Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Vorgeschichte: Die kilikische Piraterie und römische Gegenmaßnahmen vor
67 v. Chr. 2
3 Der Seeräuberkrieg des Pompeius 7
3.1 Die Lage Anfang 67 und die Lex Gabinia. 7
3.2 Das Vorgehen des Pompeius. 9
3.3 Ergebnis und unmittelbare Folgen des Seeräuberkriegs 13
4 Die Ereignisse auf Kreta und Pompeius dortiges Eingreifen 15
5 Nachgeschichte: Aspekte zu Pompeius, der Seeräuberei und Kilikien nach 67
v. Chr. 17
6 Schluß: Resümee und Ausblick 19
7 Quellen- und Literaturverzeichnis 21
7.1 Liste der benutzten Quellen. 21
7.2 Liste des benutzten Literatur 23
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1 Einleitung
Im Verlaufe der Geschichte der Piraterie der Antike ist der Seeräuberkrieg des Pompeius Magnus im Jahre 67 v. Chr. mit Sicherheit ein herausragendes Ereignis und hat entsprechend Aufmerksamkeit gefunden. Das hängt zum einen zusammen mit dem nicht nur für antike Verhältnisse großen Ausmaß der Aktion, welche innerhalb eines kurzen Zeitraums das gesamte Mittelmeer mit einbezog, zum anderen damit, daß sie den Schlußpunkt bildete für eine Periode besonders starker Bedrohung durch das Piratentum auf dem Mittelmeer. Besagtes Vorgehen des Pompeius gegen die Seeräuber soll Thema dieser Arbeit sein. Dabei ist es auch notwendig, die Entstehung der in dieser Zeit vor allem relevanten sog. kilikischen Piraterie und besonders die Lage in der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus einschließlich der vor 67 gegen die Seeräuber durchgeführten Aktionen zu beleuchten.
Man kann sagen, daß nicht nur allgemein zu den Seeräubern im Zeitraum von ca. 100 bis 67 v. Chr. und den Aktionen gegen sie zahlreiche Zeugnisse vorhanden sind, sondern auch besonders zum Seeräuberkrieg des Pompeius. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, daß die Überlieferung ziemlich einseitig römisch-griechisch bzw. römisch ist. Insbesondere Selbstzeugnisse der Piraten fehlen. Die Quellen sind jedenfalls im Vergleich zu den davor liegenden Jahrhunderten dichter geworden. Zu Pompeius Magnus‘ Vorgehen sind als wichtigste folgende zu nennen: Appian, Cassius Dio, Ciceros Rede über den Oberbefehl des Pompeius, L. Annäus Florus, Plutarch (vor allem in seiner Pompeiusbiographie), Velleius Paterculus und Zonaras. Weitere Schriftsteller gehen eher kurz auf die Ereignisse von 67 v. Chr. ein, besonders Cicero in anderen Reden, Eutropius, Orosius, Plinius d. Ä., Strabo 1 . Hinzu kommen Inschriften, die in Zusammenhang mit Pompeius‘ Seeräuberaktion stehen. Letztere ist auch häufig in Forschungsarbeiten thematisiert worden, wobei dies aber sehr häufig in allgemeinerem Zusammenhang geschehen ist , z. B. im Rahmen der Behandlung der hellenistischen oder römischen Geschichte und Politik bzw. der römischen Außen- oder Ostpolitik 2 , innerhalb einer Biographie des Pompeius bzw. einer Arbeit zu dessen Politik 3 oder innerhalb einer wirtschafts- bzw. sozialgeschichtlichen Darstellung 4 . Weitere übergeordnete Zusammenhänge, in denen auf den fraglichen Themenbereich eingegangen werden kann, sind natürlich denkbar und kommen vor. Dazu kommen auch noch Arbeiten, die sich allgemein mit der antiken Piraterie oder aber speziell mit dem Seeräubertum des 2. und besonders des 1. Jahrhunderts v. Chr. 5 bzw. Aspekten dieses Themen- und Zeitbereichs 6 beschäftigen. Es ist zu konstatieren, daß sich bei der Erforschung der antiken Piraterie in den letzten Jahrzehnten eher wenig getan hat; allerdings neigt man in der neueren Literatur zu einer differenzierteren und weniger eindimensionalen Sichtweise. Zwar hat sich Pohl 1993 in einem Buch mit der antiken Seeräuberei und besonders mit der römischen
In den Anmerkungen sind die Literatur- und ggf. die Quellenangaben entsprechend dem Quellen- und Literaturverzeichnis abgekürzt.
