2
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung: Kurze geschichtliche und biographische
S. 3
Einordnung Walter Benjamins und seines Werks
2. Hauptteil: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner
S. 5
technischen Reproduzierbarkeit
S. 5
2.1 Entstehungsgeschichte der technischen Reproduzierbarkeit
S. 7
2.2 Aura des Kunstwerks
S. 8
2.3 Ausstellungswert verdrängt Kultwert
S. 9
2.4 Veränderungen in der Rezeptionsweise
S 15
2.5 Funktionswechsel der Kunst
3. Schluß S 17
4. Literaturverzeichnis S 19
3
1. Einleitung: Kurze geschichtliche und biographische
Einordnung Walter Benjamins
Walter Benjamin wird am 15. Juli 1892 in Berlin als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Der aus dem bürgerlichen Milieu stammende Benjamin studiert in Freiburg, München, Berlin und Bern Philosophie, deutsche Literatur und Psychologie. Nach seiner Promotion lebt er als freier Schriftsteller und Übersetzer in Berlin bis er 1933 nach Paris emigriert und dort Mitglied des Instituts für Sozialforschung wird. Als er von Organen der Franco-Regierung im spanischen Grenzort Port Bou gezwungen wird, in den kollaborationistischen Teil Frankreichs zurückzukehren, nimmt Benjamin sich am 27. September 1940 das Leben. Der studierte Philosoph und Literaturkritiker Benjamin ist aber auch Soziologe und Zeitkritiker. Er schreibt Arbeiten in allen genannten Bereichen, die sein weitgefächertes Wissen und Interesse zeigen. Dabei schaut er über die einzelnen Fachgebiete hinaus. Beeinflußt wird er von der Frankfurter Schule, einem Kreis von Sozial- und Kulturwissenschaftlern, die eine kritische Gesellschaftsanalyse betreiben. Dort lernt er auch Adorno kennen, der sich nach Benjamins Tod für die Anerkennung seiner Theorien einsetzt und 1955 den Suhrkamp Verlag als Verleger der Werke des Theoretikers gewinnt.
Zu seinem Hauptwerk zählt auch der 1936 erscheinende Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Der Aufsatz stellt bis heute einen bedeutenden Beitrag zur Kunstphilosophie dieser Zeit dar. Einer Zeit, in der die Weimarer Republik beendet ist, die Faschisten die Macht an sich gerissen haben und nun mit allen Mitteln versuchen, diese in ihren Händen zu behalten. Die genannte Arbeit des Marxisten Benjamin ist geprägt von diesen politischen Zuständen und wendet sich gegen den Nationalsozialismus. Sein Hauptanliegen ist jedoch :
„bestimmte Kunstformen, insbesondere den Film, aus dem Funktionswechsel zu verstehen,
1 dem die Kunst insgesamt im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung unterworfen ist.“
1 Unseld, Siegfried (Hrsg.): Zur Aktualität Walter Benjamins, S.54
4
In Opposition zu den Theoretikern, wie z.B. R. Arnheim, die zum Curriculum des ersten Semesters zu zählen sind und sich mit der Frage beschäftigen, ob der Film nun Kunst ist oder nicht, geht es Benjamin vielmehr darum festzustellen, ob und inwieweit das neue Medium Film den Gesamtcharakter der Kunst verändert. Seine Weitsichtigkeit und Vielseitigkeit beweist Benjamin darin, daß er, anders als Dieter Prokop, der nur die wirtschaftlichen Faktoren untersucht, sowohl die geschichtlichen und ästhetischen, als auch die sozialen Prozesse beschreibt. Walter Benjamin verfährt dabei deskriptiv, indem er einen Funktionswandel der Kunst beobachtet 2 , formuliert aber auf seinen Ergebnissen basierend Forderungen an die Kunst, hier im Speziellen an den Film, die sich daraus für ihn ergeben.
2 vgl. dazu: Zur Aktualität Walter Benjamins, S.182
5
2. Hauptteil: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
2.1 Entstehungsgeschichte der technischen Reproduzierbarkeit
In einem seiner bekanntesten Werke, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, zeigt Benjamin zu Beginn die historischen Veränderungen in der Reproduktion auf, die in der Schaffung des Film ihren Höhepunkt finden. Seit es Kunstwerke gibt ist es möglich, diese zu vervielfältigen, denn alles was der Mensch geschaffen hat, kann von Menschenhand nachgebildet werden. Neueren Datums als die manuelle ist nun die technische Reproduktion, die sich im Verlauf der Geschichte entwickelt u nd durchsetzt. Pioniere in der massenweisen Herstellung waren die Griechen, welche nur zwei Verfahren kannten. Mit Hilfe der Präge- und Gußverfahren war es ihnen möglich, Vasen, Münzen, etc. in großen Mengen zu produzieren. Mit allen anderen Kunstwerke war dies noch nicht möglich. Für graphische Abbildungen ändert sich das ab dem 7. Jahrhundert mit der Erfindung des Holzschnitts und im Mittelalter mit der Radierung und dem Kupferstich. Die Möglichkeiten des Drucks, der eine Reproduktion der Schrift erlaubte, führten zu weitreichenden Umwälzungen im literarischen Bereich.
