Inhaltsverzeichnis
Einleitung 03
I. Die Verbindung von Systemtheorie und Akteurstheorie 03
II. Massenmediale Öffentlichkeit als Teilsystem moderner Gesellschaften 06
1. Aus Sicht der Systemtheorie 06
2. Aus Sicht der Theorie des rationalen Handelns 08
III. Politik als Teilsyste m der Gesellschaft 09
1. Aus Sicht der Systemtheorie 09
2. Aus Sicht der Theorie des rationalen Handelns 10
IV. Politische Öffentlichkeit: die Beobachtung der Gesellschaft durch die Politik 11
1. Grund für die Beobachtung des politischen Systems durch die Medien 11
2. Grund für Gestaltung der politische Öffentlichkeit durch Akteure des 12
politischen Systems
V. Ausblick 13
Literaturverzeichnis 15
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Einleitung
Der Text „Politische Öffentlichkeit“ von Jürgen Gerhards (1995) versucht die Struktur und Funktion politischer massenmedialer Öffentlichkeit zu analysieren. Dabei verknüpft er die Luhmannsche Systemtheorie mit der Theorie des rationalen Ha ndelns. Die beiden Teilsysteme der Gesellschaft, massenmediale Öffentlichkeit und politisches System, mit ihren Zielen Aufmerksamkeit zu erzeugen bzw. kollektiv verbindliche Entscheidungen herzustellen, werden verknüpft zu einer massenmedialen politischen Öffentlichkeit, die als Beobachtungsinstrument des politischen S ystems dient. Ausdifferenzierte Teilsysteme moderner Gesellschaften, wie z.B. Wissenschaft, Wirtschaft, Rechtssystem, Politik und Öffentlichkeit, geben aus ihrer Struktur heraus bestimmte Ziele vor, die durch festgelegte Mittel erreicht werden können, sogenannte „constraints“ (Zwänge). Innerhalb der Teilsysteme wählen die Handelnden, der Theorie des rationalen Handelns folgend, diejenigen Mittel und Strategien aus, mit denen sie die dem Teilsystem zugrunde liegenden Ziele mit dem geringsten Aufwand erreichen können.
I. Die Verbindung von Systemtheorie und Akteurstheorie
Warum aber sollen Systemtheorie und Akteurstheorie miteinander verbunden werden, um politische Öffentlichkeit zu analysieren? Bei seinen Ausführungen orientiert sich Gerhards an den Arbeiten von Uwe Schimank.
Die Luhmannsche Systemtheorie beschreibt die moderne Gesellschaft als funktional, in mehr oder weniger autonome Teilsysteme, differenzierte Gesellschaft (vgl. Gerhards 1995: 82). Autonom bedeutet dabei, dass sich die innerhalb der Teilsysteme vollziehenden Handlungen an den systemeigenen Merkmalen orientieren.
Drei Funktionen sind notwendig, um von einem Teilsystem sprechen zu können (vgl. Gerhards 1995: 82).
1) Teilsysteme übernehmen eine spezialisierte Funktion für das Gesamtsystem der Gesellschaft, z.B. ist die Funk tion der Politik, kollektiv verbindliche Entscheidungen herzustellen; die der Wirtschaft, Güter zu produzieren, um Bedürfnisse zu befriedigen. 2) Jedes Teilsystem ist durch eine spezifische Struktur gekennzeichnet. Die Luhmannsche Theorie begreift soziale Systeme als Sinnsysteme. Die Teilsysteme
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grenzen sich durch strukturelle systemspezifische Sinnzusammenhänge voneinander ab. Sie besitzen jeweils eigene generalisierte Handlungsoptionen, die mit Hilfe eines binären Codes bestimmen, was innerhalb eines Teilsystems relevant ist und was nicht (z.B. recht/unrecht im Rechtssystem, wahr/falsch im Wissenschaftssystem, haben/nicht haben in der Ökonomie).
3) Teilsysteme sind auf Dauer ausgerichtet, das bedeutet sie müssen ihre Struktur festigen. Dies geschieht durch Ausdifferenzierung bestimmter Leistungsrollen (Mediziner, Politiker, Juristen, Journalisten), welche sich in Institutionen und Organisationen vereinen. Zudem besitzt jedes Teilsystem sein spezifisches Publikum (Patient, Wähler, Klient, Zuschauer). Dadurch entsteht die Möglichkeit, dass die Gesamtbevölkerung über bestimmte definierte Regeln an jedem Teils ystem partizipieren kann.
