Inhalt
1 Einleitung 3
2 Die zentralen Fragen. 3
3 Die Vorbereitung und Durchführung des Experimentes. 4
3.1 Die Leitung des Experimentes 4
3.2 Das Gefängnis. 5
3.3 Die Probanden 6
3.4 Gefangene und Wärter 6
4 Die Durchführung. 7
4.1 Die Festnahme. 7
4.2 Aufnahme in das Gefängnis 7
4.3 Die Verkündung der Gefängnisregeln. 8
4.4 Besuch für die Gefangenen 9
4.5 der Aufstand der Gefangenen 9
4.6 Der Gefangene 8612 wird entlassen. 10
4.7 Das Gerücht über den Massenausbruch 11
4.8 Der Zusammenbruch von 819. 11
4.9 Der Gefängnisseelsorger. 12
4.10 Abschluss 13
5 Entwicklungen bei den Probanden 13
5.1 Die Wärter 14
5.2 Die Gefangenen 16
6 Resümee. 18
2
1 Einleitung
„Das Experiment“ ist ein deutscher Film, der einen Versuch zeigt - den Versuch, die stereotypen Verhaltensweisen von Wärtern und Gefangenen eines Gefängnisses zu untersuchen. Der Film ist keineswegs Fiktion. Im Jahr 1971 wurde das Experiment durch den Psychologen Professor Zimbardo tatsächlich durchgeführt.
Die Kinobesucher waren schockiert, als sie im Film das menschenverachtende Verhalten der Wärter gegenüber den Gefangenen sahen. Das Experiment zeigte, wie aus „normalen Menschen“ sadistische Folterknechte und aus einfachen Studenten unterwürfige, demoralisierte und pathologisch reagierende Gefangene wurden.
Die vorliegende Arbeit stellt das Experiment in knapper Form dar. Sie zeigt anhand ausgewählter Inhalte aus dem Verlauf des Versuches die wichtigsten Entwicklungen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann sicher nicht erhoben werden, wohl aber soll die Entwicklung der Wärter und Gefangenen im Rahmen des Verlaufes die stereotypen Verhaltensweisen zeigen, die auf einen erheblichen Einfluss einer unnatürlichen Umgebung und Machtsituation - das Gefängnis - zurückzuführen sind.
2 Die zentralen Fragen
Der Psychologe Philip Zimbardo hat als Verhaltensforscher die Auswirkungen außergewöhnlicher Situationen auf den Menschen untersucht. Zimbardo lag dabei weniger daran, die persönlichen Situationen, Entwicklungen und die psychologischen Fallstudien einzelner darzulegen. Er war auf der Suche nach allgemeingültigeren Zusammenhängen zwischen äußeren Einflüssen und dem Verhalten der Betroffenen.
Die Gefängnispsychologie war keineswegs die Erfindung Zimbardo´s, gerade nach dem zweiten Weltkrieg gibt es eine Vielzahl von Berichten Gefangener über das persönlich Erlebte, über die Eindrücke und Auswirkungen der Gefängnissituation. 1 Zimbardo wollte vielmehr die Auswirkungen der Gefängnissituation auf allgemeingültiger Ebene untersuchen. Er trennt damit deutlich die persönliche Psyche des einzelnen von den Faktoren, die von „außen“ herangetragen werden und auf alle Gefangenen wirken.
1 vgl. Walter, Michael 2002, S. 94
3
Die Zentrale Frage, die Zimbardo untersuchen wollte, war die Frage nach dem „Guten“ und dem „Bösen“ im Menschen: würde unter extremen Bedingungen, in der ein „normaler“ Mensch zur Anwendung von Gewalt jedweder Art aufgefordert wird, das Gute oder das Böse siegen? Welchen Einfluss hat die Umwelt auf diese Entscheidung? Wer ist tatsächlich dafür verantwortlich, dass von außergewöhnlicher Gewalt in Gefängnissen berichtet wird - sind es die besonderen Charaktere und Persönlichkeiten, die im Gefängnis versammelt sind oder ist es die von außen gebrachte Gefängnisumgebung?
Zimbardo schien die Durchführung eines Experimentes angebracht, das unter nahezu realistischen Bedingungen die Ausnahmesituation eines Gefängnisses nachstellte. Das Gefängnis als Ort, der gekennzeichnet ist von künstlichen Machtstrukturen und unnatürlichen Autoritäten erscheint eine geeignete Umgebung für die Untersuchung der Frage nach dem Einfluss äußerer Faktoren auf das Machtverhalten und auf die Gewaltbereitschaft des Menschen zu sein.
