Die Vereinigungskirche - Munbewegung
1. Geschichte und Charakterisierung der Bewegung
Die Vereinigungs- oder Munbewegung und die Vereinigungskirche wurden durch den 1920 geborenen Koreaner San Myung Mun gegründet und sind seit etwa 1964 in Deutschland vertreten. Mun entstammt einer durch koreanische Volksreligiosität geprägten Familie, die später zum Christentum übertrat. Er hatte nach eigenen Angaben im Alter von 17 Jahren eine Vision, in der ihm Jesus erschien und ihm auftrug, seine Mission fortzuführen. Mun wurde 1948 in Nordkorea zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt, 1950 im Zuge des Koreakrieges befreit und ließ sich dann in Südkorea nieder. Dort erarbeitete er seine religiösen Vorstellungen, die in den sogenannten „Göttlichen Prinzipien“ ihren Niederschlag gefunden haben.
Die Munbewegung stellt sich heute als Erlösungs- und Offenbarungsbewegung mit universalem Anspruch dar. Ziel ist die Errichtung eines himmlischen Königreiches auf Erden, um so den paradiesischen Urzustand wiederherzustellen. Mun wird von seinen Anhängern als Messias verehrt, der die von Jesus nicht zu Ende geführte Errichtung des Paradieses vollenden und so ein sündloses Leben der Menschen in einem weltweiten Reich Gottes ermöglichen soll. Es soll eine messianische Bewegung hier auf Erden beginnen, die den Willen Gottes erfüllen soll. Dabei sei es die Arbeit der Vereinigungskirche, das Kommen des messianischen Zeitalters zu verkünden. Die Anhänger glauben, daß das Wirken Muns eine zeitgemäße Weiterführung der Bibel und anderer heiliger Schriften sei. Er und seine Frau bilden demnach das wahre Ehe- und Elternpaar, das mit seinen Kindern die vollkommene Familie bilde. Voraussetzung für eine Veränderung sei eine sofortige Umkehr und Buße und das Führen eines vorbildhaften Lebens im Sinne der Bewegung.
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2. Die Göttlichen Prinzipien
Die „Göttlichen Prinzipien“ bilden nach Meinung der Munbewegung die Grundlage der Existenz und sollen sich in drei Schritten vollziehen:
„1. Erlangung der Einheit von Geist und Körper einerseits und damit verbunden die ganzheitliche Beziehung auf Gott bzw. das Prinzip hin. Ergebnis sei die Segnung persönlicher Perfektion. Diese sei Voraussetzung für die Herstellung der nächsten Segnung:
2. Herstellung der perfekten Einheit von perfektem Mann mit der perfekten Frau in ganzheitlicher Beziehung auf Gott bzw. das Prinzip hin. Ergebnis sei die Segnung der wahren Familie, und darüber hinaus des wahren Clans, des wahren Stammes, der wahren Nation, der wahren Weltfamilie. Die sei wieder die Voraussetzung der dritten Segnung:
3. Herstellung der Einheit der perfekten Menschheit mit der Natur in ganzheitlicher Beziehung auf Gott bzw. das Prinzip hin. Ergebnis sei die Segnung der wahren Herrschaft, des himmlischen Königreiches.“ 1
„Das Ziel des Göttlichen Prinzips sei es, daß ein vollkommener Mann sich seine Frau zur vollkommenen Eva „erziehe“, mit ihr vollkommene, sündlose Kinder zeuge und so eine neue, satansfreie und vollkommene Familie als Objekt Gottes gründe. Nach Auffassung der Munbewegung würden der vollkommene Man und die vollkommene Frau durch ihre Vereinigung zum substantiellen Gott.“ 2
1 Gandow, Thomas: Mun-Bewegung, CARP, CAUSA und Vereinigungskirche des San Myung Mun, München 1993, S. 40
2 Gandow, a. a. O. S. 45
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3. Mitgliedschaft in der Munbewegung
Die Munbewegung ist stark missionarisch orientiert. Nach der Kontaktaufnahme und ersten Gesprächen soll der mit „love-bombing“ Umworbene in Vorbereitungskursen dazu gebracht werden, daß er Mun und seine Frau als wahre Eltern akzeptiert. Das Bekenntnis wird für die neuen Mitglieder zur Endaussage, die Mitgliedschaft in einer Mungemeinschaft ist dann die Regel. Die Mitgliedschaft bedeutet Verpflichtung zum totalen Einsatz für die Bewegung. Das Gelöbnis, das regelmäßig an Sonn-und Feiertagen erneuert wird, lautet: „ Mein Gelöbnis
Als das Zentrum des Kosmos will ich den Willen unseres Vaters, den Zweck der Schöpfung, erfüllen, sowie die Verantwortlichkeit, die er mir zum Erreichen der eigenen Vollkommenheit übertrug. Ich will ein getreuer Sohn (Tochter) und ein Kind des Guten werden, um in aller Ewigkeit hilfreich in seiner Nähe zu sein in der vollkommenen Welt der Schöpfung, indem ich Freude und Herrlichkeit ihm bereite. Das gelobe ich.
Ich will völlig auf mich nehmen den Willen Gottes, die gesamte Schöpfung mir als Erbe zu übergeben. Er hat mir sein Wort gegeben, seine Persönlichkeit und sein Herz ruft mich, der ich gestorben war, zu neuem Leben, indem er mich eins werden läßt mit Sich und mich zu Seinem wahren Kind erhebt. Um dies zu erreichen, ging unser Vater 6000 Jahre unbeirrbar den Opferweg des Kreuzes. Das gelobe ich. Als ein wahrer Sohn (Tochter) will ich dem Vorbild unseres Vaters folgen und mutig das Lager der Feinde angreifen, bis ich sie völlig gerichtet habe mit den Waffen, mit denen er für mich den Verlauf der Geschichte hindurch den Feind, Satan, besiegt hat durch das Säen von Schweiß für die Erde, Tränen für den Menschen und Blut für den Himmel - als ein Diener, aber mit dem Herzen eines Vaters, um seine Kinder und das Universum, verloren an Satan, wiederherzustellen. Das gelobe ich. Der Mensch, die Familie, die Gesellschaft, die Nation, die Welt und der Kosmos, die bereit sind unserem Vater zu dienen, der die Quelle ist des Friedens, der Glückseligkeit, der Freiheit und aller Ideale, werden die vollkommene Welt des einen Herzens in dem einen Körper verwirklichen, indem sie ihre ursprüngliche Natur wiederherstellen. Um dies zu tun, werde ich ein wahrer Sohn (Tochter) werden und unserem Vater Freude und Befriedigung bringen, und als unseres Vaters Repräsentant werde ich auf die Schöpfung Frieden, Glückseligkeit, Freiheit und alle Ideale der Welt des Herzens übertragen. Das gelobe ich.
Ich bin stolz auf die eine Herrschaft, stolz auf das eine Volk, stolz auf die eine Sprache und Kultur, die Gott als Mittelpunkt haben. Ich bin stolz, das Kind des einen Wahren Elternpaares zu werden; stolz auf die Familie, die eine Tradition ererben wird; stolz darauf, als Arbeiter mitzuwirken bei der Errichtung der einen Welt des Herzens. Ich werde unter Einsatz meines Lebens kämpfen. Ich werde verantwortlich sein, meine Pflicht und meine Mission zu erfüllen. Das gelobe ich und schwöre ich.“ 3
3 Gandow, a. a. O. S. 58
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Nico Herzog, 2000, Die Vereinigungskirche - Munbewegung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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