1. Die sozialen Kosten der Industrialisierung
Die Industrialisierung und die Einführung der Marktwirtschaft sind mit enormen sozialen und ökologischen Kosten verbunden. Am Anfang werden der Gesellschaft viele Opfer abverlangt. Es muß viel investiert und gespart werden und es darf nur wenig konsumiert werden. " Die Menschen müssen hart arbeiten und verdienen wenig. Sie müssen erbärmliche Arbeits-und Lebensbedingungen ertragen, ehe es ihren Ländern gelingt, Teil der entwickelten Welt zu werden " (DAHRENDORF 1995 : 26).
Mit der Zeit ändert sich die Gesellschaft und es wird mehr Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen gefordert. Dies ist grob umrissen das Entwicklungsschema der industrialisierten Länder. Nach JUNG gilt dieser Prozeß, wenn auch zeitlich verkürzt, auch für die "Tiger-Länder" und Japan. Spätestens bis zur Jahrtausendwende werden sie (die Tiger) Demokratien sein und die Fesseln des Konfuzianismus abgeworfen haben.
2. Die "Tiger-Staaten"
Die Tiger-Länder werden von mächtigen Staatsbürokratien beherrscht, die - bis auf Ausnahmen - jeder Interessengruppe den Zugang zu wichtigen Ressourcen verwehren. Man spricht hierbei vom Interessenfeudalismus.
Grundlage des "Wirtschaftserfolg" der Tiger-Staaten ist die Ausbeutung der billigen Arbeitskräfte. Die komparativen Kostenvorteile dieser Region sind disziplinierte, mit minimalen Schutzrechten ausgestattete Arbeitskräfte. Die Löhne liegen oft unter dem Existenzminimum. Die Reproduktion ist nur durch den "Informellen Sektor" bzw. die traditionellen Netzwerke möglich. Da durch die Industrialisierung die traditionellen Bindungen zerstört werden oder an Wert verlieren, ist die Reproduktionsfähigkeit eines Bevölkerungsteils nicht mehr gewährleistet. KARK-BUM-LEE bezeichnet dies als kurzfrisitige Reproduktion. Langfristig ist die Reproduktion bei dem Niedriglohn nicht möglich. Das zeigt sich am allgemein schlechten Gesundheitszustand der koreanischen und taiwanesischen Gesamtbevölkerung. Die Möglichkeit einen Einkommensanteil zu sparen, besteht in der Beschränkung der Nahrungsaufnahme bzw. der Verschlechterung der Nahrungsqualität, da beispielsweise in Südkorea der größte Ausgabenanteil der städtischen Arbeitnehmer die Mietkosten sind.
Die ideologische Grundlage, des Entwicklungsmodells der rücksichtslosen Ausbeutung, lieferte der Konfuzianismus (Arbeitsmoral, Familientradition und Unterdrückung der Frauen). Diese Tradition wurde beispielsweise nach dem Wiedereinsetzen der alten Hierarchien in
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Die Entwicklung der Unterentwicklung : Das Beispiel Südkorea.
Korea dazu benutzt, den Massen eine systemkonforme Verhaltensweise aufzuprägen. Westliche Verhaltensweisen werden abgelehnt und die Gesellschaft über das Individuum gestellt. Für ein "Tiger-Land" ist es wichtig einen bedeutenden Platz in der Weltwirtschaft einzunehmen andere Ziele, wie Aufbau eines Sozialsystem sind zweitrangig. ( vgl. POHL 1995, J UNG, D IETER). Menschenrechte, Arbeitsschutzbedingungen und soziale Schutzfunktionen des Staates sind nach Ansicht vieler asiatischer Politiker nicht auf ihre Länder übertragbar. Allerdings sieht das ein großer Teil der Bevölkerung anders. Dies zeigt sich dann am "Brain-Drain" der vor allem Singapur und Taiwan zu schaffen macht. Die Mittel-und Oberschichten, die die Möglichkeit haben wandern aus. Ein beliebtes Zielgebiet sind die USA und Kanada.
