Inhaltsverzeichnis
1 Grammatikalisierungsinhalt im Bezug auf eben 3
2 Sprachgeschichte: Die historische Entwicklung ebens vom Adjektiv zur
Modalpartikel 3
3 Rolle und Funktion der grammatischen Formen und Konventionen
in Bezug auf eben 5
3.1 Polyfunktionalität von eben 5
3.2 Modalpartikeln 7
3.2.1 Eigenschaften der Modalpartikeln am Beispiel eben 7
3.3 Aufgabe und Funktion der Modalpartikeln 8
3.3.1 Spezielle Aufgabe und Funktion von eben als Modalpartikel 8
4 Literaturverzeichnis und Quellen 13
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1 Grammatikalisierungsinhalt im Bezug auf eben
Grammatikalisierung beinhaltet im Fall des Lexems eben die Überführung eines autonomen Wortes in die Rolle und Funktion einer grammatischen Einheit. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Entwicklung von eben zur Modalpartikel nicht um eine Lexikalisierung, bei der ein neues Wort zum Beispiel für einen Sachverhalt entsteht, also ein neues Lexem, ein neuer sprachlicher Ausdruck. Grammatikalisierung fokussiert
o Sprachgeschichte und Sprachwandel: Wie sind grammatische Formen und Konventionen historisch entstanden? (Abschnitt 2 dieser Arbeit)
o Die Rolle und Funktion grammatischer Formen und Konventionen: Wie werden sie aktuell verwendet und genutzt? (Abschnitt 3 dieser Arbeit)
o Sprachgestalt: Die Gestalt einer Sprache ist das Produkt von Grammatikalisierung. Wie geben die grammatischen Formen und Konventionen einer Sprache eine Gestalt? Ich werde in dieser Arbeit die beiden ersten Punkten erläutern.
Sprachgeschichte: Die historische Entwicklung von eben 2
vom Adjektiv zur Modalpartikel
Analog den Grammatikalisierungsprozessen anderer Lexeme lässt sich die Entwicklung von eben zur Modalpartikel anhand einer Metaphorisierung nachvollziehen:
Zunächst existiert das Adjektiv eben als räumliche Beschreibung. Im nächsten Schritt wird etwas Zeitliches, also ein temporaler Sachverhalt mit Ausdrücken des Räumlichen dargestellt und anschließend werden auch abstraktere Inhalte mit Begriffen für räumliche Sachverhalte und Beziehungen formuliert.
So kann die Entwicklung zur Modalpartikel eben in drei Abschnitte gegliedert werden:
Das Adjektiv eben existierte als solches mit geographischen Bezug (und als Adverb) seit dem 8. Jahrhundert. Zunächst im Althochdeutschen, der ältesten Stufe des Hochdeutschen vom 8. bis zum 12. Jahrhundert, als eban mit der Bedeutung von „’flach, ohne Erhebung’“ (Pfeifer, 1998). In dieser Phase bezieht es sich syntaktisch zumeist auf eine Nominalkonstruktion: Er schlief auf ebener Erde. Zeitgleich wurde eban auch als Adverb genutzt im Sinne von „‚gerade, genau’“ (Pfeifer, 1998), es hatte also eine zweifache Funktion:
„Eben, ein Wort, welches in doppelter Gestalt üblich ist. (...) Als ein Bey= oder Nebenwort, und da bedeutet es (...) gleich (...) am häufigsten von der Oberfläche des Erdbodens. (...) Ein ebener Weg. (...) Etwas eben machen“. Oder es wird gebraucht „In figürlicher Bedeutung, (...) hübsch, fein, von der Gesichtsbildung. (...) Jüngling ebener Gestalt “. Die zweite Anwendung findet eben „Als ein bloßes Nebenwort, oder Adverbium. (...) Gleich (...) Als es der Natur der Dinger eben kommt (...) 1483 (...) Es gilt alles eben viel. (...) Genau, (...)Jemanden gar eben ansehen.“ (Documenta Linguistica, 1990).
Rein als Adjektiv fand man analoge Begriffe auch im Gotischen, einer ostgermanischen Mundart ibns, im Altnordischen jafn oder jamn, im Altenglischen efen und im Altfriesischen even oder iven.
Die Bedeutung war ursprünglich gleich und später gleichmäßig hoch. Die Herkunft ist ungeklärt, vielleicht ist es verwandt mit dem lateinischen aem-ulari was nacheifern bedeutet oder dem lateinischen im-itari, was nachahmen bedeutet. [Mackensen, 1985]
Im Bereich des Möglichen ist auch ein Bezug zum kymrisch-walisischen iawn, was gerecht, passend bedeutet oder zum kornischen ewn- bzw. zum bretonischen Maskulinum effen, dessen Bedeutung gleich ist. Diese Herkunft wirkt semantisch einleuchtend, ist allerdings lautlich unwahrscheinlich. Auch das mittelirische emonm Zwillingspaar, Zwilling’ könnte Ursprung sein. [Kluge, 1999]
Später, in der Zeit des Mittelhochdeutschen, der Sprachform des Hochdeutschen zwischen 1150 und 1500, findet man dann das morphologisch dem unseren gleichende Lexem ebene(e).
laassen sich schon recht früh finden:
„es kommt mit gar uneben [unpassend]“ (Hätzerlin, 46). „es sei denn zeit und eben [passend]“ (Pilatus, 169).
„er blieb bestehn, die magd ansach ein ebne [ziemlich lange, eine ganze weile] weil, darnach er sprach.“ (Luther 4, 67). [Deutsches Wörterbuch, 1984] Einen gerichteten temporalen Sinn, mit der Bedeutung von im direkt vorangegangenen Moment, jetzt gerade, nimmt eben im Mittelhochdeutschen an.
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Arbeit zitieren:
Katharina von Lingen, 2002, Die Modalpartikel "eben", München, GRIN Verlag GmbH
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