitung
1.1 Motivation
Die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise beschäftigt die Literatur nahezu seit ihrem Auslöserdem Crash der Lehman Brothers im Jahre 2007. In Folge dieser weltweiten Krise haben neben den Regierungen und großen sowie kleinen Unternehmen auch private Haushalte mit den Folgen zu kämpfen. Besonderen Wert wird in dieser Seminararbeit dabei auf den Schutz des privaten Anlegers gelegt. Die Wissenschaft beschäftigte sich mit diesem jedoch bisher nur am Rande. Auch die mediale Präsenz der Finanzkrise zeichnete sich durch eine sehr einseitige Berichterstattung mit dem Fokus auf systemrelevante Banken aus. Wohingegen zum Ende des HRE-Skandals wohl jeder Deutsche gewusst haben musste, was hinter den drei Buchstaben steht, wurde die Situation um die isländische Kaupthing Bank eher stiefmütterlich beleuchtet. Die breite Berichterstattung in Funk und TV beschränkte sich lediglich auf eine Randnotiz. Die Einlagen bei dieser Bank seien nicht mehr sicher und die Bankenaufsicht sperrt die Konten gegen Auszahlungen. 1 Dann wurde wichtigeren - weil systemrelevanten - Themen, wie dem der HRE wieder die volle Aufmerksamkeit geschenkt. In Folge wurde seitens der Medien nur noch „Wasserstandsmeldungen“ zum Thema der eingefrorenen Guthaben deutscher Anleger bei der Kaupthing gegeben. Ihre Relevanz erhält dieses Thema jedoch aus der gesellschaftlichen und systemischen Sicht. Zum einen sollten Themen, die vorrangig einzelne Privathaushalte betreffen ähnlich betrachtet werden, wie solche die lediglich ein großes Unternehmen betreffen. Zum anderen wird die systemische Komponente der privaten Haushalte im Bankensektor in der Betrachtung meist außen vor gelassen, denn ein Großteil der Bankenbranche stützt sich gerade auf die Einlagen der Privaten.
Nach einem kurzen Einblick in die Entwicklung des isländischen Bankensektors vor der Krise 2008 und der deutschen Einlagensicherung schließt sich die nähere Betrachtung der Kaupthing Edge an. Folgend werden zwei Aspekte des Basel-III-Mechanismus‘ detailliert vorgestellt, hypothetisch implementiert und analysiert. Abschließend werden zusätzliche Sicherungsmöglichkeiten diskutiert und die Ergebnisse zusammengefasst.
1.2 Die Entwicklung des isländischen Bankensektors
Der private isländische Bankensektor kann, im Gegensatz zu den meisten westeuropäischen Staaten, nur auf eine sehr kurze Tradition zurückblicken. Dies ist vor allem in der bewegten Geschichte des Landes begründet. Island erklärte sich erst 1944 zu einem souveränen Staat und versuchte durch die strikte Regulierung in den Augen vieler Kritiker „eine dysfunktionale sozialistische Ökonomie“ aufzubauen. 2 Bis zum Ausklingen des letzten Jahrtausends waren weite Teile der Wirtschaft sowie der Bankensektor in Staatshänden. Der Privatisierungsprozess wurde durch den damaligen Premierminister David Oddsson 3 angestoßen und gleichzeitig eine umfassende Deregulierung
1 vgl. Focus Money Online (2008) „Finanzpolizei sperrt Konten von Island-Bank“
2 vgl. Wade (2009), S. 9
3 David Oddsson, der wenig bzw. keinen wirtschaftlichen Hintergrund besitzt, war von 1991 bis 2004 Premierminister Islands und wurde danach zum Vorsitzenden der Zentralbank ernannt. (Wade [2009], S. 23)
vorangetrieben. Die Privatisierung der großen kommerziellen Banken Glitnir, Kaupthing und Landsbanki vollzog sich Ende der 1990er bis zum Anfang der 2000er Jahre. Im gleichen Zeitraum wurde Islands Zentralbank (CBI) privatisiert. Eigentümer der neuen Privatbanken wurden zumeist den Regierungsparteien nahestehende Personen, die nicht unbedingt Know-How im modernen Banking vorweisen konnten. 4 Aufgrund der nur geringen Zeitspanne - die spätere Kaupthing Bank wurde 2003 privatisiert 5 - und den wenig erfahrenen Eigentümern gepaart mit dem großen isländischen Stolz ihrer Unabhängigkeit kam es in den darauffolgenden Jahren zu grundlegenden Fehlern, die in dem Beinahe-Staatsbankrott endeten. Durch die massive Deregulierung des Finanzsektors kam es zu einem Bankenboom in dem der Anteil der Finanzinstitute am BIP von 17% in 1998 auf 26% in 2006 anstieg. 6 Im nahezu gleichen Zeitraum stiegen die Aktiva der drei großen Privatbanken von 96% auf rund 900% des BIP Islands. 7,8 Das Wachstum wurde dabei zum größten Teil aus Fremdkapitalzumeist in Fremdwährungen - finanziert, welches in liquiden Märkten mit guten Ratings 9 leicht zu beschaffen war. Außerdem versuchten vor allem Landsbanki und Kaupthing mit aggressiven Strategien europäische Kleinanleger mit Zinssätzen, die zum Teil weit über dem marktüblichen Niveau lagen, zu gewinnen. Diesem rasanten Wachstum war die CBI allerdings kaum gewachsen und Portes et al. erkannten bereits 2007, dass sie wahrscheinlich nicht in der Lage sein würde die großen Banken als Kreditgeber letzter Instanz zu retten. Sie beschrieben die Banken sehr treffend mit: „…the banks are just too big to fail, but also too big to rescue.“ 10