3. Modell Korea
Das Wachstumsmodell Südkorea fußt auf einer Export-Montagewirtschaft bei Ausbeutung des Landes (hohe Umweltverschmutzung) und der Bevölkerung ( Niedriglöhne, fehlendes Sozialsystem, fehlende Arbeits- /Unfallsicherheit).
Zum Beginn einige Daten über Südkorea:
• Südkorea hat die längste Arbeitszeit und die höchste Unfallrate am Arbeitsplatz (8Tote /Arbeitstag) (STATISTISCHES BUNDESAMT 1992 : 38) .
• 77% der in einem Mietverhältnis lebenden Haushalte leben in nur einem Zimmer (vgl. SONG)
• 1983 standen für 8,3 Mio. Haushalte nur 5,6 Mio. Wohnungen zur Verfügung (vgl. SONG & WERNING)
• Die Einzigsten, die im Krankheitsfalle ausreichend geschützt sind, sind die gehobenen Beamten (vgl. CHO)
• Südkorea hat die weltweit höchste Sterberate von Vierzigjährigen und • die höchste Verkehrsunfallrate.
• Unter den 50 weltgrößten Städte steht Seoul bezüglich der Umweltbelastung an dritter Stelle (vgl. SONG & WERNING)
Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Abzug der Japaner herrschte in Korea kurzzeitig Demokratie. Nach dem Einmarsch der Sowjets in den nördlichen Landesteil löste die USA aus politischen Gründen die Selbstverwaltungsorgane, den Gewerkschaftsbund und den Bauernverband auf und installierte eine Militärregierung. Diese Militärregierung unter Rhee-Syngman rekrutierte ihre Gefolgsleute aus der alten feudalen und bürokratischen Oberschicht, da diese die besser gebildeten und ausgebildeten Personen zur Verfügung stellen konnte. Der ehemalige japanische Verwaltungs- und Polizeiapparat wurde weiter
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benutzt. Die späteren Industrieunternehmer kamen zum großen Teil aus der Agraroligarchie. Als Entschädigung für die Landreform bekamen sie teilweise die enteigneten japanischen Firmen und Produktionsstätten. Das Feindesvermögen wurde von der USA zu Niedrigpreisen an die der Militärregierung nahestehenden Großgrundbesitzer und japanischen Kollaborateure verkauft. Daraus entstanden die familiengeführten Großkonzerne, die Chaebols, die heute das Wirtschaftsleben in Südkorea bestimmen und auch die wirtschaftliche Elite stellen. (vgl. MARMORA & MESSNER, KU-HYUN HANN). Proteste gegen Rhee-Syngman und die US-Militärverwaltung wurden gewaltsam unterdrückt. In dem kurzen Zeitraum bis zum Ausbruch des Koreakrieges wurden 200.000 Partisanen getötet! Im Gegensatz zu anderen Armeen war das Hauptziel der, von der USA ins Leben gerufenen, Armee die Bekämpfung des inneren Aufruhrs. Dementsprechend wurden innerhalb der Armee Gesinnungskontrollen durchgeführt.
