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ausführlicher Weise schilderte und dem Affekt Worte gab. Affektloses Erinnern ist fast immer völlig wirkungslos; ....“ (Freud 1895 S.85)
Diese Beobachtung Freuds ist bis heute gültig geblieben, Wissen ohne Affekt, Gefühle und Stimmungen ist therapeutisch erfolglos. Einsicht dagegen erfasst das ganze psychische System, ist kreativ und wirkt kathartisch.
Freud und Breuer zeigten auf, dass es sich bei den körperlich nicht erklärbaren Symptomen der Patienten nicht um Zufallsprodukte handelte, sondern um bezeichnende Vorgänge, denen man mit Hilfe bestimmter Methoden ( zunächst der Erforschung in Hypnose, - vordem hatte Breuer die Hypnose allein zur Symptomheilung benutzt- später der Analyse freier Einfälle) einen Sinn abgewinnen konnte, der dem Patienten unbewusst war. Der Fortschritt gegenüber den früheren Auffassungen lag darin, dass Breuer und Freud die Hypnose nicht mehr benutzten, um den Symp tomen die Existenz zu verbieten, sondern um deren Ursachen herauszufinden. Die Hypnose wurde zum Mittel für die Erweiterung des Bewusstseins. Einsicht trat an die Stelle einer auf Unterdrückung des Symptoms ausgerichteten Haltung. Das Interesse der Analyse verschob sich später jedoch mehr und mehr auf die Hindernisse, welche der affektiven Entladung im Weg standen, d.h. der Abwehrformen. Dabei gewann die Analyse der freien Einfälle, der Assoziation als das eigentliche therapeutische Werkzeug stetig an Bedeutung - als Suchen nach Erinnerung, weil das Unbewusste weder direkt beobachtbar noch einfach abfragbar ist.
Der Beginn des weitgespannten Werkes von Freud liegt im allgemeinen Bewusstsein aber eher um 1900, als die Traumdeutung erschien. Träume wurden vo n Freud als „via regia zum Unbewussten“ bezeichnet. (Pritz1994) Die unaufhörliche Weiterentwicklung der Psychoanalyse wird schon im Werk von Freud selbst sichtbar, der lebenslang seine Konzepte und Theorien vorantrieb, ausbaute, und wenn nötig, revidierte. Kurz vor seinem Tode (1939) fasste er seine Theorie in „Abriß der Psychoanalyse“ zusammen. (Freud 1972) Er erläutert zunächst den psychischen Apparat, stellt dann seine Trieblehre dar und beschreibt danach die Phasen der psychosexuellen Entwicklung.
Im Aufbau der Persönlichkeit unterscheidet Freud drei Instanzen, die im Laufe der ersten sechs Lebensjahre herausgebildet werden: das Es als Sphäre des Unbewussten, der Wünsche und Triebe, das Ich als Träger des bewussten Erlebens (Wahrnehmung und Willensbildung, dem Lustprinzip zwar verpflichtet, aber orientiert am Realitätsprinzip) und das Überich als Träger des Ich-Ideals und des Gewissens. (Gebildet in der Überwindung der ödipalen Situation, von Freud zunächst auch als elterlicher Einfluss bezeichnet.) Durch dieses
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Instanzenmodell Freuds lassen sich die psychischen Aktivitäten und Persönlichkeitseigenschaften eines Menschen beschreiben. Für die Persönlichkeitsentwicklung ist die Triebentwicklung maßgeblich. (Aus dem Es entstehend aufgrund physiologischer Prozesse, die zu Spannungen führen) Dabei kommt der Libido über ihre Entwicklungsstufen, (der oralen, analen, phallischen und genitalen Phase) auf der phallischen Phase im Zusammenhang mit dem Ödipuskomplex besondere Bedeutung zu. Die Auseinandersetzung mit dem Ödipuskomplex ist für die Persönlichkeitsentwicklung von entscheidender Bedeutung. Zudem ist sie verbunden mit einer Identifikation zum gleichgeschlechtlichen Elternteil - und insofern mit dem Erwerb der Geschlechtsidentität.
Bei Störungen der Triebentwicklung kommt es zu Fixierungen auf bestimmte Entwicklungsstadien, denen Neuroseformen zugeordnet werden. Die neurotischen Symptome sind Abfuhrmöglichkeiten für die aufgestaute libidinöse Energie. Grundlage der Neurose ist ein unbewusster frühkindlicher Konflikt, der im aktuellen Konflikt wiederbelebt wird. (Triebwünsche gegen Abwehrkräfte des Ich)
Freud war zwar daran gelegen, den individuellen Patienten von seinem neurotischen Elend zu befreien, er interessierte sich aber auch dafür, wie die Neurose des einzelnen durch gesellschaftliche Institutionen bedingt ist, er versuchte, die soziale Beeinflussung durch die Kultur zu erfassen. Kultur und Gesellschaft erscheinen in der Funktion der Triebunterdrückung. Nach Freud ist es unumgänglich, dass ein erheblicher Teil der Triebenergie nicht befriedigt, sondern als Motor für andere Aktivitäten umgeleitet, d.h. sublimiert wird. Die Unterdrückung von Trieben und die Umleitung ihrer Energie auf andere Tätigkeiten ist also notwendig zur Schaffung und Erhaltung der menschlichen Kultur.
