Inhaltsverzeichnis:
Seite :
1. Einleitung: 2
2.Cesare Pavese - Biographie: 3
3. „Paesi tuoi“: 5
3.1 Inhalt: 5
3.2 Zentralmotive Paveses: 5
4. Berto: 6
5. Talino: 13
6. Vinverra: 16
7. Gisella: 18
8. Resümee: 20
9. Literatur: 22
9.1 Primärliteratur: 22
9.2 Sekundärliteratur: 22
1
1. Einleitung:
Pavese schreibt den Roman „Paesi tuoi“ im Sommer 1939 innerhalb weniger Wochen. Sein zentrales Lebensthema, welches sich auch in seinem literarischen Werk manifestiert, ist das einzige, was ihn in seinem Leben Halt und Sicherheit gegeben hat, das ländliche Idyll (vgl.: Punkt 2, Biographie). Dieses in seiner Kindheit verwurzelte zentrale Thema konfrontiert Pavese im übertragenen Sinne mit der Situation, in welcher er sich als erwachsener Mann befindet, d.h. das Städtische, auf das Pavese alles projiziert, was ihm als schlecht und bedrohlich erscheint. So zieht sich diese Konfrontation von Land und Stadt, vereinfacht gesagt von Gut und Böse wie ein roter Faden durch sein literarisches Schaffen, sowohl in einfacher geographischer, als auch in geistig-seelischer Dimension. 1 Allerdings wirft der hier behandelte Roman die Frage auf, ob Pavese, in der Lebenssituation in der er sich befindet, als er den Roman schreibt, das Ländliche noch als Idyll sieht oder durch die Tatsache der eigenen Entfremdung von der glorifizierten Kindheit „campagna“ als etwas sieht, in das er nicht mehr zu integrieren ist. Mir scheint dieser Interpretationsansatz sinnvoller, da man in „Paesi tuoi“ nicht von einem klaren Verhältnis zwischen Gut und Böse sprechen kann, sondern das Ländliche mit seinen patriarchalischen Strukturen eher als etwas instinktiv agierendes, gerade nicht idyllisches empfindet, wie ich später zeigen werde. 2
Ein weiteres zentrales Thema Paveses ist der unheroische „midddle class Held“, dessen verbale Kommunikation sich von der Hochsprache befreit hat und der sich über eine „slang-beladene Umgangssprache“ definieren lässt. Pavese gab diesen Romanhelden, inspiriert durch seine Übersetzungsarbeiten an amerikanischen Werken, Platz in seinem Werk, da eben diese Figuren für ihn genau das symbolisierten, was der seiner Meinung nach unbefriedigenden literarischen Situation seines Landes fehlt. Die Problematik, die sich aus der Verwendung des Dialekts ergibt, ist allerdings die mangelnde Verständlichkeit eines solchen Werkes über die behandelte Region hinaus. Doch Pavese löst auch dieses Problem nach dem Vorbild amerikanischer Autoren, wie
z.B. Lewis, Twain oder Withman, welche eine über den gesamten Sprachraum verständliche ursprüngliche Sprache des kleinen Mannes und des Provinzlers aus dem regionalen Fundus heraus entwickelten. Er bewältigt diese Herausforderung, indem er das Schrift-Italienische als Grundlage nimmt, aber dieser Sprache die Diktion des Dialekts aufprägt und ihr auch durch spezifische grammatikalische Abwandlungen und Variationen provinziellen Klang verleiht. 3
2.Cesare Pavese - Biographie:
Dieser, von Pavese selbst getätigte Ausspruch ist relativ charakteristisch für seine Biographie. Äußerlich betrachtet ist sie ohne größere spektakuläre Ereignisse geblieben. Verständlich, dass sein Selbstmord durch Schlaftabletten im Jahre 1950 Anlass zu wilden Spekulationen gab, stand der Autor zu diesem Zeitpunkt doch mit 42 Jahren mitten im Leben und gleichzeitig auf dem Höhepunkt seines literarischen Ruhmes.
Cesare Pavese wurde 1908 in Santo Stefano Belbo, einem kleinen Dorf in der Nähe Turins geboren. Sein Vater, ein Justizbeamter, hatte dort einen Landsitz, auf welchem Pavese im Laufe seiner Kindheit seine Sommerferien verbrachte. Diese Tatsache und spätere Aufenthalte bei Verwandten seines Vaters in Santo Stefano Belbo waren Ursache für eine enge Bindung des Schriftstellers an das kleine piemontesische Dorf. Pavese verbrachte seine Schul- und Studienjahre in Turin. Es folgten Lehrtätigkeiten an der Philosophischen Fakultät der Universität Turin und Mitarbeit an einer literarischen Zeitung.
