“Cross-examination by candidates ... is a rare feature in presidential debates ...” (Hellweg. u.a. 1992: 25).
Gegenstand der Darstellung in dieser Hausarbeit ist die Betrachtung der einzelnen Präsidentschaftsdebatten und ihrer Formate. Die Ausarbeitung basiert größtenteils auf amerikanischer Literatur, die sich meist auf die Darstellung der Präsidentschaftsdebatten in ihrer Gesamtheit konzentriert. Ich konnte keine Abhandlung finden, die sich ausschließlich mit den Formaten der Debatten beschäftigt.
Der Schwerpunkt meiner Ausarbeitung liegt auf der Darstellung des Formats der Debatten. Für mich stellte sich bei der Recherche die Frage, ob die amerikanischen Wähler mit den gängigen Formaten der Debatten zufrieden waren.
Das Vanishing Voter Project 1 gab in seinem Bericht an, dass die Zuschaue rzahlen bei den TV-Debatten seit 1960 - bis auf 1992, wo ein Anstieg verzeichnet wurde - kontinuierlich gesunken sind. Dennoch erreichen die Debatten Einschaltquoten, mit denen nur der Super Bowl oder die Oscar-Verleihung konkurrieren können (vgl. Patterson 2000). Ich fragte mich, ob es Zufall sei, dass 1992 erstmals das Format Town Hall Meeting gewählt wurde und die Einschaltquoten wieder stiegen. Da aber zu diesem Thema keine Literatur zu finden war, verallgemeinerte ich meine Frage, die nun lautet: Inwiefern sollte das Format der amerikanischen TV-Debatten verändert werden?
Die Herangehensweise war zunächst chronologisch, indem ich die Debatten seit 1960 auf ihre Formate überprüft habe , um dann nach Passagen in der einschlägigen Sekundärliteratur zu suchen, die sich mit den Formaten beschäfitgte. Es wurde eine Analyse von Sekundärliteratur sowie von Daten vorgenommen.
Zunächst möchte ich die lange Tradition der Debatten zwischen den Präsidentschaftskandidaten beschreiben. Im Hauptteil folgen kurze Zusammenfassungen der TV-Debatten seit 1960. Dies erfolgt in chronologischer Reihenfolge. Die Betrachtung beschränkt sich auf die
1 Das Vanishing Voter Project an der Kennedy School of Government der Harvard University
wird von den Politikwissenschaftlern Marvin Kalb und Thomas E. Patterson geleitet. Durch
2
Kontrahenten in den general election debates (Hauptwahlkampf-Debatten), die Sponsoren und die Fragesteller. Die primaries (Vorwahlen) werden nur am Rande erwähnt. Zudem werde ich die Bedeutung des Fernsehens in den USA umreißen. Das fünfte Kapitel beinhaltet eine Übersicht über die Formate und ihre Vor-und Nachteile. Im abschließe nden Teil werde ich
Lösungsmöglichkeiten a nbieten.
2. Debattentradition
2.1. Die Strategie des Schweigens
Der Demokrat Stephen Douglas wagte es 1860 als erster das Schweigegebot, das für Präsidentschaftskandidaten galt, zu durchbrechen. Diese Wahlkampfstrategie sieht vor, dass Kandidaten noch ihrer Nominierung verstummen und öffentliche Auftritte meiden. Da die Schweigestrategie damals zum „guten Ton“ gehörte (Müller 1997: 151), fügten sich die Kandidaten. Gerechtfertigt wurde sie damit, dass die Würde des Präsidentschaftsamts es dem Kandidaten verbot, sich in eigener Sache in der Öffentlichkeit zu äußern. Dies übernahmen andere für den Kandidaten.
2.1.1. Die “stump speeches”
Redner auf politischen Veranstaltungen bedienten sich eines Baumstamms, um aus der Menge der Zuhörer, die um sie versammelt waren, herauszuragen. Diese sogenannten “stump speeches”, die “bereits in der Kolonialzeit z ur amerikanischen politischen Kultur gehörten, wurden als stellvertretende Rede für den schweigenden Präsidentschaftskandidaten zu einem Hauptbestandteil des Wahlkampfs (Müller 1997: 153).
Befragung von über 1000 Wählern im Wahlkampf 2000 sollte die Wählereinstellung
herausgefunden werden:
3
3. Präsidentschaftsdebatten
3.1. Die sieben Rededuelle
Die sieben Rededuelle zwischen Stephen Douglas und Abraham Lincoln sind geschichtsträchtig. Obwohl es sich nicht um Präsidentschaftsdebatten handelte, da die beiden Politiker um einen Sitz im Senat kandidierten, wird diese Debattenserie, deren Hauptthema die Sklaverei war, als historisches Vorbild für alle späteren Rededuelle gehandelt (Kraus 2000: 29). Zwischen August und Oktober 1858 lieferten sich Douglas und Lincoln sieben dreistündige Debatten. Der erste Kandidat sprach eine Stunde, der zweite eineinhalb Stunden. Danach hatte der erste Redner eine halbe Stunde Zeit zu antworten. Dieses Format ist bei den späteren Debatten nicht übernommen worden.
3.2. Live auf Sendung: Die erste ausgestrahlte Debatte (1948)
Lange bevor die ersten Präsidentschaftsdebatten im Fernsehen ausgestrahlt wurden, traten 1948 Thomas Dewey und Harold Stassen im Rahmen der Vorwahlen zu einer einstündigen Debatte im Radio gegeneinander an. Thema der Debatte war die Ächtung der Kommunistischen Partei in den USA. Es blieb die einzige Präsidentschaftsdebatte, die nur auf einen Streitpunkt beschränkt war
(Commission on Presidential Debates ) 2 .
3.3. Die Vorwahlkampf-Debatte von 1956
Die erste Fernsehdebatte, die im ganzen Land ausgestrahlt wurde, war die innerparteiliche Vorwahlkampf-Debatte zwischen den Demokraten Adlai Steve nson und Estes Kefauver. Eine Stunde lang wurden Fragen eines Moderators zu Außen- und Innenpolitik beha ndelt.
2 www.debates.org/pages/debhis58.html
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Arbeit zitieren:
Nina Lüders, 2003, TV-Debatten im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, München, GRIN Verlag GmbH
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