Die psychoanalytische Theorie befasst sich mit dem normalen wie mit dem pathologischen Funktionsablauf der Psyche. Sie beeinflusste z.b. in der pädagogischen Anwendung die Art der Kindererziehung in Schule und Familie und nahm Einfluss auf die Human- und Sozialwissenschaften und auf die Kultur des modernen Lebens. Neben der Methode, Unbewusstes und Tabuisiertes bewusst zu machen - der psychoanalytischen Behandlungstechnik - versteht sich die Psychoanalyse eben auch als Konzept über die Entstehung menschlichen Verhaltens und Erlebens, alsGesellschaftstheorie, die sich mit kulturellen, künstlerischen und religiösen Phänomenen auseinandersetzt.
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Psychoanalyse stellt die Gesamtheit der psychologischen und psychopathologischen Theorien dar, durch die Gegebenheiten der psychoanalytischen Untersuchungsmethode und Behandlung systematisiert werden. ( Laplanche 1998) Die empirische Basis dieser Theorie besteht vor allem aus tiefenhermeneutischen Fallmaterial aus therapeutischen Sitzungen.
DIE Psychoanalyse hat es wahrscheinlich nur zu Lebzeiten Freuds gegeben. Schon bald begann sie sich zu differenzieren und verschiedene Richtungen zu entwickeln, was zudem mit den einzelnen Ländern, in denen die Theorien durchdacht und gelehrt wurden und den unterschiedlichen Persönlichkeiten die sich damit befassten zu tun hat.
Einen Überblick über die verschiedenen Schulrichtungen der modernen Psychoanalyse zeigt Mertens (1996) auf:
• Triebtheorie, Struktur- und Ichpsychologie (Freud, Brenner, Hartmann, Kris, Arlow)
Kennzeichnend für diese Theorie ist die Annahme von Triebimpulsen, Libido und Todestrieb als der letzte von Freud aufgestellte Triebdualismus, oder von Libido und Aggression von Heinz Hartmann, die als Motor allen Handels gelten können. Das Kind muss auf diese Impulse verzichten lernen, die nicht mit den Moralvorstellungen der Eltern übereinstimmen. Häufig gelingt dieser Verzicht jedoch nicht, und wegen der Strafangst kommt es zu einer Verdrängung. Forderungen und Gebote werden verinnerlicht, strukturieren die Psyche durch Ausbildung von Über-Ich und Ich-Ideal und regulieren die verdrängten Triebimpulse. Bei der von der Triebtheorie abgeleiteten Ich-Psychologie liegt der Schwerpunkt auf den angemessenen Abläufen der Ich-Funktionen (als kognitive Kompetenzen wie Anpassung und Abwehr, Realitätswahrnehmung, Erinnern usw., die unbewusste Triebimpulse an unmittelbarer Abfuhr hindern und zu angemessener Realisierung verhelfen)
• Objektbeziehungstheorien
(M. Klein, Fairbairn, Guntrip, Balint, Winnicott, Rosenfeld, Bion, Kernberg, Sandler) Der Beziehungskontext ist den Triebimpulsen übergeordnet, d.h. nicht die Dominanz sexueller und aggressiver Triebe ist ausschlaggebend für das Menschliche, sondern die im frühen Eltern-Kind-Dialog erworbenen Beziehungserfahrungen bilden den Motor des Selbstverständnisses, der Entwicklung und der auszubildenden Ich-Funktionen. Im
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Mittelpunkt der Betrachtung steht die Mutter-Kind-Beziehung mit vorödipalen Konflikten wie Autonomie und Abhängigkeit, Bindung und Selbstbehauptung und auch die wichtigen Funktionen, die der Vater in den ersten zwei, drei Jahren für sein Kind ausübt. Joseph Sandler erbrachte den Nachweis, dass unsere Handlungen nicht nur von Sexualität und Aggression bestimmt sind, sondern auch nach einem Streben nach Sicherheit und Geborgenheit.
