Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG. 3
2 DEFINITION RITUALE 3
2.1 Rituale als Handlungen oder Handlungssequenzen 3
2.2 Institutionalisiertheit von Ritualen 5
2.2.1 Institutionelle Sprachhandlungen 5
2.2.2 „Institutionalisierte“ Sprachhandlungen 5
2.3 Rollentypen in Ritualen und einige typische Relationen 7
2.4 Expressivität von Ritualen 10
2.4.1 Sprachhandlungen 11
2.4.2 Thema. 11
2.4.3 Requisiten 11
2.4.4 Expressive Gesten 12
2.4.5 Stilisierung 12
3 RITUALE ALS MITTEL KOMMUNIKATIVER BEZIEHUNGSARBEIT 12
3.1 Definition Beziehung 13
3.1.1 Kommunikationsindikatoren für Beziehung. 13
3.1.2 Beziehung als rituelle Expressivität 14
4 RITUALE ALS MITTEL DES GEREGELTEN AUSDRUCKS VON
EMOTIONEN. 15
4.1 Arten des Emotionsausdrucks 17
5 RITUALTYPEN. 18
5.1 Kriterien zur Differenzierung und Klassifizierung von Ritualtypen
und -subtypen: 18
6 FUNKTIONEN VON RITUALEN 19
6.1 Politisch-soziale Funktionen 19
6.2 Intra- und interindividuelle tiefenpsychologische Funktionen von
Ritualen 20
7 RITUALBRÜCHE UND -VERSTÖßE 20
8 ZUSAMMENFASSUNG 21
LITERATURVERZEICHNIS 22
Elke Ranker: Rituale als bewertende Textmuster 3
1 Einleitung
In der vorliegenden, an das Seminar „Bewertende Textmuster“ (WS 2000/01) anknüpfenden Arbeit geht es um Rituale, die teilweise bewusst, teilweise unbewusst unser tägliches Leben und die Beziehungen die wir pflegen, bestimmen. Als erstes werde ich den Begriff „Ritual“ unter allgemeinen und dann unter verschieden Gesichtspunkten definieren. Des weiteren betrachte ich Ritual unter dem Aspekt kommunikativer Beziehungsarbeit und Ritual als Ausdruck von Emotionen. Danach werden verschiedene Ritualtypen vorgestellt und deren Funktionen erläutert. Als letztes werde ich mich Ritualbrüchen zuwenden. Für einige Punkte der Arbeit versuche ich Beispiele anzugeben, anhand derer sich belegen lässt, dass Rituale auch bewertende Textmuster sind.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich mich vor allem an die Ausführungen von RAUCH (1992) halten, da sie meiner Meinung nach einen guten und verständlichen Überblick über die Thematik bietet.
2 Definition Rituale
Ein Ritual ist eine von bestimmten Regeln gekennzeichnete Form einer kultischen Feier. Im Ritual werden meist traditionsbestimmte, soziale Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die mit Regelmäßigkeit zu bestimmten Anlässen in immer gleicher Form spontan hervorgebracht werden.
Nach RAUCH (1992, 39) dienen Rituale der Beziehungsgestaltung und dem geregelten Umgang mit Gefühlen. Sie bestehen oft aus Handlungen oder Handlungssequenzen, sind institutionalisiert und symbolisch- expressiv. Für all diese Merkmale gibt es Indikatoren bzw. Indikatorentypen.
2.1 Rituale als Handlungen oder Handlungssequenzen
Eine Handlung kann willkürlich, bewusst oder regelbefolgend ausgeführt werden (vgl. WERLEN 1984). Wird eine Handlung bewusst ausgeführt, so dient sie meist als Strategie, um etwas zu erreichen. Viele Handlungen werden jedoch oft spontan und unreflektiert abgespult. SANDIG (1986, 40) untersucht Aspekte von Handlungssequenzen als ein logisches Nacheinander. Zur Verdeutlichung können beispielhaft Tischgespräche dienen. Dabei entsteht die Handlung in einem Hand- lungskontext (vgl. RAUCH 1992, 40) und es gibt eine Vorgeschichte und ein Vor-
Elke Ranker: Rituale als bewertende Textmuster 4
wissen der Beteiligten. Weiter sind eine Motivation der Beteiligten und bestimmte Zielsetzungen vorhanden. Zur Realisierung von Zielen werden Entscheidungen über die Mittel getroffen, es wird mit Hilfe von Planbildungen (vgl. RAUCH 1992, 41) vororganisiert. Daraufhin wird die Handlung in einer bestimmten Art und Weise durch- bzw. ausgeführt und daraus resultiert der intersubjektive Sinn der rituellen Handlung (vgl. RAUCH 1992, 41). Die Konsequenzen des Ergebnisses können folgende sein: entweder ist die Zielsetzung der Beteiligten konventionell (erfüllt), oder es kommt zu unkonventionellen Folgen, d.h. Störungen verursachen mentale oder emotionale Zustände.