Syngman R hee hatte viele Vorschußlorbeeren (Siehe Lebenslauf im Anhang). Die demokratische Partei KDP setzte ihn an die Spitze und verschaffte ihn den obersten Posten im Land. Sehr zum Ärger der Partei sammelte Syngman Rhee nur persönliche Gefolgsleute um sich herum und besetzte mit ihnen die wichtigsten Posten in der Regierung. Des weiteren baute er sein Amt stärker aus als es verfassungsrechtlich gedacht war, in dem er die Staatsführung auf sich vereinigte und sich auf Lebenszeit als Regierungspräsident einsetzen ließ, obwohl keine Wiederwahl erlaubt war. Da er dadurch keine Machtbasis im Parlament hatte, mobilisierte er den alten Herrschaftsapparat und die alten Eliten. Er gründete zwei Parteien denen er vorstand und ließ die Oppositionspolitiker verhaften. „Unter diesen Umständen wurde sein Entwurf ... durch ein verfassungswidriges Verfahren -Abstimmung durch Aufstehen - zugestimmt. Die Regierung brachte ein Teil der Opposition durch die Polizei mit Gewalt ins Parlament, um das für eine Verfassungsänderung nötige Quorum zu erreichen. Auch die verhafteten Abgeordneten wurden zur Teilnahme an der Abstimmung gezwungen, und das Gebäude der Nationalversammlung wurde von innen verschlossen. 160 Mitglieder waren für den Verfassungsänderungsentwurf der Regierung, 3 enthielten sich, und 47 saßen im Gefängnis“ (SONG 1992 : 74).
4. Das Militär
Aus der von den USA gegründeten Military English Language School (1945-1946) gingen 110 Offiziere hervor. Davon stammten 87 aus der japanischen Armee, 21 aus der mandschurischen Armee und 2 aus der nationalchinesischen Armee. Ziel war es ursprünglich hier Dolmetscher für die US- und die koreanische Armee auszubilden. Die Offiziere der Befreiungsarmeen lehnten die japanisch ausgebildeten Soldaten ab und blieben der Schule fern.
Diese 110 Offiziere dominierten 20 Jahre lang die koreanische Armee.
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„Sieht man von 27 Offizieren ab deren Laufbahn vorzeitig endete (19 vorzeitige Entlassungen, darunter 10 Kommunisten, 6 Todesfälle während des Militärdienstes, 2 Gefallene des Koreakrieges), so wurden 94% der Absolventen der Schule,... ...zum General befördert.“ (SONG 1992 :53).
An die Stelle der Military English Language School trat 1946 die Koreanische Militärakademie. Vom 1946 bis 1948 (1.-6.Jahrgang) wurden 1.254 Offiziere ausgebildet. Danach wurde die Sollstärke aufgestockt, so daß beispielsweise der 8.Jahrgang 1.848 Kadetten besaß. Dies führte später zu Beförderungsstopps und schließlich zur Unzufriedenheit, die dann schließlich in den Militärputsch von 1961 mündete. Die Putschisten waren eine kleine Gruppe von Offizieren der jüngeren Generation. „Fast die gesamte erste Generation der südkoreanischen Armeeführung, der Park angehörte, diente in den unteren Rängen oder als Unteroffizier in der japanisch-kaiserlichen Armee.. ..Diese Offiziere waren wie die erste Generation der Konzernleiter vorwiegend japanisch geprägt“ (SONG 1992:93).
Die Offiziere der jüngeren (achten) Generation erhielten erstmals eine amerikanische Ausbildung. Trotzdem waren sie noch sehr stark von der japanischen Tradition geprägt.
Man konnte die Armeeoffiziere in 4 Gruppen einteilen:
1. Offiziere die, die japanische Militärakademie durchlaufen hatten und deren Karriere vor oder im 2.Weltkrieg begann. Sie kamen größtenteils aus Südkorea und aus angesehen Schichten und hatten ein ausgeprägtes Elitebewußtsein.
2. Offiziere die, die Mandschurische Militärakademie absolviert hatten und während des 2.Weltkrieges unter den Japanern in der Mandschurei gekämpft hatten. Gegenüber dem übrigen japanischen Militär hoben sie sich durch ihre extreme antikommunistische und antizivile Grundhaltung ab (SONG 1992:42). Die meisten von ihnen kamen aus ländlichen, ärmlichen Gegenden und mußten um die gesellschaftliche Anerkennung ringen.
Diese beiden Gruppen hatten die obersten Stellen inne und waren in der Mehrheit.
3. Die sog. „Studenten-Offiziere“. Sie wurden kurz vor Kriegsende 1945 eingezogen, kurz ausgebildet und an die Front geschickt.
