Im Jahre 1984 machte Brilon auf die Vorteile von Kreisverkehrsplätzen aufmerksam, jedoch spielten sie in Deutschland als Knotenpunktform noch keine Rolle. Berechnungsmethoden und Untersuchungen für deutsche Kreisverkehrsplätzen gab es noch nicht oder befanden sich gerade erst in den Anfängen.
Sucht man heute im Internet unter dem Begriff „Kreisverkehrsplätze/ -anlagen“, wird eine sehr große Anzahl an Treffern angezeigt. Der Neu-/Umbau von/zu Kreisverkehrsplätzen hat demnach in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Erftkreis, der im Jahr 2002 bereits 111 KVP hatte.
Vor dem oben beschriebenen Hintergrund baute die Stadt Hagen im Jahre 1990 ihren ersten Kreisverkehrsplatz, der zudem mit einer Lichtsignalanlage ausgerüstet wurde. Dies geschah durch den Umbau einer Kreuzung an einem Hauptknotenpunkt. Anlass für den Umbau war die geplante Ansiedlung von Industrie im direkten Umfeld der Kreuzung. Dem motorisierten Verkehr sollte hierdurch die Möglichkeit gegeben werden, aus jeder Richtung kommend, die anliegenden Unternehmen zu erreichen. Dieses war bis dahin nur durch das Wenden an den Linksabbiegerspuren möglich.
Eine Vielzahl von Zeitungsartikel belegen, dass dieser Kreisverkehr von verschiedenen Interessengruppen bis heute nicht akzeptiert wird.
Das Ziel der Arbeit ist es, die Diskrepanz zwischen den allgemeinen Erwartungen und der Realität des Kreisverkehrs in Hagen-Vorhalle zu untersuchen. Abgeleitet aus diesem Vergleich werden Vorschläge zur Optimierung der Kreisverkehrsanlage gemacht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielstellung
2 Kennzeichnung und Abgrenzung des Begriffes „Kreisverkehr“
2.1 Knotenpunktformen
2.2 Kennzeichnung/Abgrenzung des Kreisverkehrs
3 Allgemeine Erwartungen an den Kreisverkehr
3.1 Verkehrssicherheit
3.1.1 Kleine KVP
3.1.2 Große KVP ohne LSA
3.1.3 Große KVP mit LSA
3.2 Leistungsfähigkeit
3.2.1 Allgemeine Leistungsfähigkeit
3.2.2 Beeinflussung der Leistungsfähigkeit
3.3 Umweltbelastungen
3.4 Wirtschaftlichkeit
4 Differenzierung/ Typisierung von Kreisverkehrsplätzen
5 Die Kreisverkehrsanlage in Hagen-Vorhalle
5.1 Darstellung der momentanen Situation
5.1.1 Verkehrstechnische/ bauliche Ausführung
5.1.2 Konfliktpotentiale für den Nutzer
5.1.3 Wirtschaftliche Auswirkungen
5.2 Optimierungsmöglichkeiten
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen den theoretischen Erwartungen an Kreisverkehrsplätze (KVP) und der praktischen Realität am Beispiel der Kreisverkehrsanlage in Hagen-Vorhalle, um daraus konkrete Optimierungsvorschläge abzuleiten.
- Vergleich der allgemeinen Erwartungen an KVP (Sicherheit, Leistungsfähigkeit, Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit) mit der Ist-Situation in Hagen-Vorhalle.
- Analyse verkehrstechnischer und baulicher Defizite am Standort Hagen-Vorhalle.
- Untersuchung von Konfliktpotentialen und deren Auswirkungen auf die Unfallrate und Verkehrssicherheit.
- Bewertung der ökonomischen Konsequenzen durch Zeitverluste und Unfallkosten.
- Entwicklung von Maßnahmen zur baulichen und verkehrstechnischen Optimierung der Anlage.
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Verkehrstechnische/bauliche Ausführung
Die Knotenpunktarme sind die Verbindungen zur Stadt Wetter (Zufahrt 2/Ausfahrt 1), zur Stadt Herdecke (Zufahrt 3/Ausfahrt 6) und der Stadt Hagen (Zufahrt 4/Ausfahrt 5). Stromaufwärts der Zufahrten 2 und 4 ist jeweils eine LSA in etwa 300 m Entfernung. Die LSA haben natürlich einen Einfluss auf die Kapazität des KVP. Der Verkehr aus dem Kreis kann hierdurch nicht zügig abfließen. Zu Hauptverkehrszeiten bildet sich ein Rückstau, der trotz guter Regelung nicht zu vermeiden ist. Stromaufwärts der Zufahrt 3 ist eine LSA in etwa 1000 m Entfernung. Sie hat daher keinen Einfluss auf die Kapazität.