Anfang des 19. Jahrhunderts „erreicht die Reproduktionstechnik eine grundsätzlich neue Stufe“ 3 durch die Einführung der Lithographie, einem Steindruckverfahren, das es ermöglichte, auf bisher unbekannte Weise den Alltag zu illustrieren, Graphiken zu vervielfältigen und sie einer täglichen Neugestaltung zu unterziehen. Benjamin sieht in der Lithographie die heutige Illustrierte verborgen. Bald darauf kommt die Photographie auf, die eine neue Epoche auf dem Gebiet der technischen Reproduktion einläutet. Ihre Auswirkungen, besonders auf die herkömmlichen Künste war enorm. So versteht Benjamin die Erfindung der Photographie als eine rasante Beschleunigung des Prozesses der bildlichen Reproduktion, da die künstlerische Rolle der Hand nun von der des Auges abgelöst wird. Das Auge hat die Fähigkeit, bedeutend schneller etwas zu erfassen als die Hand dies zeichnen kann. Wie man am Beispiel der Reihenphotographien, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von E. Muybridge, O. Anschütz und anderen
3 Benjamin, Walter: Das Kunstwerk..., S.12
6
produziert wurden, oder am Daumenkino sehen kann, haben die Menschen mit Beginn der Photographie auch auf die Bewegtheit der Bilder hingewirkt und experimentiert. Somit hat sich der Film aus der Photographie entwickelt, die als eine Vorstufe des Films zu verstehen ist.
Mit der technischen Reproduktion des Tons am Ende des vorherigen Jahrhunderts waren somit alle Grundvoraussetzungen für die Entwicklung des Tonfilms geschaffen.
Der Stand der Technologie war nun einerseits soweit, alle bisherigen Kunstwerke abbilden zu können, andererseits bildete die Reproduktionstechnik um die Jahrhundertwende mit dem Film ihre eigene Kunstform aus: die Filmkunst. Diese entwickelte sich aus dem Umstand, daß:
Das reproduzierte Kunstwerk [...] in immer steigendem Maße die Reproduktion eines auf Reproduzierbarkeit angelegten Kunstwerkes [ist]. 4
Ein weiteres Beispiel dafür ist der Film, der die Reproduktion impliziert und ohne sie nicht überlebensfähig wäre. Benjamin führt hier den Gesichtspunkt der Kostenrentabilität ein. Die Filmproduktion ist teuer, schon 1927 mußte ein größerer Film neun Millionen Zuschauer ins Kino locken, um sich zu finanzieren. 5
4 Benjamin, Walter: Das Kunstwerk..., S. 21
5 vgl dazu: Benjamin, Walter: Das Kunstwerk..., S.53
Quote paper:
Kerstin Tille, 1998, Über den Aufsatz von Walter Benjamin: "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit", Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Über Walter Benjamin: "Der Erzähler"
German Studies - Modern German Literature
Presentation (Elaboration), 14 Pages
Mehr als nur ein Augenblick. Walter Benjamin: Die kleine Geschichte de...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Mediale Wahrnehmung bei Walter Benjamin
Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
Termpaper, 15 Pages
Bild-Anthropologie - Entwürfe für eine Bildwissenschaft von Hans Belt...
Grundgedanken des 3. Kapitels ...
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Termpaper, 11 Pages
Zu: Walter Benjamin, das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Rep...
Philosophy - Philosophy of the Present
Termpaper, 15 Pages
Die Kritik der Kulturindustrie von Adorno und Horkheimer: Eine Analyse...
Termpaper, 20 Pages
Being Male - Straight or Queer: Zur Konstruktion von Männlichkeit in F...
Thesis (M.A.), 91 Pages
Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur, Herbert Marcuse: Triebstru...
Communications - Media History
Termpaper, 22 Pages
Die Idee des Schönen und der Eros. Zu Platons Ästhetik
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Über den Aufsatz von Walter Benjamin: "Das Kunstwerk im Zeitalter...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 13 Pages
Internationalisierung am Beispiel einer Unternehmung
Business economics - Miscellaneous
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Zur Aktualität von Günther Anders 'Die Welt als Phantom und Matriz...
Communications - Movies and Television
Termpaper, 21 Pages
Molière, Le Misanthrope: Die Frauenfiguren
Romance Languages - French Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 15 Pages
Das Ideal des Schönen in der Kunst bei Hegel
Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Scholary Paper (Seminar), 24 Pages
Kerstin Tille's text Über den Aufsatz von Walter Benjamin: "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" is now available as a printed book
Kerstin Tille has published the text Über den Aufsatz von Walter Benjamin: "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit"
Kerstin Tille has uploaded a new text
Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
Mit weiteren Materialien
Walter Benjamin, Detlev Schöttker
Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
Drei Studien zur Kunstsoziolog...
Walter Benjamin
Das Leben im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
Massimo De Carolis, Federica Romanini, René Scheu
Walter Benjamin: Selected Writings, Volume 4, 1938-1940
Walter Benjamin, Howard Eiland, Michael W. Jennings
Walter Benjamin: Selected Writings, Volume 1: 1913-1926
Walter Benjamin, Marcus Bullock, Michael William Jennings
Origen de la Dialectica Negativa: Theodor W. Adorno, Walter Benjamin y...
Susan Buck-Morss, Nora Rabotnikof Maskivker
0 comments