Inhaltsverzeichnis
1 Einführung. 1
2 Die Situation der Frauen in den Entwicklungsländern. 1
2.1. Zugang zu Bildung. 2
2.2 Gesundheitssituation. 4
2.3 Beschäftigungssituation. 5
2.4 Zugang zu Entscheid ungspositionen. 6
3 Auswirkung der Geschlechtergleichstellung auf den
Entwicklungsprozess. 7
3.1 Auswirkung durch Verbesserung der Bildungssituation. 7
3.2 Auswirkung durch Verbesserung der Gesundheitssituation. 8
3.3 Auswirkung durch Verbesserung der Beschäftigungssituation. 10
3.4 Auswirkung durch verbesserten Zugang zu
Entscheidungspositionen. 11
4 Fazit. 12
Literaturverzeichnis. 13
Anhang I: Gender-related Development Index (GDI) 15
Anhang II: Secondary Enrollment, 1995. 19
Anhang III: Corruption Index. 20
II
1 Einführung
Mit dem sozialen Geschlecht (Gender) werden die von der Gesellschaft bestimmten Rechte und Pflichten von Frauen und Männern beze ichnet. Das soziale Geschlecht wird vor allem durch regionale Unterschiede, die Religion und durch das Rechtssystem bestimmt und ist, im Gegensatz zur biologisch festgelegten Geschlechterrolle, veränderbar und unterliegt einem ständigen Wandel [vgl. BMZ (2001), S.2]. Das soziale Geschlecht bestimmt den Zugang zu Bildung, Gesundheit, Beschäftigung und Entscheidungspositionen. In Entwicklungsländern ist die Geschlechtergleichstellung noch lange nicht erreicht und Rechte und Pflichten von Frauen und Männern unterscheiden sich deutlich.
In dieser Arbeit soll zunächst die Situation der Frauen in den Entwicklungsländern dargestellt werden, wobei der Schwerpunkt auf der Bildungssituation, der Gesundheitssituation, der Beschäftigungssituation und dem Zugang der Frauen zu den Entscheidungspositionen liegt. Danach wird auf die Auswirkungen einer Verbesserung der Situation der Frauen in diesen vier Bereichen eingegangen.
2 Die Situation der Frauen in den Entwicklungsländern
In keinem Land der Erde ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern vollständig verwirklicht [vgl. BMZ (2001), S.3].
Jedoch ist diese Ungleichheit (gender inequality) weltweit unterschiedlich ausprägt. Um eine Messung und internationale Vergleiche zu ermöglichen werden vom United Nations Deve lopment Programm (UNDP) zwei zusammengesetzte Maßeinheiten vorgeschlagen. Diese zwei Maßeinheiten sind der Index für menschliche Entwicklung (Human Development Index, HDI) und der darauf aufbauende geschlechtsbezogene Index (Gender-related Development Index, GDI) [vgl. UNDP (1995), S.78]. Der HDI misst die durchschnittliche Leistung eines Landes bei den grundlegenden menschlichen Fähigkeiten und zeigt, an ob Menschen über Zugang zu Bildung und über eine adäquate Gesundheitsversorgung verfügen sowie einen angemessenen Lebensstandard haben [vgl. UNDP (1995), S.79].
1
Während der HDI die Situation aller Bewohner eines Landes untersucht, berücksichtigt der GDI bei der Messung der grundlegenden Fähigkeiten zusätzlich die Ungleichheit der Ergebnisse bei Männern und Frauen [vgl. UNDP (1995), S.79]. Je größer die geschlechterspezifischen Unterschiede eines Landes sind, desto größer ist die Differenz von HDI und GDI. In den aktuellen Studien liegt der Wert des GDI immer unter dem des HDI. Eine Gleichstellung der Geschlechter ist somit in keinem Land der Erde anzutreffen, da der maximale GDI-Wert von 1,000 nicht erreicht wird. Norwegen steht mit 0,941 an der Spitze der GDI-Skala. 52 der 175 untersuchten Länder liegen bei einem Wert über 0,800. Dies bedeutet, dass es gelungen ist, ein relativ hohes Niveau bei den grundlegenden Fähigkeiten zu erreichen, ohne nennenswerte Unterschiede bei den Geschlechtern entstehen zu lassen. 39 Länder haben einen GDI-Wert der unter 0,500 liegt. In der Regel haben diese Länder auch einen relativ niedrigen Rang auf der HDI-Skala. Dies bedeutet, dass die Frauen unter einem niedrigen Entwicklungstand leiden und gleichzeitig weniger Zugang zu Bildung, zu Gesundheitsversorgung und zu bezahlter Beschäftigung haben, als die Männer in diesen Ländern [vgl. Anhang I, S.15 und UNDP (1995), S.84, vgl. UNDP (2003), S.237ff., vgl. UNDP (2003), S. 310ff.].
2.1 Zugang zu Bildung
Allgemein kann der Zugang zu Bildung in drei Bildungssektoren unterteilt werden. Der primäre Bildungssektor umfasst den Zugang zur Schule und die Lesefähigkeit als Vorraussetzung sozialer Teilhabe. Der sekundäre Bildungssektor, welcher auf die Grundbildung aufbaut, bietet weiterführenden allgemeinen oder fachbezogenen Unterricht. Der tertiäre Bildungssektor umfasst das Studium an Hochschulen bzw. Fachhochschulen [vgl. Lenz (2002), S.15 und vgl. UNESCO (1997) in Hemmer (2002), S.205].