Verkehrssteuerung durch LSA: Der KVP hat eine verkehrsabhängig gesteuerte LSA. Die Signalsteuerung erfolgt mit der "Turbinen"-Lösung, d.h., während Fz aus einer Zufahrt räumen, können Fz der dahinter liegenden Zufahrten bereits einfahren. Hierdurch können die Leistungsfähigkeit erhöht und damit die Wartezeiten verringert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in die Thematik: Einleitung in die Bedeutung von KVP in Deutschland und Vorstellung der Ausgangslage in Hagen-Vorhalle.
2 Kennzeichnung und Abgrenzung des Begriffes „Kreisverkehr“: Definition des Kreisverkehrs als spezielle Form eines plangleichen Knotenpunkts und Abgrenzung zu herkömmlichen Kreuzungen.
3 Allgemeine Erwartungen an den Kreisverkehr: Darstellung der Anforderungen an KVP hinsichtlich Sicherheit, Leistungsfähigkeit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit.
4 Differenzierung/ Typisierung von Kreisverkehrsplätzen: Einteilung von KVP in vier Kategorien basierend auf dem Aussendurchmesser und deren jeweilige Merkmale.
5 Die Kreisverkehrsanlage in Hagen-Vorhalle: Detaillierte Analyse der baulichen Situation, der Nutzerkonflikte und der ökonomischen Bilanz des konkreten Standorts sowie Ableitung von Optimierungsmöglichkeiten.
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse mit dem Fazit, dass Fehlplanungen volkswirtschaftliche Schäden verursachen und bei großen KVP Machbarkeitsstudien vorab essenziell sind.
Schlüsselwörter
Kreisverkehrsanlage, KVP, Verkehrssicherheit, Knotenpunkt, Verkehrsplanung, Leistungsfähigkeit, Unfallanalyse, Hagen-Vorhalle, Lichtsignalanlage, LSA, Wirtschaftlichkeit, Verkehrsfluss, Infrastruktur, Stadtplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Diskrepanz zwischen den theoretischen Vorteilen von Kreisverkehrsplätzen und den realen, problematischen Erfahrungen mit einer spezifischen Anlage in Hagen-Vorhalle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Verkehrssicherheit, die Leistungsfähigkeit von Kreisverkehren, ökologische Aspekte durch Verkehrsflussoptimierung sowie die volkswirtschaftliche Betrachtung der Betriebskosten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, basierend auf einer kritischen Untersuchung des Knotenpunkts in Hagen-Vorhalle, konkrete Vorschläge zur baulichen und verkehrstechnischen Optimierung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zu Entwurfs- und Gestaltungsprinzipien in Kombination mit einer empirischen Auswertung von Unfalldaten und Betriebskosten der Stadt Hagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die allgemeinen Anforderungen an KVP definiert, anschließend erfolgt eine tiefgehende Bestandsaufnahme des KVP in Hagen-Vorhalle und der darauf basierende Optimierungskatalog.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Kreisverkehrsanlage, Verkehrssicherheit, Unfallanalyse, Hagen-Vorhalle, Lichtsignalanlage (LSA) und Verkehrsplanung.
Warum schneidet der KVP in Hagen-Vorhalle laut Autor schlechter ab als erwartet?
Der Autor führt dies auf eine Missachtung gestalterischer Grundprinzipien, die Kompaktheit der Anlage und eine verwirrende Fahrbahnmarkierung zurück, die insbesondere Auswärtige überfordert.
Welche konkreten Optimierungen schlägt der Autor für den Bereich ÖPNV vor?
Der Autor schlägt vor, dass Busse die frei gewordenen Rechtsabbiegerspuren nutzen und durch Bussignale bevorrechtigt in den Kreis einfahren können, um Konfliktpunkte zu reduzieren.
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- Dipl.-Wirtsch.-Ing.(FH) Jürgen Dute (Author), 2004, Kreisverkehrsanlage in Hagen-Vorhalle: Vorschläge zur Optimierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23573