4. Offiziere die an der nationalchinesischen Militärakademie ausgebildet wurden und gegen Japan kämpften.
Den beiden letzten Gruppen wurde der Zugang zu den Führungspositionen versperrte, weil ihnen die Ausbildung fehlte (3.Gruppe) oder weil sie als „ideologisierte Befreiungskämpfer“ galten.
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5. Der Militärputsch von 1961
Der Militärputsch richtete sich eigentlich gegen die Militärspitze, die enge informelle Beziehungen zur Regierungsspitze hatte. Die Regierung benutze das Militär um die politischen Gegner auszuschalten und als Geldquelle für die Regierungspartei, da das Militär 40% der Haushaltsmittel und amerikanische Militärhilfe bekam.
Nach schweren Unruhen wurde Rhee-Syngman 1960 gestürzt. Nach kurzem demokratischen Intermezzo putschte sich Park Chung Hee an die Macht und verhängte das Kriegsrecht(49 von 64 Seouler Tageszeitungen wurden verboten und 1170 von 1573 Publikationen bekamen Lizenzentzug). Park Chung-Hee wollte keine Veränderungen, sondern nur den Erhalt des Status Quo und die Einführung und die Stabilisierung eines diktatorischen Regimes. Die ursprünglichen Ziele dieser Gruppe waren, die Beseitigung der Korruption in den oberen Militärrängen, zu denen die Gruppe nicht gehörte. Des weiteren wollten sie die politische Neutralität der Streitkräfte und eine bessere Behandlung und Bezahlung der Soldaten. Hauptziel war weiterhin das Auswechseln der korrupten Regierung
6. Wirtschaftspolitik der Militärregierung
Das von Park Chung-Hee eingeführte Wirtschaftsmodell benötigte eine antikommunistische Ideologie und offenen Terror um die Massen zu unterdrücken. Dazu stärkte er die Sicherheitsapparate und gründete das KCIA (370.000 Mann ! ) und das Defense Security Command (Militärischer Abwehrdienst). Park ließ 1961 alle Unternehmensführer festnehmen und ihren Besitz beschlagnahmen, sie kamen frei sofern sie sich nach der Regierungsstrategie richteten und dort investierten, wo es die Regierung vorgab. Nur die Privatbanken blieben unter staatlicher Aufsicht (Kapitalbeteiligung) damit der Staat die Kapitalströme kontrollieren konnte (KÖLLNER 1996:487)
Die Militärregierung war sich bewußt, daß nur eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik sie an der Spitze halten konnte. Durch diese stabile Lage und die niedrigen Arbeitskosten sollten Investoren angelockt werden. Da die Lebens- und Arbeitsbedingungen so erbärmlich waren, kam es andauernd zu Streiks und Aufständen bis hin zu Selbstverbrennung eines Arbeiters aus Protest über seine Lage! Die Aufstände wurden alle niedergeschlagen.
Um die wirtschaftliche Entwicklung ungestört voranzutreiben wurden freie Produktionszonen geschaffen, die Streiks verboten und andauernd das Kriegsrecht verhängt, da die Demonstrationen immer heftiger wurden.
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Arbeit zitieren:
René Koch, 1998, Die Entwicklung der Unterentwicklung : Das Beispiel Südkorea, München, GRIN Verlag GmbH
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kimchi
diese Arbeit scheint.
so weit man das aus dem kurzen öffentlich verfügbaren Auszug entnehmen kann, doch recht oberflächlich und wenig reflektiert zu sein.
Es werden viele Schlagworte wie Konfuzianismus in den Raum gestellt, welche für gesellschaftliche Missstände als Begründung dienen sollen.
Eine Überprüfung dieser Behauptungen und mögliche Parallelen zu "nichtkonfuzianistischen" Gesellschaften mit gleichen Phänomenen wären eine interessante Ergänzung
am Tuesday, June 08, 2004-