Gliederung
1. Einleitung
2.1 Internet und PC im Bewusstsein der Historiker
2.2 Mittelalter
2.3 Beispiel einer Mittelalter-Seite im Internet
2.4 “e-Text“ und Fotokopie
2.5 Landes- und Regionalgeschichte
2.6 Bibliotheken
2.7 Archive
3.1 Verlässlichkeit von Informationen aus dem Internet
3.2 Beispiel für ein Internet-Portal - Die Virtual Library Geschichte -
4. Schluss
2
1. Einleitung
Das Internet erfreut sich auch im wissenschaftlichen Bereich immer größerer Beliebtheit. Seit etwa sechs Jahren ist es zu einem unerlässlichen Instrument von Forschung und Lehre geworden - wenngleich bei allem Enthusiasmus niemals der Wert einer Bibliothek oder eines Archivs vergessen werden darf 1 . Doch gerade im Zusammenwirken mit diesen erweist sich das Internet zunehmend „als eine der tragenden Säulen von Forschung und Lehre im Fach Geschichte“ 2 . Das Angebot hierbei ist, sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne immens und der wissenschaftliche Wert von Informationen nicht immer erkennbar. Im Folgenden möchte ich sowohl die geschichtliche Entwicklung - soweit sie die Geschichtswissenschaft betrifft, als auch die Auswirkungen auf wichtige Einrichtungen der geschichtlichen Forschung näher betrachten. Der Schwerpunkt meiner Ausführungen wird dabei auf dem Bereich der mittelalterlichen Geschichte liegen. Um einen Praxisbezug herzustellen, werde ich außerdem zwei meiner Meinung nach wichtige Internetseiten unter dem Blickwinkel der Wissenschaftlichkeit kommentieren. Hierbei soll sowohl die Frage nach der Nützlichkeit als auch der Verläßlichkeit der angebotenen Informationen im Vordergrund stehen.
2.1 Internet und PC im Bewusstsein der Historiker
Die Entwicklung des Personalcomputers ist, aus heutiger Sicht betrachtet, ein Glücksfall für die Geisteswissenschaften gewesen. Dennoch wurde dieser technische Fortschritt natürlich nicht vorangetrieben, um den Geisteswissenschaften unter die Arme zu greifen. Das Aufgabenfeld der “Rechnerbasierten Telekommunikation“ war vielmehr auf dem militärischen Sektor zu sehen. So war es die Aufgabe von Computern „Gleichungen zu lösen, Nachrichten des Feindes zu dechiffrieren oder Ballistiktabellen zu kalkulieren“ 3 . Der erste kommerzielle PC wurde bereits 1975 von der Firma Altair Company auf den Markt gebracht.
1 Vgl. Jenks, Stuart. Internet für Historiker -Eine praxisorientierte Einführung-. Weimar-Wien 2000, S. XII
2 Zitiert nach: Jenks, Stuart. Internet für Historiker -Eine praxisorientierte Einführung-.
Weimar-Wien 2000, S.XIII
3 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.1
3
Der erste PC, von Amateuren zum Bau von Mikrocomputern verwendet, bestand damals noch aus Einzelteilen und musste mittels einer umfassenden Bedienungsanleitung zusammengebaut werden.
