Seminar für Wissenschaftliche Politik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Max Weber und die Verfassung der Weimarer Republik
-der Einfluss seiner charismatischen Konzeption- RobertWestermann
I
Inhalt
1. Einleitung 1
2. a) Politische Vorstellungen
Einf ührung in den Kontext
2
Das Parlament 4
Der Reichspräsident 6
b) Wissenschaftliche Grundlagen
Macht und Herrschaft 8
Die rational-legale und traditionale Herrschaft 9
Die charismatische Herrschaft 9
3. a) Exkurs 11
-Liberales Gewaltenbalancedenken oder plebiszitäre Führerdemokratie-
b) Zusammenfassung 14
4. Literaturverzeichnis 15
II
1. Einleitung
Die wichtigste Monographie zu meinem Thema ist das Werk von Wolfgang J. Mommsen: „Max Weber und die deutsche Politik 1890-1920“, zum ersten Mal erschienen im Jahr 1959. Zu seinem Werk äußerte sich Mommsen jedoch selbstkritisch: Er habe „mit jugendlichem Ungestüm den Politiker Max Weber dingfest machen wollen, ohne sich sonderlich seines soziologischen Denkens zu kümmern“ 1 .
Auch der Vorsatz einer starken Abgrenzung gegenüber „Fehlinterpretationen“ 2 des politischen Denkens Webers deutet die zeitgeschichtliche Beeinflussung des Werkes an. 3 Die Quellen, die auf die politischen Positionen Webers hinweisen, sind allerdings gut erschlossen und so fußt meine Arbeit neben der Herrschaftssoziologie seines Hauptwerks „Wirtschaft und Gesellschaft“ auf den „Gesammelten Politische Schriften“ Max Webers, herausgegeben von Johannes Winkelmann.
Der erste Abschnitt des Hauptteils meiner Arbeit beinhaltet eine Einführung in die politischen Vorstellungen Max Webers für eine Neugestaltung der Verfassung, wobei die Forderung nach dem plebiszitär legitimierten Reichspräsidenten den zentralen Punkt der Darstellung bildet. Der zweite Abschnitt befasst sich mit den Grundlagen seiner Vorstellungen, und nimmt Bezug auf den Bereich der wissenschaftlichen Konzeption des charismatischen Charakters politischer Herrschaft, der sich mit der weberschen Konzeption des Reichspräsidenten verknüpfen lassen könnte.
Besonders im Hinblick auf die Intention des charismatischen Konzepts in Webers verfassungspolitischen Vorstellungen, werde ich am Ende der Hausarbeit auf Mommsen zurückkommen. Auf dessen Interpretation müsste jede Theorie basieren, die die These vertritt, Weber hätte mit der Vorstellung einer „cäsaristischen-plebiszitären Führerdemokratie“ die nationalsozialistische Diktatur „konzeptionell“ mit vorgedacht. Ob in Webers Vorstellungen aber nicht eher ein liberales „Gewaltenbalancedenken“ überwog, möchte ich in einem Exkurs der Arbeit ansprechen.
1 Wolfgang J. Mommsen: Politik im Vorfeld der „Hörigkeit der Zukunft“ - Politische Aspekte der Herrschaftssoziologie Max Webers, in: Wolfgang Mommsen (Hrsg.): Max Webers Herrschaftssoziologie -Studien zu Entstehung und Wirkung, Tübingen 2001, S.303.
2 Insbesondere das Werk von Marianne Weber: Max Weber - Ein Lebensbild, 1.Aufl. erschienen in Tübingen 1926.
3 Vgl. Wolfgang J. Mommsen: Vorwort zur zweiten Auflage, in: Wolfgang J. Mommsen: Max Weber und die deutsche Politik 1890-1920, 2.Aufl., Tübingen 1974, S.XII.
1
Eine Zusammenfassung soll letztendlich die wichtigsten Erkenntnisse dieser Hausarbeit wiederholen und in den Kontext meiner Fragestellung setzen, die auf den Stellenwert des charismatischen Konzepts eines plebiszitären Reichspräsidenten innerhalb des weberschen Gedankengerüst eingeht.
2. a) Politische Vorstellungen
• Einführung in den Kontext
Seit dem Sommer 1918 verschlechterte sich die Situation an der Westfront zunehmend, und es schien als ob im Oktober die militärischen, politischen und auch sozialen Strukturen der alten Ordnung zusammenbrechen werden.
Am 3. Oktober 1918 wurde Prinz Max von Baden zum Reichskanzler ernannt. Sein neues Kabinett war unter maßgeblicher Mitwirkung der Parteien der Reichstagsmehrheit entstanden und stellte „den entscheidenden Schritt auf dem Weg von der konstitutionellen zur parlamentarischen Monarchie“ 4 dar.
Einen Tag zuvor hatte die „Oberste Heeresleitung“ der ersten parlamentarischen Regierung zukommen lassen, dass man keine 48 Stunden auf die Übermittlung eines Waffenstillstandgesuches an den amerikanischen Präsidenten Wilson warten könne. Das offene Eingeständnis der Niederlage war für die deutsche Öffentlichkeit ein Schock. Unter den nun offenbarten katastrophalen Zuständen erwartete man nicht nur ein sofortiges Ende des Krieges, sondern auch eine weitgehende staatliche Umgestaltung, die als Bedingung für einen Frieden vom amerikanischen Präsidenten gefordert wurde. Am 5. Oktober wurden Pläne für eine Verfassungsreform im Reichstag vorgelegt, die am 28. Oktober in Kraft traten. Durch diese Modifizierung der Reichsverfassung von 1871 hätte man auch verfassungsrechtlich eine parlamentarische Monarchie geschaffen. Eine brauchbare Lösung schien dies für die Öffentlichkeit allerdings nicht zu sein, die immer stärker die Abdankung des Kaisers forderte. Es kam zur Novemberrevolution. Angefangen mit einem Matrosenaufstand in Kiel, bildeten sich in ganz Deutschland Arbeiter-und Soldatenräte. Am 9. November erreichte die Revolutionswelle Berlin und der Reichskanzler war überzeugt, diese nur noch mit der Abdankung des Kaisers beruhigen zu können. Gleichzeitig übergab er das Amt des Reichskanzlers an den Führer der Mehrheits -SPD Friedrich Ebert. Dieser war bestrebt die revolutionären Bewegungen durch
4 Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, 6. Aufl., München 2002, S.3.
2
Arbeit zitieren:
Robert Westermann, 2003, Max Weber und die Verfassung der Weimarer Republik - der Einfluss seiner charismatischen Konzeption, München, GRIN Verlag GmbH
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