Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1. Grundlegung 1
2. Gesellschaftlicher Wertewandel 6
2.1. Theoretische Grundlagen des Gesellschaftlichen Wertewandels 6
2.1.1. Geschichtliche Entwicklung 6
2.1.2. Ingleharts Theorie der politischen Konsequenzen von materialistischen
und Postmaterialistischen Prioritäten 8
2.2. Aktuelle empirische Beobachtungen bezüglich des Wertewandels 13
2.3. Auswirkungen des gesellschaftlichen Wertewandels auf das
Bed ürfnis nach Organisationsentwicklung 19
3. „Lean Production“ 22
3.1. Taylor’s Ansatz des „Scientific Management“ 22
3.2. Die Entwicklung der „Lean Production“ 27
3.3. „Lean Production“ - Das Ende der Arbeitsteilung? 33
4. Gesellschaftlicher Wertewandel als Voraussetzung für
„Lean Production“ 37
5. Ausblick auf die Zukunft des gesellschaftlichen Wertewandels 40
Quellenverzeichnis 43
I
Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereichen im Vergleich. 3
Abbildung 2: Schulbesuch der 13-Jährigen an ausgewählten Schularten
1960 und 2000 in Prozent. 4
Abbildung 3: Bedeutung von acht verschiedenen Werten für die
Lebensgestaltung Jugendlicher. Vergleich von 1987 zu 2002. 15
Abbildung 4: Erziehungsziele in der Bundesrepublik Deutschland und
Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Bedürfnishierarchie nach Maslow. 9
Tabelle 2: Items zur Messung von Wertprioritäten und die Bedürfnisse,
die sie abdecken sollen. 11
Tabelle 3: Bundestagswahlergebnis, Zweitstimme
[*Sonntagsfrage vom 23.05.03 durch infratest dimap]. 13
Tabelle 4: Die Merkmale der Lean Production. 32
III
Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
Abkürzungsverzeichnis
Aufl. Auflage
bzw. beziehungsweise
CDU Christlich Demokratische Union CSU Christlich Soziale Union
DDR Deutsch Demokratische Republik d.h. das heißt
EU Europäische Union
f. folgende FDP Freiheitlich Liberale Partei ff. fortfolgende
Hrsg. Herausgeber
JIT Just- in-Time
MIT Massachusetts Institute of Technology
OE Organisationsentwicklung o.g. oben genannt
S. Seite SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands
u.a unter anderem
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel
IV
Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
1. Grundlegung
„Die Generation Golf gibt es wirklich - Ein soziologischer Nachweis“ 1 , „Einmal im Leben zählt nicht mehr - Geburtenrückgang bringt Wertewandel“ 2 , „Neue Gestalt der Arbeit - Welt im Wandel“ 3 , „Gesellschaft - Rückkehr der Biedermeier?“ 4 , „Jugendliche wollen aufsteigen statt aussteigen“ 5 .
Die Frage drängt sich auf, was will Ihnen der Autor mit dieser Aneinanderreihung von Schlagzeilen sagen? Welchen gemeinsamen Inhalt haben diese Schlagzeilen? Was verbindet sie, was unterscheidet sie?
