Inhaltsverzichnis
Einleitung 1
1. Wechselseitige Minne 2
Charakteristika und Themenschwer
punkte der Wechselseitigen Minne
2. Hohe Minne 4
2.1. Charakteristika, Themen und Hand 5
lungsschwerpunkte der Hohen Minne
2.2. Unterschiedliche Auffassungen der 6
Hohen Minne unter ihren Autoren
2.3. Wissenschaftliche Untersuchungen 9
zur Hohen Minne
3. Niedere Minne 11
Charakteristika und Themenschwer
punkte der Niederen Minne
4. Dörperliche Minne 13
4.1. Charakteristika und Themenschwer
punkte der Dörperlichen Minne bei
Neidhart
4.1.1 Sommerlieder 13
4.1.2 Winterlieder 16
4.2. Spekulationen zur Bedeutung der 17
Dörperlichen Minne
Zusammenfassung 18
Einleitung
Was bedeutet der Begriff Minne eigentlich?
Das mittelhochdeutsche Wort ist nicht einfach zu übersetzen. Es ist nicht nur der Terminus für die erotische Beziehung zwischen Mann und Frau, es kann auch einen sakralen Hintergrund haben und als Ausdruck für die Verbundenheit zu Gott stehen. Ebenso möglich ist das Verhältnis zwischen Lehnsmann und Herrn unter diesem Begriff zu deuten. 1 Je nach Kontext bekommt die „Minne“ eine andere Bedeutung, aber immer im Zusammenhang mit einer gewissen Zusammengehörigkeit zweier Individuen. Schließlich verdrängte das neuhochdeutsche Wort „Liebe“ die alte Bezeichnung.
Unter Minnesang versteht man die Lieder, die im Mittelalter von ritterlichen Sängern und Berufssängern an den Höfen der adligen Gesellschaft vorgetragen wurden. Aus der Fülle dieser Liebeslieder kann man schließen, dass sie bei der damaligen literaturtragenden Gesellschaft gut angekommen sind, denn sie musste immer wieder danach verlangt haben. Man kann auch noch eine weitere These aufstellen, werden die Lieder inhaltlich verglichen. Der Begriff Minne bekommt von Autor zu Autor eine neue, andere Note. Der Minnesang ist also ein Teil einer umfassenden Auseinandersetzung mit der Liebe, die die höfische Literatur beherrschte. Die Liebe war für die Gesellschaft ein solches Phänomen und von solcher Wichtigkeit, dass man versuchte ihre Psychologie, ihre Mechanismen und ihre Wirkungen zu ergründen. 2 So entstanden verschiedene Spielarten der Minne, die diese besagte Note ausmachen.
1 Vergl. Brackert, Helmut: Minnesang. Frankfurt am Main 1983. S. 261.
2 Solche Studien sind nachzulesen in: Schnell, Rüdiger: Causa amoris. Liebeskonzeptionen und Liebesdarstellung in der mittelalterlichen Literatur. Bern/München 1985.
Die Wurzeln der Diskussion über verschiedenste Liebesauffassungen kamen aus noch früherer Zeit und stammten aus Frankreich. Dort debattierte man in der französischen Adelsgesellschaft darüber, was manchmal sogar in eine Art Gesellschaftsspiel ausartete, welches nach dem Muster eines Rechtsstreits inszeniert wurde. Eleonore von Aquitanien führte solche „Liebeshöfe“ ein, dort urteilten die Damen bei Hof über Liebesdinge. Die verschiedenen Liebeskonzepte fasst man heute unter dem Begriff der höfischen Liebe „amour courtois“ zusammen.
In dieser Arbeit sollen die vier Hauptspielarten näher betrachtet werden, die den Minnesang während seiner Blütezeit (Mitte 12. Jahrhundert bis Ende 13. Jahrhundert) in Deutschland bestimmten.
1. Wechselseitige Minne
Die wechselseitige Minne ist eine überzeitliche Spielart. Man findet sie vor allem in Liedern des frühen Minnesangs, doch auch in der weiteren Geschichte desselben ist sie durchaus vorhanden. Die ältesten Lieder ca. 1160, stammen aus dem bayrisch-österreichischen Raum. Zunächst bestehen sie noch aus einzelnen Strophen von zum Teil anonymen Autoren, zum Teil aber auch Bezeugten. Da sind zu nennen „Der von Kürenberg“, Dietmar von Aist, die Burggrafen von Regensburg und Rietenburg, sowie der Schwabe Meinloh von Sevelingen.
