Die Frage, was ist Software, erzeugt normalerweise eine einfache Antwort: Programme, oder alles, was man nicht anfassen kann. Auch unter Informatikern gilt es als unhöflich, sich mit dieser Antwort nicht zu bescheiden. Das hat Grund. Software virtualisiert Werkzeuge, die weit über das hinausgehen, was der gesunde Menschenverstand von einer simplen Maschine mit einigen (zig)tausend Stromschaltern erwarten würde: unter anderem Maschinen, die uns vormachen als Kommunikationspartner mit uns zu sprechen oder (sprachliche) Befehle entgegennehmen und ausführen zu können. Software erscheint als Geist solcher Maschinen. Wie aber werden diese Maschinen beseelt?
Inhaltsverzeichnis
"Software" - virtueller Partner oder Werkzeug
Programmiersprachen
Software als ideologisches Konzept
Ideologie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Natur von Software und hinterfragt kritisch die durch Programmiersprachen suggerierten Computermodelle, die den Anschein erwecken, Computer seien mit menschenähnlicher Intelligenz oder Sprachverständnis ausgestattet.
- Die evolutionäre Entwicklung von Werkzeugen und Maschinen bis hin zum Computer.
- Die Funktion und Notwendigkeit von Programmiersprachen als Benutzeroberfläche.
- Die kritische Analyse des Computermodells als "sprachfähiges Subjekt".
- Die Unterscheidung zwischen realer Bedienung und der Illusion virtueller Partner.
- Die ideologischen Implikationen der Computer-Mystifizierung.
Auszug aus dem Buch
Software als ideologisches Konzept
Die Programmierung eines Computers ist dermassen kompliziert, dass bereits die einfachsten Maschinen, die den Namen Computer verdienen, ohne Programmiersprache praktisch nicht programmiert werden könnten. In den Software-Evolutionsgeschichten liest man häufig, dass die Entwicklung der höheren Programmiersprachen wie beispielsweise Fortran, die in die 50-er Jahre zurückgeht, mit der Zielsetzung in Angriff genommen wurde, den Programmieraufwand zu reduzieren. Das gilt natürlich noch in viel höherem Masse für die sogenannten Maschinensprachen, die gemeinhin gar nicht als Programmiersprache bezeichnet werden, sondern quasi als Verursacher des mit Programmiersprachen zu lösenden Problems erscheinen. Die auf der Ebene der Maschine unüberschaubare Programmieraufgabe wurde durch die Erfindung der sogenannten Programmiersprache lösbar gemacht.
Von der Reduktion des Programmieraufwandes durch Programmiersprachen ist ein wesentlicher Anteil darin begründet, dass die Programmierer vom Computer praktisch nichts wissen müssen. In der Tat kann von einem kommerziell eingesetzten Programmierer kaum verlangt werden, dass er beim Programmieren über die zu verwendende Zahlendarstellung oder gar über die Eigenschaften der Speichervorrichtung in einem Computer entscheidet. Die Programmiersprachen nehmen dem Programmierer diese Entscheidungen nicht nur ab, sie verstecken auch, (dass und) wie diese Entscheidungen in der jeweiligen Maschine getroffen wurden. Die Programmiersprachen bilden eine Benützeroberfläche, die die dahinterstehende Maschine im Sinne der Bedienbarkeit extrem einfach erscheinen lassen. Sie erzeugen aber - nicht nur beim Laien - die Vorstellung, dass man mit einem Computer sprechen oder ihm Befehle geben kann. Hinter der Oberfläche scheint ein anweisbares Subjekt - eine Art kleines Männchen - zu hocken.
Zusammenfassung der Kapitel
"Software" - virtueller Partner oder Werkzeug: Einführung in die Problematik, dass Software als Geist der Maschine wahrgenommen wird, obwohl sie nur eine Evolution von Werkzeugen darstellt.
Programmiersprachen: Analyse der Programmiersprache als technische Erfindung, die den Computer massentauglich machte, und Entzauberung des Begriffs "Sprache" in diesem Kontext.
Software als ideologisches Konzept: Untersuchung, wie die Reduktion des Programmieraufwandes durch Benutzeroberflächen die Fehlvorstellung eines sprechenden, intelligenten Computer-"Männchens" erzeugt.
Ideologie: Reflexion über die Gefahren, die entstehen, wenn virtuelle Welten und die vermeintliche Intelligenz von Maschinen mit der Realität verwechselt werden.
Schlüsselwörter
Software, Programmiersprache, Computer, Virtuelle Maschine, Evolution, Maschinensprache, Bedienbarkeit, Benutzeroberfläche, Ideologie, Computer-Modell, Technikphilosophie, Automaten, Lochkarten, Abstraktion, Illusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Wesen von Software und die Art und Weise, wie wir durch moderne Computer-Schnittstellen dazu verleitet werden, Maschinen als intelligente Partner anstatt als komplexe Werkzeuge zu begreifen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Computerprogrammierung, die Funktion von Programmiersprachen, das Konzept der virtuellen Maschine und die ideologische Aufladung der Mensch-Maschine-Interaktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Illusion des "sprachfähigen Computers" zu entlarven und zu verdeutlichen, dass das durch Programmiersprachen vermittelte Modell lediglich eine ökonomische Vereinfachung zur Bedienung darstellt, kein Abbild der Realität.
Welche methodische Herangehensweise wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-kritische Betrachtung der Technologieentwicklung und kombiniert diese mit technikphilosophischen Ansätzen, um die psychologischen Effekte von Benutzeroberflächen zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Evolution von Werkzeugen, der technischen Notwendigkeit der Programmierung, der Kritik an der Sprachmetapher für Computer sowie der psychologischen Wirkung des "kleinen Männchens" hinter der Benutzeroberfläche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Software-Ideologie, Abstraktion, Virtuelle Realität, Mensch-Maschine-Interaktion, Programmierung und die Demystifizierung von Computern.
Warum ist der Begriff "Programmiersprache" aus Sicht des Autors irreführend?
Weil der Begriff suggeriert, die Maschine würde menschliche Sprache verstehen, während sie in Wahrheit nur auf physikalische Muster wie Lochkarten oder Stromschaltungen reagiert, ohne jegliche semantische Kompetenz.
Was bedeutet die "Ohnmacht der Vernunft" im Kontext der Software-Ideologie?
Sie beschreibt das Risiko, dass Nutzer aufgrund der undurchschaubaren Komplexität moderner Maschinen dazu neigen, wichtige Entscheidungen an den "virtuellen Verstand" von Systemen abzugeben, statt die technischen Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen.
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- Rolf Todesco (Author), 1992, "Software" - virtueller Partner oder Werkzeug, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189633