Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Framing und Mobilisierung der Anti- Atomkraft- Bewegung. 4
2.1. Zum wissenschaftlichen Stand des Framing- Ansatzes. 4
2.1. 4
2.2. Entstehung und Mobilisierung der Anti- Atomkraft- Bewegung. 6
2.2. 6
2.3. Welche Faktoren die Mobilisierungsfähigkeit beeinflussen. 9
3. Schlussbetrachtung. 12
3. 12
4. Literaturverzeichnis. 14
2
1 Einleitung
Mittlerweile würde der frühere Bundesvorsitzende der Christlich Demokratischen Union Deutschlands und spätere Bundeskanzler, Helmut Kohl, den Gegnern der Atomenergie sicher mit größerem Verständnis begegnen, als es noch beim Energie-Kongress seiner Partei 1978 der Fall war. Spätestens die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 hat das Bewusstsein der Öffentlichkeit und der CDU-geführten Bundesregierung um Kanzlerin und Physikerin Angela Merkel für die Gefahren der zivilen Nutzung der Atomtechnologie geschärft. Auch abseits von Castor-Transporten durch die Bundesrepublik hat die Anti-Atomkraft-Bewegung durch den Reaktorunfall wieder an medialer und damit an öffentlicher Beachtung gewonnen. Sie hat neue Unterstützer gefunden, zum Umdenken der Regierung Merkel und schließlich zum Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie geführt. Weltweit haben die Explosionen in den Reaktorblöcken Bestürzung und Angst vor radioaktiver Strahlung ausgelöst. Doch die Diskussion um die zivile Nutzung der Atomenergie ist keineswegs neu. Ebenso wenig wie der Protest gegen die Atomtechnologie, wie das Kohl-Zitat zeigt. In den 80er- und 90er-Jahren verzeichnete die Anti-Atomkraft-Bewegung große Erfolge und erfuhr enormen Zuspruch aus der Bevölkerung. Nicht zuletzt, als es im amerikanischen Harrisburg und im ukrainischen Tschernobyl zur Katastrophe kam. Diese Hausarbeit befasst sich mit der Anti-Atomkraft-Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland der 80er- und 90er-Jahre: Inwieweit hängt die Mobilisierungsfähigkeit einer sozialen Bewegung von der Qualität ihres Framings ab? Am Beispiel der Anti-Atomkraft-Bewegung soll diese Frage geklärt werden. Es wird gezeigt, wie sich die Propagierung der Interessen und Sorgen kollektiver Akteure auf die Mobilisierungsfähigkeit einer sozialen Bewegung auswirken. Dies ist relevant, um die Annahme zu bestätigen, dass soziale Bewegungen nur erfolgreich sein können, wenn sie eine ausreichende Öffentlichkeit erreichen und beschäftigen. Dazu werden zunächst die Framing-Ansätze verschiedener Theoretiker wie Rucht, Neidhardt und Snow beschrieben. Im weiteren Verlauf untersucht die Hausarbeit die Mobilisierung anhand der Anti-Atomkraft-Bewegung in der Bundesrepublik. Schließlich wird analysiert, in welcher Abhängigkeit Mobilisierung und Qualität des Framings zueinander stehen.
1 Zitiert nach Dieter Rucht, Modernisierung und neue soziale Bewegungen. Deutschland, Frankreich und USA im Vergleich,
Frankfurt am Main 1994, S.449.
3
2 Framing und Mobilisierung der Anti-Atomkraft-Bewegung 2.1 Zum wissenschaftlicher Stand des Framing-Ansatzes
Weitestgehend Einigkeit herrscht in der Wissenschaft darüber, dass Akteure sozialer Bewegungen ihre Interessen und Probleme in Deutungsrahmen, so genannten Frames, formulieren. Umstritten ist jedoch, welche Bedeutung dem Framing selbst im Bezug auf die Mobilisierungsfähigkeit einer sozialen Bewegung beigemessen werden muss, dies gilt es im Verlauf dieses Kapitels zu zeigen.
Das vom amerikanischen Professor der Soziologie David A. Snow u.a. maßgeblich entwickelte Framing-Konzept 2 sowie die Überlegungen der deutschen Soziologen Friedhelm Neidhardt und Dieter Rucht 3 zur Thematik sind grundlegende Ansätze zum Framing sozialer Bewegungen und werden in dieser Arbeit zusammenfassend 4 dargestellt.
Neben den Theorieansätzen der politischen Gelegenheitsstruktur sowie der Ressourcenmobilisierung hat sich der Framing-Ansatz in der Bewegungsforschung etabliert. Schnell an Bedeutung gewann der von Snow und dem amerikanischen Soziologen Robert D. Benford in die Bewegungsforschung eingeführte Begriff des „collective action framing“ 5 , der in einer großen Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten verwendet und ausgearbeitet wurde. 6 Unter „Frame“ verstehen Snow und Benford ein „interpretive schemata that simplifies and condenses the ,world out there’ by selectively punctuating and encoding objects, situations, events, experiences, and sequences of actions within one’s present or past environment“ 7 . Somit ist mit Framing das Propagieren und Entwickeln eines Deutungs- und Erklärungsrahmens gemeint, den Akteure sozialer Bewegungen verwenden, um ihre Interessen durchzusetzen. Innerhalb dieses Deutungsrahmens definieren und rechtfertigen sie ihre Kampagne, den vorliegenden Konflikt, ihre Ziele und ihr Vorgehen. Von Benford und Snow wird Framing als dynamischer, andauernder Prozess verstanden, in dessen Verlauf Charakter und Reichweite der Frames ständig verändert werden. So ist festzustellen, dass Framing eine ständige Aufgabe für kollektive Ak- 2 DavidA. Snow / E. Burke Rochford Jr. u.a., Frame Alignment Processes. Micromobilization and Movement Participation,
in: American Sociological Review 51. 1986, S. 464-484.
