Einführung ins Thema 3
Kapitel 1 4
Das Konzept des Image von Erving Goffman 4
Kapitel 2 7
Die Höflichkeitstheorie von Brown und Levinson 7
2.1 Positives und negatives Image 7
2.2 Face-threatening-acts 9
2.2.1 Die Strategie bald on record (direkt ohne Abschwächung) 11
2.2.2 Die Strategie positive Höflichkeit 12
2.2.3 Die Strategie negative Höflichkeit 13
2.2.4 Die Strategie off record (indirekt) 14
Kapitel 3 16
Höflichkeit sprachlich ausdrücken 16
3.1 Handlungsbereich Auffordern 16
3.1.1 Syntaktische Grundmuster 16
3.1.2 Interaktive Einbettung 19
3.2 Handlungsbereich Widersprechen Ablehnen 19
Fazit 21
Literaturverzeichnis 23
2
Einführung ins Thema
Unter Höflichkeit versteht man laut Brockhaus eine „Form des Umgangs mit den Mitmenschen, die von gegenseitiger Achtung, Rücksichtnahme und Einhaltung bestimmter gesellschaftlicher Konventionen ( z.B.
Begrüßungsformen, als Ausdruck des Anstands und des guten Tons) geprägt ist. Ursprünglich das rechte Verhalten am fürstlichen Hof.“ 1 Dies ist die für den Alltag übliche Beschreibung des Begriffes Höflichkeit. Sie ist in der Regel eine Handlung, die nur, aber nicht ausschließlich, mit sprachlichen Mitteln v ollzogen werden kann. Man unterteilt zum einen in konventionelle Höflichkeit, die die Erfüllung g esellschaftlicher Normen beschreibt und zum anderen die i ndividuelle Höflichkeit, die Respekt und Wertschätzung ausdrückt.
Diese Arbeit soll sich mit dem sprachlichen Aspekt von Höflichkeit näher befassen.
Im ersten Kapitel beschäftigen wir uns mit dem Konzept des Images von Erving Goffman. Die Frage ist hier, was denn überhaupt das Image einer Person ist und ob jeder Mensch ein Image besitzt.
Im zweiten Kapitel wird das Konzept von Brown und Levinson bearbeitet, das eine Weiterentwicklung der Theorie Goffmans darstellt. Der erste Teil handelt von der Unterscheidung zwischen positivem und negativem Image und der zweite Teil von Face- threatening-acts, also gesichtsbedrohenden Handlungen. Hierbei wird noch einmal unterteilt und zwar in die verschiedenen Strategien der Image-Wahrung. Diese Strategien lauten „bald on record“, „positive Höflichkeit“, „negative Höflichkeit“ und „off record“.
Das dritte Kapitel stellt dann die unterschiedlichen Darstellungsformen der Höflichkeit vor, wobei zwischen zwei Handlungsbereichen unterschieden wurde. Einerseits der Handlungsbereich des Aufforderns und andererseits der Handlungsbereich des Widersprechens beziehungswe
1 vgl. Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden (1989). Mannheim: Brockhaus [HERR-IS; 10], S. 159
3
Kapitel 1
Das Konzept des Image von Erving Goffman
Jeder Mensch versucht im Kontakt mit anderen Personen bestimmte Strategien im Verhalten zu verfolgen, die seine Beurteilung der Situation und dadurch besonders seine eigene Einschätzung ausdrückt. Für die Personen, mit denen er in Kontakt tritt, vertritt er mehr oder weniger absichtlich eine bestimmte Position. Sie machen sich ein Bild von ihm, das er berücksichtigen muss, um ihre Reaktionen zu beurteilen.
Diese erworbene Verhaltensstrategie jedes Menschen wird bei Erving Goffman, einem US-amerikanischen Soziologen kanadischer Herkunft, als „face“ also „Gesicht“ bezeichnet, das heißt als Selbstbild, welches die anderen übernehmen können In dieser Arbeit verwenden wir allerdings den Begriff „Image“.
