Inhaltsangabe
1. Einleitung 2
2. „Männliches“ und „weibliches“ Denken 3
2.1 „doing gender 3
2.2 „being gender 4
3. Geschlechtsspezifische Vorlieben für TV-Inhalte 5
3.1 Frauen/Mädchen mögen Emotionen 5
3.2 Männer/Jungen mögen Action 8
3.3 Zwischenfazit 10
4. Geschlechtsspezifische Gewaltrezeption 11
4.1 Was ist (Fernseh-) Gewalt? 11
4.2 Angst und Ohnmacht vs. Spannung und Allmacht 12
5. Fazit 15
6. Literaturverzeichnis 17
1
1. Einleitung
In fast 50 % aller deutschen Fernsehsendungen wird zumindest einmal Gewalt oder Bedrohung in irgend einer Form thematisiert (vgl. GROEBEL 1993: 62). Es gibt unzählbare Untersuchungen (weit über 5000) zum Thema „Nutzung und Wirkung von medialer Gewalt“. Die Wissenschaft hat bereits einiges untersucht: Die Rezeptionsunterschiede zwischen West und Ost, Jungen und Alten, Kabel-Sehern und Nicht-Kabel-Sehern, usw. Im Vergleich dazu gibt es aber nur wenige Untersuchungen über den Unterschied der Gewaltrezeption von Männern und Frauen, bzw. Jungen und Mädchen.
In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit eben diesem Thema. In Bezugnahme auf relevante Ergebnisse dreier von mir ausgewählten Untersuc hungen 1 versuche ich hauptsächlich die folgenden Fragen zu beantworten: Wie wird Gewalt im Fernsehen von Frauen und Männern (Mädchen und Jungen) wahrgenommen? Welche Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschlechtern? Gibt es typisch weibliche und typisch männliche Reaktionen? In diesem Zusammenhang lehne ich zudem die Ansicht von einer monokausalen, linearen Wirkung von Fernsehgewalt ab. Ich nehme grundsätzlich an, dass Fernsehgewalt keine Wirkungen verursacht, sondern schon vorhandene Gefühle, Einstellungen und Verhaltensweisen mobilisiert (vgl. RÖSER 1995: 2). Im Folgenden werde ich mich kurz mit dem Thema Geschlechterkonstruktion und den verschiedenartigen Denkweisen von Männer und Frauen befassen (Kap. 2), um dann daran anknüpfend die unterschiedliche n Genrevorlieben der beiden Geschlechter zu beleuchten (Kap. 3). Im vierten Kapitel der Arbeit zielt mein Interesse auf einige Ergebnisse der ausgewählten Studien, im Besonderen auf die geschlechtstypische Wahrnehmung von TV-Gewalt. Im Fazit (Kap. 5) werde ich die meine Aufzeichnungen zusammenfassen und einen Ausblick geben auf mögliche Änderungen des Fernsehprogramms zugunsten von Frauen.
1 Renate LUCA (1993): Zwischen Ohnmacht und Allmacht. Unterschiede im Erleben medialer Gewalt
von Mädchen und Jungen, Jutta RÖSER (1995): Was Frauen und Männer vor dem Bildschirm erleben:
Rezeption von Sexismus und Gewalt im Fernsehen, Helga THEUNERT (1993): „Einsame Wölfe“ und
„schöne Bräute“. Was Mädchen und Jungen in Cartoons finden.
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2. „Männliches“ und „weibliches“ Denken
Dass sich Männer eher für Technik und Frauen eher für Menschen interessieren, hängt mit ihrer Erziehung und Sozialisation zusammen. Die unterschiedlichen Wesensmerkmale haben Männer und Frauen aber nicht nur ihrer Sozialisation, sondern zum Teil auch ihren Erbanlagen zu verdanken. Im Folgenden werde ich kurzgefasst zwei Ansätze im wissenschaftlichen Diskurs um das Phänomen der Geschlechtsspezifität darstellen.
2.1 „doing gender“
In der sozialwissenschaftlichen Forschung besteht vorrangig die Meinung, dass die Verortung in das gesellschaftliche System der Zweigeschlechtlichkeit mit einem Prozess der Aneignung verbunden ist. „Geschlecht als Konstrukt meint, dass Personen aufgrund ihres Geschlechts typisiert werden und sich selbst in ihrem Selbstkonzept und ihrem Handeln daran orientieren. Wir sprechen von ‚doing gender’“ (LUCA 2003: 41).