1 Vgl. z. B. die Aufstellung bei Ormerod, Piracy 233, Anm. 4. Weitere und genauere Angaben zu Quellen in den entsprechenden Anmerkungen und im Quellenverzeichnis. Zur eher einseitigen Prägung des überlieferten Quellenmaterials: Pohl, 24 f.
2 z. B. Cary-Ormerod; Magie; Sherwin-White, Policy; ders. Lucullus; Will. Zu weiterer Lit. vgl. entsprechende Anmerkungen u. Literaturverzeichnis.
3 z. B. Gelzer, Pompeius; Greenhalgh; Miltner; van Ooteghem u. (in kleinem Maßstab) Murphy. Heftner beschäftigt sich speziell mit Plutarchs Pompeiusvita (ist f. das Thema durchaus hilfreich).
4 Etwa Broughton; Rickman; Rostovtzeff.
5 So Ormerod, Piracy; Pohl; Ziebarth.
6 z. B. Groebe; Marasco, Roma; ders. Aspetti; Maróti, Seeräuberei; ders., Tryphon u. jüngst Avidov
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Politik in Bezug darauf beschäftigt, aber davor datieren umfassendere und umfangreiche Arbeiten, also Monographien, zum Thema in die zwanziger Jahre. Und so ist es auch möglich, daß 1997 ein Neudruck der über 70 Jahre alten, aber immer noch wichtigen Arbeit von Ormerod herauskommen konnte 7 . Es hat freilich in der Zwischenzeit durchaus kleinere Abhandlungen zu Einzelaspekten, vor allem Aufsätze, gegeben, wenn auch nicht unbedingt zahlreich 8 . Andererseits ist offenbar in letzter Zeit das Interesse an der Seeräuberei allgemein gestiegen 9 , und auch das Problem selbst wird wieder aktuell, wie Nachrichtenmeldungen zeigen 10 Bei der Untersuchung der in dieser Arbeit zu behandelnden Thematik soll jeweils zunächst von den Schriftzeugnissen ausgegangen werden, wobei zu deren Bewertung die Aussagen der Forschungsliteratur heranzuziehen sind. Wo die Quellenaussagen sich widersprechen oder sie von modernen Autoren unterschiedlich bewertet werden ist abzuwägen. Es erscheint dabei sinnvoll, daß zwar im allgemeinen chronologisch vorgegangen wird, aber dort, wo es zur besseren Verdeutlichung des Sachverhalts nötig ist, davon abgewichen wird und thematisch zusammengehörende Aspekte auch zusammen in einem Abschnitt geschildert werden. Und so folgt, nachdem ganz kurz auf die Entstehung des sog. kilikischen Seeräubertums eingegangen worden ist, zunächst eine Schilderung der Bedrohung durch die Piraterie, worauf dann auf die ersten römischen Gegenmaßnahmen eingegangen wird, was den Stellenwert und die Hintergründe der Ereignisse von 67 verdeutlichen und letztere in den historischen Zusammenhang einordnen soll. Das darauffolgende Kapitel beschäftigt sich ausführlich mit dem Seeräuberkrieg des Pompeius selbst, wie es dazu kam, wie vorgegangen wurde, wie er endete und was die unmittelbaren Folgen waren. Letzteres soll - nachdem zur Vervollständigung des Bildes in einem gesonderten Kapitel das Augenmerk auf den speziellen Kriegsschauplatz Kreta um 67/66 und Pompeius‘ Eingreifen dort zu richten gewesen ist- noch vertieft werden durch eine kurze Schilderung einiger mit dem Seeraub, Pompeius bzw. Kilikien zusammenhängender Aspekte in der Zeit nach 67. Dabei darf man sich freilich zeitlich nicht zu weit entfernen, auf keinen Fall ins dritte Jahrhundert hinein, da der Abstand da nicht nur zu groß wird, sondern auch die Wirren dieser Zeit eine völlig neue Situation schaffen. Auf dieser Grundlage sind dann im Schlußkapitel die Ergebnisse der Arbeit zusammenzufassen und ist ein Fazit zu ziehen sowie ein abschließender Ausblick zu geben.
