Im engeren Sinne: Metaphysik soll durch Metabiologie substituiert werden, eine umfassendere biologische Theorie soll Einseitigkeiten beheben. Vertreten vor allem durch Naturwissenschaftler.
Im weiteren Sinne: Auf der Betonung des Ganzen (hólon) und in seiner Bedeutung, seines Rechts und Wertes gegenüber den Einzelteilen liegt der Augenmerk vor allem der Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaftler. Physik soll in Biologie als umfassender Wissenschaft aufgehen: 1. Ableitungszusammenhang zwischen biologischen und physikalischen Gesetzen und Prinzipien und 2. komplexere biologische G. und P. können nicht aus den einfacheren physikalischen abgeleitet werden.
• Spiritualistische Naturforschung am ausdifferenziertesten bei Rudolf Steiners Anthroposophie (Geisteswissenschaft); Steiner nimmt den Primat des Geistes über die Materie an, wobei die gegenwärtige Materie in einem kosmischen Prozess zukünftig vergeistigt werden wird (sog. evolutionärer Hylozoismus); Geist ist gnostisch (Läuterung) vorgestellt, als Fülle eines überirdischen, immateriellen Bereichs, dem die materielle Welt in Form eines Abstiegs (Devolution) entstammt; das Tier stammt vom Menschen ab, d. h. der Mensch setzte die Natur, in seiner Evolution zu Rationalität und Freiheit hin, aus sich heraus; Steiner strebt Synthese von Wissenschaft, Magie und Religion an in Form einer anschauenden Naturwissenschaft und einer übersinnlichen Naturforschung in drei Erkenntnisstufen (Imagination, Inspiration, Intuition) bei Ausbildung meditativer Fähigkeiten.
• Die New Age- Bewegung verbindet Holismus, Spiritualismus und die
Schichtentheorie der Natur Nicolai Hartmanns, dies zudem ergänzend in eklektischer Weise und zwar aus Mythologie, östlichen Philosophien und Meditationssystemen und anderer Quellen. Ziel ist unter anderem die Diskussion der Aufhebung der Dualismen, die stets, so Ken Wilber, in Paradoxa münden, „wenn (der Verstand) das Absolute zu erfassen sucht.“ Auch er beruft sich auf den Satz, dass das Ganze (GEIST) mehr ist als die Summe seiner Teile (Dualismen). Einzig echte Kontemplation erweist „unmittelbares Wissen des GEISTES um den GEIST (...).“ 2 Das menschliche Bewusstsein soll laut Fritjof Capra in einer „Kommunion mit dem Kosmos“ 3 in einen transpersonalem Zustand erweitert werden. Die Erde wird als ein Quasi-Lebewesen betrachtet, mit einer den kybernetischen Systemen gemässen Rückkoppelung an eine alles umfassende,
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komplexe und zielorientierte Einheit. In der Wende zum Wassermannzeitalter soll es, durch eine geistige Transformation des Indiviuums, zu einer Harmonisierung/Spiritualisierung des Universums kommen.
• Gegenwärtig setzt v. a. die Ökologie-Bewegung holistisches Denken fort. Ökologische Nischen werden integriert in größere Zusammenhänge (und Wechselbeziehungen der Teile zum Insgesamt, der natürlichen und künstlichen Um- und Mitwelt), die wiederum in noch größere und so fort. Verschiedene Teilbereiche: out-Ökologie (Beziehung des Einzelorganismus zu seinen äußeren Existenzbedingungen); System- oder Populationsökologie (bezüglich eines einheitlichen Organismuskollektivs); Syn-Ökologie (Erforschung von
Lebensgemeinschaften verschiedener Arten in ihren Beziehungen nach innen und aussen). Die ökologische Kritik schlägt sich mehr in der Ethik als im ästhetischen Aspekt nieder. Die Ethik kann sich nicht an der Festschreibung des status quo der Naturgeschichte mühen, würde dies konservative, der Natur geradezu kontradiktorische Grenzen implizieren. Sie könne wohl unserem emotionalen Empfinden entsprechen, ist aber rational und im Blick auf die Prozesshaftigkeit der Natur nicht zu rechtfertigen. 4 Dennoch liegt gerade hier der Punkt, wo wiederum dem Menschen bezüglich der Machbarkeit und der Umsetzung seiner Erfindungen, etc. Grenzen gesetzt sind, will der Mensch als solcher überleben.