2 Einlagensicherung in Deutschland
Die Einlagensicherung hat in Deutschland seit jeher einen hohen Stellenwert inne, vor allem um das Vertrauen der Anleger in den sehr intransparenten Bankenapparat zu stärken. Dabei fußt es auf mehreren Säulen und ist im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern sehr differenziert. Grundlage hierfür ist der historisch bedingte dreigliedrige Aufbau des Bankensystems mit Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Alle drei Säulen haben dabei eine gemeinsame, vom Gesetz vorgeschriebene, Einlagensicherung, die sich im Wesentlichen an den Vorschriften der Europäischen Union orientiert. Außerdem hat jeder Sektor zusätzliche Sicherungsmechanismen in Form von Einlagensicherungsfonds. Festzuhalten ist hierbei die strikte Trennung der Sicherungen. Zusätzlich hat Kanzlerin Angela Merkel mit dem Fortschreiten der Finanzkrise die so genannte Staatsgarantie, nach der alle Sparguthaben deutscher Sparer sicher sind, proklamiert. Es ist jedoch anzumerken, dass die Staatsgarantie nur für Bankguthaben bei Banken gilt, die dem Einlagensicherungsfonds angehören. 11 Im Folgenden wird die Einlagensicherung bei den Privatbanken näher beleuchtet.
4 vgl. Wade (2009), S. 10
5 vgl. Centonze (2011), S. 134
6 vgl. Portes, Baldursson und Olafsson (2007), S. 7 7 vgl. Ibison, Osman (2008) „Finanzkrise gefährdet ganz Island“
8 Vergleichendes Beispiel nach Wade (2009), S. 15: Schweiz 1994-2007: Aktiva/BIP-Quote von 3,5 auf 9 (Steigerung um 157%); Island: 1994-2007 Aktiva/BIP-Quote von 0,3 auf 9 (Steigerung um 2900%).
9 Landsbanki, Kaupthing und Glitnir wiesen bis weit ins Jahr 2007 sehr gute Ratings vor: Moody’s jeweils Aa3, Fitch jeweils A. (Portes, Baldursson und Olafsson [2007], S. 12)
10 vgl. Portes, Baldursson und Olafsson (2007), S. 40
11 vgl. Handelsblatt (2008) „Kaupthing: Sparern droht Millionenschaden“
2.1 Der Einlagensicherungsfonds
Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Einlagensicherung besteht in Deutschland der sogenannte Einlagensicherungsfonds als zusätzliche freiwillige Sicherung des privaten Bankensektors. Dieser wird vom Bundesverband deutscher Banken e.V. 12 getragen und dient im Wesentlichen der zusätzlichen Absicherung von Kundeneinlagen. Im Falle einer drohenden oder bestehenden finanziellen Schwierigkeit der Bank kann der Einlagensicherungsfonds dem angeschlagenen Institut mit finanziellen Hilfen zur Seite stehen. 13 Ein Anspruch hierauf besteht gemäß § 10 des Statuts des Einlagensicherungsfonds allerdings nicht. Besichert werden bis auf einige Ausnahmen alle Anlagen, die im Passivposten „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“ zusammengefasst werden. Insbesondere zählen hierzu Sicht-, Spar- und Termineinlagen sowie auf den Namen ausgestellte Sparbriefe. In dieser Position werden alle genannten Einlagetypen von Nicht-Banken erfasst. Somit sind Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Stellen nicht jedoch Kreditinstitute im Falle einer Zahlungsunfähigkeit der Bank zu einer Leistung aus dem Fonds berechtigt. 14
Kreditinstitute müssen bestimmte Anforderungen erfüllen, um in den Bankenverband und somit in den Einlagensicherungsfonds aufgenommen zu werden. Die einzelnen Voraussetzungen sollen hier nicht weiter diskutiert werden. Es sei nur darauf hingewiesen, dass jährliche Ratings der Mitgliedsbanken durchgeführt werden und diese dabei eine Mindestnote erreichen müssen. Sind die Banken im Fonds aufgenommen, so sind sie verpflichtet 0,6‰ der oben genannten Bilanzposition ihres letztjährigen Abschlusses per 30. Juni eines jeden Jahres an den Fonds abzuführen. 15 Bei Banken mit niedrigerem Ranking kann sich die Umlage auf bis zu 250% des Normalsatzes erhöhen. 16 Im Haftungsfall ist jeder Gläubiger einer angeschlagenen Bank mit bis zu 30% des haftenden Eigenkapitals der Bank abgesichert. 17 Voraussetzung hierfür ist eine ausreichende Kapitalverfügbarkeit des Fonds.