2 Vorgeschichte: Die kilikische Piraterie und römische Gegenmaßnahmen vor 67 v. Chr.
Die Entstehung der sog. kilikischen Piraterie wird von Strabo , wenn auch als einzigem, mit dem Wirken des Diodotos Tryphon und dessen Kampf um den syrischen Thron im dritten Viertel des 2. Jahrhunderts. v. Chr. in Zusammenhang gebracht. Inwieweit das zutrifft bleibe dahingestellt, aber es ist auf jeden Fall wahrscheinlich, daß durch die politischen Wirren im Seleukidenreich dieser Zeit die Entstehung des Piratentums im nominell dazugehörigen Kilikien gefördert wurde, ohne daß man sagen kann, daß es vorher in der Region überhaupt keine Seeräuberei gab, wie etwa Pohl
7 Pohl. Ormerod, Piracy. Zu Unterschieden zwischen älterer u. neuerer Lit. s. Pohl, 24-27 u. auch noch einmal unten Kap. 6.
8 Es gibt wenige Monographien zu Teilbereichen, die hier jedoch nicht oder fast nicht zu interessieren haben, z.B. Ientile (1983) o. Brulé (1978).
9 Da sei für die Antike u.a. noch einmal an Pohls Buch von 1993 und an den Neudruck v. Ormerod, Piracy von 1997 erinnert.
10 Besonders im süd- und ostasiatischen Raum hat es gewisse Vorkommnisse gegeben.
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feststellt. Die syrischen Herrscher waren wohl nicht in der Lage, wirklich in diesem Gebiet Macht auszuüben 11 . Als weiterer Grund für das Aufkommen der Seeräuberei wird oft die Wildheit und Kargheit dieser Region gesehen, die vermutlich einen anderen Erwerb oft nicht zuließ, aber andererseits Zuflucht und Versteck für Räuber bot 12 , zu denen im übrigen, wie anzunehmen ist, keineswegs nur Kilikier gehörten. Vielmehr stießen wohl außerdem - auch wohl wegen der Wirren und Kriegszustände des Zeit- Angehörige vieler anderer Völker zu ihnen. Vermutlich war in dieser Zeit „Kilikier“ in gewisser Weise ein Synonym für „Seeräuber“. Umgekehrt muß man sich wohl auch davor hüten, alle Kilikier oder gar alle Bewohner des südanatolischen Raums als Piraten anzusehen 13 .
Eine Einkommensquelle der Seeräuber war der Menschenraub. Die Gefangenen wurden entweder als Sklaven verkauft, oder es wurde, wenn es sich denn lohnte, ein Lösegeld für sie verlangt 14 . Ersteres setzt natürlich voraus, daß es Absatzmärkte für die Beute gab. Einer der Orte, an denen die Piraten ihr menschliches und wohl auch anderes Raubgut gewinnbringend veräußern konnten, war die kleine Ägäisinsel Delos, welche, nachdem sie von den Römern im 2. Jh. v. Chr. zum Freihafen erklärt worden war, einen großen wirtschaftlichen Aufschwung nahm 15 . Auch Side in Pamphylien ist als den Seeräubern zugänglicher Handelshafen bekannt 16 . Unter den Wohlhabenden und Prominenten, für die ein Lösegeld erpreßt werden konnte, war sicherlich der bekannteste C. Iulius Caesar, der um 75/74 in die Hände von Piraten fiel, wie verschiedene Quellen berichten 17 .
11 Strabo 14.5.2. Dazu: Avidov, 13; Cary-Ormerod, 350; Heftner, 179; Hoffmann, bes. 718; Magie I, 282, II, 1159 f.; Marasco, Roma, 122-29; ders., Aspetti, 129, 138; Maróti, Tryphon; ders., Seeräuberei, 33 f.; Nollé, 69; Ormerod, Piracy, 204 f.; Pohl, 125 ff. Rostovtzeff II, 619 f.; Semple, 655; Ziebarth, 31 f.. Zu Tryphon allgemein außerdem z.B. Diod. XXXIII 28 u. 28a sowie Fischer. Zur Geschichte der Region bis hin zu Tryphon z.B. Ormerod, Piracy, 200-4.