Im Jahr 1998 lag die weltweite Einschulungsrate der Kinder bei 84 %. Dies bedeutet in absoluten Zahlen, dass 113 Millionen Kinder keinen Zugang zum primären Bildungssektor hatten. 60 % davon waren Mädchen [vgl. UNDP (2002), S.21 f.]. In allen Regionen außer Industrieländern und Lateinamerika ist die Dauer des Schulbesuches von Mädchen kürzer als bei Jungen. Gründe hierfür liegen zum
2
Beispiel bei den Arbeitsanforderungen im Haushalt der Eltern und den Schulgebühren [vgl. UN (2000) S.87 in Lenz (2002), S.16].
Weiterhin gibt es Unterschiede bei den Einschulungsraten im Stadt - Land Vergleich, in Gebieten der Armut und innerhalb der Minderheiten [vgl. Lenz (2002), S.16] Bei dem Zugang zum primären und sekundären Bildungssektor gibt es deutliche regionale Unterschiede.
Eine relative Geschlechtergleichstellung ist in den Regionen Lateinamerika, Ostasien und Zentralasien vorzufinden. Das Verhältnis von Jungen und Mädchen im primären und sekundären Bildungssektor war etwa gleich. Eine Geschlechterungleichheit besteht im Nahen Osten und Nordafrika. Hier hatten 8 bis 10% weniger Mädchen als Jungen Zugang zu Bildung. Noch deutlicher ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern in den Regionen Südasien und Sub -Sahara Afrika 1 . Hier liegt der Anteil der Mädchen, die zur Schule gehen, 11 bis 13% unter dem Anteil der Jungen. Allerdings ist auch die Einschulungsrate in Südasien und Sub-Sahara Afrika im Vergleich zu den anderen Regionen relativ niedrig [vgl. Lenz (2002), S.15]. Beim Zugang zum tertiären Bildungssektor kommt es zu einem zunehmenden Abbau der Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Lag die Rate weiblicher Studierender 1970 noch 50% unter der Rate männlicher Studierender, betrug der Unterschied 1990 nur noch 30% [vgl. UNDP (1995), S.38]. Auch hier findet man deutliche regionale Unterschiede. In der Region Ostasien studieren nur 20 % weniger Frauen als Männer. In der Region Sub-Sahara Afrika beträgt dieser Unterschied dagegen 67% [vgl. UN (2000) in Lenz (2002), S.16]. Trotz der zunehmenden Gleichstellung und der Fortschritte bei der Schaffung von Bildungsangeboten besteht weiterhin das Problem des Analphabetismus. Zwei Drittel der weltweit 900 Millionen Analphabeten sind Frauen. Dieses Problem wird sich wahrscheinlich weiterhin verschärfen, da in einigen Entwicklungsregionen die Bevölkerung schneller wächst als die Zugangsmöglichkeiten der Frauen zu Bildung [vgl. UNDP (1995), S.39].
1 Ohne Südafrika.
3
2.2 Gesundheitssituation
Die Gesundheitssituation der Frauen und Mädchen wird unter anderen bestimmt durch die Ernährungssituation, den Zugang zur medizinischer Versorgung und der Geburtenrate.
Eine Beurteilung geschlechterspezifischer Unterschiede in der Ernährungssituation ist aufgrund unzureichender Datenlage schwierig. Häufig ist aber zu beobachten, dass in Gebieten hoher Armut Jungen besser ernährt sind als Mädchen. Erwachsene Frauen leiden häufiger unter Unterernährung, Eisenmangel oder
Wachstumshemmungen als die Männer 2 . Bei den Frauen im gebärfähigen Alter haben 77 % der schwangeren Frauen aus mittleren Einkommensschichten, und 95 % der Frauen aus den niedrigen Einkommensschichten Untergewicht [vgl. UNDP (1995), S.39 f.].
Neben der allgemein unzureichenden Gesundheitsversorgung wird zusätzlich das besondere Gesundheitsbedürfnis von schwangeren Frauen in Entwicklungsländern stark vernachlässigt. Es stehen keine qualifizierten Geburtshelfer, eine ausreichende Versorgung während und nach der Schwangerschaft oder Notfallbetreuung zur Verfügung [vgl. UNDP (1995), S.41]. Jedes Jahr sterben mehr als eine halbe Million Frauen an den Folgen häufiger Schwangerschaften und mangelnder medizinischer Betreuung während der Geburt [vgl. BMZ (2001), S.3]. Die Anzahl der Nachkommen, und damit die Geburtenrate, hängt von gesellschaftlichen Normen und Traditionen, den Möglichkeiten zur Altersvorsorge aber auch von Bildung und Erwerbstätigkeit der Frauen ab [vgl. Dasgupta (1996), S.52].
Die durchschnittliche Geburtenrate liegt in den Entwicklungsländern bei 3,5 Geburten je Frau [vgl. UNDP (1995), S.63]. Besonders problematisch ist die Situation der Frauen in der Region Sub-Sahara Afrika. Dort liegt die Geburtenrate zwischen 6 und 8 [vgl. Dasgupta (1996), S.51]. Diese Region hat gleichzeitig die höchste Müttersterblichkeit der Welt mit 600 pro 100 000 Lebendgeburten [vgl. UNDP (1995), S.32].
2 Eisenmangel betrifft 458 Mio. Frauen aber nur 238 Mio. Männer. Wachstumshemmungen liegen bei 450 Mio.
Frauen und 400 Mio. Männern vor [vgl. UNDP (1995), S.40].
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Arbeit zitieren:
Jeanne Humpf, 2004, Gender - Fragen im Entwicklungsprozess, München, GRIN Verlag GmbH
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