2
Gliederung
0 Abkürzungsverzeichnis 4
1 Historische Entwicklung und Bedeutung der manuellen Lymphdrainage 5
und der physikalischen Ödemtherapie
2 Anatomie und Physiologie des Lymphgefäßsystems 7
2.1 Anatomische Grundlagen 7
2.1.1 Prälymphatische Kanäle 7
2.1.2 Initiales Lymphgefäß 7
2.1.3 Kollektoren 8
2.1.4 Lymphknoten 9
2.1.5 Lymphstämme 10
2.1.6 Wasserscheiden 11
2.2 Physiologische Grundlagen 11
2.2.1 Aufgaben des Lymphgefäßsystems
11
2.2.2 Das Starlingsche Gleichgewicht
12
3 Insuffizienzformen des Lymphgefäßsystems 13
3.1 Dynamische Insuffizienz 13
3.2 Mechanische Insuffizienz 14
3.3 Sicherheitsventilinsuffizienz 14
4 Klinisches Bild der Ödeme 15
4.1 Das Lymphödem 15
4.2 Das Lipödem 17
4.3 Das zyklisch-idiopathische Ödem 17
4.4 Das Phlebödem 17
4.5 Das cardiale Ödem 18
4.6 Das renale Ödem 18
4.7 Das entzündliche Ödem 19
4.8 Das Ödem bei neurologischen Erkrankungen 19
4.9 Das hepatogene Ödem 19
4.10 Das allergische Ödem 19
5 Die Behandlung durch Komplexe Physikalische Entstauungstherapie 19
5.1 Die 2 Phasen-Therapie der KPE 19
3
5.2 Wirkungsmechanismus der ML 20
5.3 Grifftechniken der ML 21
5.4 Wirkungsmechanismus der Kompressionsbandage 22
5.5 Materialien der Kompressionsbandage 22
5.6 Indikationen und Kontraindikationen der KPE 23
5.7 Die KPE am Behandlungsbeispiel des sekundären Armlymphödems nach
Brustkrebstherapie 24
6 Literaturverzeichnis 26
5
1 Historische Entwicklung und Bedeutung der manuellen Lymphdrainage und der physikalischen Ödemtherapie
Seit den letzten zwei Jahrzehnten nimmt die Manuelle Lymphdrainage bei Behandlungen des Lymphödems im Bereich der physikalischen Therapie eine Führungsrolle ein. Bereits im Jahre 1892 entwickelte der englische Chirurg Winiwater ein Therapiekonzept für ödematöse Schwellungen. So empfahl er für die Stauungsgebiete Massage mit nachfolgender Kompression, wobei die damaligen Griffe nicht im Geringsten mit der heutigen Technik der manuellen Lymphdrainage zu vergleichen sind. Die Grundlagen der heutigen manuellen Lymphdrainagetherapie und physikalischen Ödemtherapie gehen zurück auf Dr. Vodder und Dr. Asdonk. Im Jahre 1932 entwickelte der dänische Philologe Dr. Emil Vodder (1896-1986) die manuelle Lymphdrainage unter der Berücksichtigung der Spezifik des Lymphgefäßsystems und versuchte diese beim Krankheitsbild des "Lymphatismus" anzuwenden. Mit seinen Behandlungen, die damals noch als „Lymphknotenmassage“ bezeichnet wurden, versuchte er die Immunitätslage seiner Patienten zu verbessern. Dieses gelang ihm so gut, dass er seine Therapie weiter entwickelte und schließlich 1936 in Paris veröffentlichte. Leider wurde er damals als medizinischer Laie nicht ernst genommen und die Möglichkeiten zur Ödembehandlung nicht erkannt. Somit wurde er als Außenseiter abgelehnt. Daraufhin wandte sich Vodder zunehmend der Hauttherapie, besonders der Kosmetik, zu und führte dort seine Lymphdrainageausbildungskurse durch.
In den sechziger Jahren konnte durch Asdonk, Casley-Smith, Földi, Gregel, Kuhnke und Mislin die Lymphdrainage auf Grund von wissenschaftlichen Meßmethoden und Untersuchungsergebnissen in ihrer Wirksamkeit bestätigt und bewiesen werden. Im Laufe der Zeit kam es durch neue Erkenntnisse zur Verfeinerung der Behandlungsmethoden. Seit vielen Jahren zählt sie bei den Krankenkassen als anerkanntes Behandlungskonzept in der Ödemtherapie. Auf Grund dessen übernehmen die Kassen die Finanzierung der Therapie vollständig (Földi/Kubik 1989, VII-IX Vorwort).
