Hausarbeit
Die Bedeutung der Pflegevisite im Rahmen der Qualitätssicherungsdiskussion
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Im Rahmen des Studienganges Pflege/ Pflegemanage- ment SoSe 2003
Verfasserinnen: Tica Suzana Wolfsteiner Carmen
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Pflegevisite 4
2.1 Dynamik und Wandel im Bereich der Visite 4
2.2 Definitionsvielfalt zur Pflegevisite 5
2.3 Pflegevisite im Rahmen des Pflegeprozesses 8
2.4 Abgrenzung der Pflegevisite zur Patientenübergabe am
Krankenbettbett 11
3 Qualitätssicherung in der Pflege 14
3.1 Allgemeines zur Qualität 14
3.2 Mögliche Erfassung von Qualität 15
3.3 Qualitätssicherung als gesetzliche Grundanforderung 18
3.4 Methoden zur Qualitätssicherung 19
4 Wie trägt die Pflegevisite zur Qualitätssicherung bei 21
5 Bedeutung der einzelnen Akteure 24
5.1 Pflegevisite aus der Sicht der Klienten und Klientinnen 24
5.2 Pflegevisite aus der Sicht der Angehörigen 25
5.3 Pflegevisite aus der Sicht der Pflegenden 26
5.4 Pflegevisite aus Sicht der Pflegedienstleitung 27
6 Zusammenfassung 28
7 Ausblick 30
8 Literaturverzeichnis 31
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Organisatorische Aspekte der Pflegevisite (Görres 2002 S 29) 11
Abbildung 2: Pflegevisite und Übergabe am Krankenbett (Quelle: Schlenker
Ferth 1998 S 5) 12
Abkürzungsverzeichnis NA
DBfK Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe
MDK Medizinischer Dienst der Krankenkassen
WHO World Health Organisation Weltgesundheitsorganisation
iap NA
Institut für angewandte Pflegeforschung (Universität Bremen)
SGB Sozialgesetzbuch
PDL Pflegedienstleitung
z B zum Beispiel
u a unter anderem
bzw beziehungsweise
evtl eventuell
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2 Einleitung
Offensíchtlich erlebt die Pflegevisite vor allem im Bereich der Altenhilfe in letzter Zeit einen richtigen „Boom“. Diese Aktualität hängt sehr eng mit der zunehmen- den Bedeutung der Qualitätssicherung in der Pflege zusammen. Die Qualitäts- sicherung ist und bleibt ein zentraler Aspekt unserer zukünftigen Tätigkeit, den wir mit einer großen inneren Spannung verfolgen. Im Rahmen dieser Hausar- beit möchten wir darlegen, inwiefern die Pflegevisite als geeignetes Instrument der Qualitätssicherung dienen kann. Unser Ziel ist es auch aufzuzeigen, inwie- weit die verschiedenen an der Pflegevisite beteiligten Akteure dazu beitragen können. Vor allem aber möchten wir erkennbar machen, welchen Nutzen die Pflegevisite für die Klienten und Klientinnen haben kann.
Unserer Meinung nach definieren die Begriffe Patient und Patientin sowie Be- wohner und Bewohnerin nicht alle Personen die Pflegeleistungen in Anspruch nehmen. Da unsere Hausarbeit aber nicht nur auf eine einzige Institution zielt, haben wir uns für die Verwendung der Begriffe Klienten und Klientinnen ent- schieden. Außerdem schließen wir uns der Meinung von Heering et al. an, der in dem Klienten einen informierten, autonomen Empfänger professioneller Pfle- ge sieht. Der Begriff Klient leitet sich ab vom lateinischen clinare = sich anleh- nen bzw. cliens = jemand, der Anlehnung gefunden hat. (Heering et.al1997, S. XIII)
3 Pflegevisite
3.1 Dynamik und Wandel im Bereich der Visite
Nach ausführlicher Recherche konnten wir feststellen, dass es keine einheitli- che Festlegung des Begriffes Pflegevisite gibt. Einige Definitionen haben ähnli- che Zieldefinierungen, andere legen wiederum unterschiedliche Schwerpunkte fest. Bei der Umsetzung in der Praxis konnten wir feststellen, dass die Pflegevi- site nicht nur unterschiedlich verstanden ,sondern auch unterschiedlich umge- setzt wird. Diese Definitionsvielfalt zeigt eine Dynamik ,welche die Auseinan- dersetzung mit dem Begriff Pflegevisite in der Theorie als auch in der Praxis begleitet.
