Inhaltsverzeichnis
1 Zur Person: Christian Thomasius 1655-1728. 4
2 Historische Einordnung der Monatsgespräche. 6
3 Das Monatsgespräch Februar 1688. 8
4 Argumentationswörter in dem Monatsgespräch Februar 1688. 9
4.1 Explizite Rednerhandlungen und -einstellungen. 9
4.2 Sprachhandlungsverben 12
5 Mittel der Abschwächung und Metakommunikation. 15
5.1 Modalausdrücke. 15
5.2 Sprache und Formulierungsstrategien als Selbstschutz 16
5.3 Metakommunikative Sprachmittel. 18
6 Spezielle Argumentationshandlungen. 22
6.1 Toleranzimplizierende Formulierungen. 22
6.2 Hypothesen 23
6.3 Traditionelle Aussageverknüpfungen 23
7 Argumentationsstil. 25
8 Literaturverzeichnis 29
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1 Zur Person: Christian Thomasius 1655-1728
Christian Thomasius (eigentlich Christian Thomas) war deutscher Jurist und Philosoph und gilt als entscheidender Vertreter der Frühaufklärung: Die Vernunft zählte für ihn als einzige Grundlage der Philosophie. Er kämpfte gegen scholastische Theorien und orthodoxe Lehren und vertrat die Lehre des Urchristentums.
Christian Thomasius’ tatsächliche Bedeutung liegt nicht direkt in seinem spektakulären Kampf gegen die religiös untermauerten Hexenprozesse und die Folter (er forderte auch hier eine Trennung zwischen Recht und Religion), sondern vor allem in seinem gesamten aufklärerischen Wirken, seinem Einsatz für freies Selbstdenken in der Zeit der Aufklärung. So kann Christian Thomasius als entscheidender Mitbegründer der deutschen Aufklärung bezeichnet werden. Christian Thomasius wurde sieben Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges am 01. 01. 1655 in Leipzig geboren, als Sohn des Philosophen Jakob Thomasius, Dozent der Leipziger Universität in Philosophie und Lehrer des bedeutensten deutschen Philosophen des 17. Jahrhunderts: Gottfried Wilhelm Leibniz. Schon sehr früh studierte Christian Thomasius Physik, Mathematik, Geschichte und Philosophie an der Leipziger Universität.
Nachdem er 1672, siebzehnjährig, in Leipzig den Magister artium der Philosphie erwarb, wandte er sich dem Studium der Rechtswissenschaften zu und promovierte 1679 zum Dr. iuris.
1687 wurde Thomasius, inzwischen Ehemann und Vater, in seiner Heimatstadt mit zwei Ärgernissen konfrontiert: Zum einen mit der neuen französischen Mode und zum anderen mit einer Gelehrtensprache, die nur dem Klang nach noch Lateinisch war.
Aufgrund dessen entschloss er sich, zum Beginn des Wintersemesters 1687 am schwarzen Brett der Universität Leipzig zu verkünden, dass er eine Vorlesung in deutscher Sprache halten würde. Das stellte einen groben Verstoß gegen die damalige Tradition dar, Vorlesungen nur in der lateinischen Sprache der
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Gelehrten abzuhalten. Thomasius war der erste, der in Deutschland einen Angriff auf die Alleinherrschaft des Latein wagte und in einem deutschen Hörsaal deutsch sprach. Sein kühner Entschluss hatte langfristige Folgen: Trotz den Bemühungen seiner Gegner, die versuchten, diesen Neuerungen Einhalt zu gebieten, wurden ab circa 1711 die Vorlesungen in Halle überwiegend in deutsch abgehalten. Diese Veränderungen bereiteten dem Bürgertum den Weg in die Aufklärung: Auch das Volk, die Ungelehrten, die der lateinischen Sprache nicht mächtig waren, bekamen einen Zugang zum Wissen und der Wissenschaft und somit zum wissenschaftlichen Denken.
1710 wird Christian Thomasius Ordinarius der juristischen Fakultät der Universität Halle und stirbt in Halle am 23. September 1728.
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2 Historische Einordnung der Monatsgespräche
Die Monatsgespräche („Frymüthige Lustige und Ernsthaffte iedoch Vernunfft -und Gesetz-mäßige Gedancken Oder Monats-Gespräche, über allerhand, fürnehmlich aber Neue Bücher, Durch alle zwölff Monate dess 1688. und 1689. Jahres durchgeführt von Christian Thomasius“, Halle 1690) veröffentlichte Christian Thomasius in der Zeit der Frühaufklärung. „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen." (Immanuel Kant; Was ist Aufklärung?; 1784). Dieser Entwicklung sollten auch die Monatsgespräche des Christian Thomasius dienen. Der Begriff der Aufklärung steht für die Grundidee, alle Objekte, sozialen Verhältnisse, Wissenschaften und Theorien durch den Verstand zu überprüfen und in Konsequenz entsprechend zu festigen, zu verwerfen oder zu verändern. Grundlage dieser Weltvorstellung ist zum einen das voraussetzungslose Denken der Philosophen, die sich in Folge mit ihren Überlegungen und Fragen zu der Welt und Gott nicht mehr nach dem richten, was in der Bibel geschrieben ist oder von den Kirchenvätern gelehrt wird. Zum anderen spielt die Internationalität eine wichtige Rolle, die einen geistigen Austausch zwischen den Kulturnationen ermöglicht, so dass Gelehrte und Künstler verschiedener Nationen kommunizieren können in Form von Briefwechseln und dem Austausch von Druckwerken. Zudem gehört zur Denkbewegungen der Aufklärung die Absicht, auch das Volk, also die Öffentlichkeit, zu informieren, zu unterrichten und zu belehren und dadurch ergibt sich ihre Popularisierung.