Charakteristika, der wechselseitigen Minne
Kennzeichnend für diese Spielart ist, dass das lyrische Ich nicht nur dem Mann vorbehalten ist, sondern auch die Frau sprechen kann. Dialogisch aufgebaute Lieder, sind unter der Bezeichnung „Wechsel“ zusammengefasst. Lieder, in denen die wechselseitige Minne vorherrscht, handeln von erotischen Beziehungen zwischen Mann und Frau, beiderseitigem Kontaktsuchen und inneren und äußeren Hemmnissen. Gefühle wie Begehren, Sehnsucht, Hoffnung, Zweifel am Partner und Selbstzweifel sind dabei Handlungsschwerpunkte. Weitere Themen sind Emotionen im Vorfeld einer Liebesbeziehung, Hemmungen vor einer Gefühlsäußerung, Wiederstände vor einer Kontaktaufnahme, aber auch die Enttäuschung über manchmal nur scheinbare mangelnde Resonanz beim Partner wird häufig zum Gegen-stand des Inhaltes der Lieder. 3 Glück ist selten zu finden, denn die Liebe zwischen den beiden Personen, von denen die Lieder handeln, steht trotzdem im Widerspruch zu den Normen der Sitte. Um der Sitte gerecht zu bleiben gibt es verschiede Instanzen, die sich den Liebenden entgegenstellen. Zum einen die „merker“, die Aufpasser, und zum anderen die „huote“, die über die Frau wachende Aufsichtsinstitution. Dabei erfährt zumeist die Frau das Leid, denn für den Ritter ist die Minne eher eine glückliche, sein Selbstwertgefühl erhöhende Erfahrung. Außerdem hat die Frau nicht selten mit der Untreue des Mannes zu kämpfen. Was dem Mann zusteht, steht ihr noch lange nicht zu. Dazu schreibt Ingrid Kasten: „In der unterschiedlichen Art, in der Liebe von Mann und Frau erfahren wird, macht sich ein von patriarchalischen Strukturen geprägtes Denken geltend, das zwar die sexuelle Freizügigkeit des Mannes toleriert, nicht aber die der Frau. Von diesem Denken ist
3 Vergl. Schweikle, Günther: Minnesang. Stuttgart Weimar, 1995. S. 170.
auch das Rollenverständnis der Frau bestimmt. Denn dievon Männern verfassten Frauenstrophen bestätigen mittelbar die in den Männern behauptete erotische Attraktivität und Ungebundenheit des Mannes und suggerieren, dass die Frau für sich das Recht auf eine freie Liebe nicht beanspruchen kann.“ 4
2. Hohe Minne
Besonderes Interesse fand man ebenso darin, dass die Liebe eine sittliche Vervollkommnung des Menschen bewirken sollte. Auf dieser Grundlage wurden wiederum verschiedene Liebeskonzepte entwickelt, wovon eine Erscheinungsform unter der Bezeichnung „Hohe Minne“ zusammengefasst wird. Ihr Beginn kann etwa um 1170/80 verzeichnet werden, doch dominant wird das Phänomen erst um 1200, zieht sich dann jedoch das ganze 13. Jahrhundert hindurch. Die Hohe Minne hebt sich durch eigene „Regeln“ von den anderen Liebesauffassungen deutlich ab und wird in neuzeitlichen Darstellungen nicht selten mit dem Minnesang schlechthin gleichgesetzt. Vor allem die Hohe Minne hat ihre Vorgänger in Frankreich. Die an den Höfen Südfrankreichs wirkenden Liederdichter, die Trobadors, hatten dort das Konzept des Frauendienstes entwickelt. Diese und die Trouveres, die nordfranzösischen Liederdichter, vermittelten das Frauendienstkonzept an die deutschen Minnesänger. Diese betonten allerdings den sinnlichen Charakter der Liebe viel weniger, was sich dann im Hohen Minnesang ausprägte. Der Minnesang, Frauendienst und die Hohe Minne stehen also in einem unmittelbaren Zusammenhang.
4 Kasten, Ingrid: Minnesang. In: Deutsche Literatur-Eine Sozialgeschichte. Hg. Horst Albert Glaser. Bd. 1. Hamburg. 1988. S.172.
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Johanna Quednau, 2002, Spielarten der Minne - Minnesang, Munich, GRIN Publishing GmbH
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