Gliederung
I. Einführung 1
II. Hauptteil 2
1. Die scheinbare Wiederherstellung der Republik 2
2. Neuverteilung der Kompetenzen 3
3. Nomination und Commendation 5
4. Der Zensus und die Regelung des Zugangs zum Senat 6
5. Senatoren im Dienst des Prinzeps 9
6. Consilium des Augustus 11
7. Richterliche Befugnisse des Senats 12
8. Die Legitimation der Macht des Augustus 13
III. Zusammenfassung 17
II
Literaturverzeichnis
Bleicken, Jochen
Verfassungs- und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreiches, 4. Auflage, 1995 (zitiert als: Bleicken) Dettenhofer, Maria H.
Herrschaft und Widerstand im augusteischen Prinzipat: die Konkurrenz zwischen Res publica und Domus Augusta, Stuttgart 2000 (zitiert als: Dettenhofer) Christ, Karl
Krise und Untergang der römischen Republik, Darmstadt 1993 (zitiert als: Christ Krise (…)) Christ, Karl
Die Dialektik des augusteischen Prinzipats, in: Römische Geschichte und Wissenschaftsgeschichte, S. 253 ff., 3. Auflage, Darmstadt 1982 (zitiert als: Christ Römische (…)) Kienast, Dietmar Augustus, Darmstadt 1982 (zitiert als: Kienast) Meyer, Ernst
Römischer Staat und Staatsgedanke, 1961 (zitiert als: Meyer) Vittinghoff, Frederick Kaiser Augustus, 1991 (zitiert als: Vittinghoff)
III
I. Einführung
Aus den Wirren des römischen Bürgerkriegs mitsamt der Ermordung Caesars ging mit Octavian ein Herrscher hervor, dessen politisches Handeln die Phantasie der Forscher bis heute anregt. Durch den Sieg bei Actium war Octavian der unangefochtene Führer in der römischen Welt. Sein verfassungsrechtlicher Status hingegen war unsicher. Noch war Rom eine Republik mit 2 Konsuln und einem Senat als Machtträger, aber eine freiwillige Beschränkung oder Zurücklegung der Macht, kam bei Octavian nicht in Frage. Eine Einigung mit dem Senat musste unbedingt herbeigeführt werden. Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Frage, wie es dem Octavian gelungen ist, die Autorität des Senats wieder zu neuem Leben zu erwecken und auf diesem Grund die Fundamente des Staates zu legen, die die Zeit überdauern werden.
Wir setzen uns mit dem Thema Augustus und der Senat auseinander und wir erstellen eine Beschreibung der Verhältnisse, die zur Entstehung eines einheitlichen und in sich geschlossenen Systems beigetragen haben.
Wir erläutern die Rolle der Senatoren im Dienst des Prinzeps, die Neuverteilung der Kompetenzen und zum Schluss machen wir Bemerkungen zu den ständigen Versuchen der Legitimation von Macht des Augustus. Behilflich bei unseren Überlegungen wird Monumentum Ancyranum - der Tatenbericht des Augustus sein.
