Die Preispolitik im Personenverkehr der Deutschen Bahn AG hat bereits häufiger für viel Gesprächsstoff gesorgt. Einer ersten Preisreform im Dezember 2002 folgte im August 2003 eine Korrektur, die vielfach als eine Art Rückkehr zum ursprünglichen Preissystem gesehen wurde.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Ziele die Deutsche Bahn AG mit der Preisreform verfolgte und wie es zum Scheitern dieser Preisreform kam. Sämtliche Ausführungen dieser Arbeit beziehen sich ausschließlich auf den Personenverkehr der Deutschen Bahn AG. In Kapitel 2.1 wird zunächst das alte Preissystem vor der Reform dargestellt. Es werden die Ursachen für die Abschaffung des alten Systems aufgezählt und schließlich in Kapitel 2.3 die Ziele der Preisreform untersucht.
In Kapitel 3 werden allgemeine preispolitische Strategien und Konzepte vorgestellt, unter besonderer Beachtung des Dienstleistungsbereichs. Allgemeine Besonderheiten der Preispolitik im Monopol beziehungsweise im Oligopol werden in Kapitel 3.3 genauer erläutert. Auf diese allgemeinen Erkenntnisse wird dann in den übrigen Kapiteln zurückgegriffen.
Im vierten Kapitel wird das Preissystem vom 15. Dezember 2002 untersucht. Zunächst werden die entscheidenden Änderungen in der Preispolitik aufgezählt. Die vom Bahnvorstand erwarteten Auswirkungen des neuen Systems sind in Kapitel 4.2 zu finden, gefolgt von einer Analyse der Ursachen für das Scheitern des Preissystems.
Kapitel 5 widmet sich der zweiten Preisreform. Diese Korrektur der ersten Reform trat am 1. August 2003 in Kraft. Nach einer Untersuchung der Ursachen für die zweite Preisreform wird dann deren Umsetzung beschrieben. Die Auswirkungen des neuen Preissystems für die Bahn werden in Kapitel 5.3 untersucht.
Abschließend folgt eine Bewertung der Preispolitik der Deutschen Bahn AG. Insbesondere die Erfolgschancen und die bisherigen Auswirkungen des neuen Preissystems werden einer kritischen Bewertung unterzogen. In Kapitel 6.2 wird noch einmal auf die Besonderheiten des Marktumfeldes der Bahn eingegangen, welche weitreichende Auswirkungen auf die preispolitischen Entscheidungen der Bahn haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Ausgangssituation
2.1 Das Preissystem der Bahn vor der ersten Reform
2.2 Ursachen für die Reform des Preissystems
2.3 Ziele der Reform
3 Strategien, Konzepte und Besonderheiten der Preispolitik im Dienstleistungsbereich
3.1 Preispolitische Strategien
3.2 Besonderheiten des Dienstleistungsmarketing
3.3 Preispolitik im Monopol / Oligopol
4 Erste Reform: Das neue Preissystem der Bahn vom 15. Dezember 2002
4.1 Die wichtigsten Änderungen des neuen Preissystems
4.2 Geplante Auswirkungen der Preisreform
4.3 Umsetzung des neuen Preissystems
4.4 Ursachen für das Scheitern des neuen Preissystems
5 Zweite Reform: Das neue Preissystem der Bahn vom 01. August 2003
5.1 Ursachen für die erneute Reform und Hauptmerkmale des neuen Preissystems
5.2 Die Umsetzung des Systems
5.3 Auswirkungen der Korrektur für die Bahn
6 Bewertung der preispolitischen Konzepte der Bahn
6.1 Erfolgschancen des neuen Preissystems
6.2 Besonderheiten des Marktumfeldes der Bahn und deren Auswirkungen auf die Preispolitik
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Ziele der Deutschen Bahn AG bei der Einführung des neuen Preissystems ab Dezember 2002, untersucht die Ursachen für dessen Scheitern und bewertet die anschließende Korrektur durch das Preissystem vom August 2003 im Kontext der spezifischen Marktanforderungen.
- Analyse des alten und neuen Preissystems der DB AG.
- Untersuchung der preispolitischen Strategien im Dienstleistungssektor.
- Bewertung der Kommunikation und Vermarktung der Preisreformen.
- Diskussion der Auswirkungen von Kundenakzeptanz und politischem Umfeld.
Auszug aus dem Buch
4.4 Ursachen für das Scheitern des neuen Preissystems
Es lassen sich einige Ursachen für das Scheitern des neuen Preissystems ausmachen. Ein häufig genannter Mangel war die Komplexität und die mangelnde Transparenz des neuen Preissystems. Obwohl von der Bahnspitze heftig dementiert, zeigten sich selbst viele Angestellte der Deutschen Bahn zunächst mit dem neuen Preis- und Rabattsystem überfordert. Verbraucherschutzorganisationen ermittelten eine Vielzahl unterschiedlicher Preise für eine Strecke und hielten der Bahn vor, das Preissystem sei noch komplizierter geworden. Die Position der Kritiker wurde durch peinliche Marketingaktionen der Bahn gestärkt. So fand sich in einer in mehreren überregionalen Zeitungen geschalteten Anzeige der Bahn ein klarer Rechenfehler. Der falsch kalkulierte Preis lag zwar sogar höher als der tatsächlich mögliche Rabattpreis, allerdings lässt sich ein neues Preissystem mit solchen Schlagzeilen nur schwer als Vereinfachung an die Kunden vermarkten.