Durch die Erziehung seiner calvinistisch geprägten Mutter entwickelte Pavese einen außergewöhnlich starken Leistungsanspruch sich selbst gegenüber. Dieser Leistungsanspruch bedingte womöglich seine R ealitätsferne und seine Unfähigkeit
sexuelle Bindungen einzugehen, ebenso wie die fehlende Vaterfigur in seiner Erziehung, welche allein durch die dominante Mutter geprägt war. Somit gelangte Pavese nie in die lebensstabilisierende Situation einer partnerschaftlichen Bindung an eine Frau. Pavese äußerte sich dazu in seinem post mortem veröffentlichten Tagebuch:
Pavese begann sein literarisches Schaffen mit der Übersetzung amerikanischer Autoren ins Italienische.
Über seinen Bekanntenkreis geriet Pavese in Kontakt zu antifaschistischen Gruppen, nahm aber nicht aktiv an ihrem Kampf gegen das entstehende Regime teil. Trotzdem wurde er 1935, eher versehentlich, aufgrund bei ihm entdeckter antifaschistischer Schriften verhaftet und für drei Jahre, von denen ihm dann zwei erlassen wurden, nach Kalabrien verbannt.
Den Krieg erlebte Pavese als Zuschauer. Aus gesundheitlichen Gründen vom Militärdienst befreit, flüchtete er vor den Bombardements in ein kleines Dorf im Montferrat.
Nach Ende des Krieges kehrte er nach Turin zurück und trat in die Kommunistische Partei Italiens ein. Die Freundschaft zu Giulio Einaudi, einem Verlagsinhaber, welcher seine Werke veröffentlichte, ermöglichte ihm auch längere Aufenthalte in Rom. Allerdings dominierte in Paveses Leben, trotz seiner vielfältigen linksintellektuellen Kontakte, das Gefühl einer tiefen Einsamkeit. Pavese ist es nie gelungen, sich auf eigene Beine zu stellen. Sein Vater starb während seiner Kindheit und nach dem Tod der Mutter 1930 lebte er bis zu seinem Tod bei seiner verheirateten Schwester. Diesem äußerlich anspruchslosen, beschränkten Leben eines Intellektuellen steht ein innerlich zerrissener Mensch gegenüber, unfähig eine Familie zu gründen und sein Leben über seine Bücher hinaus aktiv zu gestalten.
So kann man Paveses Freitod als endgültige Resignation eines Menschen sehen, dem es nie gelang, in der realen Welt wirklich Fuß zu fassen.
3. „Paesi tuoi“:
3.1 Inhalt:
Der Inhalt des Romans lässt sich in einigen wenigen Sätzen zusammenfassen. Der junge Mechaniker Berto, der Ich-Erzähler, wird zusammen mit dem Bauerssohn Talino aus einem Turiner Gefängnis entlassen. Berto verbüßte seine Haftstrafe wegen eines Unfalls mit einem Radfahrer, Talino wegen Brandstiftung. Berto geht mit Talino auf den Hof dessen Vaters Vinverra, um dort bei der kommenden Ernte die Dreschmaschine zu bedienen.
Unter den zahlreichen Schwestern Talinos, die Berto eher als grobschlächtig empfindet, ist er nur von Gisella angetan, die am wenigsten bäurisch ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine erotische Beziehung. Talino allerdings stößt seiner Schwester in einer energiegeladenen Situation während der Heuernte eine Heugabel in den Hals, als diese ihn ermahnt beim Trinken nicht das Wasser zu verschmutzen.
3.2 Zentralmotive Paveses:
Von Paveses zentralen Motiven tritt in „Paesi tuoi“ das Thema „Konfrontation Stadt-Land“ verkörpert durch die beiden Hauptprotagonisten Berto (Stadt) und Talino (Land) auf. Auch entstammen beide Protagonisten der Mittelklasse und sind keine Helden im Sinne der klassischen Dichtung.
Ein weiteres stilistisches Motiv Paveses, die Sexualisierung der Landschaft, ist in diesem Roman auch sehr stark ausgeprägt. (Ich befasse mich intensiver mit den unterschiedlichen stilistischen Motiven im Hauptteil der Arbeit, siehe Punkt 4 bis 7.)
Der Autor hat in diesem Werk seine ureigene, neue Idee eines innovativen Sprachstils umgesetzt, wodurch der Roman eine ganz eigene linguistische Prägung erhält. Die hier vorzufindende entgrammatikalisierte, parataktische, in den Tempora hin- und herspringende Sprache von „Paesi tuoi“, bestehend aus umgangssprachlichen Wendungen, vermischt mit Standarditalienisch entsteht inspiriert durch den Sprachstil von Cains „The Postman Always Rings Twice“:
5
Arbeit zitieren:
Tobias Reff, 2004, Cesare Pavese Paesi tuoi Die Stadt-Land-Thematik dargestellt an den vier Hauptfiguren, München, GRIN Verlag GmbH
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Der Land Stadt Dualismus bei Cesare Pavese
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