zu dokumentieren; doch vor allem den Konsumenten der Kunst zum Denken anzuregen. Hier liegt die Verknüpfung zum ersten Teil der These. Will ein Künstler durch sein Werk etwas erreichen oder aussagen, so muss er es interessant und diskussionswürdig gestalten. Ein wirksames Mittel aufzufallen ist es unangenehme Dinge anzusprechen und offen darzustellen. Unklare Dinge sind unbequem, unangenehm und provokativ. Durch diese Eigenschaften kann der Künstler, in unserem Fall der Autor, die Aufmerksamkeit des Lesers auf sein Anliegen ziehen. Zudem ist das Unangenehme an der Literatur der Widerhaken, der sie in unserer Erinnerung haften lässt. Der dritte Teil knüpft an meine Deutung der These an. Wenn die Literatur eine Gegenkraft ist, dann provoziert sie die Gesellschaft, denn sie richtet sich gegen deren Einstellung. Der dritte Teil der These ist eine Verallgemeinerung des ersten und des zweiten Teils der These, da sie sich nicht nur auf die heutige Zeit sondern auf die Literatur allgemein bezieht. Das bedeutet, dass die Literatur sich mit der Gesellschaft, in der sie entsteht, verändert.
Betrachtet man die Literatur im Vergleich mit der Epoche, in der sie entstanden ist, erkennt man oft die Eigenschaft großer, noch heute bekannter Werke, unbequem für die damalige Gesellschaft zu sein, Dafür gibt es viele Gründe. Ein Beispiel dafür ist „Effi Briest“ von T. Fontane. Er stellt darin dar, wie die damalige Gesellschaft auf Menschen wirkte und was sie aus ihnen machte. Er kritisiert das Diktat der gesellschaftlichen Normen und stellt das Duell in Frage. Damit richtet er sich gegen die Gesellschaft und deren Eigenschaften, denn er fügt sich nicht ihren Regeln, sondern dokumentiert und kritisiert sie. Versetzt man sich also in die Zeit Fontanes zurück, muss es für die Leser von „Effi Briest“ sehr unangenehm gewesen sein zu sehen, wie Effi Briest und Major Crampas an den Regeln der Gesellschaft zugrunde gehen. Zudem war es für sie unbequem sich damit auseinander zu setzen, ob Instetten und Wüllersdorf nicht Recht haben, wenn sie ihre Zweifel über die Gesellschaft äußern. Ein weiteres unbequemes Element ist der Chinesenspuk, welcher nie völlig aufgeklärt wird. Dadurch muss der Leser sich über die Eigenschaften der Charaktere informieren und ihre Beziehungen und Interessen kennen. Dies setzt eine gründliche Auseinandersetzung mit dem gesamten Werk voraus. Hier ist das Werk jedoch vorwiegend eine Gegenkraft. Ein anderes Beispiel für die Funktion als Gegenkraft der Literatur ist „Kabale und Liebe“ von Schiller. Es setzt sich mit der problematische n Ständegesellschaft auseinander. Hier entstehen jedoch keine Unklarheiten, das Werk selbst ist durch das provokative Thema und die heftige Kritik spektakulär genug. Die Aktualität des Dramas, welches noch heute aufgeführt wird, liegt darin, dass Durchbrechen gesellschaftlicher Schranken heute in anderer Form sehr aktuell ist. Doch nicht nur in früheren Zeiten war die Literatur vom Aufbereiten unangenehmer Themen
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Arbeit zitieren:
Miriam Böttcher, 1997, Der Anspruch des Literaturbegriffs, München, GRIN Verlag GmbH
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Lernersprache: Theorien zu ihrer Entwicklung aus sozialpsychologischer...
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