Um die Behandlungstechniken der manuellen Lymphdrainage durchführen zu können, ist eine 4-wöchige Weiterbildung erforderlich. In diesen Kursen erlernen Physiotherapeuten und Masseure die Techniken der ML. Dabei handelt es sich um eine leichte kreisförmige Oberflächenmassage, die mit unterschiedlichen Duckintensitäten ausgeführt werden kann. Im medizinischen Bereich kommen dabei noch verschiedene Ödemgriffe zur Anwendung. Die enorme Bedeutung der Lymphdrainage kommt durch den dokumentierten Behandlungserfolg von Professor Földi zum Ausdruck. Zu Beginn der 80er Jahre gelang es Professor Földi mit der Methode der komplexen physikalischen Entstauungstherapie eine Patientin, die von den meisten Ärzten bereits als hoffnungsloser Fall abgeschrieben war, zu therapieren. Damit wurde die Manuelle Lymphdrainage bei der Ärzteschaft als Mittel zur Behandlung von Lymphödemen anerkannt und die Behandlungstechniken der KPE konnten sich weltweit durchsetzten (Földi/Stößenreuther 2000, Vorwort). Anhand der Bilder 1 und 2 erkennt man sofort die Erfolgschancen dieses Therapieverfahrens.
7
2 Anatomie und Physiologie des Lymphgefäßsystems
2.1 Anatomische Grundlagen
Das Lymphgefäßsystem ist kein Kreislauf. Der Transport der Lymphe erfolgt nur in eine Richtung – von peripher nach zentral. Er beginnt im Interstitium und endet im rechten bzw. linken Venenwinkel. Die Lymphgefäße haben eine Eigenmotorik zum Transport der Lymphe, die durch die Muskelpumpe, die Atmung, aktive und passive Bewegungen und die Arterienpulsation unterstützt werden. Der Gefäßverlauf im Lymphsystem ist nicht durchgängig, sondern es sind immer wieder Lymphknoten als „Filter“ zwischengeschaltet.
75 % des Blutes befindet sich im venösen, 25 % im arteriellen System. 10 % des venösen Blutes wiederum wird durch das Lymphgefäßsystem entsorgt. Sämtliche Organe des Körpers verfügen über Lymphgefäße, nur das ZNS bildet eine Ausnahme. Die hier bestehenden lymphatischen Drainageverhältnisse sind noch unklar (Földi/Kubik 1989, 1-5).
Die Lymphgefäße von ihrem Ursprung im Interstitium bis zur Mündung in die Halsvenenwinkel heißen:
1. prälymphatische Kanäle
2. initiale Lymphgefäße
3. Präkollektoren
4. Kollektoren
5. regionäre Lymphknoten
6. Lymphstamm
7. Ductus, z.B. Milchbrustgang
2.1.1 Prälymphatische Kanäle
Die prälymphatischen Kanäle werden durch kleine Spalten im Interstitium gebildet. Sie besitzen keinerlei Wandstruktur.
Ihre Aufgabe ist es, die interzellulare Flüssigkeit zu sammeln, bevor sie in die Lymphkapillare einströmt.
2.1.2 Initiales Lymphgefäß
Die initialen Lymphgefäße bestehen aus Kapillaren und Präkollektoren. Beide haben eine resorbierende Funktion.
Die Lymphkapillaren bilden ein feinmaschiges, den gesamten Körper überziehendes, klappenloses Gefäßsystem. Sie ragen mit fingerförmigen Ausstülpungen in das lockere Bindegewebe der Haut bzw. Schleimhaut hinein und liegen dicht bei den Blutkapillaren. Lymphkapillare bestehen aus sich überlappenden Endothelzellen, einer lückenhaften Basalmembran und Ankerfasern, welche die Lymphgefäße im Raum verankern. Durch erhöhten Druck weicht das Bindegewebe auseinander und die schwingenden Zipfel öffnen sich. Dadurch kann Gewebsflüssigkeit aufgenommen werden – Lymphe wird gebildet.
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Uwe Schwender, 2001, Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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