1
II. Hauptteil
1. Die scheinbare Wiederherstellung der Republik
Am 13.Januar 27 v. Chr, im Jahre seines siebten Konsulats, kündigte Augustus in einer Rede vor dem Senat seine Absicht an, res publica zurückzugeben, also sämtliche Vollmachten aufzugeben und Privatmann zu werden. Octavian hätte damit die wichtigste offizielle Basis seiner Macht aufgegeben. Er hatte den Senat offensichtlich verblüfft, was er beabsichtigt haben dürfte. Um die gewünschten Reaktionen zu erhalten, hatte er seine Freunde von seinem Plan in Kenntnis gesetzt. Sie spendeten ihm für seine Ansprache lebhaften Beifall. Bei der großen Mehrheit der Senatoren herrschte jedoch Verwunderung, aber niemand wagte in dieser Situation, offen seine Meinung zu dem Gesagten zu äußern. 1 Der Senat, dem Oktavian Augustus im Januar 27 v. Chr. die res publica zurückgab, war nicht mehr der Senat des Jahres 44 v. Chr. In den vergangenen 17 Jahren hatte sich die hohe Körperschaft wesentlich verändert. Im Dezember 43 v. Chr. gab es in Rom nur 17 Consulare, von denen die meisten politisch keine große Bedeutung hatten. Bald sank die Zahl der Consulare noch weiter und im Jahre 40 v. Chr., gab es außer der Triumvirn höchstens noch 12 Konsuln. Der Senat, der im Jahre 27 v. Chr. den jüngeren Caesar als Augustus grüßte, zählte jedoch wieder an die vierzig Consulare. Diese Zahl kam durch die Bestellung der neuen Leute - homines novi - zustande. 2 Der Neubau von Staat musste scheitern, wenn es nicht gelang, eine kaisertreue politische Elite heranzubilden. 3 Die „neuen Leute“ waren die reichen und angesehenen Männer aus den italienischen Kolonien und Munizipien, die damals in die Curie gelangten und zu den höchsten Ämtern aufstiegen.
1 Dettenhofer S. 73-74
2 Kienast S. 126
3 Vittinghoff S. 58
2
Dem Aufkommen „neuer Leute“ entsprach das Aussterben alter Geschlechter. Im Ganzen kann man feststellen, dass sich die alte Nobilität von der Verfolgung, von der sie in der Triumviratszeit betroffen war, niemals mehr erholen sollte. Schon aus diesem Grund konnte der Akt des Jahres 27 v. Chr. keine echte Wiederherstellung der alten Republik sein. Dennoch war die Regelung des Jahres 27 v. Chr. nicht ein bloßes Manöver, um die römische Öffentlichkeit über den wahren Charakter der neuen Monarchie hinwegzutäuschen. Es handelte sich vielmehr um einen Kompromiss. 4 Die politische Opposition gegen den Prinzipat berief sich noch lange auf die republikanische Tradition, doch es war irreal und utopisch, an eine Restituierung der Senatsherrschaft zu glauben. 5 Augustus konnte auch im Jahre 27 v. Chr. in Rom nicht völlig nach seinem Belieben schalten. Immer noch saßen im Senat Herren, welche die freie Republik gesehen hatten und welche über einen angesehenen Namen und einen beträchtlichen Anhang verfügen. Und von den „neuen Leuten“ werden sich gerade die wichtigsten Helfer des Prinzeps nic ht mit einer bloßen Statistenrolle abgefunden haben. Diese homines novi hatten als Lohn für ihre Dienste nicht deswegen den Eintritt in den Senat und die höheren Ämter erstrebt, um nun mitsamt dem Senat einfach beiseite geschoben zu werden. Zusammen mit den Resten der alten Nobilität bildeten sie eine politische Größe, mit der Augustus rechnen musste. Deswegen konnte er dann auch nicht anders, als dem Senat, wie er es versprochen hatte, die Rückgabe der res publica anzubieten. 6
2. Neuverteilung der Kompetenzen
Im Jahre 27 v. Chr. kam es zwischen dem Prinzeps und dem Senat zur Neuverteilung der Kompetenzen. Der Prinzeps hatte aber vielmehr von Anfang an dafür gesorgt, dass die eigentlichen Entscheidungen
4 Kienast S. 127
5 Christ Krise (…) S. 465
6 Kienast S. 128
3
weiterhin bei ihm lagen. Die Truppen, auch diejenigen in den Senatprovinzen, waren ihm ergeben. 7