Hauptproblem des neuen Preissystems war jedoch eindeutig die fehlende Akzeptanz durch die Kunden. Viele Stammkunden wurden durch den Wegfall der BahnCard 50 mit höheren Preisen konfrontiert. Außerdem verlor das Bahnfahren seine Flexibilität, sofern man die Rabattpreise nutzen wollte. Von der Bahn wurden die Normalpreise, die weiterhin flexibles Reisen erlaubten, als günstig, die Rabattpreise als besonders günstig bezeichnet. Jedoch wurde den Kunden über die Werbung suggeriert, die Rabattpreise seien die neuen „Standardpreise“ der Bahn. Entscheidend war hier die bereits in Kapitel 3.1 erläuterte Preiswahrnehmung und Preisbeurteilung durch den Kunden. Die neuen Rabattpreise wurden von vielen Kunden als Standardpreise wahrgenommen. Wenn nun die Bedingungen für den Erwerb dieser Rabattpreise nicht vorlagen, waren die Kunden verärgert über die aus ihrer Sicht zu hohen Normalpreise der Bahn. Und tatsächlich lagen viele der Normalpreise des neuen Systems über denen des alten Preissystems. Hier erzielte die in Kap. 4.3 beschriebene Informationspolitik der Bahn mit dem Fokus auf den Plan und Spar Preisen eine kontraproduktive Wirkung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit beleuchtet die Hintergründe der Preisreformen der Deutschen Bahn zwischen 2002 und 2003 und definiert den Untersuchungsrahmen.
2 Ausgangssituation: Es wird das alte Preissystem dargestellt und die Notwendigkeit der Reform durch Privatisierungsziele und Wettbewerbsdruck begründet.
3 Strategien, Konzepte und Besonderheiten der Preispolitik im Dienstleistungsbereich: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen der Preisbildung, insbesondere Preisdifferenzierung und Yield Management.
4 Erste Reform: Das neue Preissystem der Bahn vom 15. Dezember 2002: Die Umsetzung des neuen, komplexen Preissystems wird analysiert und die Gründe für dessen Scheitern dargelegt.
5 Zweite Reform: Das neue Preissystem der Bahn vom 01. August 2003: Die Korrektur der ersten Reform durch die Rückkehr zur BahnCard 50 wird beschrieben und deren Auswirkungen auf die Bahn bewertet.
6 Bewertung der preispolitischen Konzepte der Bahn: Das Fazit bewertet die Erfolgschancen und analysiert die Besonderheiten des politischen Marktumfeldes der DB AG.
Schlüsselwörter
Deutsche Bahn AG, Preisreform, Preispolitik, Preissystem, Yield Management, Preisdifferenzierung, Dienstleistungsmarketing, BahnCard, Kundenakzeptanz, Tarife, Wettbewerbsdruck, Fernverkehr, Kapazitätsauslastung, Marktanteil, Preiswahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Konzeption und praktische Umsetzung der Preisreformen im Personenverkehr der Deutschen Bahn AG in den Jahren 2002 und 2003.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf Preisstrategien im Dienstleistungssektor, den Herausforderungen der Preisgestaltung in Monopol- oder Oligopolsituationen und dem Einfluss von Kundenakzeptanz auf unternehmerische Reformvorhaben.
Was war das primäre Ziel der beschriebenen Preisreformen?
Die Bahn zielte vor allem auf eine Glättung der Nachfrage, eine bessere Kapazitätsauslastung durch Yield Management sowie eine Vereinfachung der Tarifstruktur ab.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Der Autor führt eine literaturgestützte Analyse der Preispolitik durch und kombiniert diese mit einer kritischen Betrachtung der Umsetzung und der resultierenden Marktfeedback-Reaktionen.
Was wird primär im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Einführung des Preissystems im Dezember 2002, dessen Scheitern aufgrund von Komplexität und Kundenkritik sowie die anschließende notwendige Korrektur im August 2003.
Welche Keywords charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zentrale Begriffe sind Preispolitik, Yield Management, BahnCard, Kundenakzeptanz und wettbewerbsorientierte Preisgestaltung.
Warum scheiterte das ursprüngliche Modell vom Dezember 2002 aus Sicht der Kunden?
Die Kunden empfanden das System als zu komplex und intransparent; zudem löste der Wegfall der beliebten BahnCard 50 massiven Unmut und den Eindruck einer Preiserhöhung aus.
Welche Rolle spielt das politische Umfeld für die Preispolitik der Bahn?
Da die Bahn als ehemaliges Staatsunternehmen unter öffentlicher Beobachtung steht, beeinflussen Politik und Interessenverbände sowohl den Spielraum für Preisentscheidungen als auch das öffentliche Image der Bahn maßgeblich.
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- Frank Gümmer (Author), 2003, Konzeption und Umsetzung des neuen Preissystems von 2003 im Personenverkehr der DB, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19911