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Garcilaso de la Vegas dritte Ekloge als dichtungs- und kunsttheoretische Stellungnahme

Titel: Garcilaso de la Vegas dritte Ekloge als dichtungs- und kunsttheoretische Stellungnahme

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 22 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Julika Zimmermann (Autor:in)

Romanistik - Hispanistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

[...] Andererseits erhält die Bildbeschreibung dementsprechend inhaltliche Priorität.
Nicht nur die Verwendung von Ekphrasis verweist auf die Auseinandersetzung mit Kunst.
Immer wieder wird das Gegensatzpaar Kunst/Künstlichkeit und Natur thematisiert. Die
einfache Natur der arkadischen Welt wird mit der Kunst ge nerell kontrastiert,2 ein Aspekt,
der sich auch in der konstruierten Form der Ekloge niederschlägt. Weiterhin fällt der Gegensatz
zwischen dem einheimischen Namen des Flusses, der mehrere Male erwähnt wird
(v. 53, 57, 66)3, und den neoklassischen Namen der Nymphen auf, denn dadurch wird ein
weiteres Mal die Künstlichkeit der Gattung unterstrichen4 und auf deren Selbstreflexivität
hingewiesen. Ebenfalls die ausführliche und detaillierte Beschreibung des Materials der
Nymphenbilder verweisen auf die Thematisierung von Kunst und Künstlichkeit: „Al
describir los objetos el poeta enfatiza su artificialidad; que queda aún más subrayada por la
importancia que da a los materiales de que están hechos y el uso repetido de términos
relacionados con la pintura.”5
So möchte die vorliegende Arbeit die Gewichtung der Ekphrasis zunächst formal
nachzeichnen und die vier Bilder der Nymphen besprechen. Ausgehend von der Untersuchung
der Funktion der Ekphrasis soll dann Garcilaso de la Vegas dichtungs- und kunsttheoretische
Stellungnahme analysiert werden. Gerade die zeitgenössische Kunsttheorie
liefert hierfür interessante Ansätze, die primär durch den Trattato de la Pittura von Leonardo
da Vinci repräsentiert wird. Garcilaso de la Vega referiert nicht mehr nur auf literarische
Vorbilder, sondern bezieht aus „dem Bedürfnis zu einer Reflexion auf die Geschichte
und auf den Sinn aller Kunst“6 das Medium der Malerei mit ein.
Der vorher innerliterarische Wettstreit wird zum Paragone.

2 Vgl. Rivers, Elias L.: Garcilaso de la Vega. Poems. A Critical Guide. London 1980. S. 77.
3 Alle Zitate und Verweise entstammen folgender Ausgabe: Garcilaso de la Vega: Poesías castellanas
completas. Edición, introducción y notas de Elías L. Rivers. Madrid 131996.
4 Vgl. Navarette, Ignacio: Los huérfanos de Petrarca. Poesía y teoría en la España renacentista. Madrid
1997. S. 157.
5 Ebd., S. 159.
6 Reckermann, Alfons: Das Konzept kreativer imitatio im Kontext der Renaissance-Kunsttheorie. In: Innovation
und. Originalität. Hrsg. v. Walter Haug und Burghart Wachinger. Tübingen 1993. S. 98-132. S. 130.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Wettstreit der Künste

2.1. Kunsttheoretisches Umfeld

2.2. Vorwürfe gegen die Dichtung von Seiten den Malerei

3. Die Ekloge

3.1. Aufbau

3.2. Ekphrasis

3.3. Die Bilder der Nymphen

3.3.1. Filódoce: Orpheus und Eurydike

3.3.2. Dinámene: Apoll und Daphne

3.3.3. Climene: Venus und Adonis

3.3.4. Nise: Elisa und Nemoroso

3.4. Der Wechselgesang der Hirten

4. Die kunsttheoretische Aussage der dritten Ekloge

4.1. Naturdarstellung und Sinneswahrnehmung

4.2. Abbildung wahrer göttlicher Schönheit und Harmonie

4.3. Originalität und Singularität

4.4. Simultanität

5. Das Verhältnis von Malerei und Dichtung

6. Schlussbetrachtung

7. Quellen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die dritte Ekloge von Garcilaso de la Vega als eine kunsttheoretische Stellungnahme im Kontext des Renaissance-Wettstreits zwischen Dichtung und Malerei (Paragone). Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass Garcilaso durch den gezielten Einsatz der Ekphrasis die Überlegenheit der Dichtung gegenüber der Malerei behauptet und ihre Fähigkeit zur Affekterzeugung sowie zur Erschaffung eines Mikrokosmos unterstreicht.

  • Die Funktion der Ekphrasis als Medium der künstlerischen Selbstreflexion.
  • Analyse des Paragone-Diskurses in der Renaissance unter Einbeziehung von Leonardo da Vincis Schriften.
  • Die Bedeutung der intertextuellen Verknüpfungen in den Nymphenbildern für das Verständnis des Werkes.
  • Die Untersuchung der formalen Symmetrie und mathematischen Proportionen als ästhetische Strategie.
  • Die Abhängigkeit der visuellen Darstellung von sprachlicher Vermittlung (Textkenntnis und Epitaph).

Auszug aus dem Buch

Die Bilder der Nymphen

Als erstes Bild, welches die Nymphe Filódoce anfertigt, greift Garcilaso de la Vega den antiken Mythos von Orpheus und Eurydike auf, der unter anderem auf Ovids Metamorphosen zurückgeht. Orpheus, der berühmter Sänger und Sohn der Muse Calliope, bezaubert mit seinem Gesang und Leierspiel Menschen und Tiere, Bäume und Felsen. Schließlich bewegt er mit seiner Kunst sogar den Hades, denn er geht nach dem Schlangenbiss, durch den seine Geliebte Eurydike stirbt, in die Unterwelt. Sein Spiel erweicht die Götter, und Eurydike darf ihm aus der Unterwelt folgen, geführt durch den Klang seiner Leier. Die einzige Auflage, Eurydike nicht anzusehen, solange sie noch in der Unterwelt sind, bricht Orpheus und verliert Eurydike somit abermals und für immer.