12 S. z.B. Strabo 14.3.2 u. 14.5.6 sowie Broughton, 519; Magie I, 281; Maróti, Seeräuberei, 33; Nollé, 69; Ormerod, Piracy, 190-99 (m. Beschreibung d. Landschaft Kilikiens); Semple, 648; Ziebarth, 31
13 So App. Mithr., 92; Magie I, 281; Marasco, Aspetti, 133, 140 f.; Miltner, 2092. Zur vielfältigen Herkunft d. Piraten u. d. schlimmen Zuständen, die Menschen wohl zu Piraten werden ließen: App. Mithr. 92; Cass. Dio 36.20.2; Avidov, 38; Broughton, 521; Marasco, Aspetti, 129 f., 133 f., 138, 140 f.; Ormerod, Piracy, 221 f., 227-33. Längst nicht alle Bewohner der Region waren Piraten, u. nicht alle Orte arbeiteten m. ihnen zusammen: s. dazu z.B. Strab., 14.3.2 (zu Lykien); de Souza, Romans, 479 f.; vgl. Anm. 16 (Syedra). Bei Avidov, pass. wird es unternommen, die Frage zu klären, ob denn die Kilikier eine Nation v. Piraten waren, und letztlich deren Seeräubertätigkeit und die daraus entstandenen tatsächlichen Gefahren (entgegen d. antiken röm. Darstellungen) zu relativieren; vgl. auch unten Anm.
14, 22.
14 Dazu z. B. Strab. 14.5.2 sowie Avidov, 21, 26-29 (wendet sich gegen die etwa vom Ungarn Maróti aufgestellte Annahme (z. B. Maróti, Seeräuberei, 34 f.), Rom habe nichts gegen die Piraterie unternommen, weil diese Sklavennachschub sicherte )Broughton, 519; Cary-Ormerod, 351; Gelzer, Pompeius, 68; Maróti, Servilius, 309; ders. Seeräuberei, 34 f.; ders., Delos; van Ooteghem, 159; Ormerod, Piracy, 34 f., 207; de Souza, Piracy, 188 f; Ziebarth, 32.
15 Strab. 14.5.2 ; Cic. Manil., 55. Dazu z.B. Avidov, 21; Broughton, 519; Cary-Ormerod, 351; Gelzer, Pompeius, 68; Magie I, 110, 282, II, 956 f., 1160; Marasco, Roma, 140 f.; Maróti, Tryphon, 188; ders., Delos; ders. Seeräuberei, 34 f.; van Ooteghem, 159; Ormerod, Piracy, 35, 207; de Souza, Piracy, 188 f.; Ziebarth, 32. Ausführlich zu Delos allgemein auch: Rostovtzeff II, 622-29, 685, III, 1285.
16 Strab. 14.3.2. Dazu z. B. Avidov, 30; Broughton, 519, Anm.99; Cary-Ormerod, 351 f.; Marasco, Roma, 142; Nollé, 69 f.; Ormerod, Piracy, 35, 208; Rostovtzeff II, 621; Sherwin-White, Policy, 154. Es ist im übrigen ein Orakelspruch aus d. Zeit irgendwann vor 67 überliefert, der der Stadt Syedra nahe Side unter Hinweis auf Risiken v. einer Zusammenarbeit m. d. Piraten abrät, was die Bewohner offenbar auch befolgen, s. dazu Nollé, 70, Anm. 84; de Souza, Romans.
17 So Suet., Div. Iul. IV; Plut., Caes. I.4-II.4 ; Vell. II 41.3-42.3. S. dazu Ward (m. weiteren Quellen); außerdem (auch zu weiteren prominenten Gefangenen) z.B. Avidov, 26, Anm. 77; Braund, 198, 203; Cary-Ormerod 373; Gelzer, Pompeius, 68 f.; Heftner, 184 f.; Marasco, Aspetti, 135, 142; Maróti, Servilius, 314; Nollé, 71; van Ooteghem, 164; Ormerod, Piracy, 32, 232; Seager, 213; Ziebarth, 40 f.