Einem rituellen Text- oder Gesprächsmuster liegen spezifische komplexe Muster zugrunde. Diese Muster können aus lexikalischen, syntaktischen, Intonations-, Handlungs- und Rollenmustern und/oder Mustern für die an Handlungen geknüpfte Haltungen und Modalitäten mit Wissensmustern bestehen. Die spezifischen komplexen Muster erzeugen wiederum ein spezifisches Text- oder Gesprächsmuster mit expressivem Charakter, welches der Beziehungsarbeit dient. Rituelle Text-oder Gesprächsmuster sind institutionalisiert, d.h. laut RAUCH (1992, 41), dass sie als Handlungsanweisungen rituellem Handeln zugrunde liegen. WERLEN (1984, 82) ist der Meinung, dass es für ein rituelles Muster einzelne Realisierungen gibt. Unter Ritual versteht er die Realisierung eines Muster in einer konkreten Handlung und das abstrakte Muster selbst. Bei alltäglichen Interaktionsritualen existiert ein gewisser Spielraum, was die Abfolge der Handlungen betrifft.
RAUCH (1992, 42) vertritt die These, dass eine rituelle Handlung aus mindestens einem adjacency pair besteht. Rituale haben Mustercharakter und sind gesellschaftlich institutionalisiert, d.h. für die jeweilige Gesellschaft verbindlich. Jedoch sind sie zusätzlich individuell institutionalisiert, so dass sie nur für bestimmte Gruppen bzw. Individuen verbindlich sind. Der Handlungscharakter von Ritualen ist von verschiedenen Handlungsformen gekennzeichnet. Diese sind bewusste oder unbewusste Absichtlichkeit, Zielgerichtetheit, Normenbezogenheit, Prozesscharakter und Mustercharakter. Wichtig sind vor allem die Repetitivität und Vorgeprägtheit der graphischen, sprachlichen und sprecherischen Strukturen sowie die Festlegung von Handlungsrollen und Bezie- hungsgestaltung.
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2.2 Institutionalisiertheit von Ritualen
Nach WERLEN (1984, 86) geht es bei der Institutionalisiertheit von Ritualen um deren Formalisierung, Stilisierung, Repetitivität, Stereotypisierung und Performativität. Eine Institution ist zum einen politologisch, zum anderen handlungstheoretisch, wobei es nach HAFERKAMP (1972, 23) um soziales Institutionalisierungs-handeln geht, bei dem zwei Handelnde gemeinsam eine Produktion definieren, integrieren und identifizieren.
Symbolisch vermitteltes Verhalten wird als institutionell bezeichnet. Sprachliche Ausdrücke gelten als Institutionen, welche eng an das „Rituelle“ gebunden sind. Von COULMAS (1978, 1) existiert eine Unterteilung in mikroanalytische und makroanalytische Institutionen. Mikroanalytische Institutionen sind typisierte Verhaltensweisen aller Art, Gepflogenheiten, Bräuche, Sitten, Riten und speziell einzelne Züge in standardisierten, ritualisierten Interaktionsabläufen (z.B. Gratulationen, Begrüßungen, Trinksprüche, Absolutionen). Makroanalytische Institutionen dagegen sind geschichtlich tradierte Organisationsformen der Gesellschaft und konstitutionelle Einrichtungen des Staates.
2.2.1 Institutionelle Sprachhandlungen
Nach Elisabeth RAUCH (1992, 44) gibt es verschiedene Arten von Sprachhandlungen. Als erste wären die institutionellen Sprachhandlungen zu nennen, welche konstitutive Bestandteile von Institutionen als historisch-politischen, konstitutionellen Einrichtungen sind und in den privaten Alltag übernommen werden können.
Ein Beispiel dafür ist: Ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Diese Aussage ist institutionsspezifisch, aber nicht konstitutiv.
2.2.2 „Institutionalisierte“ Sprachhandlungen
Institutionalisierte Sprachhandlungen beruhen auf Konvention und Festlegung (RAUCH 1992, 45). Sie sind selbst Institutionen wie feste Formeln oder Redewendungen, z.B. Guten Appetit!
Alle „institutionellen“ Sprachhandlungen sind „institutionalisiert“, aber nicht alle „institutionalisierten“ Sprachhandlungen sind institutionell. Es können jedoch beide ritualisiert sein! Des weiteren sind rituelle / ritualisierte Sprachhandlungen aber immer institutionalisiert, auch wenn sie nicht immer „der Institution bedürfen“ (RAUCH 1992, 45). Zum Beispiel kann ein Tischgebet eine feste Insti- tution innerhalb einer Personengruppe oder Familie sein.
Arbeit zitieren:
Elke Ranker, 2001, Rituale als bewertende Textmuster, München, GRIN Verlag GmbH
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