Festzustellen bleibt zunächst, dass diese Reihe von Schlagzeilen großer überregionaler deutscher Tageszeitungen nahezu beliebig fortgesetzt werden könnte. Doch auch diese fünf exemplarischen Schlagzeilen machen schon deutlich, wie sehr uns ein gesellschaftliches, soziologisches Phänomenen alle beeinflusst - der Wandel. Die einen bemühen sich darum aufgrund von Zeitreihenanalyse das geflügelte Wort der „Generation Golf“ wissenschaftlich zu beweisen, indem Werte und Einstellungen der zwischen 1965 und 1975 Geborenen untersucht werden und aufgezeigt wird, dass diese Geburtskohorte sich mit einem spezifischen Wertprofil klar von anderen Generationseinheiten abgrenzt (beispielsweise von der „Apo-Generation“, 1946 bis 1953, und der „Generation der Neuen Sozialen Bewegungen“, 1954 - 1964). Ja, dass es sogar zu einem Wandel des Wertewandels kommen soll, demgemäß sich die „Generation Golf“ einer Umkehr des Wertewandels hingibt. 6
Die anderen stellen fest, dass die Immobile einen Wertewandel erlebt, da die Maxime „Einmal im Leben“ vor dem Hintergrund der demographischen Veränderung an Bedeutung verlöre. Das gar die vormals stark ausgeprägten emotionalen Bindungen an Haus, Garten, Nachbarn oder soziales Umfeld bei der jüngeren Generation an Bedeutung verlören. 7
Wieder andere beschäftigen sich mit dem Phänomen des Wandels vor dem Hintergrund der neuen Gestalt der Arbeit im Sinne eines vermeintlich steigenden intellektuellen Gehaltes der (verbleibenden) Arbeit durch Automatisierung der Routinetätigkeiten. 8
1 Alfons Kaiser, FAZ.NET, 24.04.2003.
2 Reinhard Wagner, Die WELT, 26.10.2002.
3 Ralf Reichwald, Süddeutsche Zeitung, 10.05.2003.
4 Holger Christmann, FAZ.NET, 06.11.2001.
5 Jowe, FAZ.NET, 19.08.2002.
6 Alfons Kaiser, FAZ.NET, 24.04.2003.
7 Reinhard Wagner, Die WELT, 26.10.2002.
8 Ralf Reichwald, Süddeutsche Zeitung, 10.05.2003.
1
Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
Man erkennt leicht, dass das Phänomenen des gesellschaftlichen, sozialen wie strukturellen Wandels sich durch alle Ebenen hindurch zieht, unser aller Alltag prägt. So verwundert es nicht, dass sich die sozialwissenschaftliche Theorie schon seit langer Zeit mit diesem Phänomenen beschäftigt. Die Ursprünge der wissenschaftlichen Entwicklung der empirischsozialwissenschaftlichen Wertewandelforschung lassen sich nach Oesterdiekhoff und Jegelka bereits in der in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts betriebenen Wertphilosophie Friedrich Nietzsches sehen. 9
Als Definition soll hier Parsons Begriff des sozialen Wandels herangezogen werden. Demnach ist sozialer Wandel der "Wandel in der Struktur eines Systems als Wandel seiner normativen Kultur" 10 zu sehen. Einfach ausgedrückt bezeichnet der Wertewandel die Veränderung von soziokulturellen Werten und Wertsystemen sowie von individuellen Wertorientierungen. Da Werte eine große Bedeutung für die Entwicklung von Gesellschaften haben, sind durch den Wertewandel bedingte Prozesse stets folgenreich und lösen oftmals erhebliche Anpassungskrisen bei den Individuen und gesellschaftlichen Institutionen aus. 11 Ein Wert in diesem Sinne sei „[...] eine Auffassung vom Wünschenswerten, die explizit oder implizit sowie für ein Individuum oder für eine Gruppe kennzeichnend ist und welche die Auswahl der zugänglichen Weisen, Mittel und Ziele des Handelns beeinflusst.“ 12
Folglich fragt die Soziologie des sozialen Wandels nach den Ursachen, dem Verlauf und dem prognostizierbaren, d.h. auf wissenschaftlicher Grundlage voraussagbaren Wandel der Sozialstrukturen von Gesellscha ften oder einzelnen sozialen Systemen. 13 Zu diesem Phänomenen des Wertewandels stößt noch der durch die Drei-Sektoren-Theorie beschriebene sozioökonomische Wandel hinzu. Dieser beschreibt und erklärt wiederum grundlegende langfristige Änderungen in Wirtscha ft und Gesellschaft. Da die Erwerbstätigkeit oft mehr als nur „Sicherung des Lebensunterhalts“ ist und im menschlichen Leben einen zentralen Platz einnimmt 14 , kommt es hier also zu einer Wechselwirkung. Nach der Drei-Sektor- Theorie soll sich in allen Gesellschaften der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit zunächst vom primären Sektor der Produktgewinnung (Insb. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei) auf den sekundären Sektor der Produktverarbeitung (Industrie, Handwerk) und anschließend auf den tertiären Sektor