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Das Seeräubertum nahm einen weiteren Aufschwung dadurch, daß der pontische König Mithridates Eupator in seinen Kriegen gegen die Römer eine Allianz mit ihm einging, also die Piraten und deren Raubzüge als Kampfmittel einsetzte, wobei diese durch den König sicherlich zusätzliche Förderung und Unterstützung erfuhren. Es ist wohl davon auszugehen, daß, wie gewöhnlich in solchen Fällen, die Grenzen zwischen Krieg und Raub hier fließend waren 18 . Und so wird auch berichtet, daß schließlich die Seeräuber wie Kriegsflotten auftraten. Zunächst trieben sie im Osten ihr Unwesen, bald aber tauchten sie - was in der Forschung , so von Maróti, z.T. mit der Tätigkeit des Servilius Vatia, worauf noch zu kommen ist, in Verbindung gebracht wird - auch im Westen auf, und selbst Italien war nicht mehr sicher. So wurde auch Ostia Ziel von Überfällen 19 . 69 wurde Delos geplündert, dessen gutes Verhältnis zu den Piraten vermutlich ab ca. 100, als Rom begann gegen die Mißstände einzuschreiten, erkaltete 20 . Als eine Stärke der Räuber ist Cassius Dio zufolge wohl anzusehen, daß sie sich alle auch gegenseitig, soweit nötig, Hilfe leisteten 21 . Die geschilderten Zustände führten zu Versorgungsschwierigkeiten, was besonders das von Getreidelieferungen abhängige Rom traf. Um 75 beispielsweise, als, wie gesagt, auch Caesar von Seeräubern gefangen wurde, traten diese Probleme in besonders gravierender Form auf 22 .
Es dauerte einige Zeit, bevor Rom Maßnahmen gegen das Piratenunwesen ergriff. Um 139/38 begab sich Scipio Aemilianus Africanus in den Osten, doch dabei handelte sich lediglich um eine Art Informationsreise 23 . Das erste militärische Unternehmen gegen die Seeräuber wurde im Jahre 102 durchgeführt durch M. Antonius. Allzu groß scheinen die Auswirkungen nicht gewesen zu sein, wie die Folgezeit zeigt, wenn auch antike Autoren Erfolge propagieren. Es ist anzunehmen, daß den Römern zu dem Zeitpunkt nur wenige eigene Kriegsschiffe zur Verfügung standen, sie also auf Kräfte der Bundesgenossen zurückgreifen mußten 24 . Um 100 wurde das sog. Piratengesetz
18 s. App. Mithr. 63, 78, 92, 119; Flor. III 6.2 (I.41); Plut. Luc. 23.2 u. 4 sowie beispielsweise Avidov, 13 ff., 39; Broughton, 520; Cary-Ormerod, 352; Gelzer, Pompeius, 68; Greenhalgh, 77; Heftner, 179 f.; Hind, 163; Magie I, 285; Marasco, Roma, 135 ff.; ders., Aspetti, 132 ff., 136, 140, 144; Maróti, Seeräuberei, 36, 38; van Ooteghem, 160; Ormerod, Piracy, 209 ff.; Pohl, 99 f., Anm.10; Rickman, 50, 167; Rostovtzeff II, 612, 749; Sherwin-White, Rome, 11; ders., Policy, 160; ders., Lucullus, 233; Siewert, 225; Ward, 33; Ziebarth, 36, 38 f.
19 Die Piratenbedrohung schildern etwa App. Mithr. 63, 91 ff.; Cass. Dio 36.20.1-23.3; Cic. Manil., 31 ff., 53 ff.; Flor. III 6.1-3 (I 41); Oros. VI 4.1; Plut. Pomp., 24.1-25.1; Strab. 14.5.2; Zon., X.3; sowie Avidov, 19, 44 f.; Braund, 197 f.; Broughton, 520 f.; Cary-Ormerod, 352, 372 f.; Greenhalgh, 76-79; Heftner, 177 f., 180-86; Hind, 163; Magie I, 282 f., 291 f., II, 1160, 1174 f.; Marasco, Roma, 139-42, 144; Marasco, Aspetti, 132-35, 140, 142; Maróti, Servilius, 314, 316; ders. Seeräuberei, 32, 35-39; ders., Tryphon, 193; Miltner, 2092; van Ooteghem 159, 164 f.; Ormerod, Piracy; 211 f., 221 ff.Rickman, 17, 33, 50 f., 162, 167 ff.(betont das Fehlen einer eigenen römischen Flotte in dem Zusammenhang); Rostovtzeff II, 620 f., III, 1285 f., 1289; Seager, 211 f.; Semple, 648, 655; Sherwin-White, Lucullus, 331; Ziebarth, 35-41.
20 Vgl. Marasco, Roma, 141 m. Anm. 90. S. auch Gelzer, Pompeius, 78; Maróti, Seeräuberei, 34, 39; Wiseman, 331. Zum schlechteren Verhältnis der Piraten zu Delos: Marasco, Roma, 141; Maróti, Servilius 309; ders., Seeräuberei, 34; Rostovtzeff II, 754.
