Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Ottilie - „die eigentlich intentionierte Gestalt“ 1
2.1. Charakteristische Merkmale / Einordnung in den Handlungsverlauf. 1
2.2. Ottilies Auftreten. 5
3. Ihr Geburtstag. 6
3.1. Allgemeines. 6
3.2. Symbolisches am Tag der Feier. 8
4. Resümee. 10
Bibliographie. 11
II
1. Einleitung
„Denn wenn der Smaragd durch seine herrliche Farbe dem Gesicht wohl tut, ja sogar einige Heilkraft an diesem edlen Sinn ausübt, so wirkt die menschliche Schönheit noch mit weit größerer Gewalt auf den äußern und innern Sinn. Wer sie erblickt, den kann nichts Übles anwehn; er fühlt sich mit sich selbst und mit der Welt in Übereinstimmung.“ 2
Die Rede ist hierbei von Ottilie, einer der Frauenfiguren in den Wahlverwandtschaften, von welcher es im Folgenden handeln soll. Die vorliegende Arbeit geht neben der Charakteristik auch auf Schwerpunkte wie Ottilies Geburtstag, und ihre Stellung im Roman ein.
2. Ottilie - „die eigentlich intentionierte Gestalt” 2
Ottilie ist ein junges Mädchen - fast noch ein Kind - welches sich mitten im Reifungsprozess befindet. Sie soll zu ihrer Tante Charlotte und ihrem Mann Eduard auf deren Landsitz ziehen. Augenblicklich lebt sie noch in einer Pension, zusammen mit ihrer Cousine Luciane - Charlottes Tochter.
2.1. Charakteristische Merkmale / Einordnung in den Handlungsverlauf
Als Figur tritt Ottilie im Roman erstmals in Erscheinung, als die Rede davon ist, das arme, früh verwaiste Kind, zu ihrer Tante Charlotte und deren Mann Eduard zu holen. Bisher hat sie in einer Pension mit ihrer Cousine Luciane, Charlottes Tochter, gelebt. Aufgrund ihrer geringen Auffassungsgabe und der dadurch folgenden Tatsache, dass sie eine der schlechtesten Schülerinnen gewesen ist, hat sich ihr Leben in der Pension keineswegs leicht gestaltet: Die Vorsteherin der Pension hat Ottilie immer und immer wieder gedemütigt. Doch weder über die Demütigungen der Vorsteherin noch über die Kränkungen Lucianes, die sie des öfteren ihre Überlegenheit spüren lässt - Luciane ist eine
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2 Goethe an Karl Friedrich Zelter. Jena, 26. August 1809 3 Wahlverwandtschaften S. 46
1
ausgezeichnete Schülerin - verliert Ottilie ein einziges Wort. Sie möchte mit ihren innerlichen Schmerzen niemandem zur Last fallen, verleiht diesen Schmerzen folglich keinen Ausdruck. Lediglich ihrem Gesicht kann man hin und wieder eine Erregung ansehen. Dann nämlich rötet sich ihre linke Wange, während die recht blass wird. Bemerkenswert sind auch ihre Kopfschmerzen, die, wenn sie auftreten, nur auf der linken Seite - der Seite des Herzens, die der Ursprung ihres Daseins ist - zu bemerken sind.
Zwar ist Ottilie eine der schlechtesten Schülerinnen gewesen, hat dafür aber andere Fähigkeiten: Sie ist sehr auf Sauberkeit bedacht. In Folge dessen hilft sie ihrer Tante im Haushalt. Als sie alles etwas besser kennen gelernt hat, benötigt sie keine wörtlichen Anweisungen mehr, um zu wissen, was sie zu tun hat - ihr genügen Blicke. Bald schon ist der Haushalt für sie Routine, wodurch es ihr möglich ist, Zeit zur Verbesserung ihrer Bildung aufzubringen. Ganz zur Freude ihrer Tante. Diese ist es auch, die zur Verstärkung ihrer Konversation beiträgt, indem sie die Gespräche mit Ottilie in französischer Sprache führt.
Bei ihrer Ankunft auf dem Landsitz von Eduard und Charlotte heißen sie alle - darunter auch der Hauptmann, ein Freund von Eduard - aufs Herzlichste willkommen, denn „Schönheit ist überall ein gar willkommner Gast“ 3 . Wird hier noch allgemein über ihre Schönheit gesprochen - sowie zu Beginn nur kurz etwas über ihre schönen Augen gesagt wird - so erfährt man über das tatsächliche Ausmaß ihrer Erscheinung erst etwas, als sie von Charlotte in neue modische Gewänder gehüllt wird. Eduard und der Hauptmann sind von ihrem Anblick, welcher die pure Weiblichkeit verkörpert, sichtlich hingerissen. Schon beim ersten Aufeinandertreffen kommt ein erstes Anzeichen der Anziehungskraft, die Ottilie auf Eduard ausübt, dadurch auf, dass er sieobwohl sie bis dahin nichts gesagt hat - als „ein angenehmes, unterhaltendes Mädchen“ 4 empfindet. Ottilies ganzes Auftreten, ihre ganze Erscheinung gleichen der einer Heiligen. Folglich ist es wohl kaum verwunderlich, dass sie für den Architekten eine so prägnante Inspiration darstellte, „so daß es schien als wenn Ottilie selbst aus den himmlischen Räumen heruntersähe“ 5 .
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3 Wahlverwandtschaften S.44
4 Wahlverwandtschaften S.44
5 Wahlverwandtschaften S. 138
2
Arbeit zitieren:
Nadine Fuchs, 2003, Ottilie - die eigentlich intentionierte Gestalt in den Wahlverwandtschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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