Neben der beschriebenen deutschen Einlagensicherung, die zusätzlich zu den europäischen Vorgaben existiert, wurde 2006 der Basel-II-Mechanismus vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht verabschiedet. Dieser soll im Folgenden näher betrachtet werden, da er den Grundpfeiler für die europäische Einlagensicherung darstellt.
2.2 Der Basel-II-Mechanismus
Der Basel-II-Mechanismus ist ein wichtiger Bestandteil zur Sicherung des Finanzsektors und damit auch der Einlagensicherung. Sein Hauptziel ist die Förderung von Stabilität und marktgerechtem Umgang mit Risiken. 2006 in Kraft getreten, löste er den bis dahin geltenden Basel-I-Codex ab. Er setzt Vorgaben für die Eigenkapitalanforderungen fest und verknüpft diese mit dem jeweiligen
12 Mitglieder im Bundesverband deutscher Banken e.V. sind alle namhaften privaten Kreditinstitute Deutschlands; Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben ihre eigenen Sicherungsinstrumente.
13 vgl. Bundesverband Deutscher Banken e.V., S. 3
14 vgl. Bundesverband Deutscher Banken e.V., S. 11
15 vgl. Bundesverband Deutscher Banken e.V., S. 7
16 ebd.
17 vgl. Bundesverband Deutscher Banken e.V., S. 11
Risikoprofil der Banken. Gleichzeitig soll eine Anpassung an die Entwicklung auf den Finanzmärkten einkalkuliert und im Risikomanagement berücksichtigt werden. 18 Diese Anforderungen stellen die erste Säule des dreigliedrigen Systems dar. Komplettiert wird es durch den bankenaufsichtsrechtlichen Überprüfungsprozess (2. Säule) und den erweiterten
Offenlegungspflichten (3. Säule). Umgesetzt wurden die Vorschläge des Ausschuss‘ auf europäischer Ebene durch die Bankenrichtlinie (2006/48/EG) und auf deutscher Ebene im Wesentlichen durch die Solvabilitätsverordnung. 19
Speziell zur Liquiditätsvorsorge enthalten die Basel-II-Bestimmungen keine Vorschriften. Allerdings werden in der ersten Säule die Behandlung des Marktpreisrisikos, Kreditausfallrisikos und operationellen Risikos mit Regelungen normiert. Alle drei Risikoarten können direkten Einfluss auf die Ausstattung mit Liquidität haben. So können beim Kreditausfallrisiko die ausbleibenden Raten der Darlehensnehmer zu Liquiditätsengpässen führen. Ähnlich verhält es sich beim Marktpreisrisiko, welches vor allem bei den sogenannten Leerverkäufen einen erheblichen Einfluss auf die liquiden Mittel haben kann. Im Zuge der Finanzkrise ist das operationelle Risiko in den Mittelpunkt für viele Banken getreten, da bankexterne Ereignisse, wie zum Beispiel der Kollaps einer anderen Bank, die eigene Finanzstruktur stark in Mitleidenschaft ziehen kann. Allen Risiken wurde vor allem durch die Einführung von Mindestkapitalanforderungen begegnet. So müssen dem Kreditrisiko sowie Markt-und operationellem Risiko angemessene Eigenmittel entgegenstehen. Angemessenheit wird in diesem Fall mit Hilfe der Berechnung der folgenden Formel 20 gewährleistet:
Mit dieser Berechnung wird sichergestellt, dass das Wachstum von Banken nicht ausschließlich auf Fremdkapitalbasis geschieht, sondern eine adäquate Eigenkapitalunterlegung herrscht. Gleichzeitig wirkt diese Unterlegung als vertrauensaufbauende Maßnahme und in Krisenzeiten als zusätzliche Stütze.
3 Die Einlagensicherung bei der Kaupthing Edge
Die Kaupthing Bank schuf im Zuge ihrer Geschäftserweiterung die Online-Tochter Kaupthing Edge, um vor allem europäische Kunden als neue Liquiditätsquelle zu gewinnen. In Deutschland warb sie mit dem Versprechen hoher Zinsen von bis zu 6,1% für 12 Monate, was zwei Prozentpunkte über dem damaligen Marktdurchschnitt lag 21 , sowie einer umfassenden Besicherung. Erst in den Geschäftsbedingungen wurde deutlich, dass lediglich die isländische Einlagensicherung greift. 22 Dem durchschnittlichen deutschen Privatanleger dürfte diese Regelung jedoch wahrscheinlich eher unbekannt gewesen sein, da, von den hohen Renditeerwartungen geblendet, die Risiken eine eher
18 vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2004), S. 1 ff.
19 Bundesbank (2011a)
20 Bundesbank (2011b)
21 vgl. Siemens (2008)
22 vgl. Dönch (2008)
Arbeit zitieren:
Markus Bierzynski, 2011, Islands Kaupthing Bank in der Finanzkrise, München, GRIN Verlag GmbH
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