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Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein konstanter Wandel seiner praktischen Umsetzung. Der Ursprung des Begriffes Pflegevisite ist das Wort „Visite“. Die meisten Menschen verbinden das Wort „Visite „ mit dem Besuch, wie es auch im „modernen Lexikon“ aufgeführt ist. (Das moderne Lexikon, Trier-Walh 1980, S. 346) Kellnhauser verwendet in ihrer Arbeit über die Theorie und Praxis der Pflegevi- site folgende Erklärung. „Der Begriff Visite- abgeleitet aus dem Lateinischen visitare bedeutet hingehen und nachsehen, oder hingehen und eine kurze Zeit verbleiben oder hingehen und nachsehen, um zu helfen und zu trösten“. (Kelln- hauser 1995, S. 590)
Visite wird im Krankenhaus am meisten mit dem Krankenbesuch des Arztes identifiziert.
Seit den 50er, 60er Jahren hat im Bereich der Visite eine starke Entwicklung stattgefunden. Die Dominanz der Ärzte und Ärztinnen hat den Charakter der Visite in den 50er und 60er Jahren stark geprägt. Inzwischen wird die Bedeu- tung der pflegerischen Beratung und die Einbeziehung der Klienten und Klien- tinnen sowie der Angehörigen immer mehr thematisiert. Die Kinderkrankenpfle- geschule des St. Marien-Hospitals in Düren hat diese Entwicklung im Rahmen eines Projektes zum Thema „Visiten in der Kinderklinik“ genau analysiert und festgestellt:
“ Nach Auswertung der durchgeführten Interviews, dem Bewerten der Aussagen und Meinun- gen von Ärzten, Kinderkrankenschwestern/-pfleger, Patienten und deren Eltern und der Beo- bachtung und Auswertung der Visiten auf den Stationen sind wir der Meinung, dass der Ablauf der Visite im Wandel der Zeit eine positive Entwicklung genommen hat. Gründe hierfür sehen wir in den mittlerweile unterschiedlichsten Formen der Visiten, die den Patienten und ihren El- tern zeigen, wie viele Menschen sich um sie kümmern und versuchen, den Genesungsprozess so angenehm, schmerzfrei und unkompliziert wie möglich zu gestalten“. (Die Schwester/Der Pfleger 2002, S. 558)
3.2 Definitionsvielfalt zur Pflegevisite
Der etwas untypische Charakter folgender Definition von Bieg erscheint uns ein passender Satz zum Einstieg zu sein:
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„ Pflegevisite ist eine Wortneuschöpfung, führt zu Analogien und zur Freiheit, ihr eine gegen- wärtige stimmige Bedeutung zu geben. Die vielfältigen Interpretationen bergen Probleme und Chancen zugleich. Chancen insofern, da sie die Freiheit eröffnen, kreative innovative Verände- rungen einzuleiten. (Bieg 1995, S. 208)
Gleichzeitig definiert Frau Bieg die Pflegevisite als „eine Interaktion von Sachverstän-
digen der Pflege
• initiiert von Pflegedienstleitung und Pflegenden,
• durchgeführt mit dem Patienten,
• analog der Methode des Pflegeprozesses
• mit dem Ziel der Qualitätssicherung und der Entwicklung einer Pflegekultur im Kranken-
haus.“ (Bieg 1995, S. 208)
Andere Autoren und Autorinnen bringen ähnliche Aspekte ein:
„Pflegevisite ist ein regelmäßiger, gemeinsamer Besuch der Krankenschwestern und –pflegern des Pflegeteams bei Patienten, um im Gespräch all Schritte der Pflege zu erörtern. Gruppen-/ Schicht-/ Stations- und Abteilungsleitung/ Pdl sollten durch die Teilnahme einen Überblick über die geleistete und zu leistende Pflege verschaffen sowie ihre Verpflichtung zur Fachaufsicht und Kontrolle nachkommen. Der Krankenpflegeprozess muss der thematische Mittelpunkt der Pfle- gevisite sein“. (Augsten, Kloster, Knipfer, Selent 1997, S. 1045)
„Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit der Klientin/ dem Klienten über ihren/seinen Pflegeprozess. Die Pflegevisite dient der gemeinsamen
• Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen bzw. der Pflegediagnose
• Vereinbarung der Pflegeziele
• Vereinbarung der Pflegeinterventionen
• Überprüfung der Pflege“. (Heering, Heering, Bode, Müller 1997, S. XX)
„Regelmäßige Gespräche zwischen Pflegepersonen und dem Patienten über den Pflegeverlauf; es nehmen die (Pflege)Mitarbeiter teil, die den betreffenden Patienten betreuen, evtl. werden weitere Personen hinzugezogen, etwa Krankengymnastin, Ergotherapeutin ,Stationsleitung oder Pflegedienstleitung“. (Schäffler, Menche, Bazlen, Kommerl 1998, S. 34)
„Pflegevisite: regelmäßiger Besuch von Pflegekräften bei der KundIn zwecks
Informationsaustausch und gleichzeitiger Kontrolle des Pflegeprozesses“.
(Barth 1999,S.171)
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„Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch der Pflegekräfte bei den Klienten, um mit dem Klient alle Faktoren und Schritte eines individuellen Pflegeprozesses zu besprechen. Vorge- setzte Pflegekräfte können auf diesem Wege, entweder aufgrund regelmäßiger oder intermittie- render Teilnahme ihrer Fachaufsicht nachkommen, gleichzeitig können sie sich einen Überblick über das stattfindende Pflegegeschehen machen“. (Volz-Powa 2000,S.6)
„Die Interaktion mit dem Klienten über seinen Pflegeprozess bilden zwischen allen Beteiligten den Mittelpunkt. Die Pflegevisite setzt sich mit der gesamten pflegerischen Behandlung bzw. dem Pflegeprozess auseinander. Deshalb ist sie ein Bestandteil dieses Kontinuums [...].Letztendlich ist aber immer die Orientierung am Klientel das entscheidende und vorrangige Ziel.“ (Volz-Powa 2000, S.6,7)
„Unter Pflegevisite wird eine Form des Controlling und der Fachberatung im Rahmen des pfle- gerischen Managements verstanden, das die Klienten und gegebenenfalls ihre Angehörigen aktiv einbezieht. Ziel der Pflegevisite ist es, eine optimale Transparenz der Begleitung und Pfle- ge zu schaffen sowie Optimierungspotenziale frühzeitig zu erkennen und wirksam werden zu lassen. Neben der fachlichen Überprüfung der Pflegeleistung stehen bei der Pflegevisite die Evaluation des Pflegeprozesses und der Wohlfühl-Planung im Vordergrund“. (Kämmer 2000, S.28)
„Die Pflegevisite ist ein Instrument zur Überprüfung von pflegerischen Leistungen und deren Qualität. Sie wird in festgelegten Abständen von den zuständigen Pflegemitarbeiter/innen als strukturierter Klientenbesuch durchgeführt. Die Teilnahme von Angehörigen oder anderen Be- zugspersonen sowie weiteren an der Betreuung beteiligten Berufsgruppen ist wünschenswert“. (DBfK- Leitfaden zur Pflegevisite 2002, S.6)
Diese verschiedene Definitionen sind der Ausdruck einer ständigen, zeitgemä-
ßen Modifizierung und Erweiterung des Begriffes Pflegevisite. Alle Definitionen
betonen allerdings zum größten Teil die zentrale Bedeutung der Klientenorien-
tierung. Die gemeinsame Besprechung aller Schritte der Pflegevisite mit dem
Patienten wird als selbstverständlich dargestellt. Mit der Zielgruppe sind alle
Personen gemeint, welche die pflegerischen Leistungen in Anspruch nehmen
oder in die Pflegevisite mit einbezogen werden (Patienten, Pflegeempfänger,
Klienten, Bewohner, Pflegebedürftigen, Pflegekunden, zu Pflegenden, Angehö-
rige, Bezugspersonen). In den meisten Definitionen werden zwei zentrale As-
pekte besonders in den Vordergrund gestellt ;der Pflegeprozess und die Quali-
tät der Pflege. Diese zwei herausragende Aspekte möchten wir in den folgen-
den Kapitel näher erörtern .
