Inhaltsverzeichnis
Einleitung 03
I. Die Internationale Bibelforscher-Vereinigung bis 1933 05
1. Gründung, Aufbau und Glaubenslehre 05
2. Die Bibelforscher in Deutschland 09
II. Die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus 13
1. Widerstand im Alltag 22
2. Widerstand in Gefangenschaft 24
3. Kriegsdienstverweigerung 31
III. Resümee 36
Literaturverzeichnis 40
2
Einleitung
Deutscher Widerstand gegen den Nationalsozialismus wird auch heute noch in der Öffentlichkeit vor allem mit dem politischen Widerstand von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und herausragenden Persönlichkeiten, wie z.B. Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Verbindung gebracht. Doch neben diesen „festen Institutionen“ reihen sich immer mehr auch kleinere Gruppen von Menschen ein, die in den letzten Jahrzehnten im Schatten standen. Nachdem die Ereignisse um den 20. Juli 1944 und die Widerstände politischer Parteien nahezu vollkommen aufgearbeitet sind, beschäftigt sich die Forschung nun mit diesen „vergessenen Opfern“ des deutschen Widerstandes. Über Jahre hinweg blieben sie der Öffentlichkeit verborgen, weil sie kein Attentat auf Hitler planten und keine große Öffentlichkeitsarbeit über ihren Widerstand betrieben. Die hier vorgelegte Studienarbeit beschäftigt sich mit solch einem „vergessenen Opfer“, welches uns heute vor allem von Haus-zu-Haus-Besuchen bekannt ist: den „Zeugen Jehovas“. Dieser kleinen Glaubensgemeinschaft mit heute weltweit etwa sechs Millionen Mitgliedern, von denen etwa 160.000 „Verkündiger“ in Deutschland 1 leben, wurde bis in die letzten Jahre hin kaum Beachtung geschenkt, obwohl sie von den Nationalsozialisten ebenso systematisch und „mit unerbittlicher Härte bekämpft und verfolgt“ 2 wurde, wie a ndere Gruppen.
Gründe scheinen wohl zu sein, dass die Zeugen Jehovas weder in das Bild der politisch Verfolgten, noch in das der rassistisch Verfolgten passen, dass sie im Allgemeinen zu den unteren Schichten der Bevölkerung gehörten und von keiner herausragenden Persönlichkeit geleitet wurden und dass das Fundament ihres Widerstandes der tiefe, unerschütterliche, religiöse Glaube an Gott war und nicht der geistige politische Kampf gegen die Nationalsozialisten. Zudem fehlt ein offenes Verständnis in der Auseinandersetzung mit dieser Glaubensgemeinschaft in der Öffentlichkeit, die durchweg mit dem Begriff der „Sekte“ im seinem negativen Sinne bezeichnet wird.
Schon zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft, 1933, wurde die Glaubensgemeinschaft der damals rund 25.000 bis 30.000 Zeugen Jehovas als erste
1 www.zeugenjehovas.de, Stand Februar 2002.
2 Detlef Garbe, Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, München 1993,
S. 9.
3
christliche Glaubensgemeinschaft im „Dritten Reich“ verboten. Wie keine andere Glaubensgemeinschaft verweigerte sie sich geschlossen dem totalitären Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten, in allen Lebensbereichen. Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas waren die einzige Gruppe, die geschlossen für die Kriegsdienstverweigerung warb und sie auch ausübte.
Der erste Teil der Arbeit wird sich mit der Entwicklungsgeschichte der Glaubensgemeinschaft beschäftigen. Neben der Gründung und dem Aufbau der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung in den Vereinigten Staaten und Deutschla nd bis 1933, wird auch ein kurzer Einblick in die Glaubenslehre gegeben, um das Verhalten der Zeugen Jehovas besser verstehen zu können. Im zweiten Teil werden neben der allgemeinen geschichtlichen Darstellung der nationalsozialistischen Verfolgung der Zeugen Jehovas, die Teilbereiche des Widerstandes im Alltag, in der Gefangenschaft und in Form der Kriegsdienstverweigerung näher behandelt und die Fragen erörtert:
- Warum wurden die Zeugen Jehovas so intensiv von den Nationalsozialisten verfolgt?
