Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Grundlagen der Funknetzplanung 6
1.1 Zellulare Netze 6
1.2 Zellularer Netzaufbau 6
1.3 Aufbau eines GSM Mobilfunksystems 8
1.4 Funknetzplanung 10
1.5 Handover 11
1.5.1 Handoverarten 12
1.5.2 Handoveralgorithmen 14
2 Softwarearchitektur 18
2.1 Programmablauf 19
2.2 Klassenentwurf 20
2.3 Kommunikationsmodelle 24
2.3.1 OSI-Schichten Modell 24
2.3.2 Client/ Server Modell 25
2.4 Multithreading 26
2.5 Kommunikation mit der Außenwelt 26
1
INHALTSVERZEICHNIS 2
3 Softwareentwicklung 28
3.1 Entwicklungsumgebung 28
3.2 Entwicklungskonzepte und ihre konkrete Umsetzung 29
3.2.1 Entwurfsmuster 29
3.2.2 Schnittstellen und Aufbau der API 32
3.2.3 Konsistenz des Source Codes 32
3.3 Realisierung konkreter Programmteile 33
3.3.1 Generierung der Fahrzeugkoordinaten 33
3.3.2 Geod atische Transformationen 33
3.3.3 Cellrankingprozeß 34
3.3.4 HO Algorithmus 37
4 Beispiel f ur einen funkplanerischen Anwendungsprozeß 38
5 Testergebnisse 47
6 Weiterentwicklung des Tools 48
7 Zusammenfassung und Ausblick 49
Anhang: Klassendokumentation 50
Abk urzungsverzeichnis 70
Literaturverzeichnis 71
Einleitung
In den letzten Jahren hat sich der Markt f¨ ur mobile Kommunikation und Telekommunikation zu einem der erfolgreichsten Zukunfts- und Wachstumsbranchen entwickelt. Und dies, obwohl vor allem die Verbreitung des Mobilfunks weltweit noch am Anfang einer sich beschleunigerenden Entwicklung steht. Im Jahre 1926 begann der ¨ offentliche Mobilfunk in Deutschland mit durchschnittlich 10 Telefonaten pro Tag auf der Reisezugstrecke von Hamburg nach Berlin. Das darauf folgende A-Netz wurde dann im Jahr 1952 eingef¨ uhrt. Seine maximale Teilnehmerzahl betrug ca. 13.000 Gespr¨ ache, die aber von Hand vermittelt werden mußten. Erst im Jahr 1972, durch die Einf¨ uhrung des B/B2 Netzes, wurde eine automatische Vermittlung m¨ oglich. Ferner wurde eine grenz¨ uberschreitende Kommunikation mit einer Kapazit¨ at von bis zu 27.000 mobilen Teilnehmern verwirklicht. Zu dieser Zeit war jedoch das Weiterreichen von Gespr¨ achen von einer Funkzelle zur n¨ achsten, dem sog. Handover, noch nicht m¨ oglich. Falls sich also der Teilnehmer ¨ uber die Reichweite der Funkzelle hinaus bewegte, brach das Gespr¨ ach einfach ab.
Mit der Er¨ offnung des zellularen analogen C-Netzes im Jahr 1986 wurde die maximale Teilnehmerzahl auf 80.000 erh¨ oht. In diesem Stadium des Mobilfunks wurden Leistungsmerkmale wie bessere Sprachqualit¨ at, Sprachverschleierung, Handover sowie diverse Zusatzdienste umgesetzt. In anderen europ¨ aischen L¨ andern wurden dann auch Anfang der achtziger Jahre analoge Mobilfunksysteme ¨ ahnlich
dem C-Netz, eingef¨ uhrt. Obwohl die Dienste der einzelnen Systeme erfolgreich waren, war eine grenz¨ uberschreitende Kommunikation aufgrund der verschiedenen Standards der Systeme nicht m¨ oglich.
