Die Entstehung des Konzepts der Landschaft
Inhalt:
• Die gefühlte Natur
• Entdeckung der Freilandschaft durch den Landschaftsgarten
• Das Landschaftsbild in der Literatur des 18Jhr.am Bsp. von Rousseaus „Julie ou la nouvelle Héloise“
• Anmerkung Die gefühlte Natur:
Das Thema, mit dem ich mich im folgenden beschäftigen möchte, handelt von dem grundlegenden Wandel der Wahrnehmung von Landschaft und ihrer Definition als solchen, zu Beginn des 18Jhr. innerhalb Europas. Der Wandel vollzog sich von der Vorstellung das die Natur feindlich und zu bezwingen sei zu der Idealvorstellung von einer naturbelassener Landschaft, das sogar eine Einheit von Natur und Seele zu erreichen sei. Diesen Wandel zu verstehen wird dadurch erschwert, dass das Landschaftsbild der heutigen Zeit aus dieser Entwicklung hervor gegangen ist, und somit der nötige Abstand fehlt. Ein Vergleich unseres gängigen Landschaftskonzeptes mit denen vergangener Zeiten kann daher nur auf der Grundlage statt finden wie wir die Welt zum jetzigen Zeitpunkt wahrnehmen. Es stellt sich des weiteren die Frage inwieweit man die Wahrnehmung verschiedener Menschen zu verschiedenen Zeiten verallgemeinern kann.
Das Handeln der Menschen im Mittelalter und auch noch zu späteren Zeiten, war aufgrund religiöser Dogmen auf das „Jenseitige“ ausgerichtet und es galt die irdischen Qualen(wie z.B. Hunger, Kälte und Krankheiten) zu überstehen. Das Weltbild dieser Menschen kennzeichnete sich durch die Vorstellung von der irdischen diesseitigen Natur, die nur als Übergangsstadium zu dem jenseitigen zu erreichenden Paradies diente. Dies änderte sich jedoch allmählich indem die „Seele“ durch den „Verstand“ als Ort der Erkenntnis ersetzt wurde. Antonia Dünnbier fasst das in dem Satz z usammen:
„So trat an die Stelle der weltabgewandten Seele als Organ und Ort, das Absolute zu erkennen, im Rationalismus des 17. Jahrhunderts der Verstand, der durch die Erfassung der objektiven Natur die Erkenntnis Gottes in seinem Werk ermöglichen sollte“. (Dünnbier, S.199)
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Vielleicht kann man auf die Benutzung der Begriffe von „Seele“ und „Verstand“ verzichten, indem man die empfundenen, also gefühlsmäßig abhängigen, Erfahrungen der „Außenwelt “ und deren rationelle Verarbeitung bzw. Interpretation als eine in letzter Konsequenz unteilbare Einheit auffasst, da sich beides gegenseitig bedingt. Diese Einheit wird durch den Menschen als Ganzem dargestellt. Anstatt zu sagen, das die Seele durch den Verstand ersetzt wurde, könnte man auch sagen: das man der „Natur“ unvoreingenommener entgegentrat und die sich selbsterklärenden Prozesse in der Natur entdeckte, was sich vor allem in dem Fortschritt der wissenschaftlichen Entwicklung wiederspiegelt, welche ihre heutigen Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens in dieser Zeit formulierte. Die Natur wird also nicht mehr aufgrund religiöser Glaubenssätze erfahren bzw. verstanden sondern sie wird durch empirische Beobachtungen erklärt. Dies bedeutet in erster Linie die „Aussenwelt“ durch eine empirische Vorgangsweise zu erfahren bei gleichzeitiger Auseinandersetzung bzw. Ergründung der „Innenwelt“. Gleich am Anfang des Kapitels, auf das ich mich im folgenden immer beziehe, formuliert Antonia Dünnbier dies in folgender Weise:
„Damit die „Landschaft“ sichtbar werden kann, müssen in ihrer Vorgeschichte zwei Voraussetzungen geschaffen worden sein: die Zuwendung zur objektiven, empirischen Natur und die subjektive Zuwendung zur Innerlichkeit des Subjekts“. (Dünnbier,S.199) Die Zuwendung zur Innerlichkeit des Subjekts, also der sich selbst betrachtende Mensch, setzt voraus, das sich der Mensch nicht als ein rein rationelles Wesen versteht. Die gefühlte Atmosphäre einer Umgebung bzw. Landschaft wird im Zusammenhang mit dem des eigenen Gemütszustandes betrachtet, oder anders gesagt, man wird sich dessen explizit bewusst. Der Erkenntnisprozess kann nicht unabhängig von dem des Gemütszustandes betrachtet werden, denn beides bedingt sich, wie schon oben beschrieben, gegenseitig. Es vollzog sich also ein Wandel von der Vorstellung der Mensch sei ein ausgestossenes Wesen aus dem Paradies, welches sich nun in einer feindlichen Umgebung befindet, zu der Vorstellung der Mensch sei ein Teil der Natur und stehe daher auch in enger Verbindung zu ihr. Dieser Entwicklungsprozess spiegelt sich besonders gut in der Evolutionstheorie „die Entstehung der Arten“ von Darwin wieder, welche beschreibt, wie der Mensch in seiner heutigen Form aus einer Entwicklung hervorgegangen ist, also in der Natur entstanden ist, und nicht von Gott einfach hinein gesetzt wurde. Die „Natürlichkeit“ des Menschen und vor allem die seiner Empfindungen wird akzeptiert. Die Natur wird sogar als Zufluchtsort aus den Städten und den damit verbundenen zivilisationsbedingten Zwängen verstanden. Antonia Dünnbier schreibt:
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“...denn der Pietismus versuchte der äußeren Institution der Kirche das innere Gefühl der Individuums als geeignetere Instanz entgegenzusetzen, mit Gott in Verbindung zu treten“. (Dünnbier, S199)
Die Natur wird zum Medium der Kommunikation mit dem göttlich Ganzen, oder einfach nur mit dem Ganzen. Antonia Dünnbier erklärt Christian Cay Lorenz Hirschfelds Erkenntnisse in folgender Weise:
„Indem Gott die Natur so eingerichtet hat, dass sie Wirkungen und Gefühle und Assoziationen, nicht aber Erkenntnis hervorruft, gibt er den Menschen zur selbstständigen Deutung der Welt frei“. (Dünnbier, S.250) Entdeckung der Freilandschaft durch den Landschaftsgarten:
Die Verwendung des Begriffs „Natur“ ist ein wenig prekär, da diesem Begriff sehr unterschiedliche Bedeutungen zugeordnet werden. Natur wird im allgemeinen als die vom Menschen nicht beeinflusste Umwelt betrachtet. Streng gesehen gebe es in der heutigen Zeit also keine Natur im eigentliche Sinne mehr, denn wo wollte man die Grenzen des menschlichen Einflusses sehen? Sei es bloß die einfache Existenz von Radiowellen die einen Beweis für die allgegenwärtige Beeinflussung des Menschen darstellen. Wird der Mensch als ein Teil der Natur verstanden, so verwirklicht sich die Natur auch durch den Menschen und alles ist natürlich, auch die Entwicklung von Zivilisationen und ihren Städten. Mit Freilandschaft ist aber natürlich die allgemeine Betrachtung von Natur gemeint und mit Landschaftsgarten ist die gebaute Natur gemeint, auch wenn dies ein Widerspruch in sich selbst sein mag.