- Mit welchen Mitteln versuchte der nationalsozialistische Staat den Widerstand der Glaubensgemeinschaft zu brechen?
- Warum leisteten die Zeugen Jehovas so unbeugsam Widerstand?
- Wie sahen die Formen des Widerstandes aus?
- Welche Sonderstellung hatten die Zeugen Jehovas i n den
Konzentrationslagern und warum? Wieso wurden sie als Häftlingsgruppe gesondert mit dem „lila Winkel“ gekennzeichnet?
- Weshalb propagierten und praktizierten die Zeugen Jehovas die Kriegsdienstverweigerung?
Abschließend muss der Begriff des „Widerstandes“ im Fall der Zeugen Jehovas bewertet we rden.
4
I. Die Internationale Bibelforscher-Vereinigung bis 1933
1. Gründung, Aufbau und Glaubenslehre
Die Glaubensgemeinschaft der „Bibelforscher“, „Ernsten Bibelforscher“ oder „Zeugen Jehovas“, wie sie sich seit 1931 selbst nannten, wurde 1881 von Charles Taze Russell in Pittsburgh (Pennsylvania, USA) gegründet. Russell war Mitglied der Glaubensgemeinschaft der Adventisten. Diese prophezeiten für das Jahr 1874 die für alle Menschen sichtbare Wiederkunft von Jesus Christus auf der Erde. Als diese ausblieb trennte sich Russell zusammen mit Gleichgesinnten von den Adventisten. Russell, ein Kaufmannssohn der keine theologische Ausbildung besaß, veröffentlichte noch im selben Jahr die Schrift „Der Zweck und die Art der Wiederkunft unseres Herrn“. 3 Nach eigenem intensiven Studium der Bibel war Russell zu der Erkenntnis gelangt, dass die Wiederkunft Christi stattgefunden habe, allerdings für die Menschen unsichtbar. Russell erklärte, mit diesem Ereignis sei eine vierzigjährige „Erntezeit“ angebrochen, in der Christus die treuen Gefolgsleute des Herrn sammele, um dann vierzig Jahre später, also 1914, Gottes Herrschaft mit Jesus Christus als König zu errichten. Wie in der Offenbarung des Johannes berichtet, beginne dann ein „Ta usendjähriges Reich“, die Wiederherstellung des Paradieses auf Erden. 4 Im Königreich Jehovas wäre das Böse besiegt, der Tod überwunden und auf der Erde gäbe es weder Krieg, Verbrechen, Krankheit noch Hunger. Aber nur diejenigen, die sich zuvor zu Jehova bekannt hätten, dürften in das Königreich einziehen, alle anderen würden bei der Entscheidungsschlacht von Harmagedon vernichtet. 5
Seiner chiliastischen Lehre schlossen sich immer mehr Menschen an, auch außerhalb von Pittsburgh. In den folgenden Jahren veröffentlichte Russell weitere Schriften und gründete 1879 die Zeitschrift „Zion’s Watch Tower and the Herald of Christ’s Presence“ (Zions Wacht Turm und Verkünder der Gegenwart Christi; kurz „Wachtturm“), die zum Zentralorgan der neuen Glaubensgemeinschaft wurde. Gleichzeitig begann Russell mit einer intensiven Missions - und Etablierungsarbeit der
3 Vgl. ebenda, S. 41.
4 Vgl. Offb 20, 1ff; vgl. Walter Köbe, Geschichte und Gegenwart - Jehovas Zeugen in Deutschland, in: Hans
Hesse (Hrsg.), Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas. Verfolgung und Widerstand im
Nationalsozialismus, Bremen 1998, Anm. 9, S. 350.
5
Glaubensgemeinschaft durch Vortragsreisen, gemeinschaftliches Bibel- und Schriftenstudium und die Bildung von Lesezirkeln.