Erst als der technische Fortschritt in der digitalen Signalverbreitung weiter vorangeschritten war und der Wunsch l¨ ander¨ ubergreifend telefonieren zu k¨ onnen immer st¨ arker wurde, gr¨ undete sich im Jahr 1982 die Groupe Special Mobile kurz GSM. Heute steht f¨ ur diese Abk¨ urzung jedoch Global System for Mobile Communication. Die GSM-Arbeitsgruppe befaßte sich mit der Aufgabe, ein europaweites einheitlich standardisiertes, digitales System zu entwickeln. Durch die Liberalisierung des europ¨ aischen Mobilfunkmarktes und der sich daraus ergebenden Aufhebung des Monopols auf die ¨ Ubertragung von Telefongespr¨ achen stieg die
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EINLEITUNG 4
Teilnehmerzahl in Westeuropa rasant an. Dies schlug sich auch im geringen Preis und einer h¨ oheren Leistungsf¨ ahigkeit der immer kleiner werdenden Mobiltelefone (Handys) nieder. Zun¨ achst wurden f¨ ur den Aufbau und Betrieb von GSM-Netzen in Deutschland nur zwei Lizenzen an DeTeMobil (Deutsche Telekom MobilNet) und MMO (Mannesmann Mobilfunk) vergeben. Somit wurden in der Mitte des Jahres 1992, die auf dem GSM 900 Standard beruhenden D1- und D2-Netze in Betrieb genommen.
Mit der Vergabe weiterer Lizenzen an E-Plus (E1-Netz) und VIAG Interkom (E2-Netz) entstanden 1994 bzw. 1998 neue Impulse auf dem Mobilfunkmarkt. Dies f¨ uhrte zu einer erh¨ ohten Teilnehmerzahl bei den Netzbetreibern von D1 und D2 auf jeweils 8 Mio.(M¨ arz 2000), von E-Plus auf 5. Mio.(Mai 2000) und von VIAG Intercom auf 1,5 Mio. (Juni 2000).
Der wirtschaftliche Erfolg der Netzbetreiber h¨ angt vor allem von der Zufriedenheit der Kunden ab und deren stetig steigenden Anspr¨ uchen nach Zuverl¨ assigkeit, Qualit¨ at, fl¨ achendeckender Versorgung und besserem Service. Um diesen Anspr¨ uchen gerecht zu werden und bei steigender Teilnehmerzahl das Kostenniveau m¨ oglichst gering zu halten, kommt der Planung eines Mobilfunknetzes eine entscheidende Bedeutung zu.
Die Netzplanung erfolgt mit leistungsf¨ ahigen rechnergest¨ utzten Planungswerkzeugen. In dieser oft als Tool bezeichneten Netzplanungssoftware ist immer auch ein GIS (Geo Informations System ) und ein DGM (Digitales Gel¨ ande Modell) integriert. Mit den entsprechenden morphologischen und topographischen Daten des Planungsgebietes kann mit einem Planungstool eine Versorgungsanalyse (sog. Coverage) f¨ ur unterschiedliche Netzkonfigurationen unter Ber¨ ucksichtigung eventuell auftretender Interferenzen der Funkzellen berechnet werden. Sie stellt die Grundlage f¨ ur eine Netzplanung dar.
In einem zellularen Mobilfunknetz m¨ ussen auch Nachbarschaftsbeziehungen festgelegt werden, denn es darf nur ein Handover zu einer weiteren Zelle erfolgen, wenn sie in der Nachbarschaftsliste der jeweiligen Zelle eingetragen ist. Da Handover ein sehr zeitkritischer Vorgang ist, m¨ ussen in einer Nachbarschaftsliste nur so wenige wie m¨ oglich aber so viele Beziehungen wie n¨ otig eingetragen werden, um Gespr¨ achsunterbrechung zu vermeiden.
Das Ziel meiner Diplomarbeit ist es, eine Software zu erstellen, die den Handover-vorgang simuliert ohne auf Meßfahrtprotokolle zur¨ uckzugreifen, denn diese Art der Handoversimulation ist schon mehrfach implementiert worden. Mit der von mir erstellten Software namens MobileHOS ist es erstmals m¨ oglich, eine Simulation auf eine beliebige Teststrecke anzusetzen, und z.B. somit apriori Aussagen zu erm¨ oglichen, wie bei einer geplanten Trassenver¨ anderung einer Straße, das Netz an die neue Situation angepaßt werden muß. Die Realisierung des Programms erfolgte bei der Firma COSIRO in Markt Schwaben und wurde in der Program- miersprache Java implementiert.
EINLEITUNG 5
Die folgende Arbeit bezieht sich durchgehend, wenn es nicht anders vermerkt ist, auf den noch vorherrschenden GSM Standard. Mobilfunksysteme, die auf anderen Standards beruhen, wie z.B. CDMA oder UMTS haben zwar an gewissen Punkten ¨ Ahnlichkeiten mit GSM, sind jedoch grunds¨ atzlich verschiedene Technologien.