Der Mensch fühlt sich in der Regel wohl, wenn er durch gewisse Ereignisse ein Image erhält, dass seine Erwartungen ü bertrifft. Wenn seine Erwartungen allerdings nicht erfüllt werden, fühlt er sich schlecht. Dadurch, dass man auf sein Image fixiert ist und die Möglichkeit ungünstiger Informationen besteht, empfindet man die Teilnahme an jeder Interaktion als Verpflichtung. 2 „Das eigene Image und das der anderen sind Konstruktionen derselben Ordnung ; die Regeln der Gruppe und die Definition der Situation legen fest, wie viel Gefühl jemand für das Image allein aufbringen und wie dieses Gefühl sich auf die Beteiligten verteilen muss.“ 3 Eine Person besitzt ein Image, wenn es zum Beispiel durch Aussagen der Kommunikationspartner bestätigt wird. Ein falsches Image besitzt eine Person, wenn Informationen über ihren sozialen Wert bekannt werden, die sie nicht in ihre verfolgte Strategie integrieren kann. Gar kein Image besitzt eine Person, die in einer Interaktion keine von ihr erwartete Verhaltensstrategie bereit hat.
2 vgl. Goffman, Erving: Interaction Ritual. Frankfurt am Main 1975, S. 10 ff. 3 s. Goffman, S. 11
4
Auf Stimmigkeit ihres Images reagieren Personen meist mit Vertrauen und Sicherheit. Wenn eine Person ein falsches oder gar kein Image hat, kann ihr Verhalten und ihre Haltung schwanken oder sogar zusammenbrechen. Die Formulierung „das Gesicht verlieren“ kann bedeuten, ein falsches oder gar kein Image zu besitzen. In einer Situation, in der eine Person den Eindruck erwecken möchte, ihr Image nicht verloren zu haben, gilt der Ausspruch „sein Gesicht wahren“. „Ein Gesicht leihen“ bedeutet dagegen, dass man einer Person hilft, geschickter vorzugehen und dadurch ein anderes Image zu gewinnen.
Auch wenn man versucht, das Image einer anderen Person zu wahren, sollte man dabei einen Weg finden, der nicht den Verlust des eigenen Image zur Folge hat. Andererseits sollte man bei dem Versuch, sein eigenes Image zu wahren, darauf achten, welche Folgen dies für das Image der Inte raktionspartner hat.
Um Bedrohungen des Image zu vermeiden, ist es am besten, Kontakte mit imagebedrohenden Situationen zu vermeiden. So lassen zum Beispiel einige Leute schwierige Transaktionen durch Vermittler ausführen. Findet der Kontakt mit einer imagebedrohenden Situation trotzdem statt, kann man sich durch Defensivpraktiken von Themen fernhalten, die nicht in die verfolgte Strategie passen und in einem günstigen Augenblick das Gesprächsthema wechseln.
Jeder Interaktionsteilnehmer ist bemüht, sein eigenes Image und das der anderen zu wahren. Dadurch entsteht zwischen den Kommunikationspartnern eine stillschweigende Kooperation, wodurch alle ihre unterschiedlich motivierten aber trotzdem gemeinsamen Ziele erreichen können.
Durch Techniken der Imagepflege zeigen Menschen ihre Bereitschaft, an den Grundregeln sozialer Interaktion festzuhalten.
Gesprächsangelegenheiten könnten wahrscheinlich nicht in der üblichen Weise organisiert werden, wenn der Mensch kein rituell feinfühliges Objekt wäre. Dadurch verursachen Menschen, von denen man nicht sicher ist, ob sie Techniken der Image-Wahrung beherrschen, Unruhe. 4
4 vgl. Goffman, S. 11 ff.
5
Durch bestimmte Handlungen kann man das Image des Gegenüber bedrohen. Dies kann ungewollt geschehen, sodass man den anderen nicht verletzen wollte. Hierbei spricht man von einem „faux pas“. Es gibt aber auch Menschen, die das Image einer anderen Person zum Beispiel durch Beleidigungen bewusst bedrohen. Meist geht mit jeder Imagebedrohung ein unhöfliches Verhalten einher, was den Zusammenhang von Goffmans Konzept mit unserem Thema „Höflichkeit“ zeigt. 5
5 vgl. ebd., S. 20
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Christina Meiser, 2003, Höflichkeit und Höflichkeitsformen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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