Unsere Gesellschaft ist durchzogen mit den unterschiedlichsten Werten, Normen und Regeln, wie der Mann oder die Frau zu sein habe und sich verhalten sollte. „Unsere Kultur konstruiert ‚Weiblichkeit’ und ‚Männlichkeit’ als binäre Opposition“ ( MÜHLEN ACHS 1996: 4). Wir erwarten z.B., dass Frauen Eigenschaften wie Empathie und Emotionalität oder aber technisches Unverständnis besitzen. Männern dagegen unterstellen wir, sie seien emotional unempfindlicher als Frauen aber technisch begabt. Diese Eigenschaften würden in unserer Kultur sozialisatorisch mit dem biologischen Geschlecht in ein und denselben Zusammenhang gebracht und erschienen uns als ursprünglich gegeben (vgl. ebd.). MÜHLEN ACHS spricht hierbei vom „Mythos Geschlecht“ als ein System von Werten und nicht von Fakten. Dieser Mythos löse sich auf, wenn seine gesellschaftliche Bedeutung durchbrochen werde (ebd.).
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2.2 „being gender“ 2
Einen etwas anderen Ansatz vertritt der britische Psychologe Simon BARON-COHEN (2003). Die Vorstellung, dass geschlechtsspezifische Unterschiede rein kulturell bedingt sind, erscheint ihm „als zu grobe Vereinfachung“ (BARON-COHEN 2004: 24). Nach den Ergebnissen von seinen Untersuchungen unterscheidet er zwei Gehirntypen mit unterschiedlichen Arbeitsstilen, von denen der eine häufiger bei Frauen, der andere überwiegend bei Männern anzutreffen ist: „Das weibliche Gehirn ist so ‚verdrahtet’, dass es überwiegend auf Empathie ausgerichtet ist. Das männliche Gehirn ist so ‚verdrahtet’, dass es überwiegend auf das Begreifen und den Aufbau von Systemen ausgerichtet ist“ (ebd.: 11). Menschen, bei denen sowohl Systematisierungs- als auch Einfühlungsvermögen gleich stark ausgebildet sind, besitzen nach BARON-COHEN einen ausgewogenen Gehirntyp. BARON-COHEN spricht dabei nicht von Individuen, sondern vom Durchschnitt. „Das Geschlecht entscheidet nicht automatisch über den Gehirntyp“ (ebd.: 20). Wenn beide Gruppen verglichen würden, werde man geschlechtsspezifische Unterschiede bei typischen Verhaltensmustern und Fähigkeiten finden (vgl. ebd.: 17f). Gleichwohl ist Baron-Cohen davon überzeugt, dass geschlechtsspezifische Unterschiede nicht nur durch die Biologie verursacht werden. Eine Mischung aus biologischen und sozialisatorischen Faktoren sei anzunehmen (vgl. ebd.: 24).
Ich denke, dass eine Darstellung der Unterschiede zwischen einer eher männlichen und eher weibliche Denkart dazu dienen kann, die Vorlieben der Geschlechter für TV-Inhalte ein Stück weit aufzuschlüsseln und besser zu verstehen. Dabei ist es unwesentlich, ob diese Unterschiede durch sozialisatorische oder biologische Einflüsse entstehen.
Es ist davon auszugehen, dass sich die Präferenzen für TV-Inhalte von Männern und Frauen, bzw. Jungen und Mädchen weitestgehend mit ihren grundlegenden Denkarten decken werden. „Die Unterschiedlichen Themen, die charakteristisch für die Auswahl der Lektüre und der Hobbys von Personen mit unterschiedlichem Hirntyp sind, bestimmen im Allgemeinen auch, für welches Fernsehprogramm sie sich entscheiden“ ( BARON-COHEN 2004: 27). Dies werde ich im folgenden Kapitel darstellen.
2 Der Begriff „being gender“ ist ein Ausdruck, den ich in Analogie zu dem gebräuchlichen Ausdruck
„doing gender“ selbst konstruiert habe.
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Arbeit zitieren:
Janine Tuma, 2004, Geschlechtsspezifische Rezeption von Mediengewalt, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Die Bedeutung nicht monetärer Faktoren im Knowledge-Management
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 106 Seiten
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