Kapitel 1
Grundlagen der Funknetzplanung
1.1 Zellulare Netze
Der Aufbau von Mobilfunksystemen, die eine hohe Teilnehmerkapazit¨ at anstreben, ist typischerweise zellular. Das bedeutet, daß die gesamte zu versorgende Fl¨ ache in kleine Funkzonen - sogenannte Funkzellen - unterteilt wird. Je kleiner die Funkzonen werden, desto mehr Mobilfunkteilnehmer k¨ onnen bei einem limitierten Frequenzspektrum pro Fl¨ ache versorgt werden. Jedoch ist nicht nur die Systemkapazit¨ at der Grund f¨ ur einen zellularen Netzaufbau, sondern auch die entfernungsabh¨ angige D¨ ampfung des Signals auf dem Ausbreitungsweg zwischen Sender und Empf¨ anger begrenzt die Gr¨ oße einer Funkzelle.
1.2 Zellularer Netzaufbau
Bei der Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen im freien Raum nimmt ab einem gewissen Abstand die Feldst¨ arke linear und die Leistung quadratisch mit der Entfernung ab. Bei Geb¨ auden, W¨ aldern und anderen topographischen Objekten sinkt die Empfangsleistung bei terrestrischen Funknetzen noch sehr viel schneller. Auf diese Weise ist bei einer vorgegebenen maximalen Sendeleistung und Mindestempfangsleistung f¨ ur einen ausreichend guten Empfang die Gr¨ oße der Funkzelle begrenzt.
Das hinter einem zellular aufgebauten Mobilfunknetz stehende Prinzip ist die absichtliche Begrenzung der Funkzone durch eine geringe Sendeleistung. Somit
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KAPITEL 1. GRUNDLAGEN DER FUNKNETZPLANUNG 7
lassen sich die knappen Sendefrequenzen ab einer ausreichend großen Entfernung wiederverwenden, ohne eine beidseitige St¨ orung der Kan¨ ale zu verursachen. Zwei weit genug voneinander entfernte Mobilfunkteilnehmer k¨ onnen so durchaus gleichzeitig den gleichen Kanal benutzen.
Bei um den Sender symmetrischen Wellenausbreitungsverh¨ altnissen, in einem ebenem Gebiet, w¨ are die Funkzone theoretisch durch einen Kreis begrenzt. Jedoch herrschen in der Realit¨ at oft r¨ aumlich stark inhomogene Ausbreitungsbedingungen, die zu einer starken Deformation dieser Kreise f¨ uhren. Bei den meisten Untersuchungen zellularer Netze gen¨ ugt eine grobe N¨ aherung der Funkzonengrenze. Besonders weil mit Kreisen kein ¨ uberlappungsfreies und l¨ uckenloses
Muster aufgebaut werden kann, vereinfacht man die Gestalt der Funkzonengrenze f¨ ur theoretische Betrachtungen ¨ ublicherweise durch regelm¨ aßige Hexagone (siehe Abbildung 1.1).
Diese Betrachtungsweise vereinfacht auch die Frequenzplanung, sowie die Fl¨ achenversorgung mit einer minimalen Anzahl von Standpunkten. Um zu vermeiden, daß sich benachbarte Zellen gegenseitig st¨ oren, f¨ uhrt man sogenannte “Cluster” von Zellen ein. Darunter versteht man eine Gruppe von N Zellen, auf die die zur Verf¨ ugung stehenden Kan¨ ale aufgeteilt werden. Dabei kann N nur ganz bestimmte Werte annehmen, die sich aus folgendem Zusammenhang ergeben.
¡ ¡ i 2 j 2 mit i¢ j N i j 0 1 2 3 £ ¥ ¤ ¢ ¢ ¢ ¦ § ¦ ¨ ¦ § ©
F¨ ur dieses Modell errechnet sich f¨ ur einen Zellradius R der Wiederverwendungs-abstand D wie folgt:
D R 3N
Typische Clustergr¨ oßen in GSM-Netzen liegen bei N=7,9,12. Die folgende Abbildung zeigt eine Zellstruktur f¨ ur eine Clustergr¨ oße N=7 und dem Wiederverwen-dungsabstand D, welcher in der Praxis ausreichend sein sollte, um eine gegensei- tige St¨ orung der Zellen zu vermeiden.