21 Cass. Dio 36.22.4.
22 Vgl. (auch zu Quellen) Pohl 264 f. Avidov, 16, 19 sieht die Versorgungsprobleme durch Piraterie allein auf Rom beschränkt.
23 s. z. B. Diod. XXXIII 28b; Strab. 14.5.2 sowie Broughton, Magistrates I, 480 f. (m. weiteren Quellen) außerdem etwa Magie I, 283, II, 1160 f.(Anm. 11); Ormerod, Isauricus 35; ders., Piracy, 206; Pohl 125 (Anm. 136 m. weiterer Lit.), 208; Rostovtzeff III, 1288. Zur anfänglichen röm. Untätigkeit s. z.B. Strab. a.O.; Ormerod, Piracy, 199, 207 - Zu erwähnen vielleicht noch die Eroberung der in der Antike wie später als Piratennester bekannten Balearen um 121 (S. z. B. Flor, III.8 (I 43) u. m. weiteren Quellen Broughton Magistrates I, 512 f., 518, 521; vgl. zu d. Balearen auch Semple, 652 f.).
24 Dazu z.B. Cic. de or., 1.82; Liv. per. 68 sowie (m. weiteren Quellen u. Lit.) Avidov, 16, 34-37, 39; Broughton, 519 f.; ders., Magistrates I, 568; Cary-Ormerod, 351; Gelzer, Pompeius, 68; Heftner, 179,
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erlassen, in dem Maßnahmen gegen Seeräuber aber nur zum Teil eine Rolle spielten. Die Aussagen sind von allgemeinen Charakter, und die römische Grundhaltung ist strikt defensiv ausgerichtet. Es sollten Aufforderungen an die Bundesgenossen hinsichtlich der Piratenbekämpfung ergehen, denen diese weitgehend überlassen wurde, aber eigene konkrete Aktionen waren nicht vorgesehen. Zum ersten Mal taucht an dieser Stelle ein Amtsbereich, eine provincia Cilicia auf, was aber wohl kaum ein fest umrissenes Territorium meinen kann. Eine Wirkung des Gesetzes ist nicht feststellbar 25 . In den neunziger Jahren hatte Sulla die provincia Kilikien Es mag sein, daß er gegen die dortigen Seeräuber vorging, aber es bleibt doch sehr fraglich 26 . 84 unternahm L. Licinius Murena eine Aktion gegen Piraten, jedoch ohne daß ein Erfolg nachgewiesen werden kann 27 . Cn. Cornelius Dolabella, der um 80/79 Propraetor von Kilikien war, hat offenbar entgegen seinem Auftrag nichts gegen das Seeräuberunwesen unternommen 28 .
Ab dem Jahr 78 nun hatte P. Servilius Vatia für 5 Jahre ein Kommando inne, welches ihn nach Pamphylien und Isaurien führte. Nach einem Sieg auf dem Meer , gelangte er ins Landesinnere, wo er Erfolge erzielte, die ihm den Ehrennamen „Isauricus“ und lang anhaltendes großes Ansehen bis ins hohe Alter einbrachten. In Kilikien selbst war er aber wohl nicht, und wie die schon erwähnte Krise um 75 zeigt, konnte auch er das Piratentum nicht entscheidend einschränken. Dessen Aktionen verlagerten sich lediglich in der Folge, wie schon erwähnt, möglicherweise nach Westen. Immerhin steigerten sich nun die von den Römern getätigten Anstrengungen 29 . Und die jetzt
185; Lintott, History; 96 f.; Magie I, 283, 292, II, 1161 ff.; Marasco, Roma, 131, 134 f.; ders., Aspetti, 133, 139; Maróti, Seeräuberei, 35; ders., Servilius, 309; Murphy, 139; Nollé, 70 f., van Ooteghem, 159 f.; Ormerod, Isauricus, 35 f.; ders., Piracy, 208 f., 247; Pohl, 209-16, 256; Rickman, 50; Rostovtzeff II, 621, III, 1289; Sherwin-White, Rome, 4 ff.; ders. Policy, 97 ff., 101, 153; de Souza, Piracy, 179, 193; ders. Romans, 479; Will, 465; Ziebarth, 33