Unter dem Namen „Zion’s Watch Tower Tract Society“ gründete Russell 1881 eine eigene Verlagsgesellschaft, die erste offizielle Körperschaft der
Glaubensgemeinschaft. Sie wurde 1896 in „Watch Tower Bible and Tract Society“ (Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft) umbenannt. 6 In den Jahren 1886 bis 1904 schrieb Russell den Zielsetzenden Charakter seiner Gemeinschaft in den sechs Bänden seiner „Schriftstudien“ nieder. Im Jahr 1909 erfolgte dann die Verlegung des Hauptbüros der Gesellschaft nach Brooklyn, New York. Fünf Jahre später wurde in London mit Eintragung der „International Bible Students Association“ (Internationale Bibelforscher-Vereinigung) die Glaubensgemeinschaft endgültig begründet.
Als das Jahr 1914 begann, jenes verheißungsvolle Jahr, in dem Russell die sichtbare Errichtung des göttlichen Königreiches auf Erden vorausgesagt hatte, waren sich die Bibelforscher des kommenden Weltendes vollkommen gewiss. Viele trennten sich bereits von ihren weltlichen Gütern, gaben ihre Berufe auf und warteten auf die kommenden Ereignisse. Öffentliches Unverständnis und Hohn, der den Bibelforscher entgegengebracht wurde, konnte sie in ihrem Glauben nicht erschüttern, schöpften sie doch ihre Gewissheit aus der „Heiligen Schrift“ selbst. Für die Zeugen Jehovas ist die Bibel das offenbarte Wort Gottes. Gott hat in ihr die Entwicklung der Weltgeschichte zeitlich genau festgelegt und durch das Studium der Bibel können die in ihr beschriebenen Ereignisse berechnet werden. 7 Im Beginn des Ersten Weltkrieges sahen viele Bibelforscher ein Zeichen Gottes und sie waren sich gewiss, dass sich die biblische Prophezeiung der Endzeit erfüllt hätte: „Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.“ 8
Doch der Einzug ins „Tausendjährige Reich“ erfolgte nicht und nach und nach machte sich unter den Anhängern der Zeugen Jehovas große Enttäuschung breit.
5 Vgl. Detlef Garbe, „Sendboten des jüdischen Bolschewismu s“. Antisemitismus als Motiv
nationalsozialistischer Verfolgung der Zeugen Jehovas, in: Dan Diner/Frank Stern (Hrsg.), Tel Aviver Jahrbuch
für deutsche Geschichte, Bd. 23, Nationalsozialismus aus heutiger Perspektive, Gerlingen 1994 S. 147.
6 Vgl. ders., Zwischen Widerstand und Martyrium, a.a.O., S. 42.
7 Vgl. ebenda, Anm. 8, S. 43.
8 Lukas 21, 10f.
6
Die Bewegung stürzte in eine große Krise und während sie noch nach Antworten suchte, traf sie ein weiteres Unglück. Ihr Begründer verstarb am 31.10.1916 auf einer Vortragsreise durch die USA.
Sein Nachfolger wurde der bisherige Rechtsberater der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft Joseph Franklin Rutherford. Er begann umgehend mit einer Umstrukturierung der Glaubensgemeinschaft und baute sie schnell von einer Erweckungsbewegung zu einer zentralistisch, hierarchisch gegliederten Organisation um, deren Leitung sich als Sprachrohr Gottes sah. Rutherford hatte nun in Glaubensfragen, wie auch in organisatorischen Belangen, als Präsident der Gesellschaft die uneingeschränkte Macht. Aus einer Bewegung mit demokratischen Elementen wurde eine nach „theokratischem Prinzip“ gegliederte Gesellschaft, die Rutherford „diktatorische“ Vollmachten erlaubte. 9 Als Rutherford einen, von Russell nicht fertig gestellten, siebten Band der “Schriftstudien“ veröffentlichte kam es zum Bruch mit einigen Bibelforschern, die Rutherford vorwarfen er habe zentrale Glaubensinhalte umgestaltet und verfälscht. Im Laufe der nächsten Jahre trennten sich einige tausend Bibelforscher von der Gesellschaft und bildeten eigene Vereinigungen. 10 Rutherfords erstes Ziel war es, die Ereignisse um das Jahr 1914 neu zu interpretieren. Dabei sah er im Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Bestätigung für die Zeitenwende. Christus habe seine Herrschaft im Himmel bereits angetreten, jedoch den menschlichen Augen noch verborgen.