KAPITEL 1. GRUNDLAGEN DER FUNKNETZPLANUNG 8
1.3 Aufbau eines GSM Mobilfunksystems
Das folgende Kapitel gibt nur einen sehr oberfl¨ achlichen Einblick in die Funktionalit¨ at des GSM Mobilfunksystems. Ich beschr¨ anke mich im folgenden auf die Kl¨ arung funkplanerischer Begriffe und Zusammenh¨ ange, die f¨ ur das Verst¨ andnis meiner Arbeit zwingend notwendig sind. Detailiertere Erl¨ auterungen w¨ urden den Rahmen meiner Arbeit sprengen und somit verweise ich f¨ ur die Vertiefung der Thematik auf die im Anhang aufgef¨ uhrte Literatur.
KAPITEL 1. GRUNDLAGEN DER FUNKNETZPLANUNG 9
Abbildung 1.2: Funktionale Architektur des GSM-Mobilfunknetzes [14]
Erl¨ auterung wichtiger Begriffe und Zusammenh¨ ange:
Bei der Betrachtung des Datenstroms in der Luftschnittstelle spricht man je nach Sendequelle von Uplink bzw. Downlink. Handelt es sich um ein Signal, welches ein Mobilfunkger¨ at sendet, bezeichnet man den Datenstrom als Uplink, sendet die Basisstation spricht man von einem Downlink.
Mobile Station (MS) Unter einer Mobile Station versteht man das Mobilfunkger¨ at (z.B. Handy).
Base Transceiver Station (BTS) Die BTS umfaßt die Sende- und Empfangsanlagen einschließlich der Antennen und der gesamten, f¨ ur die Funkschnittstelle spezifischen Signalverbreitung. Je nach Antennentyp versorgt sie eine oder mehrere Zellen, so k¨ onnen z.B. sektorisierte Antennen drei 120 zueinander angeordnete Zellen bedienen. ([13] S.145)
Base Station Controller (BSC) Der BSC ist f¨ ur die Verwaltung der Funkschnitt-
KAPITEL 1. GRUNDLAGEN DER FUNKNETZPLANUNG 10
stelle via BTS ebenso verantwortlich wie f¨ ur die Freigabe und Reservierung von Funkkan¨ alen und das Handover-Management. In der Regel verwaltet eine BSC mehrere BTS.
Base Station Subsystem (BSS) Ein BSS umfaßt den kompletten funkbezogenen Teil eines GSM-Netzes.
Mobile Service Switching Center (MSC) Eine MSC ist eine digitale ISDN-Vermittlungsstelle, die normale Vermittlungsaufgaben ausf¨ uhrt und das Netz verwaltet. Dar¨ uber hinaus speichert sie signifikante Informationen eines Mobilfunkteilnehmers wie z.B. Rufnummer, MS-Identit¨ atsnummer, abonnierte Basis- und Zusatzdienste, momentanen Aufenthaltsort in Datenbanken, die man als Heimatdatei (HLR) und Besucherdatei (VLR) bezeichnet.
1.4 Funknetzplanung
Bei zellular aufgebauten Mobilfunksystemen wird die zu versorgende Fl¨ ache in aneinandergereihte Funkzellen unterschiedlichen Typs und Gr¨ oße unterteilt. Man spricht dabei von Makro-, Mikro- und Pikozellen. In Tabelle 1.1 wird diese Zelleinteilung genauer erl¨ autert.
Tabelle 1.1: Klassifizierung der Funkzellen
Begriffserkl¨ arung:
Unter urbanen Gebieten versteht man st¨ adtische Gebiete, unter suburbanen Gebieten vorst¨ adtische Gebiete.
Die Entscheidung f¨ ur einen Typ einer Funkzelle h¨ angt von dem zu erwartenden Gespr¨ achsaufkommen, der Gel¨ andeform, Bebauung und der D¨ ampfung des Signals auf dem Ausbreitungsweg ab. Je kleiner die Funkzellen werden, desto
KAPITEL 1. GRUNDLAGEN DER FUNKNETZPLANUNG 11
gr¨ oßer ist die Kapazit¨ at von Mobilfunkteilnehmern, die in einem begrenzten Fre-quenzband pro Fl¨ ache versorgt werden k¨ onnen. Aufgrund dessen werden in urbanen Gebieten die Zellen kleiner geplant als in suburbanen oder l¨ andlichen Gebieten. Ein Funknetz sollte unter Ber¨ ucksichtigung verschiedener physikalischer (z.b. Wellenausbreitungseigenschaften, Antennentyp), politischer (z.b. Baurecht, Naturschutz) und ¨ okonomischer (z.b. Verf¨ ugbarkeit von Sendestandorten) Randbedingungen noch weiteren Anforderungen gen¨ ugen.
