Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Hauptteil 2
2.1. Bedeutung des Wortes Gewalt
2.2. Welche Gewalt kennzeichnet die Religionen? 3
2.3. Definition eines Heiligen Krieges 4
2.4. Überlegungen über die Herkunft der Meinung eines kriegerischen Islam
2.5. Bedeutung des Wortes Dschihad 6
2.6. Dschihad allein zur Verteidigung 9
2.7. „Es gibt keinen Zwang in der Religion.“
10
2.8. Alamiyyat al-islam 12
2.9. Staat und Religion 13
2.10. Vergleich: Gewalt im Christentum 14
3. Aussichten 16
Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Diese Arbeit soll das Verhältnis der Gewalt zum Islam untersuchen. Dabei wird die Aufmerksamkeit besonders auf den sogenannten „Heiligen Krieg“ gerichtet. Dem Verfasser ist bewusst, dass es zu diesem Thema sehr vielfältige Meinungen gibt. Sie schwanken von einem Extrem zum anderen. Einerseits ist vom Islam als eine von Grund auf gewaltsame Religion die Rede, andererseits wird die Gewalt im Islam als eine Verirrung einiger weniger fundamentalistischer Individuen beschrieben. Zudem kommt noch das Problem der Politisierung der Religion hinzu, welches in allen Religionen bedacht werden muss. So ist die Herangehensweise einer Untersuchung von Gewalt in den Religionen sehr unterschiedlich und zudem überaus prekär. Obwohl man als Wissenschaftler oder beim Versuch, einer zu sein, objektiv bleiben sollte, ist wohl nie zu vermeiden, dass die subjektiven Annahmen mit im Spiel sind. Daher lege ich gleich offen, dass ich in Bezug auf die Religionen sehr wohlgesinnt bin und annehme, dass allen Religionen die Bemühung eines besseren Verständnisses der Welt und eines friedlichen Miteinanderlebens zu Eigen ist. Doch diese Annahmen stoßen allenthalben auf Widerstand und daher sehe ich mich gezwungen, diese meine Annahmen zum Teil zurückzunehmen. Liegt es etwa an den falschen Zeugen auf die man sich beruft? Es gibt so viele! Alle sind sie der Meinung, richtig recherchiert und das Material wahrheitsgemäß widergegeben zu haben. Wollte man dem entgehen und eigenständig die Quellen befragen, ergeben sich Fragen wie: Wurde die Quelle verfälscht? Wenn nicht, ist diese Quelle nicht selbst eine Widergabe eines Menschen? Man kann, ad fontes, die heiligen Schriften und ihre frühesten Kommentare studieren oder man lässt sich auf die jüngste Vergangenheit ein und analysiert zudem die Gegenwart. Außerdem kann man die ganze Geschichte einer Religion studieren (Religionsgeschichte). Hier zeichnen sich bereits Spezialisierungen von Wissenschaften ab, die in der Religionswissenschaft alle miteinbezogen werden müssen. Hinzu kommen noch die Religionspsychologie, Religionssoziologie und Religionsethnologie, um nur die wichtigsten zu nennen. Ein weites Feld ...
~ 1 ~
2. Hauptteil
2.1. Bedeutung des Wortes Gewalt
Zunächst ist das Bedeutungsfeld des Wortes Gewalt näher zu bestimmen, um dann genauer auf das Phänomen der Gewalt eingehen zu können.
Wenn man über Gewalt in den Religionen spricht, so sollte man sich erst einmal die Bedeutung des Wortes „Gewalt“ vergegenwärtigen.
Das Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft brachte eine Instanz hervor, welche dafür zuständig ist, die Rechte und Pflichten aller zu reglementieren. In einer Demokratie hat diese Instanz mit einer Macht ausgestattet zu sein, die es ihr erlaubt Gewalt eben dann anzuwenden, wenn die Grundrechte der Menschen in der Gesellschaft von etwas oder jemandem gefährdet werden. Diese Gewalt kann man die rechtliche, schützende Gewalt nennen, die dazu autorisiert worden ist. Gewalt, die jener autorisierten Gewalt gegenübertritt ist eine Willkür-Gewalt, eine Gewalt ohne Legitimation, die daher von jedem ergriffen werden könnte, ohne dazu aufgefordert oder gar berechtigt zu sein. Eine solche Willkür-Gewalt, von jedem beliebigen ergriffen, wenn es ihm gut dünkt, würde eine Lebenssituation herbeirufen, die einer Gesellschaft entspräche, in der das Recht des Stärkeren gelten würde. Eben um dies zu verhindern, wurde eine Instanz geschaffen, die jener Willkür-Gewalt Einhalt gebietet und darum als Schutz-Gewalt bezeichnet werden kann. Die Schutz-Gewalt soll das Leben der Menschen vor Eingriffen schützen, so wie es die Menschenrechte fordern.
Diese Arten von Gewalt haben schon im Lateinischen ihre Entsprechung und werden dort als potestas und vis unterschieden.
Potestas ist eine auf auctoritas gegründete Amtsgewalt, die zumeist auf rechtlicher, aber auch hervorragender Kompetenz beruht. 1
Jene Gewalt, die sich mittels Kraft, Macht, aber auch durch Zwang 2 gegen andere durchsetzt, wenn es sein muss auch mit Gewaltsamkeit (violentia), wird lat. als „vis“ bezeichnet. 3 Genauer formuliert:
1. Die Gewalt, die befugt ist zu herrschen, wird potestas genannt, wobei die Befugnis vom Volk auf die Regierung übertragen werden kann usw., im Fall der monotheistischen
1 Evangelisches Kirchenlexikon: Bd. 2/4, S. 164
2 Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: Bd. 2, S. 3515
3 Evangelisches Kirchenlexikon: Bd. 2/4, S. 164
~ 2 ~
Religionen wird die Befugnis als von Gott auf die entsprechenden Institutionen, die die Religion vertritt, herkommend legitimiert.