Doch die Erfolge des Unternehmens Altair machten andere Firmen auf den “Neuen Markt“ aufmerksam und so begannen auch sie ihre eigenen Computer oder aber Software für die Systeme zu entwickeln. So wurde kurz nach Erscheinen des ersten PCs bereits die Programmiersprache BASIC herausgegeben. „Bis 1977 wurden fertige PCs von Unternehmen wie Apple, Tandy und Commodore neben kleineren Firmen wie Kaypro und Sinclair/ Timex angeboten“ 4 . Nun wurden auch zum erstenmal die Historiker mit dieser neuen Art der Technik konfrontiert. Allerdings standen sie ihr zumeist kritisch gegenüber und waren kaum geneigt diese Neuerungen beruflich anzuwenden. Einer der Gründe für diese Ablehnende Haltung gegenüber dem Fortschritt scheint auf den ersten Blick etwas paradox. Vielen Historikern war klar, dass diese Entwicklung eine nicht unwesentliche Erleichterung, der zumeist langwierigen Aufgaben, „die ein Historiker erledigen muss, bevor er überhaupt mit der inhaltlichen Arbeit beginnen kann“, mit sich bringen würde. Genau in diesem Sachverhalt sahen viele eine Gefährdung ihrer persönlichen Stellung und eine Aufweichung der Statusunterschiede innerhalb der Historikerzunft. Hierbei sei auf die zahlreichen Mühen verwiesen, die damals mit der Erstellung und Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten verbunden waren. Aus diesem Grund war eine Anstellung an einer finanziell gut ausgestatteten Universität stets ein großer Vorteil. An diesen, zumeist an der Ostküste der USA gelegenen Universitäten, wurden den Historikern Sekretärinnen zur Verfügung gestellt, welche die Schreibarbeit bewältigten, wodurch die Historiker wiederum mehr Zeit für die Forschung aufbringen konnten und so mehr Anerkennung ihrer Kollegen erlangten. Es galt damals der Grundsatz, dass ein Aufstieg innerhalb der Zunft vor allem mit Geld und möglichst vielen Publikationen verbunden war. Der Aufstieg für junge Talente bezeichnete sich dagegen als schwierig. Oft mussten sie mit knapp bemessenen Forschungshaushalten aber hohen Lehrdeputaten und isoliert von den Zentren der Forschung um den Aufstieg kämpfen. Mit der Einführung der PC und moderner Textverarbeitungsprogramme sollte sich dieses Missverhältnis jedoch relativieren. „Die Vorteile der neuen Technik drohten nunmehr allen Kollegen die Vorteile zu gewähren, die bislang den führenden Vertretern der Zunft an den gut
4 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.3
4
ausgestatteten Universitäten vorbehalten waren“ 5 . Einen weiteren Schritt in Richtung Anerkennung der Technik brachte die Vernetzung der City University of New York und der Yale University im Jahre 1980. 1984 wurde dieses System durch das britische Netzwerk JANET erweitert. Damit stand der Weg offen für die flächendeckende Vernetzung der Universitäten. Die “Isolation“ der Universitäten im Landesinneren der USA war somit umgangen und eine intensive Kommunikation unter den Historikern ermöglicht worden. Doch noch immer hielten sich die Historiker - mit wenigen Ausnahmen - von der Nutzung des neuen Mediums zurück. Der Durchbruch für die Historiker sollte erst in den Jahren 1987-1992 folgen. Mittels einer Diskussionsliste, gekoppelt an einen Fileserver, war es von da an möglich sich an Diskussionen via Internet zu beteiligen und Interessierten Materialien zum Downloaden anzubieten. Damit war auf einen Schlag eine kritische Masse vorhanden und interessierte Historiker konnten, ungeachtet von Raum und Zeit geschlossen als Gruppe auftreten 6 . Als Folge dieser großen Nachfrage entstanden nach und nach weitere Projekte. 1990 wurde, mit HYTELNET, ein umfassender elektronischer Bibliothekskatalog herausgebracht. Dieser sorgte für weitere Chancengleichheit unter den Historikern. Niemand musste nun noch in zeitraubender Suche, in gedruckten Katalogen der Bibliotheken stöbern, um ein benötigtes Werk zu orten oder die Richtigkeit einer Information zu bestätigen. Dennoch gehörten eben diese Tätigkeiten weiterhin zu den Grundfertigkeiten der Historiker. In den folgenden Jahren wurden die Server stetig weiterentwickelt. Mit der Einführung eines, von NETSCAPE entwickelten, Browsers im Juni 1994 wurden weiter 1500 Internetserver - über Nacht - verbunden, die „die älteren Aktivitäten vollkommen in den Schatten stellten“ 7 . Damit hatte das Internet schließlich doch Einzug in das öffentliche Bewusstsein und in den Blickwinkel der Historiker erhalten.
5
Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.6
6 Vgl. Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.9
7 Zitiert nach: Jenks, Stuart (Hg.). Internet-Handbuch Geschichte, Weimar-Wien 2001, S.17
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Arbeit zitieren:
Timo Mauelshagen, 2003, Geschichte im Internet: Geschichtswissenschaften Schwerpunkt: Mittelalter - mit zwei Beispielen für Internetseiten, München, GRIN Verlag GmbH
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