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3.3 Pflegevisite im Rahmen des Pflegeprozesses
Die Pflegevisite setzt sich mit der gesamten pflegerischen Behandlung bzw. dem Pflegeprozess auseinander. Deshalb ist sie ein Bestandteil dieses Konti- nuums. (Volz-Powa, 2000, S. 6)
Nach Kellnhauser ist eine effektive Durchführung des Pflegeprozesses ohne Pflegevisite nicht vorstellbar. Sie unterscheidet zwischen der Mikro- und Makro- Visite. Das Hauptmerkmal der Mikro-Visite ist die gleichberechtigte Beziehung zwischen der betreuenden Krankenschwester und den Klienten und Klientin- nen, die bei der Aufnahme im Zusammenhang mit der Informationssammlung stattfindet. Bei der Makro-Visite gibt es einen Informationsaustausch und eine Besprechung in einer „Eins- zu- mehreren Personen – Interaktion“. Die betreu- ende Krankenschwester gibt den teilnehmenden Personen einen Überblick über den Krankheitsverlauf, über die durchgeführten pflegerischen Maßnahmen, de- ren Auswertung und deren Problemlage. Durch die unterschiedlichen fachspezi- fischen Sichtweisen wird nach gemeinsamen Lösungsmöglichkeiten gesucht. Die Klienten und Klientinnen werden, sofern ihr Zustand es erlaubt, in die Ge- spräche miteinbezogen. (Kellnhauser 1995, S. 591)
Wir konnten anhand der Literaturrecherche feststellen, dass die meisten Auto- ren und Autorinnen den Zusammenhang zwischen dem Pflegeprozess und der Pflegevisite als wesentlich erklären. Die Pflegevisite wird hauptsächlich im Rahmen des Pflegeprozesses betrachtet ,sie trägt nach der Auffassung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) zur besseren Transparenz des Pflegeprozesses bei. Sie wird als ein zentraler Punkt gesehen, der zu ein- zelnen Schritten des Pflegeprozesses (Informationssammlung, Erkennen von Problemen und Ressourcen, Festlegung der Pflegeziele, Planung der Maß- nahmen, Durchführung der Pflege und Evaluation der Wirkung der Maßnah- men) in einer gegenseitigen Wechselwirkungs-Beziehung steht.
Viele Autoren und Autorinnen erklären, dass der vorhandene Pflegeprozess einerseits eine wichtige Voraussetzung bei der Implementierung der Pflegevisi- te in der Praxis ist. Er stellt die Grundlage jeder pflegerischen Versorgung, die auf der Ganzheitlichkeit und Systematik beruht. Durch den Pflegeprozess be- kommt die Pflege einen dynamischen Ablauf und dadurch bleibt auch die Pfle-
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Quote paper:
Carmen Wolfsteiner, Tica Suzanna, 2003, Die Bedeutung der Pflegevisite im Rahmen der Qualitätssicherungsdiskussion, Munich, GRIN Publishing GmbH
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