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Zur Komposition der Sesenheim-Episode in Goethes "Dichtung und Wahrheit"

Title: Zur Komposition der Sesenheim-Episode in Goethes "Dichtung und Wahrheit"

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 22 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Katharina Schnell (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Schon oft ist darüber gerätselt worden, inwiefern die Ereignisse in Goethes
Dichtung und Wahrheit1 autobiographisch oder doch mehr dichterisch sind.
Auch in bezug auf die Sesenheim2-Periode Goethes – die Zeit, in welcher
Goethe Friederike Elisabetha Brion kennenlernte und eine Liebschaft mit ihr
hatte – sind immer wieder Nachforschungen angestellt worden.
In der nun folgenden Arbeit geht es darum, die Darstellung der Sesenheimer
Zeit im neunten und zehnten Buch vorwiegend unter den dichterischen
Aspekten zu betrachten. Im Gegensatz zu anderen Sekundärtexten ist es nicht
das Ziel, möglichst viele biographische Begebenheiten aus dem Text
abzuleiten. Somit wird Goethe hier mehr als Romanschreiber anstatt als
Autobiograph gesehen. Es soll eine Darstellung der Komposition der
entsprechenden Episode gegeben werden. Hierzu wird die Episode unter
verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet; vor allem aber auf dem
Hintergrund idyllischer Grundlagen und in diesem Zusammenhang auch im
Hinblick auf Oliver Goldsmiths Vicar of Wakefield3. Goethe schreibt in einem Brief an Eckermann4 bezüglich der Sesenheim-
Episode: „Daß darin kein Strich enthalten, der nicht erlebt, aber kein Strich so
wie er erlebt worden“5. Insofern hat es seine Berechtigung, die Sesenheim-
Episode auch unter dichterischen Gesichtspunkte zu betrachten.
Bereits die Schilderung der Zeit vor Goethes Sesenheim Besuch zeigt, daß
Goethe es in diesem Teil mit den biographischen Fakten nicht so genau nimmt
und statt dessen der dichterischen Konstruktion den Vorzug gibt.
[...]

1 Veröffentlichung vgl.: Goethe Handbuch: Goethe seine Welt und Zeit in Werk und Wirkung, Bd. 1,
Stuttgart 1961, S.1815 „...die Ausführung der drei ersten Teile [erfolgte] in raschem Zuge von Ende
Januar 1811 bis November 1813 (Veröffentlichung 1811, 1812, 1814), während die Arbeit am vierten
Teil sich auf die Jahre 1812, 1813, 1816, 1821, 1824, 1825, 1830, 1831 zersplitterte“, Veröffentlichung
des vierten Teils 1833
2 Eigentlich Sessenheim; Goethes Schreibweise wird jedoch in der Arbeit beibehalten
3 Oliver Goldsmith: Vicar of Wakefield; Erstveröffentlichung 1766
4 Johann Peter Eckermann (1792-1854)
5 Vgl.: Lawrence Marsden Price: Goldsmith, Sesenheim, and Goethe, in: The Germanic Review 4
(1929), S.237-247, hier: S.241

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Beschreibung der Reise nach Sesenheim

3. Der Roman Vicar of Wakefield in der Sesenheim-Episode

3.1 Goethes Betrachtungen zu Vicar of Wakefield

3.2 Der direkte Vergleich zwischen der Sesenheim-Episode und dem Vicar of Wakefield

4. Motive in der Sesenheim-Episode

4.1 Das Wanderer-Motiv bei Goethe

4.2 Die Darstellung des Beginns der Zeit mit Friederike

4.3 Zeichen der Änderung des Verhältnisses

4.4 Das Motiv des Fluchs

4.5 Die Prüfung

4.6 Die Trennung

5. Schlußbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Komposition der Sesenheim-Episode in Goethes Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" unter dem Fokus seiner dichterischen Gestaltung, wobei Goethe primär als Romanschreiber und weniger als reiner Autobiograph betrachtet wird. Die Forschungsfrage widmet sich der Analyse der erzählerischen Strategien, durch die Goethe die Begegnung mit Friederike Brion als idyllische Episode in ein größeres Kompositionsgefüge einbettet.

  • Die literarische Konstruktion der Sesenheim-Zeit im Kontrast zur biographischen Faktizität.
  • Die funktionale Einbindung von Oliver Goldsmiths "Vicar of Wakefield" zur atmosphärischen und strukturellen Rahmung der Episode.
  • Die Analyse zentraler Motive wie des "Wanderers" und des "Fluchs" zur Vorbereitung des Beziehungsabschlusses.
  • Die Untersuchung der "Prüfung" in der städtischen Umgebung als literarisches Mittel zur Distanzierung.