3 Dieter Rucht / Friedhelm Neidhardt, Auf dem Weg in die „Bewegungsgesellschaft“? Über die Stabilisierbarkeit sozialer
Bewegungen, in: Soziale Welt. Zeitschrift für sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis 44. 1993, S. 305-326.
4 Ausführlich stellen die Autoren ihre Ansätze zum Framing in den Zeitschriftenartikeln, die in den Fußnoten 1 und 2
aufgeführt sind, vor.
5 David A. Snow / Robert D. Benford, Ideology, Frame Resonance, and Participant Mobilization, in: Klandermans / Kriesi /
Tarrow (Hg.), International Social Movement Research, Greenwich 1988, S. 197-217.
6 Der Umfang dieser Arbeit erlaubt es nicht, einen repräsentativen Überblick zu geben. Benford und Snow zählen jedoch in
einem Überblicksartikel etwa 250 Arbeiten, die auf das „collective action framing“ zurückgreifen: Robert D. Benford / David
A. Snow, Framing Processes and Social Movements: An Overview and Assessment, in: Annual Review of Sociology 26.
2000, S. 611-639.
7 David A. Snow / Robert D. Benford, Master Frames and Cycles of Protest, in: Morris und Mueller (Hg.), Frontiers in Social
Movement Theory, New Haven 1992, S. 137.
4
teure bedeutet, die beispielsweise auf Alternativdeutungen und Gegendiskurse, zu der von ihnen vertretenen Position, flexibel reagieren müssen. 8
Im Gegensatz zu Snow, der unter Framing die bereits erwähnte Entwicklung und Propagierung eines Deutungsmusters versteht, stellen Neidhardt und Rucht fest: „Frames sind kollektive Deutungsmuster, in denen bestimmte Problemdefinitionen, Kausalzuschreibungen, Ansprüche, Begründungen und Wertorientierungen in einen mehr oder weniger konsistenten Zusammenhang gebracht werden, um Sachverhalte zu erklären, Kritik zu fundieren und Forderungen zu legitimieren.“ 9 Damit erweitern sie Deutungsmuster um die Benennung der Wer-torientierung kollektiver Akteure.
Als zentrale These des Framing-Ansatzes nach Snow bezeichnet der Diplom-Politologe Felix Kolb, dass „die Mobilisierungsfähigkeit einer sozialen Bewegung entscheidend von der Qualität ihres Framings abhängt“ 10 . Neidhardt und Rucht bezeichnen Frames zudem als „die programmatischen Stabilisatoren sozialer Kollektive, also auch von Bewegungen“ 11 . Unbestritten scheint, dass dem Framing eine massive Bedeutung in der Betrachtung von Erfolg und Mobilisierungsfähigkeit einer sozialen Bewegung beigemessen wird. Nun stellt sich jedoch die Frage, wie ein Deutungsmuster aussehen muss, um eine möglichst große Mobilisierungswirkung zu erreichen.
Das Framing sozialer Bewegungen lässt sich in einem so genannten Master-Frame zusammenfassen. Master-Frames bezeichnen „übergreifende Deutungsrahmen, die von mehreren Bewegungen und/oder über die Bewegung hinaus geteilt werden“ 12 . Ein Master-Frame setzt sich laut Kolb in der Regel aus drei verschiedenen Elementen zusammen: 1. Dem „Diagnostic Framing", das die Problemdefinition und damit den Grund des sozialen Protests aufweist. In ihm wird formuliert, welche Umstände aus welchen Gründen nicht akzeptabel sind und wer für diese Umstände verantwortlich ist. 13 Rucht und Neidhardt bezeichnen das „Diagnostic Framing“ als das Skandalisierungsmuster, welches das soziale Problem dramatisiert und legitimiert und dadurch förderlich auf die Mobilisierung der Bewegung wirkt. 14
2. Dem „Prognostic Framing“, welches eine Vorstellung davon entwickelt, wie, von wem und mit welchen Mitteln das soziale Problem behoben werden kann.
8 Vgl. Snow, Master Frames, S. 628.
9 Rucht, Weg, S. 308.
10 Felix Kolb, Soziale Bewegungen und politischer Wandel, Bonn 2002, S. 31 f.
11 Rucht, Weg, S. 308.
12 Sebastian Haunss, Identität in Bewegung. Prozesse kollektiver Identität bei den Autonomen und in der
Schwulenbewegung, Bremen 2004, S. 37.
13 Vgl. Kolb, Bewegungen, S. 33 / Rucht, Weg, S. 308.
14 Vgl. Rucht, Weg, S. 308.
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Arbeit zitieren:
Marcus Hammes, 2012, Framing der Anti-Atomkraft-Bewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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