2. Die Gewalt, die sich gegen den Willen anderer mit Zwang durchsetzt, schlimmstenfalls auch mittels verletzender Gewalttätigkeit (violentia), wird als vis bezeichnet.
2.2. Welche Gewalt kennzeichnet die Religionen?
Ohne Zweifel ist es die erstere, welche wir oben als potestas bezeichnet haben, denn sowohl im Islam ist Allah die befugte Gewalt schlechthin als auch Gott im Christentum. Wenn sich nun der Islam und das Christentum auf eben diesen Gott als auctoritas berufen, mit der sie ihre potestas rechtfertigen, so ist damit folgendes verbunden: das Verständnis, welches der Islam und das Christentum von Gott hat und die daraus hervorgehende Verkündigung, Lehrmeinung und Setzung des Rechtes. Das Wirken der Christen in der Welt muss notwendig mit ihrem Verständnis Gottes zusammenhängen.
Im Islam wird die Herrschergewalt direkt als von Gott kommend angesehen und somit wird die Autorität durch die tatsächlich vorhandene Macht legitimiert. 4 Es ist ersichtlich, dass von Gewalt in den Religionen nur dann gesprochen werden darf, wenn sich diese gegen den Willen der Menschen mittels Zwang oder Gewaltsamkeit aufdrängt (s.o. vis).
Natürlich kann ein rational denkender moderner Mensch sagen, dass „diese Gewalt Gottes als Projektion von Menschen verstanden werden (muss - V.H.), um im Namen Gottes selbst Gewalt auszuüben und Gottes Herrschaft als Herrschaftslegitimation zu gebrauchen“ 5 , doch könnte eine solche Projektion ebenfalls von Gott gewollt sein 6 . Und wollte man Gott als ein Phantasma des Menschen abtun, so hätte und hat dieses Phantasma doch eine enorme Wirkungsgeschichte hervorgebracht. Außerdem müsste man dann weiterfragen, ob denn nicht sehr vieles, was den Menschen bewegt als Phantasma zu bezeichnen wäre. Die Tatsache allein bleibt bestehen, dass es Religion gibt, und im Folgenden soll untersucht werden, inwieweit sich der Islam bzw. der Koran mit dem Thema Gewalt und heiliger Krieg auseinandersetzt.
4 Enders, Markus: Zum Verhältnis von Religion und Gewalt nach den Heiligen Schriften des Judentums (Thora),
des Islams (Koran) und des Christentums (Neues Testament). In: Jahrbuch für Religionsphilosophie. Bd. 2.
S.112
5 Uhde, Bernhard: „Kein Zwang in der Religion“ (Koran 2, 256). Zum Problem von Gewaltpotential und Gewalt
in den „monotheistischen“ Weltreligionen. In: Jahrbuch für Religionsphilosophie. Bd. 2. S. 88
6 vgl. ebd.
~ 3 ~
2.3. Definition eines Heiligen Krieges
„Was genau ‚heiliger Krieg’ ist, lässt sich weitaus schwieriger angeben als gemeinhin unterstellt wird. Die Extreme allerdings sind klar, nämlich einerseits der ‚gerechte Krieg’ zur Verteidigung rational überprüfbarer Ansprüche und mit ethisch abgeklärten Intentionen wie andererseits der Heilige Krieg als Einsatz von Waffengewalt für Gott.“ 7
So soll demnach der gerechte Krieg als eine säkular bestimmbare Gerechtigkeit, der heilige Krieg hingegen als für die Sache Gottes bestimmbar sein. Die Schwierigkeiten liegen in den vielfältigen Möglichkeiten der Vermischung dieser beiden Vorstellungen. Ist es legitim, einen gerechten Krieg als heiligen Krieg zu proklamieren, indem man diesem religiöse Riten beimengt, oder wie im Fall der Kreuzzüge, dass ein Papst den Segen für diesen Krieg gibt? Oder ist ein Krieg gerecht, nur weil er heilig ist?
Man sieht, welche Schwierigkeiten es bereitet, gerechte und heilige Kriege zu definieren. Der Kirchenhistoriker Arnold Angenendt spricht daher von einem religiösen Krieg, wenn die Waffen direkt für Gott erhoben werden und zwar gegen Menschen einer fremden Religion oder wenn sie Apostaten geworden sind. 8
Wir folgen dieser Auslegung und überprüfen, wie sich der Islam dazu verhält.
2.4. Überlegungen über die Herkunft der Meinung eines kriegerischen Islam
Dem Islam wird oft unterstellt, seinen Glauben mit Hilfe eines heiligen Krieges, dem sogenannten dschihad, auszubreiten.
Der Islamwissenschaftler Reza Aslan sieht den Ursprung dieses tiefverwurzelten Stereotyps des Islam als Kriegerreligion in der päpstlichen Propaganda der Kreuzzugszeit. Im Mittelalter wäre der Islam aufgrund der bedrohlich näherrückenden Türken vom gebeutelten Heiligen Römischen Reich als Religion des Schwerts bezeichnet worden. 9 Als schließlich die europäische Kolonisierung des 18. und 19. Jahrhunderts eine politische und religiöse Gegenreaktion hervorrief, „[…] die unter dem Begriff islamischer Fundamentalismus geläufig
7 Angenendt, Arnold: Toleranz und Gewalt. S. 375
8 vgl. ebd. S. 375
9 vgl. Aslan, Reza: Kein Gott Ausser Gott. S.99f.
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Arbeit zitieren:
Magister Artium Abe Jarron, 2007, Heiliger Krieg im Islam, München, GRIN Verlag GmbH
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