3 Die Vorbereitung und Durchführung des Experimentes
Das „Stanford-Prison“ - Experiment wurde sehr umfangreich vorbereitet und wissenschaftlich begleitet. In diesem Kapitel werden die Rahmenbedingungen für die Durchführung des Experimentes vorgestellt.
3.1 Die Leitung des Experimentes
Das Experiment wurde im Sommer 1971 an der Stanford-Universität in Californien durchgeführt. Der bekannte Psychologe und Leiter des Versuchs Philip Zimbardo wurde unterstützt von drei weiteren Kollegen (Craig Haney, W. Curtis Banks, David Jaffe), die wie Zimbardo selbst angestellte Wissenschaftler der psychologischen Fakultät der Stanford-University waren.
Für die Durchführung des Experimentes waren eine Vielzahl weiterer psychologischer Fachkräfte erforderlich. Kooperationen mit Gefängnissen und Polizei ermöglichten den Einbezug von Polizeibeamten, Gefängnisangestellten und Seelsorgern, die neben Ihren spezifischen Aufgaben in der Vorbereitung auch während der Durchführung die vermeintliche Authentizität des „Gefängnisaufenthaltes“ unterstreichen sollten. 2
2 vgl. http://www.prisonexp.org/german/slide1g.htm (02.11.2003, 12:50 Uhr)
4
3.2 Das Gefängnis
Für die Durchführung des Experimentes wurde ein Trakt im Keller der Stanford-Universität genutzt. Umfangreiche Umbauten mit der Unterstützung der externen Fachleute, die aus eigener Erfahrung die Ausstattungen von Gefängnissen kannten, wurde ein „künstliches Gefängnis“ geschaffen, dass bis in die Details eine reale Situation suggerieren konnte. Ein Kellergang der psychologischen Fakultät wurde zu beiden Seiten abgetrennt. Der Gang selbst war der „Innenhof“ des Gefängnisses. Das Besondere an diesem Gang waren die zu beiden Seiten abgehenden kleinen Räume, die allesamt ohne Fenster waren. Der Ausschluss des Tageslichtes war ein wichtiges Detail, das zum Gesamtkonzept einer „gewollten Reizarmut“ gehörte. Nicht zuletzt ist das Tageslicht ein Anhaltspunkt zur Bestimmung der Uhrzeit. Da auch keine Uhren im Gefängnis waren, war es den Gefangenen nicht möglich, die Zeit einzuschätzen. Die fehlenden Stimulanzen und der Verlust des Zeitgefühls gehören zu den wesentlichen Umgebungsvariablen eines Gefängnisses, die extremen psychischen Druck auslösen können. 3
Die Türen der Gefängniszellen wurden durch nummerierte Gittertüren ersetzt, jede der Zellen enthielt drei Betten. Die Toilette befand sich außerhalb des Ganges, Gefangene durften sie nur mit verbundenen Augen aufsuchen, um den Weg nicht offen legen zu müssen. Einer der Räume mit einer Grundfläche von 64x64cm wurde als „Loch“ bezeichnet - eine Zelle für Isolationshaft, ohne Licht und lediglich für eine aufrecht stehende Person geeignet. Der Speisesaal am Ende des Ganges enthielt Tische und Stühle. Für das Wachpersonal stand ein größerer Raum mit Kücheneinrichtung und einem Fenster zur Verfügung, das die fast ausnahmslose Beobachtung der Gefangenen ermöglichte. 4
Sämtliche Räume (mit Ausnahme des „Lochs“) wurden von der Leitung über Videokameras und Mikrofone überwacht. Die verbale und nonverbale Kommunikation war zentraler Unter-suchungsgegenstand und wichtigstes „Material“ des Experimentes, anhand dessen später die Entwicklungen untersucht werden sollten.
3 Curtis-Banks, W. u.a. 2002, S. 73
4 vgl. Curtis-Banks, W. u.a. 2002, S. 72
5
3.3 Die Probanden
Bei der Auswahl der Probanden war es wichtig, den durchschnittlichen „Bürger“ zu finden. Die Probanden sollten einen möglichst „normalen Mitmenschen“ darstellen, der keine einschlägigen Erfahrungen im Gefängnisalltag haben sollte. Die psychische und körperliche Gesundheit war Voraussetzung.
Die Suche nach Probanden erfolgte über eine Zeitungsanzeige. Aus den Bewerbern wurden über ausführliche Gespräche und umfangreiche psychologische Tests 24 studentische Pro-banden ausgewählt.