Die Monatsgespräche sind als eine Art Zeitschrift zu kategorisieren. Zunächst bildeten sich Mitte des 17. Jahrhunderts sogenannte Gelehrtenzeitschriften, die den schwerfälligen Gelehrtenbriefwechsel ersetzten. Die Monatsgespräche, die 1668 in deutscher Sprache erschienen, waren der Beginn erster deutscher
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journalistischer Formen und in unterschiedlicher Ausprägung waren in ihnen die vier Eckpfeiler der Gattung ‚Zeitschrift’ existent: -Publizität, die allgemeine Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit. -Aktualität, der Bezug zur Gegenwart. -Universalität, kein Thema wird ausgeschlossen.
-Periodizität, eine in regelmäßigen Abständen fortlaufende Erscheinungsweise. Die Monatsgespräche waren eine populärwissenschaftliche, kritische und literarische Individualzeitschrift; neu und außergewöhnlich in dieser Form. So konnte Christian Thomasius, Publizist und Verleger, als Gründer einer neuen Gattung des deutschen Journalismus angesehen werden, er nutzte die Öffentlichkeit der Zeitschriften für die Frühaufklärung. In satirisch-dialogischer Manier attackierte er wissenschaftliche und religiöse Orthodoxie, er griff die Heuchelei und Pedanterie der Rechtgläubigen und rechtschaffenen Gelehrtheit, den scholastisch überaltertren Universitätsbetrieb sowie den fürstlichen Polizeistaat an und entwickelte zusätzlich einen Argumentationswortschatz aus der popularisierten Wissenschaftssprache der Aufklärungszeit. Thomasius schrieb deutsch und wählte sein Leserpotential somit bewusst aus: Er wendete sich nicht an die „Gelehrtenrepublik“ (Fontius; 1997), sondern an ein breiteres bürgerliches Publikum, den interessierten Laien, jeden vernunftbegabten Menschen.
Der Inhalt seiner Zeitschrift waren nicht differenzierte Fachsimpeleien. Es sollte über Bücher berichtet werden, jedoch nicht in Form einfacher Inhaltsangaben: Thomasius nimmt die Bücher nur als Ausgangspunkt, um verschiedene seiner Gedanken und wohlgezielten Abhandlungen darzulegen. Die Monatsgespräche sind ein Dokument des konfliktreichen Beginns der Epoche der Frühaufklärung und ebenso inhomogen wie diese Entwicklungsphase sind auch Thomasius’ wechselnden Darstellungsweisen der Inhalte: Von der polylogischen (Januar und Februar des ersten Jahrgangs) über die dialogische (März bis Dezember des 1688) zur monologischen Phase (gesamter zweiter Jahrgang).
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3 Das Monatsgespräch Februar 1688
Im Monatsgespräch des Februar 1688 führen vier erdachte Gesprächspartner ein fiktives Gespräch. Die Männer finden sich zufällig zusammen auf einer Reise in einer Kutsche nach Leipzig. Sie werden durch einen Unfall aufgehalten und einer der vier Männer erleidet bei dem Unfall eine Kopfverletzung, die übrigen drei, und später auch wieder alle vier, führen lebhafte Diskussionen über verschiedene Themen. Alle Männer sind gleichberechtigte und unabhängige Gesprächsbeteiligte; interessierte, gebildete und praxisorientierte Bürger verschiedener Berufsgruppen:
Augustin, ein viel umhergekommener Kavalier, kommt aus Frankreich und möchte über Leipzig an den Dresdner Hof reisen. Benedict ist ein Gelehrter, Christoph ist ein Kaufmann und David ist ein Schulmann auf dem Weg zu einer Konrektorenstelle. Dieses Monatsgespräch kann in zwei Teile eingeteilt werden: Im ersten Teil geht es um das Thema der Steuern. Die Männer diskutieren darüber, welche Güter wie hoch besteuert werden könnten und warum. Diesen Inhalt zu wählen ist äußerst brisant und gewagt, denn in der damaligen Zeit waren Adel und Kirche von Steuern befreit, es existierte kein allgemeingültiges Gesetz in den verschiedenen Ländern. Der Ansatz einer allgemeinen Steuer ist revolutionär, es wird implizit über ein gleiches Recht für alle debattiert, was in der Konsequenz grundlegende Änderungen der Traditionen und ungeschriebenen Gesetze bedingt.
Im zweiten Teil geht es um die Eignung der deutschen Sprache für bestimmte Sach- und Fachgebiete. Es handelt sich im Grunde um Buchrezensionen, um verschiedene Arten des Literaturreferates. Einerseits wird analog eines Wissenschaftsjournals referiert, andererseits wird kritisiert, beurteilt, die Frage nach der Nützlichkeit gestellt, ja persönlich Stellung bezogen. Es wird darüber diskutiert, welche Bücher oder Textgattungen Vorzüge gegenüber anderen hätten.
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Arbeit zitieren:
Katharina von Lingen, 2002, Christian Thomasius: Zweites Monatsgespräch vom Februar 1688 - Eine sprachliche Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Virginia Satir und ihre Rolle in der systemischen Familientherapie
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Auroras Anlaß von Erich Hackl, Verlag Diogenes
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Unterrichtsentwurf, 10 Seiten
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