9 Vgl. Oesterdiekhoff/Jegelka 2001, S. 16f.
10 Parsons 1964.
11 Vgl. Klages 1998, S. 698.
12 Meyers Lexikonredaktion 2001, Bd. 25, S.17f.
13 Vgl. Schäfers 1995, S. 8f.
14 Vgl. Statistisches Bundesamt 2002, S. 85.
2
Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
der Dienstleistung (Handel, Verkehr, Kommunikation, Verwaltung, Bildung, Wissenschaft, Beratung, Sozial- und Gesundheitswesen, u.a.) verlagern. Es findet also eine Verwandlung von der Agrargesellschaft über eine Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft statt. Die Abbildung 1 veranschaulicht wie sich in Deutsch-land dieser Wandel vollzog.
Abbildung 1: Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereichen im Vergleich.
1 Ergebnisse der Berufszählung im Reichsgebiet - Erwerbspersonen.
2 Ergebnisse der Berufszählung im früheren Bundesgebiet.
3 Ergebnisse des Mikrozensus April 1970 im früheren Bundesgebiet.
4 Ergebnisse des Mikrozensus April 2001 in Deutschland.
Die jeweiligen Sprünge zwischen den Gesellschaften gehen mit wichtigen Veränderungen in der Sozialstruktur, im Schichtgefüge und in den Lebens- und Arbeitsbedingungen einher. Eine immense Produktivitätssteigerung führte zu einer Kräftefreisetzung in produktgewinnendem und - verarbeitendem Gewerbe und einer Zunahme im Dienstleis-tungssektor. 15
Die Produktivitätssteigerung, die den westlichen Gesellschaften schon früh den Sprung von der Industrie- in die Dienstleistungsgesellschaft ermöglichte basierte auf einem revolutionären Konzept: dem „Scientific Management“ (zu Deutsch: arbeitswissenschaft- 15 Vgl.Geißler 2000, S. 19.
3
Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
licher Ansatz). Dieser von Frederick W. Taylor (1856 - 1915) 1911 erdachte organisa-tionstheoretische Ansatz mit den Prinzipien der Trennung von hand- und Kopfarbeit, Leistungslohn und Personalauswahl führte im Gefolge von Erfindungen wie dem Fließ-band durch Henry Ford zu einer Revolution in der industriellen Arbeitswelt. 16 Praktisch dominiert dieser wissenschaftliche Ansatz noch heute die industrielle Arbeitswelt. Jedoch warf in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts die Konkurrenz auf dem globalen Markt der Automobilindustrie die Frage auf, warum japanische Automobilproduzenten einen immer größeren Markanteil eroberten. Diese Phänomenen wurde von drei Forschern des Massachusetts Institute of Technology Mitte der 1980er Jahre untersucht. Mit dem 1990 veröffentlichten Ergebnis wurde von den Autoren James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos eine zweite Revolution in der (Auto-)Industrie postuliert. 17 Diese hieß „Lean Production“ (zu Deutsch: schlanke Produktion) und zeichnet sich vor allem durch flache Hierarchien, Gruppenarbeit und Entscheidungsdezentralisation aus - das Ende der Arbeitsteilung?
Abbildung 2: Schulbesuch der 13-Jährigen an ausgewählten Schularten 1960 und 2000 in Prozent.
