„Denn wenn der Smaragd durch seine herrliche Farbe dem Gesicht wohl tut, ja sogar
einige Heilkraft an diesem edlen Sinn ausübt, so wirkt die menschliche Schönheit noch mit
weit größerer Gewalt auf den äußern und innern Sinn. Wer sie erblickt, den kann nichts
Übles anwehn; er fühlt sich mit sich selbst und mit der Welt in Übereinstimmung.“2
Die Rede ist hierbei von Ottilie, einer der Frauenfiguren in den Wahlverwandtschaften,
von welcher es im Folgenden handeln soll. Die vorliegende Arbeit geht neben der
Charakteristik auch auf Schwerpunkte wie Ottilies Geburtstag, und ihre Stellung im
Roman ein. Ottilie ist ein junges Mädchen – fast noch ein Kind - welches sich mitten im
Reifungsprozess befindet. Sie soll zu ihrer Tante Charlotte und ihrem Mann Eduard auf
deren Landsitz ziehen. Augenblicklich lebt sie noch in einer Pension, zusammen mit ihrer
Cousine Luciane – Charlottes Tochter. Als Figur tritt Ottilie im Roman erstmals in Erscheinung, als die Rede davon ist, das arme,
früh verwaiste Kind, zu ihrer Tante Charlotte und deren Mann Eduard zu holen. Bisher hat
sie in einer Pension mit ihrer Cousine Luciane, Charlottes Tochter, gelebt. Aufgrund ihrer
geringen Auffassungsgabe und der dadurch folgenden Tatsache, dass sie eine der
schlechtesten Schülerinnen gewesen ist, hat sich ihr Leben in der Pension keineswegs
leicht gestaltet: Die Vorsteherin der Pension hat Ottilie immer und immer wieder
gedemütigt. [...]
2 Goethe an Karl Friedrich Zelter. Jena, 26. August 1809
3 Wahlverwandtschaften S. 46
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ottilie – „die eigentlich intentionierte Gestalt“
2.1. Charakteristische Merkmale / Einordnung in den Handlungsverlauf
2.2. Ottilies Auftreten
3. Ihr Geburtstag
3.1. Allgemeines
3.2. Symbolisches am Tag der Feier
4. Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Frauenfigur Ottilie in Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“. Ziel der Analyse ist es, ihre Charakteristik, ihre spirituelle und symbolische Bedeutung sowie ihre zentrale Stellung und Entwicklung innerhalb der Romanhandlung fundiert herauszuarbeiten.
- Charakterisierung und Wesenszüge der Figur Ottilie
- Die Rolle Ottilies im Handlungsverlauf der „Wahlverwandtschaften“
- Symbolische Aufladung von Ereignissen, insbesondere an Ottilies Geburtstag
- Untersuchung von Ottilies Anziehungskraft und ihrer Wahrnehmung als „Heilige“
- Verhältnis zwischen Ottilie und Eduard sowie der Einfluss des Sakraments der Ehe
Auszug aus dem Buch
Charakteristische Merkmale / Einordnung in den Handlungsverlauf
Als Figur tritt Ottilie im Roman erstmals in Erscheinung, als die Rede davon ist, das arme, früh verwaiste Kind, zu ihrer Tante Charlotte und deren Mann Eduard zu holen. Bisher hat sie in einer Pension mit ihrer Cousine Luciane, Charlottes Tochter, gelebt. Aufgrund ihrer geringen Auffassungsgabe und der dadurch folgenden Tatsache, dass sie eine der schlechtesten Schülerinnen gewesen ist, hat sich ihr Leben in der Pension keineswegs leicht gestaltet: Die Vorsteherin der Pension hat Ottilie immer und immer wieder gedemütigt. Doch weder über die Demütigungen der Vorsteherin noch über die Kränkungen Lucianes, die sie des öfteren ihre Überlegenheit spüren lässt – Luciane ist eine ausgezeichnete Schülerin – verliert Ottilie ein einziges Wort. Sie möchte mit ihren innerlichen Schmerzen niemandem zur Last fallen, verleiht diesen Schmerzen folglich keinen Ausdruck. Lediglich ihrem Gesicht kann man hin und wieder eine Erregung ansehen. Dann nämlich rötet sich ihre linke Wange, während die recht blass wird. Bemerkenswert sind auch ihre Kopfschmerzen, die, wenn sie auftreten, nur auf der linken Seite – der Seite des Herzens, die der Ursprung ihres Daseins ist – zu bemerken sind.