Ein zu versorgendes Gebiet sollte eine vorgegebene Versorgungswahrscheinlichkeit, je nach Gebietsklasse meist 90 - 95% aufweisen, sowie der Mindestempfangspegel von -102 dBm nicht unterschritten werden.
Jeder Funkzelle m¨ ussen gen¨ ugend viele Funkfrequenzen zugeteilt werden, so daß ein Gespr¨ ach mit einer vorgegebenen Gespr¨ achsqualit¨ at mit hoher Wahrscheinlichkeit gew¨ ahrleistet ist.
Funkfrequenzen m¨ ussen so verteilt werden, daß Interferenzen zwischen Zellen mit gleichen bzw. benachbarten Kan¨ alen h¨ ochstens mit einer vorgegebenen Interferenzwahrscheinlichkeit auftreten k¨ onnen.
F¨ ur die weitere Vertiefung von Grundlagen der Funknetzplanung verweise ich auf die Literatur (siehe Anhang).
1.5 Handover
Den Vorgang des “Handover” oder “Handoff” (HO) bezeichnet man als das Weiterreichen eines Gespr¨ achs von einer Basisstation (BTS) zu einer anderen. Des weiteren spricht man von einem “Streamless Handover”, wenn ein nahtloser ¨ Ubergang des Gespr¨ achs erfolgt, ohne daß f¨ ur den Teilnehmer eine Gespr¨ achsunterbrechung erkennbar ist. Diese Funktionalit¨ at hatte z.B. das ehemalige deutsche B/B2 Netz noch nicht, denn erst beim ¨ Ubergang in das C-Netz wurde die automatische Weitergabe von Gespr¨ achen implementiert. Davor mußte noch bei einer Verschlechterung der Funkverbindung das Gespr¨ ach abgebrochen werden (Call Drop bzw. Cut-off).
Der Handover ist ein sehr zeitkritischer Vorgang in Mobilfunksystemen, da die Kontinuit¨ at laufender Verbindungen gew¨ ahrleistet sein muß. Er hat einen bedeutenden Einfluß auf die Kapazit¨ at und Leistungsf¨ ahigkeit zellularer Netze und besteht aus drei Phasen: Messung, Handover-Einleitung und Umschaltung zur Zielbasisstation ([13] S.102). Jedes Weiterreichen eines Gespr¨ achs bedeutet ei- ne Erh¨ ohung des Steuer- und Singalisierungsaufwands im Funkverkehr zwischen
KAPITEL 1. GRUNDLAGEN DER FUNKNETZPLANUNG 12
dem Mobilfunkger¨ at (MS) und der Feststation (BTS) und sollte deshalb so selten wie m¨ oglich durchgef¨ uhrt werden. Handover, die aus Pegelschwankungen resultieren k¨ onnten, sollten vermieden werden.
1.5.1 Handoverarten
Handover Entscheidungen werden entweder von der Mobilvermittlungsstelle (MSC) getroffen und die Durchf¨ uhrung realisiert oder durch den Base Station Controller (BSC). Je nachdem zwischen welchen Komponenten das Gespr¨ ach weiter gegeben wird, k¨ onnen sich folgende F¨ alle ergeben:
Intra-Cell-Handover:
Innerhalb der Zelle wird nur der Kanal gewechselt ,
wenn dieser zum Beispiel stark gest¨ ort ist. Der Wechsel kann auf eine andere Frequenz der Zelle oder auf einen anderen Zeitschlitz derselben Frequenz erfolgen. (Die Thematik der Aufteilung physikalischer Kan¨ ale in logische Kan¨ ale mittels Zeitschlitzen wird in dieser Arbeit nicht weiter vertieft.)
Inter Cell/ Intra-BSC Handover:
Hier wird der Funkkanal zwischen zwei
Zellen gewechselt, die von der gleichen BSC bedient werden.
Inter-BSC/ Intra MSC-Handover: In diesem Fall wird die Verbindung zwischen zwei Zellen gewechselt, die von unterschiedlichen BSC´s versorgt werden, jedoch im Bereich einer MSC liegen.
Inter-MSC-Handover: Zwischen zwei Zellen im Bereich unterschiedlicher MSC´s wird die Verbindung gewechselt.
Abbildung 1.3 zeigt den Normalfall der Handoversignalisierung eines Inter-BSC/ Intra-MSC-Handovers.