Ziel bei der Auswahl war es, das „gebildete weiße Mittelklasse-Amerika“ 5 abzubilden. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werden keine Namen genannt. Die Probanden waren ausschließlich männlich.
3.4 Gefangene und Wärter
Das Experiment sollte nicht allein die Auswirkungen der Gefängnissituation auf die Gefangenen untersuchen, sondern die möglicherweise parallel verlaufenden Veränderungen im Verhalten der Wärter analysieren. Die Gruppe der Probanden wurde eingeteilt in eine Gruppe von 9 Gefangenen und 9 Wärtern und 6 Personen für die Rufbereitschaft, falls ein Proband aus dem Experiment ausscheiden würde.
Wärter erhielten keine besonderen Einführungen oder Vorbereitungen auf ihre Arbeit. Sie wurden mit „echter“ Kleidung, mit sämtlichen Schlüsseln und Dienstplänen ausgestattet. Die Wärter sollten in 3 Schichten jeweils zu dritt arbeiten und so eine Vollzeit-Überwachung gewährleisten. Sie wurden über die Räumlichkeiten informiert und erhielten absolute Freiheit in der Gestaltung des Tagesablaufes und eventueller Regularien. Selbstverständlich waren Straftaten und körperliche Gewalt ausgeschlossen.
Aufgabe der Wärter war, während des Experimentes für Ordnung und für die Einhaltung der Regeln für Gefangene zu sorgen, die von den Wärtern noch zu entwickeln waren.
5 zit. n. Walter, Michael 2002, S. 95
6
4 Die Durchführung
Das Stanford-Prison-Experiment ist umfangreich dokumentiert. Den Verlauf vollständig wiederzugeben ist im Rahmen eines Kurzvortrages nicht möglich, deshalb möchte ich im Folgenden einige wesentliche Ereignisse skizzieren, die Beleg für die Authentizität der Gefängnissituation sind oder aber ganz wesentliche Entwicklungen zeigen, die das veränderte Verhalten der Gefangenen und Wärter und damit den entscheidenden Untersuchungsgegens-tand deutlich machen. Es handelt sich also bewusst um eine Skizze der wesentlichen „Meilensteine“ des Experimentes.
4.1 Die Festnahme
Die Leiter des Experiments Zimbardo, Haney, Banks und Jaffe beschreiben die Festnahme der Probanden sehr eindrucksvoll:
„Die Ruhe dieses Sonntagmorgens in Palo Alto (Kalifornien) wurde jäh durch das Heulen von Polizeisirenen gestört; Streifenwagen rasten durch die Stadt und verhafteten überraschte College-Studenten. Jeder Verdächtige wurde eines Verbrechens beschuldigt, über seine verfassungsmäßigen Rechte belehrt, mit ausgestreckten Armen gegen das Polizeiauto gestellt, durchsucht, in Handschellen gelegt und im Streifenwagen auf das Polizeirevier gebracht.“ 6
Die Festnahme durch „echte“ Polizeibeamte unter realen Bedingungen war ein wichtiges Element zu Beginn des Versuches: sie schuf eine reale Umgebung, einen realen Einstieg in die Gefängnisrealität. Nach der Festnahme wurden die Probanden zunächst zur Polizeidienststelle gebracht und nach Aufnahme der Fingerabdrücke in Einzelzellen verwiesen. Anschließend fand der Transport in das Versuchsgefängnis statt - mit verbundenen Augen.
4.2 Aufnahme in das Gefängnis
Nach dem Transport in das Gefängnis durchliefen alle Gefangenen eine umfangreiche Aufnahmeprozedur:
Die Gefangenen wurden vollständig entkleidet und körperlich durchsucht. Anschließend fand die Entlausung mit entsprechenden Sprühmitteln statt, wie sie üblicherweise in Gefängnissen
7
eingesetzt werden. Mit der einheitlichen Häftlingskleidung erhielten alle Gefangenen einen Strumpf, der auf dem Kopf getragen werden musste. Dieser Ersatz der „Kopfrasur“ entfernte die individuellen Unterschiede, die durch die verschiedenen Frisuren sichtbar waren. Jeder Gefangene erhielt eine Nummer, die auf beiden Seiten des Kittels zu sehen war. Jeder Häftling erhielt Bettzeug, Seife, Zahnpasta und -bürste. Eine Kette am Fußgelenk musste grundsätzlich getragen werden.