• Interpersonelle Theorie
(Sullivan, Fromm- Reichmann, Searles, Hoffmann, Gill, Mitchell) Während die klassische Psychoanalyse die Subjekthaftigkeit des Gegenübers eher gering veranschlagte - der andere bleibt letztlich austauschbar-, überbetont die interpersonelle Theorie die Subjektdimension und das Zu-sich-selbst-Kommen des einzelnen kraft seiner Beziehung zu einem anderen Menschen. In Abwandlung der Freudschen Aussage: “Wo Es ist, soll Ich werden“, heißt es bei den Interpersonalisten: „Wo Ich ist, soll Beziehung werden“. Die Existenz des anderen bedeutet also nicht die Entfremdung eigenen Begehrens, sondern führt überhaupt erst zur Konstituierung seelischen Erlebens.
• Selbstpsychologie
(Kohut, Stolorow, Atwood, Ornstein, Basch, Köhler)
Hier wird der Frage nachgegangen: Wie ge lingt es dem einzelnen, ein Gefühl der Selbstkohäsion aufrechtzuerhalten? (Narzißtische Regulation) Themen wie Selbstachtung, Selbstliebe, das Sich-selbst-akzeptieren-Können stehen im Mittelpunkt dieser Theorie. (Kohut 1981) In den 70er Jahren wurde sie vor allem zur Erklärung des gestörten Selbstwertgefühls und narzisstischer Persönlichkeitsstörungen herangezogen und fand eine rasche Verbreitung durch Alice Miller, die die Gedanken Kohuts auch in die Populärpsychologie einführte. Vielleicht war es für vie le Menschen leichter, sich als begabtes, aber hoffnungslos traumatisiertes Kind zu betrachten, als sich auf die Archaik unbewusster triebhafter Phantasien einzulassen. Die Thematik eines fühlenden und erlebenden Selbst war aber auch bisher in den Theorien der Psychoanalyse ausgespart geblieben. Sich mit der Energetik von Trieb-Abwehr-Prozessen zu beschäftigen, ist vielleicht weniger schambesetzt, als sich Spiegelungs- und Idealisierungsbedürfnisse einzugestehen. Die Selbstpsychologie wurde aber als Bereicherung angesehen, als sie die Bedeutung von triebhaften und affektiven Wünschen wieder zuließ und Einseitigkeiten in ihrem Erklärungsanspruch
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aufgab.(So z.B. bei Joseph Lichtenberg -weiterführende Literatur: Psychoanalysis and motivation)
• Kleinkindforschung (Stern, Lichtenberg, Bowlby, Dornes)
Die Begrenzungen im Eltern-Kind-Dialog (bes. bei neurotischen Eltern) führen zu einer mehr oder weniger gravierenden Einschränkung kindlicher Kontakt- und Interaktionsfähigkeit, wobei aber auch das Kind bedingt durch gestörte Interaktionsfähigkeit beteiligt sein kann.
Meines Erachtens werden gesellschaftliche und ökonomische Bedingungen übergangen, Daniel Sterns Bild vom Menschen erscheint mir als utopischer Wunschtraum. ( Stern 1992) Wie müssten gesellschaftliche Verhältnisse beschaffen sein, die zu einer gelungeneren Aktivierung und Entwicklung menschlicher Verhaltensweisen führen könnten?
• Französische Psychoanalyse (Lacan, Laplanche, Kristeva)
Nach Darstellung Lacans begreift er seine Auffassung der Psychoanalyse als „Rückkehr zu Freud“ und attackiert die in Amerika entstandene und populär gewordene Ich-Psychologie. Nach Lacan ist das Unbewusste organisiert wie eine Sprache. Auch das Unbewusste besteht aus Gedanken, die sprachlich strukturiert sind und eine Bedeutung haben, weil sie mit anderen sprachlichen Phäno menen und diese wiederum mit der umgebenden sozialen und durch Kommunikation verbundenen Welt in Zusammenhang stehen.
• Feministische Psychoanalyse (Benjamin, Rohde-Dachser, Sayers)
Weil die kritische Diskussion in den 30er Jahren abbrach, konnte sich die Freud’sche Weiblichkeitstheorie als wichtige Annahme bis in die 70er Jahre unangefochten halten. (Ansatz eines Widerspruchs aber bereits bei Karen Horney 1923 [ Horney
1977] ) Während Freud die bürgerliche Kleinfamilie und deren geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung als natürlichen Kontext des Aufwachsens ansah, wird dies bei der feministischen Theorie als historisch entstandene Herrschaftsstruktur beschrieben. Die Bedeutung der ödipalen Situation wird als eine von mehreren Entwicklungsetappen entdramatisiert. Zudem wird Freud wegen seiner frauendiskriminierenden Aussagen über Penisneid, Kastrationskomplex und fortdauernder weiblicher Charakterschwäche
Arbeit zitieren:
Maria-Margareta Weitzig, 2000, Vortrag: Kurzer Abriss der Psychoanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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