II. Theoretischer Aspekt
Grundannahmen holistischen Denkens: Orientierung am Ganzen, Primat des Ganzen gegenüber den Teilen, Übersummation, explizite Opposition zum Mechanismus, die Welt als lebendiges Ganzes, als Organismus oder „(...) lebendes System“, dessen Eigentümlichkeit „(...) auf der Korrelation verschiedener Bestimmungen“ 5 beruht.
Karen Gloy sieht hingegen den Mechanismus einseitig und polemisch interpretiert. Unterstellt werde u. a., dass das Ganze keine anderen Eigenschaften habe als die in den Teilen formulierten, dass das Ganze aufgrund der Insistenz auf den Teilen vernachlässigt werde. Diese Kritik sei unhaltbar, da z. B. Maschinen bzw. das als Maschine konzipierte Universum/Natur in deren Arrangement teleologisch gedacht, und da Maschinen Kunstwerke und in derselben Weise wie Organismen beurteilbar seien. Der Ausgangspunkt, ob vom Ganzen oder ob von den Teilen, scheint demnach ein Unterschied zwischen holistischem und atomistisch-mechanistischem Denken.
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Zudem interessiert das Zusammenwirken der Organismen, welches unter anderem als Holobiose bezeichnet wird. Ihr gemäss sind alle höheren und komplizierteren Organismen aus einfacheren und niedrigeren hervorgegangen, z. B. die Zelle (als „Grundeinheit des Lebendigen“ 6 ). Hartmanns Schichtenmodell (als Lehre vom Aufbau der Gesamtwirklichkeit aus verschiedenen Wirklichkeitsbereichen) vermutet eine dritte Form der Determination (also weder die Annahme seelischer Kräfte, teleologischer Prinzipien noch das rein physikalische Kausalitätsprinzip), nämlich einen nexus organicus. Darunter wird die Schichtung und Interdependenz von Determinantenklassen (organisches, anorganisches, seelisches und geistiges Sein) in einer hochkomplexen Synthese heterogener Determinationsformen verstanden, wie z. B in den Phänomenen des formbildenden Prozesses, der Selbstregulation (im Sinne eines Strebens nach dem Gleichgewicht, der Konstanz des inneren Milieus) oder der Reproduktion ersichtlich. Die holistische Struktur der Natur bestehe in der aber nicht auseinander ableitbaren Kohärenz heterogener Determinationstypen, daher Schichtung. David Bohm entwickelte diesen Gedanken weiter und setzte mit der sog. Holographie sein Modell des Hologramms um. Er postuliert für das ganze Universum (geteilt in eine explizite, „entfaltete“, gleich der Welt der Objekte im leeren Raum und implizite Ordnung, den Wurzelgrund, einer Art morphogenetischem Feld)) eine dynamisierte Form holographischer Ganzheit, der zufolge bei beliebiger Teilung eines Bildes die gesamte Form des Bildes in den Teilen bewahrt wird. Alle Strukturen der Natur gingen aus dieser sog. Holobewegung (holomovement) hervor und zwar in jeder dynamischen Sequenz als deren implizite Ordnung „eingefaltet“. 7
Einer Ganzheit, verstanden als lebendes System, „(...) dessen wesentliche Eigenschaften sich aus den Beziehungen zwischen den Teilen entwickeln“, sind drei Merkmale eigen: die Form des Organismus, der geordnete Zusammenhang aller Stoffwechselleistungen und der geordnete Ablauf eines Bewegungsgefüges. 8 Durch dynamische, also prozesshafte Rückkoppelung zwischen Teilen, Ganzem, der Biosphäre bis hin zum Weltall erfolgen permanente Transformationen, die sich in Anpassung, Selektion, Variation äussern. Dieser andauernde Prozess liesse sich in drei Phasen einteilen: die chemische Evolution, der durch Selbstorganisation sich vollziehende Übergang vom Unbelebten zum Belebten und die darwinsche Evolution. 9 All diesen Entwicklungsstufen sind Zwecke eigen, die aber zum einen nicht vom Interesse geleiteten Menschen in die Natur hineingelesen werden könnten, „noch ist die gesamte Natur teleologisch auf ein absolutes Sein hingeordnet, (...) dem sie entgegenstrebt.“ 10 So sind neben den Wirk- auch die Zweckursachen von Wichtigkeit, will man mit Kant den Unterschied einer Maschine und eines belebten Organismus im Verhältnis
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Arbeit zitieren:
Anton Distler, 2004, Ganzheitliches Denken, München, GRIN Verlag GmbH
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