KAPITEL 1. GRUNDLAGEN DER FUNKNETZPLANUNG 13
In der Regel erfolgt die Entscheidung ¨ uber einen HO durch einen Schwellwertvergleich mit gemittelten Meßwerten einer Komponente eines Mobilfunksystems. Dabei werden Daten mit Informationen ¨ uber Feldst¨ arke, Gespr¨ achsqualit¨ at, Entfernung zwischen MS und BTS und die Leistung des empfangenen Signals einem Schwellwertvergleich unterzogen. Jedoch sind die verwendeten Algorithmen f¨ ur die endg¨ ultige Entscheidung des Handovers zwischen verschiedenen Netzbetreiber und sogar oftmals zwischen verschiedenen Mobilfunkger¨ ateherstellern unterschiedlich. Aber auch Netzwerk-Kriterien wie z.B. augenblickliche Verkehrslast oder Wartungsarbeiten k¨ onnen zu einer Handoverentscheidung f¨ uhren. Je nachdem wie ein Handover eingeleitet werden soll und wer ihn anordnet unterscheidet man zwischen folgenden Arten:
Mobilgest¨ utzter HO
Netzgesteuerter HO
Ferner findet eine Untergliederung nach Art des Verbindungsaufbaus und der Umschaltung zwischen dem alten und dem neuen Funkweg statt. Folgende Klassen von Handovervorg¨ angen sind zu unterscheiden.
HO mit festem Umschaltpunkt
KAPITEL 1. GRUNDLAGEN DER FUNKNETZPLANUNG 14
HO mit variablem Umschaltpunkt
Bei einem Handover mit festem Umschaltpunkt wird netzseitig noch vor der eigentlichen Umschaltung des Gespr¨ achs ein weiterer Kanal vom MSC zur neuen Basisstation durchgeschaltet. Damit soll die Verbindungsunterbrechung w¨ ahrend des Weiterreichens so kurz wie m¨ oglich gehalten werden, was aber nicht immer gelingt und sich durch ein st¨ orendes “Knacken” bemerkbar macht. Im fr¨ uheren C-Netz in Deutschland wurde diese Technik angewendet, wurde aber durch den HO mit variablem Umschaltpunkt abgel¨ ost, welcher in der heutigen GSM-Technik seinen Einsatz findet. Hier wird kuzzeitig w¨ ahrend des HO Vorgangs, eine zweite Verbindung zwischen MS und einer weiteren Basisstation aufgebaut. Erst nachdem die n¨ otigen Vorbereitungen zum endg¨ ultigen Handover getroffen worden sind, wird die alte Verbindung unterbrochen und die bereits funktionierende Verbindung aktiviert.
Ein Softhandover entspricht einem HO mit variablem Umschaltpunkt, nur steht die MS w¨ ahrend des Vorgangs mit zwei oder mehreren Basisstationen in einem st¨ andigen Datenaustausch und das Gespr¨ ach wird auf diejenige Verbindung geschaltet mit dem st¨ arksten oder dem am wenigsten gest¨ orten Signal. Jedoch wird diese Technik in Deutschland erst durch die in den n¨ achsten Jahren geplante Einf¨ uhrung von UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) Anwendung finden.
Eie zus¨ atzliche Unterscheidung des HO wird ¨ uber den Signalisierungsweg
gemacht. Werden alle ben¨ otigten Informationen zur Handoverdurchf¨ uhrung zwischen BTS und MS ¨ uber die alte Verbindung ¨ ubertragen und veranlaßt
die alte BTS den Handover, so spricht man von einem r¨ uckw¨ artsgesteuerten Handover. Beim vorw¨ artsgesteuerten HO werden die Informationen bereits ¨ uber
die Luftschnittstelle zur neuen Basisstation ¨ ubertragen, sie leitet dann auch den HO ein.
1.5.2 Handoveralgorithmen
Wie bereits erw¨ ahnt sind Handoveralgorithmen zwischen Netzbetreibern und Mobilfunkger¨ ateherstellern unterschiedlich. In diesem Kapitel beschr¨ anke ich mich auf die Darstellung der Algorithmen der Firma E+, deren Level-Handover All-goritmus ich in meiner Application MobileHOS Version 1.1 Beta implementiert habe. Generell erfolgt der Handovervorgang in vier Schritten
Arbeit zitieren:
Ludwig Danz, 2001, Java basierte GSM Handover Simulation von Mobilfunktelefonen, München, GRIN Verlag GmbH
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