Diese Neuinterpretation der Glaubenslehre brachte allerdings weitere Änderungen mit sich. Es existierten nunmehr zwei „Reiche“, die noch vorhandene Welt und das den Menschen noch verborgene, „Tausendjährige Reich“ im Himmel. Mit dem Beginn des „Tausendjährigen Reiches“ hatten nach Ansicht Rutherfords die „heidnischen Mächte“ auf der diesseitigen Welt ihren Herrschaftsanspruch verloren. Für ihn stand fest, die Bibelforscher unterlagen jetzt nur noch der göttlichen Herrschaftsgewalt. 11 Diese Auffassung hatte, wie später zu sehen sein wird, weitreichende Konsequenzen für die Anerkennung des Staatswesens.
Um dies besser nachvollziehen zu können, soll jetzt kurz auf einige Grundzüge der Glaubenslehre der Bibelforscher eingegangen werden.
9 Vgl. Detlef Garbe, Zwischen Widerstand und Martyrium, a.a.O., S. 54.
10 Vgl. ebenda, S. 47.
11 Vgl. ebenda, S. 48.
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Wie erwähnt, glauben die Bibelforscher an das in der Bibel offenbarte Wort Gottes. Jeder Gläubige hat sein Leben ganz nach den Worten Gottes auszurichten. Den Dienst am Wort Gottes sehen die Bibelforscher vor allem in zwei Bereichen: zum einen in der Auslegung von Bibelstellen durch die Lektüre des „Wachtturms“ und zum anderen in der Verpflichtung zur Verkündungs- und Missionsarbeit. Für die Bibelforscher bilden Glaube und Verkündigung eine feste Einheit. 12 Die Zeugen Jehovas sind eine Gemeinschaft, die daran glaubt, dass am Ende der Weltgeschichte ein „Tausendjähriges Reich“ steht, in das nur die Gerechten, diejenigen, welche sich zu Jehova bekannt haben, eingelassen werden. In einer großen Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse, am biblischen Ort Harmagedon 13 , wie es in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird, wird Gott die Mächte des Teufels vernichten und ein „goldenes Zeitalter“ unter seiner Führung errichten.
Mit Errichtung des Königreiches durch Christus 1914, so nehmen die Zeugen Jehovas an, habe der Kampf gegen das Böse begonnen. Satan versuche nun auf der Erde die Heerscharen gegen die Gottgetreuen zu sammeln. Nur wer sich in allen Situationen gegenüber Gott treu verhalte werde ewiges Leben erlangen. Rutherford verkündete, dass sich Satan für die Durchsetzung seiner Pläne der finanziellen, politischen und kirchlichen Machtgruppen bediene. 14 In einer Reihe von Schriften bezeichnete Rutherford die Staatsführungen und Kirchen als Marionetten des Teufels. Dies führte natürlich zu Auseinandersetzungen zwischen Kirchen, politischen Gruppierungen und den Zeugen Jehovas. Auch wenn die Schriften rein religiösen Charakter hatten boten sie den Angegriffenen eine reichhaltige Auswahl an Zitaten, in denen ein angeblich umstürzlerischer Wesenszug der Zeugen Jehovas festzuste llen sei. Dabei ignorierten ihre Gegner, dass die Zeugen Jehovas daran glauben, dass die Vernichtung der „alten Welt“ allein durch die Macht Gottes geschehen wird und sie sich in diese Dinge nicht einzumischen brauchen. Die Zeugen Jehovas sind also nur Verkünder kommender Ereignisse. Das bedeutet, dass nach Ansicht Rutherfords, die Bibelforscher Gesandte des Königreich Gottes sind welche sich nicht in die Politik des „Gastlandes“