1 Einschließlich Freier Waldorfschulen.
2 Schulartunabhängige Orientierungsstufe sowie Sonderschulen.
In den letzten 150 Jahren wurde der Bildung immer mehr Bedeutung beigemessen, so dass sich nach dem zweiten Weltkrieg die weiterführende Bildung zu einer Massenbildung entwickelte. Immer größere Anteile der heranwachsenden Schülerjahrgänge erreichten mittlere und höhere Abschlüsse, wie die Abbildung 2 nahe legt. Die Haup t-
16 Vgl.Schreyögg 1999, S. 39.
17 Vgl. Womack 1992, S. 3.
4
Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
schule geriet zur Schule der Minderheit. Für mehr als ein Viertel der Jüngeren wurde Universitätsbildung möglich. 18
Hier drängt sich die Frage auf, ob bei einer derartig starken Entwicklung der Bildung gleichzeitig ein etwa 90 Jahre altes Produktionssystem noch zeitgemäß sein kann und ob „Lean Production“ die durch gesellschaftlichen W andel bestimmte zeitgemäße Form des klassischen „ Taylorismus“ sein kann. Inwiefern dient der gesellschaftliche Wandel also als Voraussetzung für die „Lean Production“?
Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden. Hierbei wird sich der Autor in dem sich an diese Grundlegung anschließenden Kapitel zunächst einer Betrachtung des gesellschaftlichen Wandels in Theorie und Empirie widmen, bevor die Auseinandersetzung mit der Entwicklung und Ausprägung von „Lean Production“ erfolgt. Im vie rten Kapitel wird schließlich versucht, in einer Synthese die gestellte Frage - die gleichzeitig Titel dieser Arbeit ist - zu beantworten. Abschließend soll betrachtet werden, an welche Grenzen die „Lean Production“ und der Taylorismus vor dem Hintergrund des künft igen gesellschaftlichen Wertewandels wohl stoßen könnte und was dies für die Organisationsentwicklung bedeuten mag.
18 Vgl. Hradil 2001, S. 151.
5
Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production
2. Gesellschaftlicher Wertewandel
- Materialismus, Postmaterialismus, Neomaterialismus? - Dasfolgende Kapitel soll sich zunächst mit den theoretischen Grundlagen des Werte-wandels beschäftigen. Diesbezüglich sollen einige bekannte soziologische Ansätze genannt und insbesondere auf Ingleharts Ansatz eingegangen werden. In einem zweiten Punkt soll auf aktuelle empirische Daten und Beobachtungen Bezug ge nommen werden, die uns vielleicht Aufschluss über die Möglichkeiten und Wege der zukünftigen Entwicklung geben werden. Abschließen soll dieses Kapitel einen Ausblick liefern, inwiefern das Beschriebene Auswirkungen auf das Bedürfnis nach bzw. die Organisationsentwicklung allgemein haben kann.
2.1. Theoretische Grundlagen des Gesellschaftlichen Wertewandels
2.1.1. Geschichtliche Entwicklung
„Eine wirklich grundlegende Theorie des Wertewandels ist gegenwärtig noch nicht in Sicht.“ 19 Dieses Zitat, zeigt die eigent liche Problematik des Wertewandels auf: Zwar sind die Datenmengen, die heute erhoben werden können, eine gute Möglichkeit den Wandel zu belegen, doch braucht man auch genug Zeit, um diese Informationsflut zu bewältigen. Und ist dies gelungen, so stellt sich dann immer noch die Frage, wie soll man das Gefundene erklären und die noch viel schwerere Frage, ob man aus den gewonnenen Erkenntnissen ein Modell fertigen kann, mit dem Vorhersagen über den Wer-tewandel getroffen werden können, was die eigentliche Intention der Wertewandelforschung ist. Trotzdem die Forschung über Werte und Wertewandel in den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts (wieder) ein gewaltiges Wachstum erfahren hat, 20 ist es aufgrund der hintergründigen und komplexen sozialen und mentalen Entwicklungen innerhalb des Wertewandels immer noch nicht gelungen diese durch eine umfassende Theorie zu erklären. 21
19 Oesterdiekhoff/Jegelka 2001, S. 10.
20 Vgl. Oesterdiekhoff/Jegelka 2001, S. 15.
21 Vgl. Oesterdiekhoff/Jegelka 2001, S. 10.
6
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Marc Behring, 2003, Der Gesellschaftliche Wertewandel als Voraussetzung für Lean Production, München, GRIN Verlag GmbH
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