In Filódoces Bild finden sich folgende Elemente des Orpheusmythos wieder: die Landschaft um la ribera/de Estrimón (v. 123-124), Eurídice en el blanco pie mordida/de la pequeña sierpe ponzoñosa (v. 130-131), el osado marido, que bajaba/al triste reino de la oscura gente (v. 138-139) und schließlich die Rückkehr, der neuerliche Verlust der Geliebten und Orpheus einsame Klagen: él impaciente/por mirarla de nuevo, la tornaba/a perder otra vez, y del tirano se queja al monte solitario en vano (v. 141-144).

Dem Betrachter von Filódoces Arbeit fällt zunächst nur die Landschaft auf, die hier den Bildhintergrund abgibt, „seine größte Aussagekraft scheint das Bild in der toten Eurydike zu entwickeln, da diese in der 17. Strophe sehr ausführlich besprochen wird“34. Das zeigt sich in der langen Verweildauer des Betrachters, der damit verbundenen Aufmerksamkeit für Details wie den Schlangenbiss und die kleine, im Gras versteckte Schlange (v. 131-132) sowie in den brechenden Augen der Eurydike: los ojos ya volviendo (v. 135).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Bedeutung der Ekphrasis in Garcilasos dritter Ekloge ein und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich des Paragone-Diskurses.

2. Der Wettstreit der Künste: Dieses Kapitel erläutert das kunsttheoretische Umfeld des 16. Jahrhunderts und den Legitimationsdruck, unter dem sich die Künste im Wettstreit um den Vorrang befanden.

3. Die Ekloge: Hier wird der symmetrische Aufbau der Ekloge analysiert und die einzelnen Nymphenbilder sowie die Funktion der Ekphrasis im Detail besprochen.

4. Die kunsttheoretische Aussage der dritten Ekloge: Dieses Kapitel kontrastiert Leonardos Paragone-Argumente mit Garcilasos Text, um die Stärken der Dichtung in Bezug auf Sinneswahrnehmung und Originalität zu belegen.

5. Das Verhältnis von Malerei und Dichtung: Hier wird die Abhängigkeit der Malerei von der sprachlichen Vermittlung und der intertextuellen Einbettung zusammenfassend kritisch betrachtet.

6. Schlussbetrachtung: Dieses Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Ekloge eine durchgängige Selbstbehauptung des Wertes der Dichtung darstellt.

7. Quellen: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Garcilaso de la Vega, dritte Ekloge, Ekphrasis, Paragone, Renaissance-Kunsttheorie, Leonardo da Vinci, Imitatio, Malerei, Dichtung, Nymphenbilder, Orpheus und Eurydike, Naturdarstellung, Intertextualität, Literaturgeschichte, Ästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Garcilaso de la Vegas „dritte Ekloge“ als eine komplexe kunsttheoretische Stellungnahme, die sich aktiv in den zeitgenössischen Wettstreit zwischen Malerei und Dichtung einschaltet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die Theorie der Ekphrasis, die Rezeption von Leonardos Paragone-Argumenten, die Analyse der arkadischen Dichtung sowie das Verhältnis von Bildender Kunst und Sprache.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist der Nachweis, dass der Autor durch literarische Strategien die Überlegenheit der Dichtung demonstriert und beweist, dass diese zur umfassenderen Darstellung menschlicher Affekte und göttlicher Harmonie fähig ist als die Malerei.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die Textstellen der Ekloge in Bezug zu kunsttheoretischen Schriften der Renaissance sowie zu antiken und humanistischen Vorbildern setzt.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die strukturelle Analyse des Eklogen-Aufbaus, die Interpretation der vier Nymphenbilder und die direkte Gegenüberstellung von Leonardos Paragone-Argumenten mit Garcilasos dichterischer Umsetzung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben den Hauptkategorien wie Ekphrasis und Paragone sind Begriffe wie Imitatio, göttliche Inspiration, Simultanität und die Unabhängigkeit der Dichtung von visuellen Medien prägend.

Warum wählt die Nymphe Nise als einzige ein Motiv aus der Zeitgenossenschaft?

Nise wählt kein mythologisches Motiv, um eine eigene, originäre Geschichte zu erzählen, die über die reine Nacherzählung antiker Texte hinausgeht und somit die Freiheit und Eigenständigkeit der zeitgenössischen Dichtung betont.

Welche Rolle spielt das Epitaph in der Untersuchung der Nymphenbilder?

Das Epitaph fungiert als zentrales Element, das die Interpretation des Bildes erst ermöglicht und beweist, dass die Malerei ohne die begleitende Sprache der Dichtung in ihrer vollen Bedeutung nicht vollständig erfassbar wäre.

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Details

Titel
Garcilaso de la Vegas dritte Ekloge als dichtungs- und kunsttheoretische Stellungnahme
Hochschule
Universität zu Köln  (Romanisches Institut)
Veranstaltung
Spanische Lyrik der Renaissance
Note
1,0
Autor
Julika Zimmermann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V19816
ISBN (eBook)
9783638238588
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Garcilaso Vegas Ekloge Stellungnahme Spanische Lyrik Renaissance
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julika Zimmermann (Autor:in), 2003, Garcilaso de la Vegas dritte Ekloge als dichtungs- und kunsttheoretische Stellungnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19816
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Leseprobe aus  22  Seiten
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