Für das Verständnis von Landschaftsgärten ist es hilfreich sich deren Entstehungsgeschichte vor Auge zuführen, denn die Landschaftsgärten sind aus der Landschaftsmalerei entstanden oder können auch als die dem Bild entstiegene Landschaft verstanden werden. Für den Entwurf eines Landschaftsgartens galten die gleichen Arbeitsmethoden wie für die Landschaftsmalerei der Renaissance: Beobachtung, Auswahl und deren Komposition. Auch lässt sich das vielverwendete Arkadienmotiv der Renaissancelandschaftsmalerei in vielen Landschaftsgärten wiederfinden, wie auch viele Landschaftsgärten an Landschaften Italiens (bis zu „künstlich“ errichteten antiken Ruinen) erinnern, da Italien oftmals zu Arkadien idealisiert wurde. Durch die Gestaltung nach dem Arkadienmotiv drückt sich auch der Wunsch aus, das Paradies diesseitig zu erfahren.
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Für das weitere Verständnis von Landschaftsgärten bezieht sich Antonia Dünnbier im weiteren auf Christian Cay Lorenz Hirschfelds „Theorie der Gartenkunst“(1779-1785) welche auch z.B. für Entstehung der Landschaftsgärten von Fürst Pückler maßgeblich war. Der Landschaftsgarten hat somit nach Hirschfeld als erstes die Aufgabe, die expliziten Merkmale der „schönen Natur“ herauszuarbeiten. Es geht also nicht um eine Nachahmung der natürlichen Landschaft, sondern um eine Verstärkung des natürlichen Charakters bzw. eine Darstellung der schönen Natur, indem landschaftliche Schönheiten konzentriert werden. Dünnbier zitiert Hirschfeld:
„Kunst bedeutet hier, dasjenige, was die natur Angenehmes und Interessantes hat, auf eben die Art, durch eben die Mittel, deren sie sich bedient, vereinigen, und die Schönheiten, die sie in ihrer Landschaft verstreuet, auf einen Platze sammeln zu wissen; ein neues Ganzes, dem weder Harmonie noch Einheit fehlt, hervorzubringen“. (Dünnbier, S.230) Des weiteren zitiert Antonia Dünnbier Skell:„ Die Natur drückt sich nur zufällig aus, die Kunst tut es mit Vorsatz“. (Dünnbier, S.241). In der Praxis konnte dies bedeuten, das weit entfernte und bereits voll ausgewachsne Bäume, ihrem Standort entnommen wurden, und in einem Landschaftsgarten neu eingepflanzt wurden.
Nachdem die Natur „beobachtet“ wurde und eine „Auswahl“ statt fand, formulierte Hirschfeld präzise Kompositionsvorgaben. Ich stelle zum besseren Verständnis nun einige Ausschnitte von denn Vorgaben Hirschfelds, wie sie Antonia Dunnbier mitteilt, vor: Neben den Gegenständen stehen dem Gartenkünstler wie dem Maler Farbgebung und Licht für die Komposition zur Verfügung. Beim Kolorit bevorzugt Hirschfeld die Abwechslung gegenüber der Einfarbigkeit, ohne jedoch nach Buntheit zu streben<... >ist die Variationsbreite bei den Farben aufgrund der geringen Bedeutung, die den Blumen eingeräumt wird, nicht sehr umfänglich, so schenkt Hirschfeld den Farb- und Strukturnuancen der Vegetation um so größere Aufmerksamkeit. Bei Bäumen unterscheidet er Stämme, Zweige (hochstehende, waagerechte und hängende), Laub, Blüten(nach Farbe und Geruch) und Früchten, wobei er das Laub wiederum nach folgenden Merkmalen differenziert :Reichtum und Grösse; Dünnigkeit, Leichtigkeit und Luftigkeit; Dunkelheit; Heiteres und Glänzendes; malerische Abänderung der Farben; Beständigkeit . (Dünnbier, S.231)
Dies war nur ein kurzer Auszug, und die weiteren Bestandteile eines Landschaftsgarten, werden von Hirschfeld mit der gleichen akribischen Betrachtungsweise behandelt. Es soll nur
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Arbeit zitieren:
Kristian Wulkau, 2003, Gute Stadt - schlechte Stadt. Stadt versus Land: Die Entstehung eines neuen Konzepts von Landschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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