Während seiner ganzen Regierungszeit suchte Augustus auch immer wieder die Zusammensetzung des Senats zu bestimmen und zu kontrollieren. Schon im Jahre 29 v. Chr. hatte Augustus auf Grund einer lex Saenia die Zahl der patrizischer Familien erheblich erhöht. Die Patrizierernennung war neben der Aufnahme in die Senatsliste ein Mittel für Oktavian, sich bestimmte Familien zu verpflichten. Etwa ein drittel der unter Augustus nachweisbaren Patrizier verdankt seinen Patriziat dem Prinzeps. Es spricht vieles dafür, dass Augustus die alte Nobilität durch einen neuen Patrizieradel ablösen wollte, der ihm selbst - verwandtschaftlich - eng verbunden war und durch die Übernahme der obersten Magistratur und der höchsten Priesterämter ein gesteigertes Prestige erwarb. 8 Der Caesar hat dann mehrfach eine Revision der Senatsliste vorgenommen. Selbst stellte sich Oktavian an die Spitze der Senatsliste, womit er den informellen Titel eines prinzeps senatus beanspruchte. 9 Die Unentbehr lichkeit republikanischer Elemente und der republikanischen Tradition stand für Octavian von Anfang an fest 10 und seine Maßnahmen konnten als Erneuerung des Senats im Sinne einer Wiederherstellung der alten Würde des Gremiums propagiert werden. 11
Die im Jahre 18 v: Chr. vorgenommen Revision der Senatsliste bildete praktisch eine Neukonstitution des Senats und führte dazu, dass der Senat wieder wie in der letzten Zeit der Republik auf 600 Mitglieder beschränkt wurde. Augustus hat die Senatslesen dazu benutzt, ritterbürtige Männer in den Senat aufzunehmen. Außerdem hat Augustus mindestens zweimal vakante Stellen des Volkstribunats mit
7 Kienast S. 128
8 Kienast S. 128
9 Detenhoffer S. 66
10 Christ Krise (…) S. 465
11 Detenhoffer S. 67
4
Quote paper:
Lukasz Sokolowski, 2003, Augustus und der Senat, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Die Rolle des römischen Senats unter der Herrschaft des Augustus
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Kaiser und Senat unter Augustus und Mark Aurel
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Das Verhältnis zwischen Augustus und Senat zu Beginn des Prinzipats
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Machtergreifung oder Machtübertragung? - Eine Kontroverse
History Europe - Germany - National Socialism, World War II
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 17 Pages
Bismarck - Ein Feind der deutschen Kolonialexpansion?
History Europe - Germany - 1848, Empire, Imperialism
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Zusammensetzung und Amtsbefugnisse des römischen Senats
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Der Marshall-Plan. Amerika und Sowjetunion: Zwei Sichtweisen und ihre ...
History Europe - Germany - Postwar Period, Cold War
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Die Herrschaft des Tiberius - Der Transformationsprozess von der Repub...
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Die Grenz- und Außenpolitik des Augustus im Osten und Westen des römis...
History - World History - Early and Ancient History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 34 Pages
Die 'Außenpolitik' des Kreisauer Kreises - Moltke und Trott un...
History Europe - Germany - National Socialism, World War II
Scholary Paper (Seminar), 33 Pages
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Das röm. Reich zur Zeit des Augustus
History - World History - Early and Ancient History
Presentation / Essay (Pre-University), 6 Pages
Pedagogy - School System, Educational and School Politics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Blumenproduktion in Kolumbien - Ein Fall von Wirtschaftssklaverei?
Business economics - Business Ethics, Corporate Ethics
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Bedingungen, die das Mathematiklernen erleichtern: Zur sorgfältigen Au...
Termpaper, 26 Pages
Die Gewaltenteilung nach Montesquieu
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Termpaper, 19 Pages
Sauvage Julien likes Augustus und der Senat
Lukasz Sokolowski has published the text Augustus und der Senat
Lukasz Sokolowski has uploaded a new text
Baltisch-europäische Rechtsgeschichte und Lexikographie
Im Auftrag der Heidelberger Ak...
Ulrich Kronauer, Thomas Taterka
Monumentum Georg Morgenstierne, 1892-1978, Tome I.(Textes Et Mimoires,...
Georg Morgenstierne
Monumentum Georg Morgenstierne, 1892-1978, Tome II. (Textes Et Mimoire...
Georg Morgenstierne
Politik und Religion in der Europäischen Union
Zwischen nationalen Traditione...
Hartmut Behr, Mathias Hildebrandt
0 comments