12 Vgl. ebenda, S. 49.
13 Vgl. Offb 16,16.
14 Vg l. Detlef Garbe, Die Verfolgung der Zeugen Jehovas im nationalsozialistischen Deutschland - Ein
Überblick, in: Kreismuseum Wewelsburg, Fritz Bauer Institut, Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.),
Red. Kirsten John-Stucke, Andreas Pflock, Widerstand aus christlicher Überzeugung: Jehovas Zeugen im
Nationals ozialismus. Dokumentation einer Tagung, Essen 1998, S. 16.
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einzumischen haben. 15 Aus diesem Grund sind die Zeugen Jehovas zu einer „christliche Neutralität“ aufgefordert, die die Mitgliedschaft in Parteien und Gewerkschaften gleichermaßen ausschließt, wie auch die Teilnahme an Wahlen. So leben die Zeugen Jehovas solange ohne Widerspruch zu den Pflichten als Bürger des „Gastlandes“, solange sie nicht in einen Konflikt zwischen ihrem Glauben und den Staatsinteressen geraten. Kommt es allerdings zu einem Interessenkonflikt, so muss sich der Bibelforscher entscheiden, fest zu Jehova, Jesus Christus und „Gottes Organisation“ zu stehen oder sich den „Staatsordnungen Satans“ zu unterstellen.
Im Jahr 1931 nahm die Glaubensgemeinschaft auf ihrer Hauptversammlung in Columbus (Ohio, USA) den Namen „Zeugen Jehovas“ an. 16 Dabei bezogen sie sich auf die Bibelstelle Jesaja 43,10/12: „Ihr seid meine Zeugen, spricht Jehova/der Herr.“ Zeitgleich wurde das „theokratische Prinzip“ R utherfords durchgesetzt. Die Vorsitzenden in den Gemeinden wurden nun nicht mehr auf demokratische Art von den einzelnen Gemeinden selbst bestimmt, sondern von der jeweiligen Landesleitung der Gesellschaft berufen. 17
2. Die Bibelforscher in Deutschland
Seit 1890 bemühte sich Russell seine Lehre auch in Europa zu verbreiten. Dies gelang zu Beginn nur schwer. Mit der Zeit jedoch baute Russell ein immer weiter verzweigtes Vertriebsnetz des „Wachtturms“ auf. Die erste deutschsprachige Ausgabe erschien 1897. 18 Kur z nach der Jahrhundertwende wurde im Schwarzwald das erste Zweigbüro eröffnet. Drei Jahre später wurde die Zahl von eintausend „Wachtturm“-Abonnements erreicht. 19
Als 1914 das heilsgeschichtliche Jahr begann, hatten sich in Deutschland etwa 3.000 bis 4.000 Menschen zur Lehre Russells bekannt. Neben der Enttäuschung vom ausbleiben des Königreich Gottes kam eine weitere Belastung für die, vom Krieg betroffenen, Zeugen Jehovas hinzu. Es beschäftigte sie die Frage, ob ein Christ
15 Vgl. ders., Zwischen Widerstand und Martyrium, a.a.O., S. 53.
16 Vgl. ders., Die Verfolgung der Zeugen Jehovas im nationalsozialistischen Deutschland, a.a.O., S. 17.
17 Vgl. Jürgen Harder/ Hans Hesse, Zeittafel zur Entwicklung und Verfolgung der Zeugen Jehovas, in: Hans
Hesse (Hrsg.), Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas. Verfolgung und Widerstand der Zeugen
Jehovas im Nationals ozialismus, Bremen 1998, S. 425.
18 Vgl. Walter Köbe, Geschichte und Gegenwart - Jehovas Zeugen in Deutschland, a.a.O., S. 345.
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Kay Turchetto, 2002, Widerstand der Verfolgten: Die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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