Die Aufnahmeprozedur diente der Entfernung der individuellen äußerlichen Unterschiede und stellte in ihrer Durchführung erste Demütigungen der Person dar. Die Entlausung ließ darauf schließen, dass die Wärter Krankheiten und Verunreinigungen immerhin für möglich hielten. Die Entkleidung am Anfang und die langen Zeiten des Nacktseins während der Aufnahme verletzten Schamgefühl und Persönlichkeit, das Ersetzen von Namen durch Nummern kommt der völligen äußeren Gleichschaltung der Gefangenen gleich.
4.3 Die Verkündung der Gefängnisregeln
Nach der Aufnahme wurden die Gefangenen zunächst mit einer Rede des Anstaltsleiters begrüßt. Darin kündigt der Anstaltsleiter neben Aussagen der Enttäuschung über unverant-wortliches Handeln der Gefangenen die wichtigsten Regeln der Anstalt an: „Wir, Euer Anstaltspersonal, werden Euch Eure Verantwortung als Bürger dieses Landes beibringen. Hier sind die Regeln. [...] Wir erwarten, dass Ihr sie kennt und mit Nummern auswendig aufsagen könnt. Wenn Ihr diese Regeln befolgt und Euch nichts zu Schulden kommen lasst, [...] werden wir uns gut verstehen.“ 7
Die Regeln sind vom Aufseher und seinen Kollegen entworfen worden. 16 Grundregeln wurden anschließend laut verlesen. Dazu gehören absolute Ruhe unter den Gefangenen, das Verbot, Gegenstände und Einrichtungen der Anstalt zu bechädigen oder zu verändern und Regeln, die die Persönlichkeit der Gefangenen aufheben sollen, wie z.B. das Ersetzen der Namen durch Nummern in sämtlichen Gesprächen. Wachpersonal ist generell mit Titeln anzusprechen. Bei Missachtung einer Regel ist die Bestrafung eine mögliche Reaktion.
6 Curtis-Banks, W. u.a. 2002, S. 69
7 Ebd. S. 70
8
4.4 Besuch für die Gefangenen
Die Gefangenen konnten für ein kurzes Gespräch Besuch empfangen, die Eltern und die Familien der Gefangenen wurden an einem vorgegebenen Tag eingeladen. Zuvor wurde den Gefangenen angedroht, im Falle einer Beschwerde das Gespräch sofort zu beenden. Während des Besuches waren die Wärter in unmittelbarer Nähe, sie griffen sogar in die Gespräche ein. Die eingeweihten Familienangehörigen wussten ihre Rolle zu spielen oder befanden sich bereits selbst „im Experiment“ - sie konnten teilweise die künstliche Gefangenschaft nicht mehr von der Realität unterscheiden: „Am nächsten Abend suchte die Mutter eines Gefangenen den Gefängnisdi-rektor vor Beginn der eigentlichen Besuchszeit auf und gab ihm Namen und Telefonnummer ihres Cousins, der Strafverteidiger war.“ 8
Die Anwesenheit der Wärter während der Besuche demonstriert den Verlust der Privatsphäre auch auf dieser Ebene. Damit reicht das Experiment auch in die tatsächliche Privatsphäre der Probanden, aber auch in die Privatsphäre des „echten“ Umfeldes der Probanden. Die Grenzen zwischen Versuch und Realität sollten mit der Durchführung der Besuche und ihrer scheinbar realen Abläufe verschwimmen, die Probanden weiter in die reale Situation des Gefängnisses versetzt werden.
4.5 der Aufstand der Gefangenen
Bereits am zweiten Tag kam es zu einem Aufstand der Gefangenen, nachdem der erste Tag vollkommen ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen war. Die Gefangenen verbarrikadierten sich in ihren Zellen und beschimpften die Wärter, die sich allein außerstande sahen, die Situation zu lösen. Nach Einberufung des Bereitschaftsdienstes und gemeinsam mit der noch anwesenden Nachtschicht entschied man sich zu einer gewaltsamen Lösung: „Die Strafvollzugsbeamten versammelten sich und entschieden, Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen. Sie spritzten mit Feuerlöschern eisiges Kohlendioxyd in die Zellen und zwangen die Gefangenen so, von den Türen zurückzuweichen. (Die Feuerlöscher mussten gemäß den Brandschutzrichtlinien der Stanford Universität installiert werden). Die Strafvollzugsbeamten brachen
8 Curtis-Banks, W. u.a. 2002, S. 80
9
Arbeit zitieren:
Jens Hasekamp, 2004, Das Stanford-Prison-Experiment, München, GRIN Verlag GmbH
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