Auszug aus dem Buch

Die Prüfung

Eine klare Kluft jedoch reißt zwischen Goethe und Friederike ein anderes Ereignis. Goethe suggeriert dem Leser im Laufe seiner Schilderungen, daß Friederike aus ihrer idyllischen Welt nicht ausbrechen wird und in eine andere Welt nicht hineinpasst, da sie dort ihren Glanz verliert. Goethe erläutert dieses mit Friederikes Zugehörigkeit zur Natur:

„Es gibt Frauenpersonen, die uns im Zimmer besonders wohl gefallen, andere die sich besser im Freien ausnehmen; Friederike gehörte zu den letztern. Ihr Wesen, ihre Gestalt trat niemals reizender hervor, als wenn sie sich auf einem erhöhten Fußpfad hinbewegte; die Anmut ihres Betragens schien mit der beblümten Erde, und die unverwüstliche Heiterkeit ihres Antlitzes mit dem blauen Himmel zu wetteifern.“

Es bleibt nicht aus, daß Friederike also in einem städtischen Umfeld, wo sie sich vorzugsweise in Räumen aufhalten müßte, einen Teil ihrer Reize – nach Goethes Ansicht – einbüßt.

Genau dieses passiert, als Friederike mit ihrer Mutter und ihrer Schwester „Olivia“ nach Straßburg reist, wo sie aus dem idyllischen Lebensfeld herausgenommen sind. Dieses Phänomen stellt eine weitere Parallele zu Vicar of Wakefield dar.

Auch dort befinden sich die Figuren zwar im Einklang mit ihrem Umfeld, solange sie auf dem Land sind. In der Stadt jedoch sind sie Betrügereien und Verwirrungen ausgesetzt. So werden sowohl Primrosens Sohn als auch er selbst in der Stadt von Betrügern um ihr Geld gebracht, was die weitere unglückliche Handlung bedingt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung, inwiefern Goethes "Dichtung und Wahrheit" als dichterische Komposition statt als bloße Autobiographie zu verstehen ist.

2. Die Beschreibung der Reise nach Sesenheim: Analyse von Goethes Vorausdeutungen in den Reisebeschreibungen, die den Kontrast zwischen biographischem Erleben und literarischer Konstruktion verdeutlichen.

3. Der Roman Vicar of Wakefield in der Sesenheim-Episode: Untersuchung der Funktion des Romans als strukturelles Hilfsmittel, um die Idylle von Sesenheim abzurunden und inhaltlich zu vergleichen.

4. Motive in der Sesenheim-Episode: Detaillierte Betrachtung zentraler Erzählelemente wie das Wanderer-Motiv, die Fluch-Symbolik und die inszenierte Prüfung, die den Ausgang der Beziehung vorzeichnen.

5. Schlußbemerkung: Zusammenfassung der Ergebnisse: Goethe gelingt es, die Trennung als logische Konsequenz innerhalb seiner dichterischen Architektur nachvollziehbar zu machen.

Schlüsselwörter

Goethe, Dichtung und Wahrheit, Sesenheim, Friederike Brion, Vicar of Wakefield, literarische Komposition, Autobiographie, Wanderer-Motiv, Idylle, literarische Motive, Erzählstruktur, Prüfungs-Motiv, Verkleidungsmotiv.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische Gestaltung der Sesenheim-Episode in Goethes Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" und untersucht, wie der Autor durch spezifische erzählerische Mittel die Episode konstruiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der dichterischen Konstruktion der Sesenheim-Zeit, dem literarischen Vergleich mit Goldsmiths "Vicar of Wakefield" sowie der Analyse zentraler Motive wie dem "Wanderer" und dem "Fluch".

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Goethe in seinem Werk weniger als Dokumentarist seines Lebens agiert, sondern als bewusster Romanschreiber, der die Ereignisse dramaturgisch gestaltet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die den Primärtext in den Kontext der Forschungsliteratur stellt und erzähltechnische Aspekte der "Dichtung und Wahrheit" untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Reisebeschreibung, der Integration des "Vicar of Wakefield", der Funktion von Motiven und der narrativen Vorbereitung des Abschieds von Friederike Brion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Sesenheim, Dichtung und Wahrheit, Idylle, Wanderer-Motiv, Goldsmiths Vicar of Wakefield und autobiographisches Erzählen.

Warum spielt der "Vicar of Wakefield" eine so wichtige Rolle für den Autor?

Der Roman dient Goethe als literarisches Referenzmodell, um die eigene Lebenswelt idyllisch zu stilisieren und gleichzeitig den unvermeidlichen Zusammenbruch dieser Idylle ästhetisch zu untermauern.

Wie deutet Goethe das Scheitern der Beziehung bereits im Text vor?

Goethe nutzt "vorausdeutende" Elemente wie die Fluch-Symbolik und die Konfrontation mit der städtischen Welt ("Prüfung"), die Friederike als unpassend für sein zukünftiges Leben erscheinen lässt.

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Details

Title
Zur Komposition der Sesenheim-Episode in Goethes "Dichtung und Wahrheit"
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Hauptseminar: Goethes 'Dichtung und Wahrheit' in komparatistischer Sicht
Grade
2,3
Author
Katharina Schnell (Author)
Publication Year
2001
Pages
22
Catalog Number
V18841
ISBN (eBook)
9783638231008
Language
German
Tags
Komposition Sesenheim-Episode Goethes Dichtung Wahrheit Hauptseminar Goethes Wahrheit“ Sicht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Schnell (Author), 2001, Zur Komposition der Sesenheim-Episode in Goethes "Dichtung und Wahrheit", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18841
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