Zwar ist Ottilie eine der schlechtesten Schülerinnen gewesen, hat dafür aber andere Fähigkeiten: Sie ist sehr auf Sauberkeit bedacht. In Folge dessen hilft sie ihrer Tante im Haushalt. Als sie alles etwas besser kennen gelernt hat, benötigt sie keine wörtlichen Anweisungen mehr, um zu wissen, was sie zu tun hat – ihr genügen Blicke. Bald schon ist der Haushalt für sie Routine, wodurch es ihr möglich ist, Zeit zur Verbesserung ihrer Bildung aufzubringen. Ganz zur Freude ihrer Tante. Diese ist es auch, die zur Verstärkung ihrer Konversation beiträgt, indem sie die Gespräche mit Ottilie in französischer Sprache führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Figur Ottilie als zentrale Frauenfigur des Romans vor und umreißt die Schwerpunkte der Analyse, welche die Charakteristik, den Geburtstag und ihre Stellung im Werk umfassen.
2. Ottilie – „die eigentlich intentionierte Gestalt“: Dieses Kapitel analysiert Ottilies Reifungsprozess, ihre Wesenszüge als stilles, leidendes Mädchen sowie ihre ambivalente Rolle und Wirkung auf andere Figuren wie Eduard.
3. Ihr Geburtstag: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Zuspitzung der Handlung um Ottilies Geburtstag, die symbolische Bedeutung der Abenddämmerung und die eskalierende Anziehung zwischen den Protagonisten.
4. Resümee: Das Schlusswort bilanziert Ottilies Rolle als „Schlüssel der Weltergründung“ und fasst ihre magische, harmonieverbreitende Ausstrahlung für den Leser zusammen.
Schlüsselwörter
Ottilie, Wahlverwandtschaften, Johann Wolfgang von Goethe, Romananalyse, Frauenfiguren, Liebesleidenschaft, Ehe, Charakteristik, Symbolik, Reifungsprozess, Seelenverwandtschaft, Unschuld, Pflichtgefühl, Naturbezogenheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Analyse der Figur Ottilie in Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“ und beleuchtet ihre Entwicklung sowie ihre Funktion im Gefüge der anderen Charaktere.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen Ottilies Charakterisierung, ihre moralische Entwicklung zwischen Natur und Sittengesetz, ihre symbolische Darstellung sowie ihr Einfluss auf das Beziehungsgeflecht der Hauptfiguren.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Ottilies „eigentlich intentionierte Gestalt“ zu ergründen und aufzuzeigen, wie sie als vollkommene, fast heilige Figur das Schicksal der anderen handelnden Personen bestimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die sich auf das Werk selbst sowie auf ergänzende Literatur und Erläuterungen stützt, um Ottilies Handeln und Wirkung zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Ottilies charakterlichen Merkmalen, ihrer Einordnung in den Handlungsverlauf, ihrem spezifischen Auftreten sowie eine detaillierte Analyse der Ereignisse und Symbolik an ihrem Geburtstag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind unter anderem Ottilie, Wahlverwandtschaften, Liebesleidenschaft, Ehe, Symbolik, Charakteristik und moralische Reifung.
Welche Bedeutung kommt der Handschrift in der Beziehung zwischen Ottilie und Eduard zu?
Die Handschrift dient als Symbol für eine unbewusste „Seelenverwandtschaft“; indem Ottilie Eduards Handschrift annimmt, fühlt sich dieser in seinem Wunsch bestärkt, dass sie ihn ebenfalls liebt, was die tragische Anziehung verstärkt.
Warum wird Ottilie oft als „Heilige“ wahrgenommen?
Ottilie strahlt eine ungewöhnliche innere Ruhe, Anmut und „göttliche“ Schönheit aus, die vor allem durch ihre reine Seele inspiriert ist, was dazu führt, dass sie von anderen Figuren wie dem Architekten als „Mutter Gottes“ oder „lebendes Bild“ idealisiert wird.
- Arbeit zitieren
- Nadine Fuchs (Autor:in), 2003, Ottilie - die eigentlich intentionierte Gestalt in den Wahlverwandtschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18965