25 Das Gesetz ist in 2 Inschriften aus Delphi u. Knidos überliefert, publ. zusammen bei Crawford-Hasall-Reynolds; vgl. außerdem (auch zu weiteren Veröffentlichungen d. Inschriften sowie zu weiterer Lit.) insbesondere Pohl, 139, 216-25; daneben Avidov, 29, 31 f., 34, 36 f., 46 -49, 54; Broughton, 520; Cary-Ormerod, 351; Gelzer, Pompeius, 68; Magie I, 283 f., II, 1162 f.; Lintott, Empire, 17; ders. History, 97 f.; Marasco, Roma, 134 f., 141; ders., Aspetti, 130 f., 139; Maróti, Seeräuberei, 35 f.; Nollé, 71; van Ooteghem, 160;Ormerod, Piracy 242-47 (spricht sich dagegen aus , daß die Inschrift aus Delphi die Lex Gabinia v. 67 ist); ders., Isauricus, 35 f.; Rickman, 50; Rostovtzeff II, 612, 621 f., (770), III, 1284 f.; Sherwin-White, Rome, 1, 5-8; ders. Policy, 96 ff, 99; 101; de Souza, Romans, 478, 480 f.; Will, 465-68; Ziebarth, 33f.-Fälschlicherweise von d. Schaffung einer Provinz Kilikien schon 102 sprechen z.B.: Broughton, 520; Heftner, 185; Murphy, 139; Ormerod, Isauricus, 35 f.; ders., Piracy, 208 f.; Ziebarth, 33 (vgl. dazu Pohl, 237 ff. m. Anm. 115, 118; Will, 465-68).
26 s. z.B. App. Mithr. 57, 63; Liv. per. 70. Dazu (m. weiteren Schriftzeugnissen) Broughton, 520; Cary-Ormerod, 352; Keaveney (v.a. zur Datierung); Magie I, 284, II, 1162-66; Maróti, Seeräuberei, 36; Ormerod, Isauricus, 36; ders., Piracy, 212; Pohl, 257 f.; Sherwin-White, Rome, 8 f.; ders., Policy, 99 f.; Ziebarth, 34
27 s. z. B. App. Mithr. 64, 93; Cic. Verr. II 1.89; Strab. 13.4.17; dazu Pohl 258 f. u. Broughton, Magistrates II, 61 (m. weiteren Quellen) sowie Broughton, 522; Cary-Ormerod, 352 f.; Magie I, 285, II, 116, 1171; Marasco, Roma, 137; van Ooteghem, 160 f.; Ormerod, Isauricus, 36 f., 45; Rostovtzeff II, 749 f.; Sherwin-White, Rome, 10; ders., Policy, 153 f.
28 Vgl. zu ihm (auch zu Quellen) Broughton Magistrates II, 81; Cary-Ormerod, 354; Magie 285 ff., 1165 ff.; Ormerod, Isauricus 37; ders., Piracy 214; Pohl, 260; Sherwin-White, Rome, 5 9 ff.; ders., Policy 152 ff.
29 Dazu Amm. XIV 8.4; App. Mithr. 93; Fest. XI f.; Eutr. 6.3; Flor. III 6.4 f. (I.41); Frontin.., III VII.1; Oros. V 23.21 f.; Strab. 14.3.3, 14.5.7; Suet. Julius III; Vell. II 39.2 sowie (m. weiteren Quellenangaben) Avidov, 16; Broughton, Magistrates II, 87; Magie I, 287-92, III, 1166-74; Marasco, Aspetti, 141; Maróti, Servilius; ders., Seeräuberei, 36 f.; Ormerod, Isauricus, bes. 37-52; Ormerod, Piracy, (199 f.) 213-20; Pohl, 259-65; Sherwin-White, Policy, 153-57; des weiteren z.B. Broughton, 522, 524; Cary-Ormerod, 354 f.; Gelzer, Pompeius, 69; ders., Consulat, 182; Linderski, 158 ff.; Marasco, Roma, 137 f.; Nollé, 72; van Ooteghem, 161; Rickman, 50, 167; Rostovtzeff II, 684, 750; Seager, 210, 212 f.; Sherwin-White, Rome, 11; ders., Lucullus, 232 f.; Ziebarth, 34 f.
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Jens Rickels, 1999, Der Seeräuberkrieg des Pompeius im Jahre 67 vor Christus, München, GRIN Verlag GmbH
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