Do sen mer no hald nebether au en de Firme gange ond hen do no gschaffet. Do waret no ganz andere Sache wichtig. Ond no sen jo de Gaschtarbeiter komme ond met dene hot mer jo au ergendwia zameschaffe miase. Do hanne mer schwer Miahe gebe miase beim Schwätze“ (Mann, 70 Jahre).
Unmittelbar nach dem Krieg waren es aber in erster Linie die Heimatvertriebenen, die mit ihrer eigenen Sprache neue Einflüsse in die lokale Mundart einbrachten. Wollte man sich untereinander verstehen, mussten sich beide Seiten, Schwaben wie Sudetendeutsche etwa bemühen, nicht allzu sehr im Gespräch in den Dialekt zu verfallen. 4 „Man hätte mich ja gar nicht verstanden. Also habe ich versucht eher Hochdeutsch zu sprechen. Aber in Bayern und später als ich nach Stuttgart gekommen bin war man auf uns Heimatvertriebene nicht gut zu sprechen. Meine Geschwister und ich sind oft als Rucksackdeutsche verschrien worden. Die Leute haben das einfach an der Sprache gemerkt. Und da hab ich dann auch versucht mir ein wenig bayerisch und schwäbisch anzueigenen“ (Heimatvertriebene Frau, 71 Jahre).
Aber nicht jeder konnte sich derart gut eingliedern, wie das in dem geschilderten Beispiel der 71-jährigen Frau der Fall war. Sie war gerade mal 19 gewesen, als sie ihren Heimatort Engelsberg im Sudetenland verlassen musste. Bis zu diesem Alter kann Sprache und damit Dialekt noch erlernt werden , wie der Volkskundler und Dialektforscher Arno Ruoff bei Untersuchungen herausgefunden hat:
„Menschen die älter als 21 Jahre sind, können einen fremden Dialekt nicht mehr lernen zu sprechen. Ihr Wortschatz verändert sich nicht mehr“. 5
Genau das ist ein Ansatzpunkt, um drei Generationen in ihrem dialektalen Sprachvermögen zu untersuchen und nach Unterschieden zwischen den Sprechern verschiedener Altersklassen zu suchen.
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Dialekt ein Auslaufmodell
Welche Veränderungen hat es von einer Generation zur anderen gegeben? Welche Bedeutung hat oder hatte die Regionalsprache für ihre Sprecher früher und heute? Dazu haben wir bei unserer Befragung Gruppen gebildet, die jeweils eine Generation erfassen. Wir unterscheiden zwischen den bis 30-Jährigen, den 31 bis 60-Jährigen und den ab 61 Jahre alten Personen. Dialekt ist vor allem für eine 25-Jahre alte Zahnarzthelferin nicht mehr zeitgemäß: „In der Praxis muss ich mir Mühe geben. Wenn ich so sprechen würde, wie meine Eltern würden das vor allem die ausländischen Patienten nicht verstehen. Außerdem wirkt es auch dümmlich Dialekt zu sprechen, wenn man ständig wie ich mit Leuten in Kontakt kommt“ (Frau, 25 Jahre).
Und sie bemerkt weiterhin, dass sie dabei Wörter wie Gsälz für Marmelade, Grombiere für Kartoffeln oder Breschtling für Erdbeeren zwar noch kennt, aber nicht mehr im aktiven Wortschatz benutzt.
„Das mache ich schon seit der Grundschule nicht mehr. Seit damals eine ausländische Mitschülerin nicht verstanden hat, was Gsälz heißt“ (Frau, 25 Jahre). Der Dialekt hat damit im Verlauf der Zeit bei seinen Sprechern aus verschiedenen Generationen eine andere Bedeutung erhalten. In seiner breit gesprochenen Form wird er von der jüngsten Generation nicht mehr gebraucht und soll sich dabei mehr und mehr der Hochsprache annähern. Die wirtschaftlichen Beziehungen von Firmen haben sich über ganz Deutschland und die Welt ausgebreitet. So kamen Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland in den schwäbischen Raum. Mit diesen Gesprächspartnern oder Arbeitkräften musste Hochdeutsch gesprochen werden. 6 Wer in der heutigen Arbeitswelt bestehen will, muss sich auszudrücken und zu verständigen wissen. Eine Forderung, die auch in der Schule durchgesetzt wird und von den Sprechern als logische Konsequenz der Globalisierung und des Bedeutungsverlustes der Landwirtschaft als Haupterwerbsquelle empfunden wird. 7
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„Die jungen Leute lernen heute in der Schule mehrere Sprachen und tun sich deshalb auch leichter wenn sie hochdeutsch sprechen sollen. Wir Älteren tun uns da schwer vom Dialekt ganz bewusst auf die Hochsprache umzustellen“ (Mann, 70 Jahre). Auch Arno Ruoff kommt zu dem Schluss, dass Fremdsprachen im Unterricht den Zugang zur Hochsprache erleichtern und dass dadurch auch weniger Menschen den Dialekt in gerade der Form sprechen, die von den über 60-Jährigen und teilweisen den 31 bis 60-Jährigen noch beherrscht wird. 8
„Man hört bei meinen Kindern natürlich an der Klangfarbe, dass sie aus dem süddeutschen Raum kommen. Aber am Telefon oder im Gespräch mit Ausländern können sie ganz selbstverständlich ins Hochdeutsche wechseln. Ich denke, dass die breiten schwäbischen Formen sich auch mit dem Wandel und dem Funktionsverlust der Landwirtschaft als Haupterwerbtquelle verloren haben“ (Frau, 35 Jahre).
Der Nahbereich verliert sich in der Ferne
Der Alltag, in dem sich die Dialektsprecher bewegen, hat sich verändert. Wohn- und Arbeitsplatz sind räumlich getrennt. Der direkte Bezug zum Dorf und seiner Gemeinschaft fehlt. Er ist nicht mehr so stark wie bei den 31 bis 60-Jährigen und vor allem der Generation der über 60-Jährigen, die noch stärker auf den Heimatort und damit Land und Leute fixiert waren und sind, als das bei den bis 30-Jährigen der Fall ist. 9 Die engen Bezüge haben sich aufgelöst. Im Dorf sind es nur noch wenige, die von der Landwirtschaft leben. Sie wurden von der Entwicklung im produzierenden Gewerbe und der Dienstleistungsbranche stark in den Hintergrund gedrängt. 10 Diese Entwicklung setzte aber schon bei den über 30 bis 60-Jährigen ein. Sie haben nach ihren Eltern, also den über 60-Jährigen, die dörfliche Gemeinschaft verlassen.
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Arbeit zitieren:
Daniela Haußmann, 2003, Dialekt in der Generationenfolge, München, GRIN Verlag GmbH
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