Die Spezialisierung auf eine Funktion, die Entwicklung einer spezifischen Sinnstruktur, die strukturelle Verfestigung durch spezifische Leistungsrollen, Organisationen und Publikumsrollen, sind die Grundmerkmale, mit denen Luhmann die modernen Gesellschaften als funktional ausdifferenzierte Gesellschaften beschreibt. Die Luhmannsche Systemtheorie versucht also die Gesellschaft als Gesamtgesellschaft mit all ihren Teilsystemen zu beschreiben und die allgemeinen Strukturen aufzuzeigen, aber sie kann diese Strukturen nicht ursächlich erklären. Gerhards beschreibt dies, mit Bezug auf Uwe Schimank, als Erklärungsdefizit (vgl. Gerhards 1995: 79).
Die Gesellschaft besteht aus handelnden Personen, durch die Systemstrukturen erst entstehen bzw. sich verändern. Hier bietet die Theorie des rationalen Handelns eine Ergänzung der Systemtheorie an. Denn die Theorie des rationalen Handelns versucht die Gesellschaft aus den Handlungen der Akteure heraus zu erklären.
Von Akteuren kann dabei gesprochen werden, wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind (vgl. Gerhards 1995: 79, nach U. Schimank): A) Der Akteur muss subjektive Ziele und Interessen haben, die er erreichen will. B) Er muss über die nötigen Mittel verfügen (z.B. Geld, Macht), um seine Ziele erreichen zu können. C) Er muss über eine Strategie verfügen, um die eingesetzten Mittel mit den Zielen kombinieren zu können. Es lassen sich darüber hinaus individuelle und kollektive Akteure unterscheiden. Kollektive Akteure sind einzelne Mitglieder einer Gruppe, die berechtigt sind im Auftrag aller Mitglieder zu handeln.
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Die Theorie des rationalen Handelns beschreibt die Beziehung zwischen den Akteuren auf der Mikroebene. Die Theorie geht davon aus, dass Akteure in allen Situationen ihren persönlichen Nutzen maximieren bzw. optimieren wollen. Welches aber in der jeweiligen Situation der maximale Nutzen und welches die legitimen Mittel zur Erfüllung der gesteckten Ziele sind, dies wird von der Theorie des rationalen Handelns nicht beantwortet.
Hier bietet dann die Systemtheorie die passende Ergänzung. Die erreichbaren Ziele und einsetzbaren Mittel der einzelnen Teilsystemen werden aus ihrer Struktur heraus vorgegeben. Sogenannte „constraints“ (Zwänge) definieren generalisierte Handlungsoptionen in den jeweiligen Teilsystemen und schränken die
Handlungsmöglichkeiten der Akteure ein. Illegitime Mittel sind dabei negativ sanktioniert. Als Beispiel, im Wissenschaftssystem ist das festgelegte Ziel, möglichst viel in renommierten Zeitschriften zu publizieren, im politischen System dagegen Regierungspositionen zu besetzen. Wollen die Akteure also in den jeweiligen Teilsystemen erfolgreich sein, müssen sie ihre subjektiven Ziele mit den Zielen des Teilsystems miteinander in Einklang bringen und die definierten legitimen Mittel benutzen. Das bedeutet, in der Wissenschaft dürfen Daten nicht manipuliert werden, um in renommierten Zeitschriften publizieren zu können, in der Politik darf die Opposition nicht unterdrückt werden, um selbst an der Regierung bleiben zu können. Akteure wählen also, der Theorie des rationalen Handelns folgend, innerhalb der Teilsysteme jene Handlungen aus, mit denen sie ihre subjektiven Ziele mit dem geringsten Aufwand erreichen können, ohne die durch das Teilsystem abstrakten substantiell vorgegebenen Ziele und Mittel zu verletzen.
Die Verbindung von Systemtheorie und Akteurstheorie kann nun zur Analyse gesellschaftlicher Teilsysteme genutzt werden. Gerhards interessiert sich hier für das Teilsystem der politischen Öffentlichkeit. Zuvor jedoch betrachtet er die beiden Teilsysteme „massenmediale Öffentlichkeit“ und „politisches System“ näher. Dabei analysiert Gerhards die beiden Teilsysteme aus Sicht der Systemtheorie, wie auch aus Sicht der Theorie des rationalen Handelns.
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Arbeit zitieren:
Kay Turchetto, 2002, Politische Öffentlichkeit. Ein system- und akteurstheoretischer Bestimmungsversuch, München, GRIN Verlag GmbH
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